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AKTUELL-Archiv
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Hier finden Sie die früher erschienenen AKTUELL-Beiträge.
Die Selbstsucht und das Erd-Innere
eine Warnung aus Island
Ein IWF-Kredit von 1,5 Milliarden Euro sollte dem im November 2008 vor dem Staatsbankrott stehenden Island aus dem Schlimmsten heraushelfen. Die Hälfte der Summe blieb aber eingefroren, gewissermaßen als Pfand, da in Großbritannien und den Niederlanden insgesamt rund 4 Milliarden Dollar für die Verluste von Kunden der isländischen Bank Icesave gefordert werden.
Am 7. März 2010 lehnte das isländische Volk die Staastszahlung dieser Kreditforderungen an Großbritannien und Holland einmütig ab. Am 12. April 2010 wurde der Bericht eines Parlamentsauschusses zur isländischen Bankenkrise vorgelegt. Dieser zeigt, dass auch isländische Politiker eine hohe Mitschuld am Kollaps trifft. Am Mittwoch, dem 14. April, 2010 kam es zu einem größeren Ausbruch des Vulkans Eyjafialla auf Island. Zwei Tage später setzte die Lahmlegung des gesamten Flugverkehrs über Europa ein.
Der in dieser Stärke unvorhergesehene Ausbruch des Vulkans wirkt wie ein gigantischer Natur-Kommentar zu den scheinbar nur «materiellen» Angelegenheiten auf der Erdoberfläche.
Alles materielle Geschehen ist aus geisteswissenschaftlicher Sicht Ausdruck von seelisch-geistigen Tatsachen. Erdbeben und Vulkanausbrüche zeigen Vorgänge in der sechsten Erdschicht, der sogenannten «Feuererde» an. Diese Erdschicht ist das Heim von allen möglichen Leidenschaften. Es kann «der Fall eintreten,» sagte Rudolf Steiner 1906 (GA 95) «dass die substantielle Leidenschaft der Feuer-Erde rebellisch wird. Durch die Leidenschaften der Menschen angeregt, dringt sie durch die Frucht-Erde» die fünfte Erdschicht «hindurch, zwängt sich dann durch die Kanäle in die oberen Schichten und fließt sogar in die feste Erde hinein, erschüttert diese und bewirkt ein Erdbeben. Stößt die Leidenschaft der Feuerschicht innere Erdensubstanz aus, dann entsteht ein Vulkan (...) Heute sind die Schichten dichter und fester geworden, aber noch immer stehen die menschlichen Leidenschaften mit der Leidenschaftsschicht der inneren Erde im Zusammenhang; immer noch bewirkt eine Ansammlung böser Leidenschaften und Kräfte Erdbeben und Vulkanausbrüche.»
Es ist nahe liegend, den Ausbruch des isländischen Vulkans einmal mit der ins schier Unbegrenzte gesteigerten Geldgier von Finanzinstituten* und Spekulanten (inklusivste Kleinstanleger) in einen inneren Zusammenhang zu bringen. Von allen Leidenschaften ist Geldgier wohl die allermaterialistischste: Sie sorgt am Gründlichsten für die Illusion, dass es in der Wirklichkeit nur auf die Materie oder ihr berechenbarstes Äquivalent das Geld ankommt, nicht auf Geistiges, das man den Religionen und den «Idealisten» überlässt.
Auch Geld ist Ausdruck von Geist. Es kommt aber darauf an, dass der Geist des Geldes von Alters als «Mammon» bezeichnet von Menschen geordnet und gelenkt wird. Sonst wird der Mensch vom «Mammon» beherrscht. Und ebendies zeigen die jüngsten internationalen Finanzkatastrophen.
Der weltbekannte Ökonom und Autor Joseph E. Stiglitz sprach vom Ende des herkömmlichen Wirtschaftssystems und sagte, «dass die Lehre der effizienten Märkte falsch ist»**. Eine wirklich neue Lehre hat er jedoch nicht zu bieten.
Das bisherige Geld- und Wirtschafssystem baut in einseitiger Weise auf den menschlichen Egoismus, welcher gewissen Vorgängen in der sechsten Erdschicht entspricht. Das absurde Boni-System ist nur ein besonders Hohn sprechendes Beispiel davon.
Rudolf Steiner zeigte schon vor hundert Jahren, dass ein neues Geldwesen, das Spekulationen von selbst verhindert, nicht nur möglich, sondern notwendig ist, soll die Menschheit am Ende des 20. Jahrhunderts nicht am «Grabe der Zivilisation» stehen.***
An diesem Grabe stehen wir heute.
Wie viele internationale Finanz-, Kriegs- und Naturkatastrophen wird es noch brauchen, bis die Einsicht sich ebenso wirksam verbreitet wie die isländische Aschewolke, dass aus diesem Grabe nur mit neuen Gedanken herauszukommen ist?
* Die drei größten Banken Islands beispielsweise Kaupthing, Landsbanki und Glitnir waren in sieben Jahren vor ihrem Zusammenbruch um das Zwanzigfache gewachsen.
** Interview in der Sonntags-Zeitung vom 18.April 2010
*** Siehe u.a. die Beiträge von A. Caspar und A. Flörsheimer in der Zeitschrift Der Europäer.
Die Reinkarnationsvorstellung im Gang der Menschheitsentwicklung
Die spirituelle Bedeutung der Jahre 1860 vor und nach Christus
Nach der Publikation meines Buches Rudolf Steiners «eigenste Mission» ergaben sich eine Reihe von kleinen, aber wichtigen Entdeckungen und Ergänzungen zu dessen Kernthema. Die bedeutendste betrifft das
Verschwinden der Reinkarnationsvorstellung aus dem Vollbewusstsein der Menschheit im Jahre 1860 v. Chr., worauf Rudolf Steiner am 6. Februar 1920 in wohl einzigartiger Weise aufmerksam machte. Durch die für diesen Bewusstseinswandel ungewöhnlich genau angegebene Jahresangabe 1860 v. Chr. werden wir in die ägyptische Zeit der 12. Dynastie zurückversetzt. Es ist die Zeit, in der unter anderem Sesostris III. eine relativ lange dauernde Regentschaft innehatte.
Bei einem Besuch im Gulbenkian-Museum von Lissabon in der Adventszeit kam ich als Erstes ganz unerwartet vor eine 1922 gefundene Porträtbüste dieses Pharao zu stehen. Sie zeigt ein ernstes und zugleich erstaunlich individualisiertes Antlitz. Etwas von dem in der Menschheitsgeschichte ganz jungen Persönlichwerden des Menschen strahlt in edler Weise von ihm aus. Gerade dieses Werden der Persönlichkeit ist es ja, für welches die Vorstellung der Reinkarnation im Laufe der Entwicklungsgeschichte der Menschheit für eine Weile in weniger bewusste Seelenschichten hinabgetaucht werden musste.
Ein Blick auf die mutmaßliche Datierung der Sesostris-Büste ergab: «zirka 1860 v. Chr.» das Jahr, in welchem Rudolf Steiner in nachchristlicher Zeit als der wegweisende Erneuerer des verloren gegangenen Reinkarnationsbewusstseins vor 150 Jahren seinen eigenen Inkarnationsprozess durchmachte.1 Ich nehme dies zum Anlass, im Folgenden das diesen Bewusstseinswandel berührende Vorwort zur Neuauflage meiner kleinen Schrift hier abzudrucken.
Thomas Meyer
Rudolf Steiners «eigenste Mission» im weltgeschichtlichen Kontext
Wie westliche Finanzeliten dem Dritten Reich den Weg bereiteten
Guido Giacomo Preparata, ein in Boston geborener Italiener und in den USA, Frankreich und Italien aufgewachsen, war bis 2008 Assistenzprofessor für Volkswirtschaft an der Universität von Tacoma (Bundesstaat Washington) und hat im Jahr 2005 ein außerordentlich wichtiges Buch mit dem Titel Conjuring Hitler How Britain and America made the Third Reich veröffentlicht. Er beleuchtet darin die Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus einem anderen als dem üblichen Blickwinkel und zeigt, wie die Politik Großbritanniens und der USA von Anfang an darauf ausgerichtet war, Deutschland als mögliches Hindernis gegenüber westlichen Herrschaftsbestrebungen auszuschalten. Mitteleuropa sollte keine unabhängige und eigenständige Rolle spielen dürfen, sondern dem Westen einverleibt werden. Unter allen Umständen wollten die westlichen Eliten verhindern, dass es zu einer Annäherung Deutschlands und Russlands käme, weil das ihren Zielen der Beherrschung des eurasischen Kontinents diametral entgegengesetzt gewesen wäre. Preparata greift auch die Forschungen Antony Suttons auf, dessen verdienstvolle Publikation Wall Street und der Aufstieg Hitlers Ende 2008 im Perseus Verlag erstmals auf Deutsch erschienen ist, rund 33 Jahre nach der englischen Originalausgabe 1976. Während sich Sutton in seiner Untersuchung jedoch auf die Zeit ab etwa Mitte der Zwanziger Jahre beschränkt, setzt Preparata schon bei der Jahrhundertwende um 1900 ein. Bisher ist das Buch nur auf Englisch erhältlich, doch wird der Perseus Verlag noch im Jahr 2009 eine deutsche Ausgabe veröffentlichen, der möglichst viele Leser zu wünschen sind.
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Mondlandung Wahrheit oder Lüge?
Aus Anlass der Artikelschwemme zum 40jährigen Jubiläum der ersten Mondlandung bringen wir ein Kurzinterview mit Gerhard Wisnewski. Von ihm liegt bereits ein Buch zum Thema, Lügen im Weltraum (Knaur), vor. Und demnächst erscheint seine DVD Die Mond(f)lüge Warum Menschen niemals auf dem Mond landeten (Kopp Media).
Thomas Meyer
TM: Herr Wisnewski, 40 Jahre nach der ersten Mondlandung ist die Presse von Artikeln zu dieser Grosstat überschwemmt worden, kaum einer davon stellte wirkliche Fragen. Was sagen Sie als Autor des Buches Lügen im Weltraum, der neuen DVD Die Mond(f)lüge und Koautor des Fernsehfilms «Die Akte Apollo» zu dieser Artikelschwemme?
GW: Jeder Mythos muß gewartet werden, wie ein altes Auto. Das gilt für die Mondlandung genauso wie für das Kennedy-Attentat und den angeblich islamischen Angriff auf das World Trade Center. Dafür werden TV-«Dokumentationen» ebenso produziert wie Zeitungs- und Magazinartikel, Radiosendungen oder sogar Spielfilme, siehe Pearl Harbor 2001. Der Mythos der angeblichen bemannten Mondlandung wird ebenfalls gewartet. Ein Jahrestag wie das 40jährige Jubiläum eignet sich natürlich besonders für eine derartige Wartungsoperation.
TM: Was ist Ihr eigenes Fazit, zum Beispiel in Ihrer neuen DVD Die Mond(f)lüge?
GW: Dass niemals Menschen auf dem Mond landeten. Es gibt etwa ein halbes bis ein Dutzend Argumente, von denen jedes einzelne reicht, um die Mondlandung auszuhebeln. Zum Beispiel die viel zu große Sonne auf den Mondfotos, die extreme radioaktive Strahlung rund um die Erde, aber auch im All, den fehlenden Staub auf den Landefüßen der Mondfähre. Da diese laut Funkverkehr in einer Staubwolke landete, ist es natürlich unmöglich, dass anschließend kein Staub auf den Landefüßen zu liegen kam. Oder haben die Astronauten etwa die Landefüße erst mal abgewedelt? Zusätzlich gibt es noch etwa 100 bis 200 weichere Argumente, zum Beispiel die verblüffenden fotografischen Künste der Astronauten, ihre verdächtig erdähnlichen Schritte und anderes mehr.
TM: Sind seit der Veröffentlichung Ihres Buches neue Erkenntnisse aufgetaucht? Durch Sie selbst oder durch andere Leute?
GW: Es tauchen ständig neue Argumente auf. Die Leute wurden durch meine Werke erst richtig angeregt, sich selbst mal durch die NASA-Fotoarchive zu klicken, zum Beispiel auf apolloarchive.com. Und praktisch Jeder hat neue Entdeckungen gemacht. Zum Beispiel liegt auf einem Landefuß der Landefähre von Apollo 15 zwar ebenfalls kein Staub, aber dafür zwei große Fotoabzüge, wie sie in Fotostudios manchmal rumliegen. Die Anwesenheit der Fotoabzüge wird nirgends von der NASA erklärt, obwohl sie natürlich eine Sensation darstellen: Was machen diese Fotos da auf dem Landefuß der Landefähre? Wie können sie in der brutalen Sonnenhitze auf dem Mond unbeschädigt bleiben? Und anderes mehr.
TM: Wie war das Echo auf den Fernsehfilm sowie auf das Buch?
GW: Sehr groß. Und wir bringen ja jetzt auch noch die erwähnte DVD mit dem Titel Die Mond(f)lüge heraus. Meine Projekte zur Mondlandung waren sehr gefährlich für die Landungs-Gläubigen, was man an den erbitterten und diffamierenden Äußerungen mir gegenüber erkennt. Die Gläubigen kämpfen um ihre Mondlandung wie eine Sekte. Und tatsächlich sind sie auch eine Glaubensgemeinschaft, denn ganz wie die Existenz Gottes lassen sich die bemannten Mondlandungen wissenschaftlich nicht beweisen. Alle angebotenen Beweise taugen bei näherem Hinsehen nichts. Es handelt sch daher um eine Glaubenssache.
TM: Gehört das Mondkapitel noch zu ihren Forschungsgegenständen? Glauben Sie darüber noch mehr rausfinden zu können oder zu sollen?
GW: Meine neue DVD ist vorerst das letzte Projekt zu diesem Thema. Wie gesagt: Ich habe jahrelang immer neue Informationen hereinbekommen; man könnte inzwischen eine ganze Enzyklopädie der Mondfälschungen herausgeben. Aber bei mir ist das Thema «ausgeschlichen», wie man so schön sagt. Es gibt noch Tausende von Fälschungen und Mythen, auf die aufmerksam gemacht werden muss.
TM: Wie beurteilen Sie den merkwürdigen Verlust von Originalaufnahmen im Zusammenhang mit der Mondlandung bei der NASA?
GW: Da kann man natürlich nur lachen. Wenn es sich um eine wirkliche Mondlandung gehandelt hätte, hätte man sicher wie ein Luchs auf die Aufnahmen aufgepasst, denn es handelt sich um ein strategisches historisches Erbe der Vereinigten Staaten. An dem "zufälligen Verlust" erkennt man schon die Auflösungserscheinungen im Mondprogramm.
TM: Wie schätzen sie das Verhalten der Mondflieger ein? Einer riet ja dezidiert von weiteren Flügen ab? Weshalb?
GW: Die Mondflieger sind militärische Offiziere, also den Mechanismen von Befehl, Gehorsam und Geheimhaltung unterworfen. Lügen, Mythen und Verdrehungen gehören genauso zum militärischen Arsenal wie Bomben und Granaten. Sie werden also voraussichtlich nie die Wahrheit sagen. Sollte jemand von ihnen von einer «neuen Mondlandung» abraten, kann das nur heißen, daß man eine neue Lüge dieses Formats als zu riskant erachtet. Denn real kann man auch heute aufgrund grundsätzlicher physikalischer Probleme noch nicht bemannt zum Mond fliegen.
TM: Herr Wisnewski, mit welchen Projekten sind Sie gegenwärtig beschäftigt?
GW: Ich schreibe meinen jährlichen Kritischen Jahresrückblick, der im Januar 2010 erscheint. darüberhinaus sitze ich an einem Buch über die Geheimkonferenz der Bilderberger. Vor kurzem erschien mein Buch über den angeblichen Unfall des österreichischen Politikers Jörg Haider: Jörg Haider Unfall, Mord oder Attentat?
Völkerrechtswidrige Konstante in der US-Politik oder die neue Aufgabe von Richard Holbrooke
Der weltweit gefeierte Amtsantritt Barack Obamas als Präsident der USA wird als hoffnungsvolles Zeichen gewertet, die führende Weltmacht werde nunmehr nach den düsteren Jahren unter der Regierung G.W. Bushs ihr verlorenes Ansehen zurückgewinnen und brüskierende einseitige Handlungen durch Kooperation und vertrauensvolle Zusammenarbeit ersetzen. Manche Zeitungsberichte verstiegen sich gar dazu, von einem «Weltpräsidenten» und einer «Lichtgestalt» zu sprechen. Solche Illusionen können nur in Enttäuschungen enden. Die Außenpolitik der USA ist das ganze 20. Jahrhundert hindurch durch einseitig interessengeleitete Machtpolitik gekennzeichnet gewesen, ganz unabhängig davon, ob ein republikanischer oder ein demokratischer Präsident im Amt war. Warum sollte das im 21. Jahrhundert auf einmal anders sein? Nüchtern betrachtet spricht viel mehr dafür, dass nach G.W. Bush nur ein neuer Marketing-Verantwortlicher nötig war, um das ramponierte Image wieder aufzupolieren. Tatsächlich deuten Nominierungen ehemaliger Mitglieder der Administration Clinton auf eine ungebrochene Kontinuität der US-Außenpolitik hin. Das wurde bereits mit Bedauern kommentiert, weil dadurch der angebliche Neubeginn in Washington diskreditiert wird. Schon die Ernennung Hillary Clintons zur Außenministerin zeigt, dass der erbitterte Kampf um die Präsidentschaftskandidatur bei den Demokraten eher in die Kategorie öffentliches Theater einzuordnen war. Am 13. Februar 2009 wurde der frühere Stabschef im Weißen Haus unter Bill Clinton, Leon Panetta, vom Senat als neuer Direktor des Geheimdienstes CIA bestätigt, auch wenn er in diesem Bereich bisher wenig Erfahrung gesammelt hat. Zum Sonderbotschafter für Afghanistan und Pakistan ist der frühere UNO-Botschafter Richard Holbrooke ernannt worden. Das ist alles andere als ein Hoffnungszeichen für diese Weltregion, hat doch Holbrooke schon im ehemaligen Jugoslawien als Vermittler eine unselige Rolle gespielt.
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Wichtige Neuerscheinung:

Thomas Meyer:
Rudolf Steiners «eigenste Mission»
Ursprung und Aktualität der
geisteswissenschaftlichen Karmaforschung
Rudolf Steiners «eigenste Mission» war die geisteswissenschaftliche Erforschung der Tatsachen von Reinkarnation und Karma. Dieses Buch schildert den biographischen und sachlichen Ursprung dieser Mission. Es zeigt die Rolle auf, die Wilhelm Anton Neumann und Karl Julius Schröer dabei spielten, und behandelt die Aufnahme von Steiners Karma-Erkenntnissen durch seine Schüler. Es stellt Steiners «eigenste Mission» in den Kontext der Scheidung der Geister, die sich in der heutigen anthroposophischen Bewegung abspielt. Und es will insbesondere die welthistorische Stellung der Geisteswissenschaft aufzeigen: Rudolf Steiner hat den großen naturwissenschaftlichen Entwicklungsgedanken Darwins auf das Feld der seelisch-geistigen Entwicklung der menschlichen Individualität emporgehoben.
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Zwei wichtige Neuerscheinungen:
  
Antony C. Sutton:
Wall Street und der Aufstieg Hitlers
Erstmals auf deutsch!
Das bahnbrechende Werk von Antony C. Sutton (19252002) untersucht den von der offiziellen Geschichtsschreibung verdrängten Zusammenhang zwischen Wall Street Bankiers und dem Aufstieg Hitlers. Der Perseus Verlag legt hiermit die deutsche Erstausgabe des vor 33 Jahren auf Englisch erschienenen Klassikers des britischen Historikers Wall Street and the Rise of Hitler vor. Sutton ist unseren Lesern u. a. aus den Europäer-Aufsätzen von Andreas Bracher bekannt.
Während die Halbwahrheit, dass der Hitlerismus mit Hilfe der amerikanischen Streitkräfte 1945 besiegt wurde, in alle Köpfe gehämmert wurde, bleibt die andere Hälfte der Wahrheit, dass derselbe Hitlerismus nur mit Hilfe westlicher (britisch-amerikanischer) Kapitalhilfe überhaupt aufgebaut werden konnte, bis heute ein Tabu akademischer Geschichtsschreibung. Die gegenwärtige Schleuderfahrt der Wall Street-Praktiker, die unter dem rein kommerziellen Motto «Geld stinkt nicht», Geschäfte treiben, wo es eben geht, legt es nahe, auch einmal Wall Streets geschäftliche Verbindungen mit dem Dritten Reich ins Auge zu fassen.
Suttons Buch sollte jedoch nicht als Anklage gegen die Wall Street oder gar gegen «Amerika» gelesen werden, sondern als akribischer Nachweis, wohin eine rein wirtschafts-egoistisch ausgerichtete Denkweise letztlich führen muss zu einem Bündnis mit menschheitsfeindlichsten Kräften und ihren Trägern. So könnte es zu einem Erwachen für die Notwendigkeit «höherer Zwecke als die Bereicherung» führen, wie sich der weit blickende Laurence Oliphant einmal ausdrückte.
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Thomas Meyer:
Ludwig Polzer-Hoditz Ein Europäer
Erweiterte Neuauflage!
Ludwig Polzer-Hoditz (18681945) gehörte zu den wichtigsten und selbständigsten Schülern Rudolf Steiners. In Prag geboren, erlebte er den kulturellen Reichtum sowie den Niedergang der Donaumonarchie aus nächster Nähe mit. Durch Rudolf Steiner, dessen Schüler er 1908 wurde, und durch seinen Bruder Arthur, Kabinettschef von Kaiser Karl I., war er aber auch an der ersten Aussaat eines neuen sozialen Aufbauimpulses beteiligt: der Dreigliederung des sozialen Organismus. Zusammen mit seiner Frau Berta bewirtschaftete er das Gut Tannbach b. Linz. Schicksalsmäßig mit der Cäsarenzeit des zweiten Jahrhunderts verbunden, erkannte er das unberechtigte Fortwirken römischer Impulse in der katholischen Kirche. Ein von römischen Tendenzen und westlichen Logenintentionen freies Europa aufzubauen gehörte mehr und mehr zu seinen Herzimpulsen. Im «Testament Peters des Großen» sah er dagegen eine Quintessenz antieuropäischer Machtbestrebungen, die bis heute dominierend wirken. Nach Steiners Tod führte Polzer Gespräche mit Masaryk und Benes, verfasste Memoranden, wirkte als Vortragender und pflegte ungewöhnliche Freundschaften. Besonders verbunden war er Otto Lerchenfeld, Walter Johannes Stein, Ita Wegman, Sophie und Menny Lerchenfeld und Paul Michaelis. 1935 griff er mit einer bedeutenden Rede in den tragischen Gang der Ereignisse innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft ein. Vergeblich: Am Todestag von D.N. Dunlop trat er 1936 aus der AAG aus. Vermehrt arbeitete er nun am Brückenschlag zwischen Mittel- und Osteuropa sowie an einer geistgetragenen Verbindung mit dem Westen. Polzer veröffentlichte 1928 sein Werk Das Mysterium der europäischen Mitte und 1937 seine Erinnerungen an Rudolf Steiner. 1942 entstand ein noch unveröffentlichtes karmisches Drama um Kronprinz Rudolf.
Ludwig Polzer-Hoditz starb am 13. Oktober 1945 in Wien.
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Nietzsche und Nabokov
und ihre dionysischen Wurzeln
Anatoly Livry, Paris
Die Grundstruktur eines zeitgemäßen Geldwesens
und die geistigen und psychologischen Hindernisse, die deren Verwirklichung noch entgegenstehen
Von besonderer Aktualität an W.J. Steins Vortrag ist die Art und Weise, wie von ihm gezeigt wird, dass heute im Wirtschafts- und Finanzwesen noch nicht in rationaler Weise mit dem Abbau gerechnet wird und weshalb dieser notwendig ist. Dazu sollen im Folgenden einige grundsätzliche und weiterführende Gesichtspunkte hinzugefügt werden Fast überall wird im heutigen Wirtschafts- und Finanzwesen einseitig lediglich Wachstum angestrebt. Den Abbau überlässt man periodisch eintretenden Wirtschafts- und Finanzkatastrophen. In früheren Epochen konnte zum Beispiel durch Eroberung fremder Länder und damit verbundener Erschliessung neuer Absatzmärkte der notwendige Verbrauch überschüssiger Wirtschaftsleistungen noch geregelt werden. Im heutigen Zeitalter der Weltwirtschaft muss der notwendige Abbau innerhalb des Wirtschaftlebens selbst besorgt werden, beziehungsweise das erwirtschaftete Kapital muss kontinuierlich seinem bedarfsbezogenen Verbrauch zugeführt werden. Andernfalls tritt dieser notwendige Abbauprozess in chaotischer, ungewollter und unkontrollierter Weise auf, als «Crash» oder «Inflation» oder in anderen Erscheinungsformen. Die heutige Situation ist ein Extrembeispiel.
Rudolf Steiner hat aus der Erkenntnis, dass alles Wirtschaftsleben sich in der Polarität von Produktion und Konsumption bewegt, auch dem Geld den entsprechenden Charakter zu geben versucht: Es soll an die Urproduktion gebunden geschöpft1, aber nach festzusetzender Frist auch wieder in seinem Wert zerfallen, respektive in neuer Art in Zirkulation gebracht werden. Den Banknoten würde ein Verfallstermin (wie auf gewissen Nahrungsmitteln) aufgeprägt sein. Steiner unterscheidet entsprechend der Funktion, die dem Geld im Laufe seiner Zirkulation zukommen kann drei Geldarten: Kaufgeld, Leihgeld und Schenkungsgeld. Junges Geld, das noch eine verhältnismäßig lange Lebensdauer vor sich hat, noch die höchste Verwertungskraft besitzt, eignet sich am besten als Leihgeld zum Aufbau längerfristiger Unternehmungen. Älteres Geld, das sich schon seinem «Verfallsdatum» nähert, kann beispielsweise noch als Schenkungsgeld Verwendung finden. Es wird für denjenigen, der es hat, wertlos, weil er es im Moment gar nicht mehr verwerten kann. Für denjenigen, der auf Schenkungsgeld angewiesen ist, es dann geschenkt erhält und es unmittelbar verwerten kann, stellt es hingegen wiederum Kaufgeld dar in der Höhe seines ursprünglichen Wertes. Grundsätzlich gilt, dass das Geld gewissermaßen parallel zu Konsum oder Verbrauch der gekauften Ware entsprechend entwertet wird, verschwindet.2
Dieser Grundgedanke einer Schöpfung und «Konsumierung» des Geldwertes ist heute dringender notwendig denn je. Stattdessen wird überall einseitig nur die ganz unmögliche möglichst «ewige» Erhaltung des Geldwertes, ja seine Wertzunahme ad libitum angestrebt. Die Realität, auch die Realität des Finanzwesens, erlaubt dies nicht und reagiert nach einer Weile mit gigantischen Geldwert-Zerstörungsprozessen.
Es gibt zwei Haupthindernisse gegen die Einführung einer neuen Geldordnung, die auch der Konsumption von Geldwerten, die zur Konsumption von wirtschaftlichen Realwerten parallel verläuft, Rechnung trägt: Ein geistiges und ein psychologisches.
Das größte geistige Hindernis für eine neue Geldordnung, die auch mit der Geld-Entwertung rechnet, ist die Illusion, im materiell-wirtschaftlichen Bereich des Lebens dauernde Werte zu finden. In Wirklichkeit hat man es hier mit einer Welt des Entstehens und Vergehens (die Produktion und Konsumption entsprechen) zu tun. Dauernde Werte können nur auf geistige Weise erlangt werden. Dies setzt das individuelle wie soziale Vorhandensein eines rellen tätigen Geisteslebens voraus. Ein weitgehend phraseologisch gewordenes Geistesleben wie das heutige kann natürlich nicht die Erkenntnis reeller, dauerhafter geistiger Werte vermitteln. Daher wird das «Dauernde» umso mehr und umso fälschlicherweise im Materiellen gesucht, insbesondere im Geld, das dann als Inbegriff des Wertvollen, des materiell «Unzerstörbaren» betrachtet wird.
Die Aufgabe des Geldes ist aber, die wirtschaftlichen Realvorgänge innerhalb der Polarität von Produktion und Konsumption zu spiegeln. Deshalb nannte Steiner das Geld auch eine «fliegende Buchhaltung». Wie weit sich das Geld von dieser seiner Aufgabe entfernt hat und zum scheinbar dauerhaften «Wert an sich» hochgespielt wurde, zeigt das gegenwärtige Zerplatzen dieses Scheines überdeutlich.
Die psychologische Begleiterscheinung der verkehrten Vorstellungen von «ewigen» Werten resp. ewigem Wachstum im Geldwesen ist die panische Angst vor einer Geldordnung, die nicht nur mit dem Entstehen, sondern auch mit der «Konsumption» des Geldes rechnet, denn sie scheint uns den Boden der Existenzsicherheit unter den Füßen wegzureißen.
Mit dieser Angst machte bereits Rudolf Steiner einmal konkret Bekanntschaft, als er im Jahre 1919 seinen Hörern schildern wollte, dass es in einer neuen Geldordnung, welche die Trennung von Einkommen und Arbeit ermöglicht, auch keine Erbschaften mehr geben könne, also keine Geld- oder anderen Besitzwerte, die ohne realen Zusammenhang mit Produktion und Konsumption erhalten bleiben oder sogar noch eine Wertsteigerung etwa durch spekulative Anlagen erfahren. Er schildert das Folgende:
«Wenn es wirklich so sein wird, dass die Existenzmittelbeschaffung abgetrennt wird von der Arbeitsleistung, dann gibt es nämlich keine Erbschaften mehr. Das bewirkt eine solche Änderung der Struktur, dass man kein Geld hat anders als zur Warenbeschaffung. Denn wenn eine Sache real gedacht wird, so hat sie nämlich allerlei Wirkungen. Unter anderem hat diese Trennung der Beschaffung der Existenzmittel von der Arbeit eine sehr eigentümliche Wirkung. Wenn man von Realitäten spricht, so kann man nicht so sprechen, dass Sie dann vielleicht sagen: Das sehe ich nicht ein. Da könnten Sie auch sagen: Ich sehe nicht ein, warum Morphium schlaferzeugend ist. Das folgt ja auch nicht aus einem bloßen Begriffszusammenhang. Das zeigt sich Ihnen nur, wenn Sie die Wirkungen verfolgen.
Es gibt heute etwas höchst Unnatürliches in der sozialen Ordnung, das besteht darin, dass das Geld sich vermehrt, wenn man es bloß hat. Man legt es auf eine Bank und bekommt Zinsen. Das ist das Unnatürlichste, was es geben kann. Es ist eigentlich ein bloßer Unsinn. Man tut gar nichts; man legt sein Geld, das man vielleicht auch nicht erarbeitet, sondern ererbt hat, auf die Bank und bekommt Zinsen dafür. Das ist ein völliger Unsinn. Die Notwendigkeit wird aber eintreten, wenn die Existenzmittelbeschaffung getrennt wird von der Arbeit, dass Geld verwendet wird, wenn es da ist, wenn es erzeugt wird als Äquivalent der Waren, die da sind. Es muss verwendet werden, es muss zirkulieren. Denn die reale Wirkung wird eintreten, dass Geld sich nicht vermehrt, sondern dass es sich vermindert. Wenn heute einer eine bestimmte Summe Vermögen hat, so hat er in ungefähr vierzehn Jahren bei einer normalen Verzinsung fast das Doppelte, er hat nichts getan, hat nur gewartet. Wenn Sie sich so denken die Umänderung der sozialen Struktur wie sie unter dem Einfluss dieses einen Grundsatzes, den ich Ihnen an-geführt habe [Trennung von Arbeit und Einkommen. TM], geschehen muss, so vermehrt sich das Geld nicht, sondern vermindert sich, und nach einer bestimmten Anzahl von Jahren hat der Geldschein, den ich eben vor diesen Jahren erworben habe, keinen Wert mehr; er ist entwertet, er hört auf, einen Wert zu haben.
Dadurch wird die Bewegung eine wirkliche in der sozialen Struktur, dass solche Verhältnisse eintreten, dass das bloße Geld, das ja nichts weiter ist als ein Schein, eine Anweisung, dass man eine gewisse Macht hat über die Arbeitskräfte der Menschen nach einer bestimmten Zeit entwertet ist, wenn es nicht in die Zirkulation geführt wird. Also nicht vermehren wird es sich, sondern es würde sich progressiv vermindern und wird nach vierzehn Jahren oder vielleicht nach einer etwas längeren Zeit absolut gleich Null sein. Sie werden, wenn Sie heute Milionär sind, nach vierzehn Jahren nicht ein doppelter Millionär sein, sondern Sie werden ein armer Schlucker sein, wenn Sie in der Zeit nichts Neues erworben haben.»
Nach diesen Ausführungen muss in der Aura mancher Hörer höchstes Unbehagen oder Schlimmeres zum Ausdruck gekommen sei, denn Steiner fährt nun fort:
«Wenn man das in der Gegenwart ausspricht, so wird das zuweilen noch so empfunden, als ob einen gewisse Tiere juckten, wenn ich den Vergleich gebrauchen darf. Ich weiß das, ich würde den Vergleich nicht gebraucht haben, wenn ich nicht die merkwürdigen Bewegungen im Auditorium wahrgenommen hätte.»3
Aus dem zuletzt Dargestellten kann ersichtlich werden, dass sich eine notwendige neue bi-polare (Schöpfung und Entwertung resp. funktionelle Umwandlung des entwerteten Geldes umfassende) Geldordnung nicht einführen lässt, wenn nicht zugleich ein reelles Geistesleben entwickelt wird, in dem nach wirklich dauerhaften Werten gestrebt wird. Die psychologische Angst vor «totalem Wertverlust» am «Entwertungspol» des Geldes wird es einfach nicht erlauben. Dass selbst anthroposophisch orientierte Hörer beim ersten Aufnehmen solcher Gedanken von Unbehagen und Furcht befallen wurden, zeigt, dass diese psychologische Schwierigkeit noch lange nicht dadurch behoben ist, dass man theoretisch an den Geist «glaubt» und von der Vergänglichkeit alles Materiellen felsenfest überzeugt ist solange es nicht ums Geld geht.
Thomas Meyer
1 Siehe dazu den Nationalökonomischen Kurs von R. Steiner
(GA 340) sowie die entsprechenden Aufsätze von Alexander Caspar in dieser Zeitschrtift, vgl. Schluss der Anm. 4 zum Vortrag.
2 Rudolf Steiner schlug vor, der Banknote eine Jahreszahl aufzudrucken, die angibt, wie lange sie Geltung hat. Am 6. August 1922 sagt er etwas im Nationalökonomischen Kurs: «Sie können etwa über den Modus nachdenken, dass man vielleicht für Geld, das heute ausgegeben worden ist, nicht die heutige Jahreszahl darauf schreibt, sondern eine künftige, so dass es bis dahin einen zunehmenden und dann erst einen abnehmenden Wert hat.»
3 Die soziale Grundforderung unserer Zeit, GA 186, Vortrag vom 30. November 1918.
Anthroposophie als williges «Mädchen für alles»?
Ramon Brüll hat in den infoseiten anthroposophie Herbst 2008 ein Schein-Interview mit Sebastian Jüngel publiziert, das aus einer längeren Korrespondenz vermutlich per e-mail zusammengestellt wurde. Jüngel, der Redakteur der Wochenschrift für Anthroposophie Das Goetheanum, zeigt dabei ein naives Vertrauen in die scheinbare Kollegialität seines Duz-Freundes Brüll, wenn er eine gewisse «Verbundenheit der Redakteure» und «ein gewachsenes Verantwortungsgefühl für die durch die Medien geschaffene Öffentlichkeit von Anthroposophie» wahrzunehmen meint. Brüll formuliert für die Entwicklung der Anthroposophie demagogisch vereinfachend die Alternative «verwaltetes Erbe oder öffentlicher Kulturfaktor». Er würdigt zwar die editorische Leistung des Rudolf Steiner Verlages, doch sei die Aufgabe, Rudolf Steiners Vorträge in ein verständliches Schriftdeutsch zu übersetzen, noch nicht ergriffen worden. Wenn «eine anthroposophisch inspirierte Zeitschrift Kulturfaktor» sein wolle, dann sollte sie «nicht von Verbandsinteressen abhängig sein», «keinen Unterschied zwischen Anthroposophen und dem Rest der Welt machen», «eine Vielfalt von Sichtweisen zum Ausdruck bringen und auch unbequeme Fragen zulassen». Was dieses so harmlos Klingende inhaltlich im Sinne von info3 bedeutet, wird ersichtlich aus dem abschließenden Beitrag von Chefredakteur Jens Heisterkamp. Wir veröffentlichen hier den Kommentar zu Heisterkamps Illusionen von Holger Niederhausen.
Anthroposophie als williges «Mädchen für alles»?
Holger Niederhausen
Zwei Kurzinterviews mit Thomas Meyer:
Sieben Jahre nach 9/11:
Gerhard Wisnewski zieht Bilanz.
Kriegsschauplatz Georgien:
Konstantin Gamsachurdia über die Hintergründe.
Die «wissenschaftliche» Methode heutiger Anthroposophie-Gegner
Im Zusammenhang mit den erneut aufgewärmten Behauptungen, das Werk Rudolf Steiners enthalte rassistische oder antisemitische Äußerungen wurde jüngst von diversen Gegnern folgende Äußerung Steiners an den Pranger gestellt:
«Das Judentum als solches hat sich aber längst ausgelebt, hat keine Berechtigung innerhalb des modernen Völkerlebens, und dass es sich dennoch erhalten hat, ist ein Fehler der Weltgeschichte, dessen Folgen nicht ausbleiben konnten.»
Dieses Zitat stammt aus einem Aufsatz Steiners aus dem Jahre 1888 über das Versepos Homunkulus von Robert Hamerling. Steiners Aufsatz verteidigt Hamerling gegen den nach Erscheinen seines Epos erhobenen Vorwurf des Antisemitismus. Die zitierte Äußerung bezieht sich, im Kontext gelesen, auf nichts Anderes als die damals von vielen Juden abgelehnte Idee eines in sich geschlossenen jüdischen Volksgebildes, im Gegensatz zu der von vielen Juden selbst seit Jahrhunderten vollzogenen Assimilation «innerhalb des modernen Völkerlebens».
Der Europäer hat die Falschinterpretation dieser und anderer Stellen schon im März 2000 richtig gestellt ( «Neuere Tendenzen zu geistiger Rückständigkeit...»).
Helmut Zander und sein dilettantischer Wissenschaftsbegriff
Helmut Zanders voluminöses Vorbeigehen am methodischen Kern der Anthroposophie Rudolf Steiners ihrer Wissenschaftlichkeit
Helmut Zanders Publikation Anthroposophie in Deutschland Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 18841945 (Göttingen 2007) hat u.a. auch in anthroposophischen Kreisen Zustimmung und Aufsehen erregt. Die folgende Analyse zeigt, dass Zander die Wissenschaftlichkeit der Anthroposophie verwirft, ohne selbst über einen umfassenden, klaren Wissenschaftsbegriff zu verfügen und ohne die erkenntniswissenschaftlich-philosophischen Grundlagen der Anthroposophie ernsthaft studiert zu haben. Zanders Werk hat aus diesem Grunde trotz einer Fülle von zum Teil akkuraten und zum Teil schlichtweg falschen Einzelinformationen den Charakter einer pseudo-wissenschaftlichen Polemik gegen die Geisteswissenschaft R. Steiners.
Im Novemberheft hat Der Europäer eine Studie von Dr. Peter Selg publiziert, die den sorgfältig belegten Nachweis erbringt, dass Zanders Darstellung der Entwicklung der anthroposophischen Medizin von Unterstellungen, Halbwahrheiten und völligen Fehlurteilen geprägt ist.
Thomas Meyer
Meyers und Selgs Artikel können hier als PDF heruntergeladen werden:
Thomas Meyer:
Helmut Zander und sein dilettantischer Wissenschaftsbegriff
Helmut Zanders voluminöses Vorbeigehen am methodischen Kern der Anthroposophie Rudolf Steiners ihrer Wissenschaftlichkeit
Dr. Peter Selg:
«Helmut Zander und seine Geschichte der anthroposophischen Medizin»
Teil 1
Helmut Zander und die Berliner historische Fakultät auf dem Prüfstand
Das Buch Anthroposophie in Deutschland trägt die Merkmale einer Kampfschrift, mit der der Gegner in diesem Fall Rudolf Steiner und die ganze Anthroposophie diffamiert werden soll. Um das zu erreichen, bedient sich der Verfasser verschiedener Mittel und «Kniffe» wie z.B. sinnveränderte Zitate, Weglassen von Tatsachen, nicht belegte Behauptungen. Geht es dabei nur um die freie Meinungsäußerung eines Andersdenkenden? Möglicherweise geht es um mehr. Wenn es zutrifft, dass sich Herr Zander mit dieser Schrift habilitiert hat*, dann stünde er nicht allein auf dem Prüfstand vor der Öffentlichkeit, sondern mit ihm auch alle Gutachter (die es bei einer Habilitation braucht) und die involvierten Fakultätsangehörigen, also die "crème de la crème" der Wissenschaft. In diesem Fall wäre zu fragen, wie es möglich ist, dass jemand mit einer solchen Schrift, die die wissenschaftlichen Kriterien grob missachtet, dennoch die akademischen Hürden nehmen und die Lehrberechtigung an einer Hochschule erwerben kann?
Dr. Jutta Schwarz, Zürich
* Anm. der Red.: In Zanders Werk heißt es im Nachwort, auf. S. 1717: «Rüdiger von Bruch, Historiker an der Humboldt-Universität in Berlin, hat das Risiko auf sich genommen, die Betreuung für einen Teil dieser Arbeit als Habilitationsschrift zu übernehmen.» Welcher Teil das ist, gibt Zander nicht an.
Verpasste Ironie und die Wissenschaftlichkeit der Anthroposophie
Die Juniausgabe von infoseitenanthroposophie beweist, dass deren Redaktion etwa gleichviel von Ironie wie von der Geisteswissenschaft R. Steiners versteht. Lesen Sie die Ausführungen von Horst Peters zum ersten und von Holger Niederhausen zum noch viel wichtigeren zweiten Punkt. Was die Wissenschaftlichkeit der Anthroposophie betrifft, so lässt infoseitenanthroposophie den Filmemacher Rüdiger Sünner schreiben: «Für mich ist Anthroposophie keine Wissenschaft, und sie sollte diesen Anspruch auch nicht so trotzig vor sich hertragen.» Würde jemand so etwas von der Naturwissenschaft behaupten, er würde einfach ausgelacht. Die von Herrn Sünner ganz persönliche und vergleichbar dilettantische Meinung zum Wissenschaftscharakter der Anthroposophie wird von infoseitenanthroposophie als maßgeblich betrachtet und widerspruchslos abgedruckt. (Überflüssig zu sagen, dass Sünner selbstverständlich das Recht hat, seine Meinung für allgemeinverbindliche Erkenntnis zu halten und lieber «trotzig vor sich herzutragen» statt die Grundlagen der Anthroposophie einmal ernsthaft zu studieren.)
Jedermann kann natürlich frei zwischen Steiners Auffassung von der notwendigen (!) Wissenschaftlichkeit der Anthroposophie und der ganz persönlichen Meinung von Herrn Sünner wählen. Dass sich infoseitenanthroposophie widerspruchslos zum Sprachrohr von Letzterer macht, zeigt, welche Wahl die Redaktoren dieses Blatts selbst getroffen haben.
Thomas Meyer
Gewissenhafte Urteilsbildung?
Zu einer redaktionellen Notiz in infoseitenanthroposophie Juni 2008
In unserer stark materialistisch geprägten Zeit gerät das Gewissen des Menschen in vielfältige Bedrängnis und wird daher nicht selten ganz über Bord geworfen oder überhaupt negiert. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Gewissenhaftigkeit im Bilden und Publizieren des eigenen Urteils, ja das Wahrheitsgewissen überhaupt im Schwinden begriffen ist. Hier sollen nun zwei Fälle bedenklicher Urteilsbildung vorgestellt und geklärt werden.
Ein Musterbeispiel eines sagen wir zunächst problematischen Urteils bietet Ramon Brüll in dem Editorial der infoseiten anthroposophie (Sommer 2008}, der Werbeschrift für info3: «Der Chefredakteur und Herausgeber der Basler Zeitschrift Der Europäer hatte sich bitterlich beklagt, dass die infoseiten anthroposophie laut Titelseite ‹nahezu allen wichtigen anthroposophischen Zeitschriften› beiliegen, während sein Blatt nicht berücksichtigt wurde.» Tatsächlich hatte Thomas Meyer (von info3 konstant ‹Mayer› geschrieben, ein Ausdruck journalistischer Sorgfalt) in dem Editorial zur Märzausgabe 2008 ironisch vermerkt, dass man es offenbar nicht schaffe, mit dem «Zeitgeist» Schritt zu halten, wenn Der Europäer nicht zu den «wichtigen anthroposophischen Zeitschriften» gerechnet wurde, denen die infoseiten anthroposophie beigelegt würden. Und so warnte er seine Leser ironisch vor dem Risiko, bei der Europäer-Lektüre «durch schwarze Löcher aus dem Netz des Zeitgeistes heraus zu fallen …». Diese Ironie kann man nur aus Dummheit oder aufgrund leichtfertiger Urteilsbildung verkennen, wenn man einmal Böswilligkeit nicht annehmen möchte. Wer aber möchte die so klugen Leute von info3 der Dummheit zeihen? Ramon Brüll täte also gut daran, in der nächsten info3-Nummer zu publizieren, dass er sein leichtfertigfalsches Urteil korrigiert bzw. Thomas Meyer (e!) Gelegenheit zu einer Gegendarstellung gibt.
Man staunt und erschrickt darüber, dass die anderen «anthroposophischen» Zeitschriften sich zu einer Kooperation mit einer Gruppierung herbeilassen, der offenbar gewissenhafte Urteilsbildung, ja das Wahrheitsgewissen wenig bedeuten, wie ihr bedenkenloser Umgang mit Wesen und Namen der Anthroposophie verrät, während doch nur das gewissenhafte Wahrheitsstreben die Grundlage einer anthroposophischen Erkenntnisgemeinschaft bilden kann.
Horst Peters, Lörrach
Infoseiten Anti-Anthroposophie?
Anmerkungen zu einem Artikel von Rüdiger Sünner
Infoseiten anthroposophie, aus dem info3-verlag, Sommer 2008» im Vorwort des 16-seitigen, offenbar werbefinanzierten Heftchens wird mit einer Auflage von 65 000 Exemplaren als Beilage «in nahezu allen wichtigen anthroposophischen Zeitschriften» und «in ca. 500 Arztpraxen» geworben. Was erfahren die vielen Leser aber nun über die Anthroposophie? Nichts! Die teilweise ganzseitigen Werbungen für anthroposophische Verlage, Weleda usw. umrahmen letztlich nur einige Druckseiten mit «Anmerkungen eines Sympathisanten über sein Verhältnis zu Rudolf Steiner und zur Anthroposophie heute»...
Der Filmemacher Rüdiger Sünner, dessen Film über Rudolf Steiner jüngst vielerorts aufgeführt wurde, wurde gebeten, seinen Blick auf «unsere Szene» (Vorspann info3) zu schildern.
Zunächst schildert er, wie er verwundert und verärgert die Steiner-Rezeption der letzten Jahre miterlebte, die einseitig auf Fragen wie Rassismus und Antisemitismus ausgerichtet war und das Esoterische vorwiegend negativ beurteilt. Er fährt dann fort:
«Ich selbst halte (...) Esoterik für eine alternative Denkform, in der Themen wie (...) das Denken in Analogien, Symbolen, Imaginationen und Ähnliches behandelt werden. Für den Fall, dass dabei das rationale Denken eingeschaltet bleibt und man bestimmte Mythenbildungen auch kritisch reflektiert, sehe ich in einer solchen Denkform keine grundsätzliche Gefahr. (...) Könnte man nicht einen Film [über Steiner] machen, so dachte ich, der neben berechtigter Kritik an manchen seiner Standpunkte auch das Erstaunliche, Anregende und Faszinierende seiner Weltsicht herausarbeitet? Und zwar in einer anschaulichen Sprache, die dem Zuschauer über Bilder, Musik und Texte wenigstens ansatzweise eine Brücke zu dem baut, was Steiner die «geistige Welt» nennt?
Für Sünner scheint Esoterik in einer voll ausgebildeten Tätigkeit der rechten Gehirnhälfte zu bestehen («Denken in Analogien, Symbolen...»), die durch die «eingeschaltete» rationale Gehirnhälfte kritisch begleitet werden muss dann besteht (zumindest grundsätzlich) keine Gefahr. Sünner ist ein Beispiel für unzählige Menschen, die sich anmaßen, über Rudolf Steiner, sein Denken, seine Denkart, sein Lebenswerk usw. sprechen und urteilen zu können in einem Hochmut, der darauf hinausläuft, dies alles auf ihr momentanes Verständnis- und Geist-Niveau herunterzuziehen und es für den Zuschauer sogar noch «anschaulicher» zu machen...
«Ich dachte, dieser Steiner war gar nicht so sperrig (...) Denn sein Lebensgang erzählt auch von einem Wanderer, Abenteurer, Bohemien, Dichter, Naturforscher, einem Liebhaber von Luft, Licht, Farbe und Musik (...) Und auch wenn jetzt einzelne zweihundertprozentige Steiner-Anhänger meinen Film dafür kritisieren («Anthroposophie als Gefühlsangelegenheit»), so glaube ich, damit dennoch das Richtige getan zu haben.»
Sünners eigener Glaube ist ihm unbenommen. Doch worum geht es bei der Anthroposophie? Etwa darum, sie den Menschen möglichst sympathisch zu machen, indem man im heutigen Genuss-Zeitalter betont, Steiner sei eben auch «Abenteurer, Bohemien» usw. gewesen? Anthroposophie lebt einzig und allein aus der Quelle eines reinen Denkens heraus. Wo dies nicht gegeben ist, kann man sich eigensüchtig von ihren Früchten ernähren, aber an ihr Wesen rührt man nicht einmal. Sünner arbeitet kräftig an der Zerstörung dieser klaren Erkenntnis, wenn er die Kritik an seinem Film und seiner Sichtweise «einzelnen zweihundertprozentigen Steiner-Anhängern» zuschreibt.
Nachdem Sünner dann trotz seiner anfänglichen Worte ebenfalls ins Horn «diskriminierende Äußerungen bei Steiner» stößt, fährt er fort:
«Darüber hinaus aber gibt es vieles bei Steiner, das bis heute faszinierend und anregend bleibt. Seine Werke liefern große Bilder, die zu neuen Denkwegen stimulieren, sie sind für mich oft aufregende Seereisen zu Häfen, die noch gar nicht gebaut sind. Die anthropo?sophische Bewegung scheint mir immer dann stark zu sein, wenn sie eine solch’ offene Betrachtungsweise zulassen kann. Wenn ihre verschiedensten Mitglieder diese mehrdeutigen Textlabyrinthe lustvoll-anarchisch durchwandern und sich dann zu Gedanken und Taten inspirieren lassen, die etwas Neues in unsere oft genormte Welt bringen.»
Sünner fühlt sich bemüßigt, Steiner zu verteidigen, und verkündet den genussvollen, einfachen Zugang zu seinem Werk: Man möge es lustvoll durchwandern und sich nebenbei inspirieren lassen. Wie aber, wenn die «großen Bilder», die Steiner gegeben hat, von Grund auf verstanden werden wollen und das Neue, wirklich Zukunftweisende vorher gar nicht in die Welt kommen kann?
«Für mich ist Anthroposophie keine Wissenschaft und sie sollte diesen Anspruch auch nicht so trotzig vor sich hertragen. (...) Es kann vorkommen, dass einzelne Intuitionen Steiners von der Wissenschaft bestätigt werden, aber warum muss deshalb sein gesamtes Denken wissenschaftlich sein? (...) Für mich ist Steiner in erster Linie ein Anreger, der aus der Tiefe der Mythen und aus dem spekulativen Schwung des philosophischen Denkens schöpft.»
Hier wird das fehlende Verständnis oder vielleicht besser gesagt Verstehen-Wollen ganz offenbar. Sünner hat keine Vorstellung, was das Wesen von Geistes-Wissenschaft ist: Sie beginnt mit seelischer Beobachtung nach naturwissenschaftlicher Methode und entdeckt dann tatsächlich ganze Meere, wo Häfen noch nicht gebaut sind... Es ist völlig klar, dass Anthroposophen, die die Erkenntnisse Steiners für sich beanspruchen und Andere «missionieren» wollen, jeden Außenstehenden abschrecken. Doch es ist der Grundfehler aller Kritiker, das Kind mit dem Bade auszuschütten und Rudolf Steiner selbst abzusprechen, er habe seine Erkenntnisse auf vollkommen (d.h. streng) wissenschaftlichem Wege gewonnen. Die einzigen zwei Gründe, dies tun zu können, sind wirkliches Unverständnis und/oder persönlicher Hochmut (Nicht-Anerkennen-Können, «geistiger Sozialismus»).
Die Frage bleibt: Was soll ein solcher Beitrag in sogenannten «infoseiten anthroposophie», die in Hunderten von Arztpraxen ausliegen und das Bild unzähliger Menschen von der Anthroposophie prägen werden?
Holger Niederhausen, Berlin
Aktuell im Europäer
Wie R. Steiner auch von anthroposophischer Seite in Bezug auf angeblich problematische Äußerungen zu Rassen und Völkern in ein schiefes Licht gestellt wurde, zeigt das neue Apropos von Boris Bernstein auf [ ].
Dass selbst ein heutiges Vorstandsmitglied von der Anthroposophie ein Karikaturbild veröffentlichen kann, wird von Herbert Ludwig aufgezeigt und analysiert [ ]
Inferiores Vorgehen der Frankfurter Info-Redakteure
Die jüngsten Auslassungen gegen den Europäer zeigen die Unfähigkeit der Info-Redakteure zu sachlicher Auseinandersetzung. Statt dass sie die Ausführungen von Dr. Horst Peters* («Die Grenze der Toleranz», im Märzheft des Europäer) über die grotesk-unmögliche info-Wilber-Steiner-Allianz aufgreifen, reiten sie eine persönliche Attacke gegen den Herausgeber des Europäer, Thomas Meyer. Von einem Aufruf zu einem Inserat-Boykott gegen info-3 ist weder im Artikel von Horst Peters noch sonstwo die Rede.
Diese Attacke ist zu dumm und zu verlogen, als dass wir sie weiter kommentieren möchten. Wir begnügen uns mit ihrer Bekanntgabe:
ANDERE ÜBER UNS: "INFO3 UNTERWANDERT ANTHROPOSOPHIE"
Quelle: info3 Nr.4/ April 2008, S. 8
Wegen ihres Einsatzes für die ursprüngliche Anthroposophie in Rudolf Steiners vortheosophischem Werk und wegen ihres Dialogs mit Vertretern anderer moderner spiritueller Richtungen wurden jetzt die info3-Redakteure Jens Heisterkamp, Sebastian Gronbach und Felix Hau von der Zeitschrift Der Europäer zu "Gegnern" der Anthroposophie erklärt. Indirekt wurden in einem Artikel die anthroposophischen Einrichtungen aufgerufen, keine Anzeigen mehr in info3 aufzugeben. Außerdem gehe es nicht an, so das von Thomas Meyer in Basel herausgegebene Blatt, dass die Adressen der anthroposophischen Bewegung vom info3-Verlag betreut würden (gemeint ist das Adressenverzeichhnis Anthroposophie). info3 strebe offenbar eine Beeinflussung auch von "echten Anthroposophen" und eine "Unterwanderung" der anthroposophischen Szene an.
Der Schweizer Kleinverleger Thomas Meyer, wegen seiner notorischen Privatfehden mit unterschiedlichen Vertretern der anthroposophischen Bewegung bekannt, publiziert seit Jahren immer wieder auch gegnerische Artikel zu info3. Der in der Februar-Ausgabe abgedruckte Beitrag war zuvor auch verschiedenen Zeitschriften der Anthroposophischen Gesellschaft angeboten worden, die aber u.a. mit der Begründung abgelehnt hatten, man stehe für Ketzerverfolgungen nicht zur Verfügung. - Red.
* Dr. Horst Peters ist Leiter des Novalis-Zweiges (Lörrach) der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland
Zurückweisung eines Ablenkungsmanövers von info3
Offener Brief an Dr. Jens Heisterkamp, Chefredakteur von info3
Seltsamer Herr Dr. Heisterkamp!
Auf meinen Artikel «Die Grenze der Toleranz» (Der Europäer, März 2008, S. 610) reagierend, bieten Sie mir per e-mail vom 19.03.08 ein Gespräch in Frankfurt mit Ihnen und Ihren info3-Mitarbeitern an, um Gemeinsamkeiten zu entdecken und mich eventuell als kritischen Dialogpartner zu gewinnen. Das ist, wie Sie auch selber wissen, von vornherein zum Scheitern verurteilt. Denn Sie erklären die philosophische Phase Rudolf Steiners zur eigentlichen Anthroposophie, um eine «trans-christliche Anthroposophie» zu installieren. Das ist von neuem als wissenschaftliche Unredlichkeit und verbale Falschmünzerei zu bezeichnen. Wenn Sie mit Felix Hau die voll entwickelte Anthroposophie als Anpassung an die Erwartungen theosophischer Zuhörer deklarieren wollen, dann widerspricht es insbesondere den anthroposophischen Forschungsergebnissen zum Mysterium von Golgatha, die Rudolf Steiner deutlich erkennbar mit dem allergrößten Ernst als zentrale Studieninhalte der Bewusstseinsseele zugänglich gemacht hat. Es bleibt Ihnen also nur die Möglichkeit, die wesenhafte Anthroposophie als Rückfall auf die magische und mythologische Bewusstseinsstufe zu erklären im Sinne des von Ihnen bejahten Ken Wilber. Verständlicherweise, denn bei mangelnder Wesensverdichtung und Wesenserkenntnis muss man anscheinend beim allgemeinen Geist-Bewusstsein der Leere stehen bleiben und muss zu materialistischer Erklärung der Weltentstehung (Urknall) greifen. Das ist mit der Anthroposophie Rudolf Steiners unvereinbar.
Die eigentliche Absicht Ihrer Gesprächseinladung ist es, über den wahren Gehalt meines Artikels Nebel zu verbreiten in der Art, wie Sie es nach dem Aufsehen erregenden Hau-Artikel vorexerziert haben mit dem PR-Event im Sommer 2005 (Diskussion anthroposophischer Redakteure mit Felix Hau und Jens Heisterkamp).
Wenn Sie auf Ihre guten Verbindungen zu «etablierten» anthroposophischen Verlagen verweisen und auf «anthroposophische» Unterstützer Ihrer «trans-christlichen Anthroposophie», dann ist darauf nur zu antworten: Mögen Ihnen naive Gimpel auf den Leim fliegen, mögen Opportunisten Ihnen in die Netze gehen, mag die innere Opposition und Gegnerschaft mit Ihnen im Gleichschritt marschieren wache und ehrliche Anthroposophen vermag das nicht zu erschüttern. Auch der ethische Individualist der Philosophie der Freiheit wird, wenn er tätiges Mitglied der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft wird, in freier Erkenntnis den Sinn der 4 Pflichten anerkennen, die Rudolf Steiner nachdrücklich formuliert hat (GA 260a, 4849, Nachrichtenblatt 10.2.1924). Daraus ist auch die Pflicht abzuleiten, die Anthroposophie gegen jene Gegner zu verteidigen, die sie ihres Wesens berauben wollen.
Mit den besten Wünschen für Ihren ehrlichen Abschied
von der anthroposophischen Bewegung
Horst Peters
Zum Bündnis von info-3 mit Ken Wilbers Spiritualität
Das Redaktionsteam Info-3 in Frankfurt hat mit der Geistesströmung von Ken Wilber und Andrew Cohen einen «Bund» geschlossen.
Jedermann mag sich mit den Geistesströmungen seiner Wahl verbünden.
Wenn aber suggeriert wird, ein solches Bündnis sei nötig, um «Anthroposophie heute» zu verwirklichen, so ist das Unterscheidungsvermögen herausgefordert.
Horst Peters, Leiter des Novalis-Zweiges der Anthroposophischen Gesellschaft in Lörrach, hat in der Märznummer des Europäer die Eigenart von Wilbers Spiritualität und die Unmöglichkeit, mit ihr ein anthroposophisches Bündnis einzugehen, aufgezeigt. So sehr ein persönliches Bekenntnis zu Wilber zu tolerieren ist, so sehr ist die Zumutung, dessen Geistigkeit mit Anthroposophie zu verbünden, als Unmöglichkeit abzulehnen.
Lesen Sie im Folgenden den Beitrag von Thomas Meyer, der Peters Analyse einleitet.
Toleranz und Wahrheitsstreben
Vorbemerkungen zum Aufsatz von Horst Peters
Der folgende Aufsatz von Dr. Horst Peters beleuchtet das Verhältnis von modernen «Spiritualitäten» wie der von Ken Wilber und Andrew Cohen vertretenen zur Anthroposophie Rudolf Steiners. Peters kommt durch eine Reihe von Textbelegen zum nachvollziehbaren Schluss, dass Wilbers Spiritualität mit der Anthroposophie, insbesondere mit deren christologischem Zentralaspekt nicht vereinbar ist. Im Sinne einer konkret praktizierten Toleranz ist gegen die Kilbersche Richtung an sich nichts einzuwenden: Jeder Mensch hat natürlich das Recht, sich zu diesen Richtungen zu bekennen.
Anders wird die Sache, wenn Menschen, die seit vielen Jahren vorgeben, Anthroposophie zu vertreten, ja ihr zur weltweiten Ausbreitung und Anerkennung zu verhelfen, mit solchen Geistesrichtungen ein Bündnis schmieden. Und noch schlimmer wird es, wenn dieselben Menschen alle, die sich gegen ein solches sachlich einfach unmögliches Bündnis wenden, als rückständige Geister oder gar Gegner der Anthroposophie brandmarken.
Hier ist die Grenze der Toleranz erreicht. Alle Toleranz muss auf den rein zwischenmenschlichen Bereich beschränkt bleiben, auf das Geltenlassen der Meinung des anderen, auch wenn man sie nicht teilt. Beim wirksamen Vertreten einer geistigen Strömung kommt es aber darauf an, diese in ihrer vollen Integrität wahrheitsgemäß zu vertreten und nicht als Amalgam mit anderen, zum Teil geistig mit ihr einfach gar nicht vereinbaren spirituellen Strömungen.
Im Wahrheitsbereich kann Toleranz nur verderblich wirken. Oder sollen wir anfangen, wahr zu finden, dass zwei und zwei fünf sei, nur weil wir auch dem Träger einer solchen Meinung menschlich tolerant gegenüberstehen?
Es gehört zu den vielleicht schwierigsten Aufgaben des heutigen Menschen, die in Bezug auf das geistige und auf das soziale Leben waltende Polarität von kompromisslosem Wahrheitsstreben und toleranter Kompromissbereitschaft anzuerkennen, auszuhalten und aufrecht zu erhalten, statt sie durch eine geistig konturlose Offenheit und deplacierte Toleranz allem Möglichen gegenüber zu ersetzen.
Eine solche Vermischung von Toleranz und Wahrheitsstrenge wird bedauerlicherweise schon seit zahlreichen Jahren gerade durch jene Persönlichkeiten betrieben, die sich in den letzten Jahren der Wilberschen und Cohenschen Richtung angenommen haben und diese Verquickung unter dem Etikett «Anthroposophie heute» und neuerdings «Anthroposophie im Dialog» betreiben. Ein kleines, vielleicht jedoch nicht ganz unbedeutendes Symptom für diese mittlerweile offenbar zur festen Praxis gewordene Vermischung ist die vor einigen Jahren im Blatt der Frankfurter Wilber-Freunde ausgesprochene Empfehlung, wir müssten zu einem «geschmeidigen Wahrheitsbegriff» kommen.* Auch diese, für jeden Wahrheitssucher an sich ungeheuerliche Empfehlung kann menschlich toleriert werden, aber sie lässt sich nicht mit den Forderungen eines echten Wahrheitsstrebens vereinbaren. Wenn es für die ernsthafte Verarbeitung der Anthroposophie sowie für deren nachhaltige und von allen Modeströmungen unberührte Verbreitung in der Welt eine Grundbedingung gibt, so ist es diese: Kompromisslosigkeit in Wahrheits- und Erkenntnisfragen. Wer stattdessen einen «geschmeidigen» Wahrheitsbegriff propagiert, Weltoffenheit, Toleranz und andere, auf ihren Gebieten durchaus notwendige Tugenden bei der Verbreitung so genannter Anthroposophie zu dominierenden Prinzipien macht, der kann der Menschheitssache Anthroposophie nur schaden, auch wenn er sie zu fördern glaubt.
Dr. Horst Peters ist Repräsentant des Novalis-Zweiges der Anthroposophischen Gesellschaft in Lörrach. Er hat seinen Aufsatz sowohl dem Goetheanum Wochenschrift für Anthroposophie, dem offiziellen Organ der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, wie auch der Zeitschrift Anthroposophie Mitteilungen aus der anthroposophischen
Arbeit in Deutschland angeboten. Beide Organe der Gesellschaft haben dessen Veröffentlichung abgelehnt.
Thomas Meyer
* Info-3, Sept. 2002, S. 31. Siehe den Kommentar dazu von
Th. Meyer im Europäer, Dez./Jan. 2002/3, S. 8.
Was ist freies Geistesleben?
Einige aktuelle Tatsachen und grundsätzliche Gesichtspunkte
Unter dem Titel «Kapitulation vor unhaltbarer Kritik?» ist in der Basler Zeitung am 20. Dezember ein Artikel erschienen (siehe S. 4), der zur Tatsache Stellung nimmt, dass der Band 32 der Rudolf Steiner Gesamtausgabe einstweilen nicht mehr ausgeliefert wird, wie in der selben Zeitung am 24. November mitgeteilt worden war. Man wolle, so die Herausgeber, in einer Neuauflage eine «nach heutiger Sicht» diskriminierend wirkende Passage kommentieren. De facto bedeutet das, dass dieser Band eingestampft, das heißt vernichtet werden muss.* Das ist ein Novum in der Geschichte der Veröffentlichung des Werkes Rudolf Steiners. Ein anderes Novum ist, dass dieselbe Körperschaft, die diese Einstampfung veranlasst hat, auf ihrer Webseite zwei kritische Artikel zu Helmut Zanders pseudo-wissenschaftlicher Anthroposophie-Studie platziert hat, daneben aber auch das Zander-Lob von Robin Schmidt, und zwar kommentarlos.
Wer diese Webseite als Außenstehender konsultiert, weiß daher nicht, welche der drei Optionen im Namen der Geisteswissenschaft Steiners nun wirklich vertreten wird? Vielleicht das Zander-Lob von Herrn Schmidt (obwohl es zwei Zander-Kritiken gegenübersteht)? Vielleicht alle drei Auffassungen, obwohl eine den zwei anderen diametral widerspricht? Vielleicht gar keine?
Ist das freies, anthroposophisches Geistesleben? Besteht dieses darin, verschiedene Meinungs-Optionen über eine Sache anzubieten, darunter auch ein Lob eines Angriffs auf Steiner? Ist freies Geistesleben mit Standpunktlosigkeit gleichzusetzen?
Besteht freies Geistesleben darin, verschiedene Meinungen einfach nebeneinander zu stellen? Unbeurteilt. Dies mag tolerant erscheinen oder sogar den Anschein einer höheren «Unparteilichkeit» erwecken. Es ist dies aber gerade die schwächste aller Parteilichkeiten: für alle Positionen Partei zu nehmen und sich damit jegliche konkrete Auseinandersetzung zu ersparen. Wer nicht den Mut aufbringt, seine Ansicht zu bilden und sich aufgrund seiner Ansicht mit den Ansichten anderer auseinanderzusetzen und beides offen zum Ausdruck zu bringen, und sich stattdessen lieber darauf beschränken möchte, verschiedene Ansichten «objektiv» nebeneinander zu stellen, dessen Stimme kann im Geistesleben nur verwirrend und vernebelnd wirken. Denn er fürchtet sich davor, dieser seiner Stimme individuelle Kontur zu geben. Und von geistiger Kontur lebt nun einmal alles gesunde Geistesleben. Und aus Kontur wird geistige Konkurrenz geboren, ohne die ein jedes Geistesleben nach und nach erschlaffen muss, um zu pseudo-liberaler, alle Meinungen nivellierender lauer Gleichgültigkeit zu entarten. Zum gesunden Geistesleben gehört gesunde Konkurrenz, der «Streit der Meinungen», wie die Luft zum Atmen. Wer solchen Geistes-Streit zu meiden trachtet, mag in der Wirtschaft oder im Rechtsleben tätig werden.
Mit anderen Worten: Wer sich einerseits auf die Geisteswissenschaft Steiners beruft, ja sogar dessen Werk publiziert und im Sinne dieser Geisteswissenschaft wirken will, kann nicht andererseits ein Apostel der «heutigen Sicht» sein, Teile des Werks aus der Geistesleben-Zirkulation herausziehen und primitivste Auffassungen von inneren oder äußeren Gegnern gegen die Geisteswissenschaft unkritisch verbreiten.
Alles, was hier deutlich gemacht werden wollte, ist, dass man im Geistesleben immer einen positiven, das heißt einen ganz bestimmten individuellen Standpunkt zu vertreten hat. Wer dies vermeiden will, um eine tolerant scheinende Standpunktlosigkeit an den Tag zu legen, der liefert keinen ernst zu nehmenden Beitrag zur entsprechenden Angelegenheit; er trägt nur zu deren Dekonturierung bei. Das ist de facto Untergrabung von gesundem Geistesleben.
Nicht dass die Herausgeber des Werks von Steiner Schmidts Rezension veröffentlichen, ist das Problem, sondern dass sie dazu keine Stellung nehmen. Man behandelt Schmidts Rezension damit einfach als gleichwertig mit den anderen beiden, kritischen Rezensionen. Das Prinzip der Gleichheit hat aber im Geistesleben nichts zu suchen; es gehört in die Rechtssphäre. Es ist im Übrigen bemerkenswert, dass dieselbe Webseite die doch immerhin gravierende und erstmalige Tatsache, dass ein Band der Gesamtausgabe wegen Einwänden «aus heutiger Sicht» eingestampft wird, mit keinem Wort erwähnt.
Die geschilderten Tatbestände zeigen eine erschreckende Abwesenheit wirklichen Geisteslebens innerhalb der anthroposophischen Bewegung selbst. Dieses ist mehr und mehr von einem pseudo-liberalen Offensein nach allen Seiten verdrängt worden. Wozu hat all das viel beschworene «Weltweittum» geführt, das in den letzten zwei Jahrzehnten in wenig toleranter Weise zur Richtschnur für alles anthroposophische Wirken in der Öffentlichkeit propagiert wurde? Es führte dazu, dass externe und interne Gegner der Sache Rudolf Steiners zu ihnen zählen wir auch manche Gegner «guten Willens», die einfach nicht wissen, was sie tun mit Glacéhandschuhen behandelt werden und dass der «heutigen Sicht» gestattet wurde, als Abrissbirne in das während mehr als vier Jahrzehnten mühsam errichtete und kurz vor der Vollendung stehende Gebäude der Gesamtausgabe hineinzuschlagen.
Mögen Tatsachen wie die hier betrachteten zu einem Erwachen über den wirklichen Charakter eines nicht unwesentlichen Teils des gegenwärtigen «anthroposophischen» Geisteslebens führen. Dann wird es sich vielleicht von seiner Zerrgestalt befreien können.
Thomas Meyer
* Die Möglichkeit, in die noch vorhandenen Exemplare ein Kommentarblatt beizulegen, wurde von den Steiner-Herausgebern ausdrücklich abgelehnt.

Die «wissenschaftliche» Methode heutiger Anthroposophie-Gegner
Im Zusammenhang mit den erneut aufgewärmten Behauptungen, das Werk Rudolf Steiners enthalte rassistische oder antisemitische Äußerungen wurde jüngst von diversen Gegnern folgende Äußerung Steiners an den Pranger gestellt:
«Das Judentum als solches hat sich aber längst ausgelebt, hat keine Berechtigung innerhalb des modernen Völkerlebens, und dass es sich dennoch erhalten hat, ist ein Fehler der Weltgeschichte, dessen Folgen nicht ausbleiben konnten.»
Dieses Zitat stammt aus einem Aufsatz Steiners aus dem Jahre 1888 über das Versepos Homunkulus von Robert Hamerling. Steiners Aufsatz verteidigt Hamerling gegen den nach Erscheinen seines Epos erhobenen Vorwurf des Antisemitismus. Die zitierte Äußerung bezieht sich, im Kontext gelesen, auf nichts Anderes als die damals von vielen Juden abgelehnte Idee eines in sich geschlossenen jüdischen Volksgebildes, im Gegensatz zu der von vielen Juden selbst seit Jahrhunderten vollzogenen Assimilation «innerhalb des modernen Völkerlebens».
Der Europäer hat die Falschinterpretation dieser und anderer Stellen schon im März 2000 richtig gestellt ( «Neuere Tendenzen zu geistiger Rückständigkeit...»).
Helmut Zander und sein dilettantischer Wissenschaftsbegriff
Helmut Zanders voluminöses Vorbeigehen am methodischen Kern der Anthroposophie Rudolf Steiners ihrer Wissenschaftlichkeit
Helmut Zanders Publikation Anthroposophie in Deutschland Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 18841945 (Göttingen 2007) hat u.a. auch in anthroposophischen Kreisen Zustimmung und Aufsehen erregt. Die folgende Analyse zeigt, dass Zander die Wissenschaftlichkeit der Anthroposophie verwirft, ohne selbst über einen umfassenden, klaren Wissenschaftsbegriff zu verfügen und ohne die erkenntniswissenschaftlich-philosophischen Grundlagen der Anthroposophie ernsthaft studiert zu haben. Zanders Werk hat aus diesem Grunde trotz einer Fülle von zum Teil akkuraten und zum Teil schlichtweg falschen Einzelinformationen den Charakter einer pseudo-wissenschaftlichen Polemik gegen die Geisteswissenschaft R. Steiners.
Im Novemberheft hat Der Europäer eine Studie von Dr. Peter Selg publiziert, die den sorgfältig belegten Nachweis erbringt, dass Zanders Darstellung der Entwicklung der anthroposophischen Medizin von Unterstellungen, Halbwahrheiten und völligen Fehlurteilen geprägt ist.
Thomas Meyer
Meyers und Selgs Artikel können hier als PDF heruntergeladen werden:
Thomas Meyer:
Helmut Zander und sein dilettantischer Wissenschaftsbegriff
Helmut Zanders voluminöses Vorbeigehen am methodischen Kern der Anthroposophie Rudolf Steiners ihrer Wissenschaftlichkeit
Dr. Peter Selg:
«Helmut Zander und seine Geschichte der anthroposophischen Medizin»
Teil 1
Helmut Zander und die Berliner historische Fakultät auf dem Prüfstand
Das Buch Anthroposophie in Deutschland trägt die Merkmale einer Kampfschrift, mit der der Gegner in diesem Fall Rudolf Steiner und die ganze Anthroposophie diffamiert werden soll. Um das zu erreichen, bedient sich der Verfasser verschiedener Mittel und «Kniffe» wie z.B. sinnveränderte Zitate, Weglassen von Tatsachen, nicht belegte Behauptungen. Geht es dabei nur um die freie Meinungsäußerung eines Andersdenkenden? Möglicherweise geht es um mehr. Wenn es zutrifft, dass sich Herr Zander mit dieser Schrift habilitiert hat*, dann stünde er nicht allein auf dem Prüfstand vor der Öffentlichkeit, sondern mit ihm auch alle Gutachter (die es bei einer Habilitation braucht) und die involvierten Fakultätsangehörigen, also die "crème de la crème" der Wissenschaft. In diesem Fall wäre zu fragen, wie es möglich ist, dass jemand mit einer solchen Schrift, die die wissenschaftlichen Kriterien grob missachtet, dennoch die akademischen Hürden nehmen und die Lehrberechtigung an einer Hochschule erwerben kann?
Dr. Jutta Schwarz, Zürich
* Anm. der Red.: In Zanders Werk heißt es im Nachwort, auf. S. 1717: «Rüdiger von Bruch, Historiker an der Humboldt-Universität in Berlin, hat das Risiko auf sich genommen, die Betreuung für einen Teil dieser Arbeit als Habilitationsschrift zu übernehmen.» Welcher Teil das ist, gibt Zander nicht an.
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