Editorial, News

Vom Tao Tê King zum China von heute

Ich schreibe dieses Editorial im Flugzeug, das mich zu einem ersten Chinabesuch nach Guangzhou bringt. Zur vorbereitenden Lektüre gehören nebst einem Reiseführer das Tao Tê King von Laotse (um 395–305 v. Chr.) und eine kleine, leider vergriffene Schrift von Runhild Böhm über die folgenreichen Opiumkriege Englands gegen China. Laotses in kurzen Kapiteln niedergelegte Weisheit, verrät noch atlantischen Ursprung. Sie kreist um das TAO, das als das Umfassende, Umgreifende, das Ewige umschrieben werden könnte – dasjenige, was allem Entstandenen und sich in Gegensätzen Auslebenden prä-dualistisch vorangegangen ist und vorangeht. Diese bedeutende Schrift wurde erstmals im Jahre 1842 in eine europäische Sprache übersetzt, und zwar ins Französische. Es war just im Jahre, in dem der Gewaltfriede von Nangking China zum Öffnen seiner Häfen, zur Einfuhr des in Indien gewonnenen Opiums zwang und ihnen Hongkong entriss. Einen unbestechlichen Blick für diese Geschehnisse hatte kein anderer als Karl Marx, welcher als Korrespondent in London die Eigeninteressen der Briten klarsichtig verfolgte.

Guangzhou hieß früher Kanton, und diese südchinesische Hafenstadt war der Ausgangspunkt der ersten beiden Opiumkriege. Das britische Nationalvermögen ist zu einem beträchtlichen Teil, unter Mitwirkung der East India Company, aus dem erzwungenen Handel mit dem Opium aufgebaut worden.

Rudolf Steiner hat mitten im Weltkrieg, am 30. und 31. Dezember 1916 (GA 274a) von den Opiumkriegen gesprochen und nebst den wirtschaftlichen Aspekten darauf aufmerksam gemacht, dass zahlreiche Seelen, die sich hätten in China inkarnieren wollen, dies wegen des weitgehenden Verfalls chinesischer Leiber infolge des epidemisch verbreiteten Opiumgenusses nicht vermochten. Sie verkörperten sich stattdessen in Europa, während für Europa prädestinierte Seelen ihre europäische Inkarnation auf die Zukunft verschieben mussten. Eine Seelen-Umleitung und Inkarnations-Verschiebung gigantischen Ausmaßes. Es bedeutete eine «Chinesisierung» Europas und eine Schwächung der eigentlichen europäischen Mission, die dem Britischen Weltimpuls ebenso willkommen sein musste wie die erzielten asiatischen Handelsvorteile. Der heutigen Immigrations-Welle in Europa ist also eine grandiose Seelen-Immigration der gekennzeichneten Art vorausgegangen, die viel weniger beachtet wird.

Ist dem Westen daraus vielleicht die Verpflichtung erwachsen, wieder ein Gleichgewicht der an Seelen gebundenen Aufgaben in West, Mitte und Ost anzustreben? In der gleichen geschwächten Mitte, die dann dem Nationalsozialismus verfallen konnte, ist in der Zeit der Krise, die in den Ersten und den Zweiten Weltkrieg führte, die Geisteswissenschaft Rudolf Steiners geboren worden. Diese aber ist, wie ich schon vor dreißig Jahren in meiner kleinen Schrift Ichkraft und Hellsichtigeit – Der Tao-Impuls in Vergangenheit und Zukunft gezeigt habe, nichts anderes als ein umfassender, in eine zeitgemäße Form metamorphosierter Taoismus.

Heute stehen wir vor der sehr bemerkenswerten Tatsache, dass gerade in China ein größtes Interesse an Anthroposophie, Eurythmie oder Anthroposophischer Medizin erwacht ist. Über sechzig Waldorfschulen sind bereits in wenigen Jahren in Erscheinung getreten. Der in Europa gewissermaßen steckengebliebene Weltimpuls der Anthroposophie – kann er gerade in China zum Entwicklungshelfer eines modernen Taoismus werden, jenseits von allem Krieg und Gegensatz? Eines Taoismus, der den Menschen wieder zur Erkenntnis des Ewigen hinführt?

Desselben Ewigen, von dem Lao-Tse sagt:

«Das Ewige erkennen heißt Erleuchtet-Sein.
Das Ewige nicht erkennen, macht verderbt
und unglücklich.»

Im Sinne dieses Ausspruchs kommen wir alle aus Jahrhunderten der Verderbtheit und des Unglücks heraus. Wird die homöopathische Dosis von anthroposophischen Impulsen im gegenwärtigen China mit dazu beitragen können, eine Epoche des neuen Erleuchtet-Seins zu erringen?

Mit der Hoffnung im Herzen, auf solche Fragen erste Antworten zu finden, werde ich in wenigen Stunden erstmals chinesischen Boden betreten.

Thomas Meyer, auf der Höhe von Archangelsk

Gegner welcher «Anthroposophie»?

Ein offenes Wort vom Chefredaktor des Europäers

Jüngst verbreiteten mehrere Anthro-Medien einen von acht Autoren zusammengestellten Artikel, der eine kollektive Willens-Erklärung darstellt: «Die offene Anthroposophie und ihre Gegner» (siehe den Artikel von Arnold Sandhaus auf S. 19).

Die Autoren ziehen darin wie Krieger gegen das Gift von «Verschwörungstheorien» zu Feld. Außer Schlagworten und Unterstellungen haben sie nichts Substantielles zu bieten. Der Chefredakteur von Info-3, Jens Heisterkamp, geht sogar so weit, konkret zwei offenbar recht unangenehme Konkurrenten zu seinem Frankfurter Blatt als Gegner seiner «offenen Anthroposophie» zu brandmarken: das von Roland Tüscher und Kirsten Juel herausgegebene Nachrichtenblatt und den Europäer. Letzterem werden auch «neo-nationalistische» Einschläge unterstellt.

Da wir nun – auch von der Redaktion der Dornacher Wochenschrift für «Anthroposophie» – ganz offen als Gegner der «offenen» Anthroposophie angeprangert werden, wollen wir die Gelegenheit nicht versäumen, offen mitzuteilen, dass wir dies für ein – allerdings ungewolltes – Kompliment betrachten. Ich will mich kurz erklären: Die «offene Anthroposophie» erheischt seit ihrer Frankfurter Geburt vor vielen Jahren diktatorisch Offenheit für fast alles, was uns der «Zeitgeist» – ja, welcher? – um die Ohren weht. Namen wie Ken Wilber, Andrew Cohen oder Info-Bannerträger wie Felix Hau und Sebastian Gronbach mögen genügen, um die Offenheit dieser Anthroposophie zu bezeichnen. Wer aber in einer geistigen Bewegung alle Fenster aufreißt, erzeugt ganz einfach spirituellen Durchzug. Mit einer solchen Durchzugs-Anthroposophie wollen wir in der Tat nichts zu tun haben. Sie kann nur zu geistigen Erkältungszuständen mit gleichzeitigen oder anschließenden Fieberzuständen führen. Wir sind stolz darauf, Gegner einer solchen «Anthroposophie» zu sein. Wir lieben zwar Frankfurter Würste. Aber die in der Goethestadt (!) zubereitete und über die Zwischenstation Dornach nach einem weltweiten Export gierende Durchzugs-Anthroposophie erachten wir – auf dem Hintergrund wahrer Anthroposophie – einfach als einen Etikettenschwindel mit schönen, hochtrabenden, zumeist ganz leeren Worthülsen.

Offen genug?

Wem dies alles übertrieben erscheint oder gar ungerechtfertigt, der lese die beste Selbst-Darstellung, die Info-3 je geliefert hat. Das Blatt und sein Umkreis sieht seine Aufgabe darin, der Menschheit eine «Anthroposophie» zu vermitteln, die nachvollziehbar und zeitgemäß sei, was derjenigen von Rudolf Steiner schlicht abgesprochen wird. Unter der Überschrift «Einfach mal durchlüften» erschien in der Juni-Nummer eine Vorschau auf einen bis jetzt nicht erschienenen Artikel mit Sentenzen von Mathias Wais: Man lese und staune: «Rudolf Steiner hat uns überfordert. Das Kolossale seiner Ausführungen ist weithin nicht nachvollziehbar. Also sind wir zu eigenen zeitgemäßen Wegen aufgerufen. Mathias Wais mit Gedanken zur Anthroposophie zwischen gestern und morgen.» Erst wird posaunt, dass die Anthroposophie objektiv kaum nachvollziehbar und zeitgemäß sei, dann wirft man sich zu deren berufenem Reformator auf, damit sie endlich das werde, was sie für Menschen, die einen gewissen Denkwillen aufbringen wollen, schon immer war: nachvollziehbar und zeitgemäß. Wir wollen gerne glauben, dass manche Leute beim Studium der Anthroposophie überfordert sind… Doch das gibt ihnen keine Befugnis, ihr subjektives Nicht-Verstehen zur allgemeinen Norm zu erheben.

Schließlich: einer der glorreichen Acht, Henning Kullak-Ublick, Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen, spricht in seiner Erklärung von der verschwörerischen Tendenz, dem irrationalen Grundsatz zu huldigen «Nichts ist, wie es scheint». Kullak-Ublick hat vor Jahren bekanntlich dafür gesorgt, dass Menschen wie der ehemalige Waldorfschüler Ken Jebsen von Oberstufenvorträgen an Waldorfschulen prinzipiell fernzuhalten seien. Nun erschien in diesem Jahr ein Buch des Tübinger Akademikers Michael Butter, das zur Bibel der Glorreichen Acht und aller von ihnen Beeindruckten werden könnte: Nichts ist, wie es scheint – Über Verschwörungstheorien. Darin findet sich eine «Fallstudie» prägnanter Art: Daniele Ganser, ebenfalls einst Waldorfschüler und Freund und Kollege von Ken Jebsen, der auch am 3. März 2018 in Basel aufgetreten war, wird als typischer Verschwörungstheoretiker hingestellt. Man fragt sich, woher der Ganser-Furor kommt. Wird er etwa beneidet, weil kein Geringerer als Noam Chomsky sein NATO-Buch gelobt hat?

Ja, nichts ist, wie es scheint. Dieses Wort muss auch auf die Willens-Erklärung der Glorreichen Acht angewendet werden. Sie scheinen sich Sorge um die Anthroposophie zu machen – und haben ihre Gegner. Wirklich?

Nein, nicht einmal uns. Wir haben, genau genommen, keine Gegner, auch nicht diese Menschen. Wir kümmern uns einfach nicht weiter um sie. Wir respektieren ihre Freiheit, die Anthroposophie nicht nachvollziehbar, unzeitgemäß und reformationsbedürftig zu finden und widmen uns weiterhin dem Bemühen, sie immer besser zu verstehen und zu verwirklichen.

Thomas Meyer

Marx, Steiner und die Euro-Statue in Brüssel

Karl Marx (1812–1883) schrieb in einem Café auf dem Großen Markt von Brüssel 1847 sein «Kommunistisches Manifest». Weltweit wurde am 5. Mai seines 200. Geburtstags gedacht. Wie viele Menschen dachten dabei auch an die Tatsache, dass Rudolf Steiner den karmisch-geschichtlichen Hintergrund des Mannes erforscht hat, der wie kein Anderer das moderne Denken über Arbeit, Kapital und Eigentum prägte? (Siehe u.a. die Vorträge vom 5. und 6. April 1924, in GA 236 und 239).

Die Individualität von Marx lebte im 9. Jahrhundert in Nordfrankreich, also nicht weit entfernt vom Geburtsort des Kommunistischen Manifestes. Sie war Landbesitzer mit ausgeprägten Verwaltungsfähigkeiten. Eines Tages wurde dieser Landeigentümer von einem anderen, abenteuernden Landbesitzer enteignet und musste fortan auf seinem früheren Grundbesitz Frondienste leisten. Der neue Landbesitzer wurde in seiner späteren Inkarnation der Freund und Helfer von Marx, Friedrich Engels.

So kam Marx aus ganz persönlichem Schicksal heraus zu den Kerngedanken von Eigentum und Kapital.

Wie anders Rudolf Steiner. Seine die soziale Dreigliederung fordernden Kernpunkte der sozialen Frage sind am Schicksalsgang der ganzen modernen westlichen Menschheit abgelesen worden und konstatieren nur, was sich sozial Bahn brechen will.

Sie waren an jedermann gerichtet, der einen unbefangenen Blick in die Zeitlage hatte. Sogar ein Mann wie Mussolini anerkannte ihren Wert, wenn auch zu spät (siehe den Artikel auf S. 6). Und Johanna Gräfin Keyserlingk zeigt in einem bisher unveröffentlichten Fragment, wie weit auch in den USA Verständnis für die Kernpunkte und die Dreigliederung aufblühte.

Am Eingang des Brüsseler Parlamentsgebäudes steht eine künstlerisch grässliche Euro-Statue, mit vielsagender Botschaft: Krampfhaft hält eine hart-hagere Frau das Eurozeichen hoch, unter ihr ein Mann, der nach der Augenzeugen-Auffassung des Christengemeinschaftspriesters Mathijs van Alstein die Züge Rudolf Steiners trägt!* Ausdruck eines Geisteskampfes im 20. und 21. Jahrhundert? Mammon versus eine wirklich neue Sozialordnung?

Ob dem männlichen Statuengesicht ähnlich oder nicht: Auch Steiner weilte jedenfalls in Brüssel und entdeckte dort den sehr bedeutenden visionären Maler Antoine Wiertz (1806–1865). Die Euro-Göttin könnte seinem Gemälde «La révolte des Enfers contre le Ciel», entstiegen sein. Das Schild der «rue Wiertz» gleich hinter ihr an der Mauer, das Wiertz-Museum gegenüber dem Parlamentsgebäude! Welche Sprache der Kontraste!**

Es ist Zeit, dass die Euro-Göttin in die gleiche Unterwelt zurückkehrt, der sie entstieg und den Blick frei gibt auf Steiners Real-Utopie, die sowohl Marx wie die Träume der Brüsseler Globalisierer überdauern wird.

Thomas Meyer

* Siehe seinen bemerkenswerten Aufsatz «Besinnung in Brüssel», in Die Christengemeinschaft 5/2018.
** Vgl. auch das Brüssel-Kapitel in meinem Roman Der unverbrüchliche Vertrag.

Absurditäten in der großen und der kleinen Welt

Wenn in der großen Welt einer Regierung das Ergebnis eines Referendums nicht passt, lässt man es einfach wiederholen. So geschehen im Juni 2008 in Irland. Beim ersten Referendum über den Vertrag von Lissabon wurde dieser Vertrag vom Volk verworfen. Darauf setzte eine (Des-) Informationskampagne ein. Mit dem Ergebnis des zweiten Referendums im Oktober 2009 waren die führenden Kreise zufrieden.

Einfacher, mit weniger Aufwand, geht das im kleinen Dornach in der Schweiz. Die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft stimmten bei der diesjährigen Generalversammlung am 24. März mehrheitlich gegen die Verlängerung der Amtszeit der zwei Vorstandsmitglieder Bodo von Plato und Paul Mackay.

Bereits am 26. März schrieben die noch amtierenden Vorstandsmitglieder Wittich, Sleigh, Kalkis und Girke an «Liebe Mitarbeitende am Goetheanum»: «Wie Sie erlebt und gehört haben, hat leider eine Mehrheit der anwesenden Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft den Vorschlag des Vorstandes und der Goetheanum-Leitung auf eine weitere Amtszeit von Paul Mackay und Bodo von Plato abgelehnt. (…) Wir bedauern dies nach 22jähriger bzw. 17jähriger Vorstands-tätigkeit sehr.» Dann stellten sie fest: «Paul Mackay und Bodo von Plato gehören in ihrer Mitverantwortung für die Allgemeine Anthroposophische Sektion weiterhin der Goetheanum-Leitung an. Daran ändert sich bis auf weiteres nichts. Lediglich Unterschrift im Zusammenhang mit der Vorstandsfunktion werden von beiden ab sofort nicht mehr getätigt.»

Die Allgemeine Sektion ist für die Handhabung der «Klasse» zuständig, die jahrzehntelang durch spirituelle Führungsprätentionen gründlich fehlgeleitet worden war. In dieser Sektion dürfen die in einwandfreiem Verfahren Abgewählten also weiterhin mitreden! Wie wenig es im Übrigen auf Unterschriften ankommt, weiß man in allen Bananenrepubliken genauso gut wie in deren kleinem Dornacher Abbild.

Der Restvorstand versetzte der Mehrheit der Abstimmenden mit diesem Schreiben einen Fußtritt, ebenso dem Schweizer Vereinsrecht. In Dornach gilt offenbar nach wie vor «höheres» Recht, auf das sich schon Albert Steffen berufen hatte, nämlich das «Mysterienrecht»…

Wir haben in der letzten Nummer über Karma-Illusionen im Zusammenhang mit Steiners Michael-Prophetie berichtet. Hier ist nachzutragen, dass auf der besagten GV eine Verteidigerin von Paul Mackay in Erscheinung treten durfte, die sich für Ita Wegman hält. Sie hatte mir vor vielen Jahren in einem persönlichen Gespräch zudem berichtet, dass sie Paul Mackay als den wiederverkörperten D.N. Dunlop betrachtet! Man reibe sich die Augen. Kein Traum! Wahn-Wirklichkeit auf der Dornacher März-GV. Pro Memoria: Mackay war verantwortlich für die niederländischen Inserate, mit denen man sich sicherheitshalber von einem allfälligen «Rassismus» in der Anthroposophie distanzieren wollte («Insoferne es eine Rassenlehre bei Steiner gibt, distanzieren wir uns von ihr.») Von Plato empfahl schon 2002 «keinerlei Bezugnahme auf Rudolf Steiner», um mit der «Anthroposophie» nicht allzusehr Anstoß zu erregen. Wir berichteten im Europäer. – Weiterer Kommentar durch unseren Karikaturisten auf Seite 35.

Zurück zu einer großen Bananenrepublik: Der Gift-Fall Skripal in Salisbury könnte nach einem Drehbuch von Alfred Jarry oder Eugène Ionesco abgewickelt worden sein, nicht weniger absurd als die oben berichteten Vorgänge. Die chemische Analyse in einem Schweizer Labor in Spiez ergab schließlich, dass das Gift nicht nur in Russland, sondern praktisch überall in der Welt in einem dafür ausgestatteten Labor hergestellt werden konnte. Eine Revanche für die von den Russen getöteten britischen Soldaten? Sollte einfach das NATO-Budget erhöht werden? Oder ein Vorwand zur Bombardierung von Syrien am fatalen 14. April konstruiert werden? Dann entsprächen die dreisten Mutmaßungen und Behauptungen gegenüber der «Schuld» Russlands eher einer Vorlage Machiavellis.

Thomas Meyer

Reaktionen auf die Tagung «Terror, Lüge und Wahrheit»

Die gleichnamige Basler Veranstaltung vom 3. März im Scala Basel wirkte als Barometer für die öffentliche Meinungs-Wetterlage im Zusammenhang mit Kernereignissen der letzten Jahre und Jahrzehnte. Dass bereits im Vorfeld der voll ausgebuchten Tagung eine journalistische Exekution der Tagung in Nordschweizer BZ-Regionalblättern versucht wurde, haben wir berichtet. Im Nachfeld hat die Schweizer Sonntags-Zeitung vom 11. März ein Glanzstück tatsachenfremder und vor Unwahrheit strotzender Berichterstattung vorgelegt. Titel des doppelseitigen Rundumschlags: «Wenn alles mit allem zu tun hat, Daniele Ganser, Ken Jebsen und weitere Verschwörungstheoretiker trafen sich in Basel – auf Einladung von Anthroposophen. Die Hintergründe».

Genau dies praktizieren die Sonntags-Schreiberlinge: Sie vermischen alles mit allem, indem sie in einem über eine Doppelseite gespreizten Kasten allerlei Theorien durcheinanderwerfen, als ob auch nur eine von ihnen während der Tagung Thema gewesen wäre: Obama soll nach David Icke in Wirklichkeit eine Echse sein – Pizzagate, Impfgegner, Chemtrails, Die Protokolle der Weisen von Zion usw. usw. Doch Halt: 9/11 darf natürlich nicht fehlen – «nicht von Al Qaida verübt (…) Ein Nebengebäude (…) fällt in so kurzer Zeit in sich zusammen, dass es gesprengt worden sein muss. Videos von Osama bin Laden sind gefälscht.» Statt zu diesem Gegenstand der Scala-Tagung auch nur von Ferne die Wahrheitsfrage zu stellen, was Pflicht der Journalisten wäre, sollen die wenigen Sätze über 9/11 im Wust der Dinge, die mit der Tagung nicht das Geringste zu tun hatten, sogleich als «Verschwörungstheorie» lächerlich gemacht und abgetan werden.

Sonntags-Zeitung, 11. März 2018

Sonntags-Zeitung, 11. März 2018

Das Allergroteskeste: ein über zwei Seiten laufendes Bild, das gut ein Drittel der gesamten Doppelseite füllt: Die New Yorker Gebäude nach dem Anschlag, mit riesigen Rauchpilz-Wolken, wie man sie bisher nur von Atomexplosionen oder Vulkanausbrüchen kannte. Zwei Flugzeugeinschläge als Ursache? Der photographierte Augenschein ruft laut nach ganz anderen Erklärungen… Doch Blinde und Taube sehen nichts und hören nichts.

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Schlimmer, wenn auch nicht weniger voraussagbar als solche pitoyablen Berichterstattungen, ist das Verhalten eines Teils der anthroposophischen Presse. Herr Heisterkamp nannte die Basler Veranstaltung in seiner desinformierenden Haus-Postille «ein Gipfeltreffen szenenbekannter Autoren, deren Gemeinsamkeit die Deutung islamistischer Anschläge als inszenierten Staatsterror» ist. Kein Fünkchen Überlegung, wieweit diese Auffassung vielleicht tatsächlich begründet ist.

Gegen Ken Jebsen führt er den nur mit Schlagworten und Verdrehungen «begründeten» Angriff ins Feld, der vom Sprecher des Bundes der deutschen Waldorfschulen, Henning Kullak-Ublick, bereits im Juli 2015, gegen ihn geführt wurde, indem der Bundessprecher vor einem Auftritt des ehemaligen Waldorfschülers Jebsen (später auch von Ganser und anderen «Verschwörungstheoretikern») an Waldorfschulen warnte – ein Schandfleck für das freie Geistesleben, dem gerade diese Schulen dienen sollten!

Die durch die Mainstream-Medien in Furcht und Schach gehaltene interne Gegnerschaft gegen ein freies Geistesleben in der anthroposophischen Bewegung hat nach der Basler Veranstaltung wieder Oberhand gewonnen: Eine geplante und bereits angekündigte Folge-Veranstaltung nach der vollbesetzten Basler Tagung in der Waldorfschule Schopfheim wurde wieder abgesagt – mit Berufung auf die Kullak-Weisungen des Bundes der Waldorfschulen!

Unser anthroposophisches Barometer zeigt auf ein «Sturmtief» für das freie Geistesleben!

Thomas Meyer

Veranstaltung von Weltverschwörern? – Eine bemerkenswerte Fehlleistung der Schweizer Boulevard-Presse

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Manchmal werden sie aber nicht vom Ereignis selbst geworfen, sondern von Leuten, denen ein künftiges Ereignis aus irgendeinem Grund ein Dorn im Auge ist. Die Rede ist von der Tagung «Terror, Lüge und Wahrheit» mit Elias Davidsson, Daniele Ganser und Thomas Meyer, die am 3. März im Scala Basel stattfindet und von Ken Jebsen moderiert wird.

Fake News

Am 8. Februar und den folgenden Tagen erschien gleich in vier regionalen Tageszeitungen der Nordwest-Schweiz ein Artikel von Christian Mensch mit dem Titel «Verschwörungsmystiker wie der Basler Daniele Ganser kapern Rudolf-Steiner-Bewegung».* Dazu kommentiert Mensch in fetten Schlagzeilen: «Verschwörungsmystiker wie der Schweizer ‹Friedensforscher› Daniele Ganser oder der deutsche you-tube Moderator Ken Jebsen erhalten Unterstützung durch die anthroposophische Bewegung von Rudolf Steiner. Am 3. März findet in Basel die Tagung ‹Terror, Lüge und Wahrheit› statt, an der die Propagandisten einer Weltverschwörung ihre Thesen ausbreiten können.» Darunter ein großes Bild des Goetheanum.

Die Fakten

Menschs Recherchen bezüglich der Veranstaltung waren so miserabel, dass er offenbar zur Überzeugung kam, zu allem Üblen, das mit den Namen dieser Referenten bereits in den Medien verbunden wurde – seiner Ansicht nach zu Recht –, käme nun noch das unerhörte «Faktum» dazu, dass die anthroposophische Bewegung die Tagung pauschal unterstütze oder in globo hinter ihr stehe.

Dazu die folgenden Fakten: 1. Die Tagung ging aus der privaten Initiative von Thomas Meyer als dem Leiter des Perseus Verlags hervor. 2. Dieser wählte die Referenten aus. 3. Meyer dachte zunächst an einen größeren neutralen Tagungsort in der Stadt Basel. 4. Er teilte seinen Tagungs-Plan Marcus Schneider, dem Leiter des Paracelsus-Zweiges Basel, mit. 5. Dieser schlug darauf vor, die Tagung gemeinsam zu veranstalten. 6. Meyer machte Marcus Schneider auf das Risiko aufmerksam, als Unterstützer von «Verschwörungstheoretikern» abgestempelt zu werden. 7. Das war Schneider zu Meyers großer Freude egal. 8. So wurde das Scala Basel, in dem regelmäßig anthroposophische und nicht-anthroposophische Veranstaltungen stattfinden, als Tagungsort gewählt.
9. Daniele Ganser und Ken Jebsen waren Waldorfschüler, Schneider und Meyer Lehrer an Waldorfschulen. 10. Mit dem Goetheanum in Dornach hat diese Tagung so wenig zu tun wie die Recherche von Herrn Mensch mit der Wirklichkeit, nämlich nichts.

Ein Artikel von einem «Verschwörungstheoretiker»?

Mensch schlägt in dem Artikel vor, den auch von ihm verwendeten Begriff der «Verschwörungstheorie» nicht mehr auf die von ihm Verfolgten anzuwenden. Denn dieser Begriff würde suggerieren, «ihre Szenarien beruhten auf einer wissenschaftlich fundierten Theorie» (Kursivsetzung TM). Die aber will Mensch den Geächteten rundweg absprechen. So greift er bereits im Artikel-Titel zum Wort «Verschwörungsmystiker» und glaubt damit, «Verschwörungstheoretiker» klassischer Art und «Anthroposophen» in einen Topf schmeißen zu können. Ironie der Sache ist: In der Schweiz am Sonntag erschien schon vor über zwei Jahren ein Artikel von Martin Wagner, Rechtskonsulent der Wirtschaftskammer Baselland, der Christian Mensch attestierte, «regelmäßig unter Verschwörungstheorien» zu leiden, die ihn «beim Schreiben offensichtlich in die Irre führen».** Daran scheint sich bei Mensch in der Zwischenzeit nichts geändert zu haben.

Zur Ehre der Blätter, die die Fake News von Mensch verbreiteten, sei abschließend gesagt, dass in den Tagen nach Erscheinen seines Artikels in der Basler Ausgabe ausnahmslos artikelkritische Stimmen erschienen. Die Boulevard-Presse hat demnach Leser, zu denen sie aufblicken sollte. Das würde auch ihr eigenes Niveau anheben…

Thomas Meyer

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*   https://www.basellandschaftlichezeitung.ch/schweiz/verschwoerungsmystiker-wie-der-basler-daniele-ganser-kapern-rudolf-steiner-bewegung-132179380

** https://mobile.twitter.com/patrick_kuenzle/status/640801789835636736/photo/1

Kontraste während meiner Tour durch Nord-Amerika

Zwischen dem 18. Oktober und dem 24. November 2017 hatte ich eine einmalige Gelegenheit, eine Vortragstournee durch die USA zu unternehmen. Ich hielt 25 Vorträge (und Seminare) an 10 Orten, und zwar zu folgenden Themen: «The World-Historic Significance of Anthroposophy», «In the Sign of the Five», «The Subterranean Spheres», «The Mexican Mysteries», «Technology and Spirituality», «The Reappearance of the Christ» und «The Meditative Path of the Michael School». Die Tournee wurde von James Lee, Paul O’Leary und Gene Gollogly (SteinerBooks) hervorragend organisiert und betreut.

In Denver zeigten mir meine Gastgeber ein Buch von Henry Adams (1838–1918) mit dem Titel Mont Saint Michel and Chartres. Adams stammte aus einer Familie, welche zwei amerikanische Präsidenten hervorgebracht hatte. Unerwartet, für den europäischen Besucher völlig neu.

Im Museum von Seattle führte mich die dortige Gastgeberin vor ein aus dem Jahre 1898 stammendes Bronze-Relief von Augustus Saint-Gaudens mit dem Titel «Amor Caritas», welches laut meiner Begleiterin auf eine tiefere Mission Amerikas hinweist, auch wenn davon äußerlich bis heute nicht allzu viel zu sehen ist. In Denver erfuhr ich auch von der Legalisierung von Cannabis, die nun jüngst auch in Kalifornien gilt – kein gutes Omen für das Ergreifen dieser tieferen Mission Amerikas.

In der Nähe von San Diego, wo die US-Navy im Dezember 1941 alle Signale der japanischen Flotte auffing und sie Admiral Kimmel auf Hawaii vorenthielt, liegt Point Loma, eine wunderbare hochgelegene Landzunge, die in den Pazifik hinausreicht. Hier wollte Catherine Tingley, die Nachfolgerin von William Q. Judge in der Leitung der Theosophischen Gesellschaft ein Zentrum für die «Erneuerung der verlorenen Mysterien der Antike» gründen. Dies zog den jungen D.N. Dunlop an. Er fuhr von Irland nach Point Loma und arbeitete eine Weile als Tingleys Sekretär. Einige Gebäude aus jener Zeit stehen noch und sind in ein modernes christliches Privatcollege integriert.

Am 1. November kam ich in Queretaro in Mexiko an. Überall Kostüme und Figuren des Festes des «fröhlichen Todes», wie die Mexikaner es nennen. Mit Besuchen auf den Gräbern von verstorbenen Verwandten, denen Essen mitgebracht wurde. Zwiespältige Empfindungen stiegen hoch, die noch gesteigert wurden durch den Besuch in Teotihuacan mit seinen Pyramidenbauten, einem Ort, an welchem Menschenopfer dargebracht wurden. In Queretaro war am 19. Juni 1867 Kaiser Maximilian erschossen worden, wodurch der späte Traum eines Habsburgischen Weltreichs ein jähes Ende fand.

In Mexiko City besuchte ich das Wohnhaus Trotzkys, in welchem er am  21. August 1949 ermordet wurde. In starkem Kontrast dazu: Die Jungfrau von Guadalupe, zu deren heiliger Reliquie jährlich am 12. Dezember Millionen von Menschen aus ganz Südamerika strömen.

Die Waldorfschule von Washington liegt zwei Meilen von Langley, Virginia entfernt, dem Zentrum der CIA. Mein lokaler Führer fuhr mich in seinem Wagen bis an den Zaun des Geländes wie auch um das Pentagon herum. Doch in seiner eigenen Schulgemeinschaft muss man die Tatsache, dass man nicht für Hillary Clinton stimmte, verschweigen. Beim Abschied schenkte er mir das lesenswerte Buch über die Gründung der FED von Edward Griffin: The Creature from Jekyll Island.

Ich kam gerade noch rechtzeitig in New York City an, um es zum Symphony Space zu schaffen, einem Theater in Manhattan, das drei Whistleblowers eine Plattform bot: William Binney, Ray McGovern und Diane Roark. Die Moderation machte Sean Stone, ein Sohn von Oliver Stone, über dessen Serien von Putin-Interviews wir berichtet haben.  Ein außergewöhnliches Ereignis: Bill Binney war der Chef-Programmierer der NSA; er entwickelte das Programm «Thin Thread» und wurde vor dem 11. September 2001 aus dem Geheimdienst eliminiert. Er behauptete, dass in der Database alles enthalten gewesen sei, was die Anschläge hätte verhindern können.

Unterwegs zum nächsten Vortragsort, Great Barrington in Massachussetts, entwickelte ich mit Thomas O’Keefe, der mich begleitete, zwei Lackmus-Tests für Anthroposophen. Sie bestehen in den Fragen:

1. Was halten Sie von der offiziellen 9/11-Erklärung?
2. Was denken Sie über den heutigen Umgang mit dem esoterischen Material von Steiners «Klassenstunden»?

Meiner Erfahrung nach hängen die beiden Fragen innerlich zusammen. In der Regel glauben nämlich dieselben Leute, welche die offizielle 9/11-Story naiv und gläubig verinnerlicht haben, auch, dass die neunzehn Stunden der «Michael Schule» Rudolf Steiners noch heute «geschützt» werden sollten und können. Zum Beispiel durch das Vorzeigen besonderer Mitgliedskarten. Obwohl Steiner der eventuellen (und dann wirklich eingetretenen) Notwendigkeit einer unbedingten Veröffentlichung bereits 1924 entgegengesehen hatte.

In Boston endete die Tournee. Hier führte ich inspirierende Gespräche mit dem Redaktions-Mitglied Andreas Bracher, der für den Europäer wie für The Present Age schreibt. Während meines letzten Vortrags über «The World-Significance of Anthroposophy», saß Dan Emerson, der Urenkel Ralph Waldo Emersons im Auditorium. Er war freundlicherweise bereit, eine private Führung im Emerson-Haus zu arrangieren, das zu dieser Jahreszeit wohl wegen schlechter Heizbarkeit für die Öffentlichkeit bereits geschlossen war. Wir konnten uns in aller Ruhe im Haus umsehen, die Stiche an der Wand bewundern – eines vom Vesuvausbruch – oder Bücher aus den Regalen nehmen. Ein glücklicher Abschluss der ganzen Reise, galt sie doch einem Amerikaner, der viel von Amor und Caritas in sich verwirklicht hatte, einem Weltbürger, der turmhoch über den Niederungen gewöhnlicher amerikanischer Politik und Gesinnung steht.

Es ist nicht leicht, mit einem weltberühmten Philosophen und Eassayisten wie Emerson verwandt zu sein. Dan Emerson hat diese Herausforderung gemeistert. «Ich bin der lebende Beweis», sagte er den Besuchern mit einem Lächeln auf dem Gesicht, «dass Genie nicht vererbbar ist…». Gewiss besitzt der Großenkel etwas vom «Wit and Humour», über den sein Vorfahre so unendlich treffend geschrieben hat (siehe Ralph Waldo Emersons Essay auf Seite 8).

Alles in Allem: eine erfahrungsreiche Reise. An jedem besuchten Ort mindestens ein oder zwei Menschen, die nicht zu kennen ich zu den nicht mehr gut zu machenden Fehlern meines Lebens rechnen müsste…

Thomas Meyer

Die Quelle der wahren Positivität

Was hat das Leben für einen Wert? In einer Welt des Hungers, des Elends, fortwährender terroristischer Akte und Kriegshandlungen. Wie können wir angesichts der Zerstörungen, dem Hass, der Furcht und der Gier, die heute die Welt zu beherrschen scheinen, in einer positiven Grundhaltung verbleiben? Das scheint unmöglich. Die Frage stellt sich auch für jeden einzelnen Menschen: Scheinen Krankheit, permanenter Schmerz und Schicksalsschläge dem Leben nicht allen Wert zu rauben? Legen wir auf eine Waagschale alles Positive, das wir je erfahren haben, auf die andere alles Negative. Es ist klar, dass die Schale mit den negativen Erlebnissen bei den allermeisten Menschen schwerer wiegt. Eine durchaus negative Bilanz also. Ist ein Suizid oder ein «Exit» nicht die vernünftigste Lösung, um der ins Minus gehenden Wertspirale ein Ende zu setzen?

Werden wir also Pessimisten? Das war die philosophische Konsequenz von Schopenhauer und Eduard von Hartmann und allen, die wie sie bloß addieren und subtrahieren. Die Rechnung stimmt, doch das menschliche Ich rechnet anders. Es setzt ein anderes Verhältnis zwischen positiven und negativen Erlebnissen, als sie zu addieren und zu subtrahieren. Es nimmt mit ihnen eine Division vor. Setzen wir alle negativen und positiven Erlebnisse in einen Bruch: Über dem Strich (Zähler) stehen alle positiven, unter dem Strich (Nenner) alle negativen Erlebnisse. Dieser Bruch kann niemals Null werden! Denn dazu müsste entweder der Zähler Null sein oder der Nenner approximativ unendlich werden. Wer kann behaupten, dass er bis zum letzten Atemzug keinen einzigen Wert erlebte? Wer kann behaupten, dass die Zahl seiner Leiden unendlich groß sei? Das divisorische Verhältnis von negativen und positiven Erlebnissen behält also unter allen Umständen einen positiven Wert, wie gering er auch sein oder scheinen mag. Diese nüchterne Erkenntnis zu erleben, verleiht unserem Leben einen erlebten, positiven Grundwert.

Das Ich dividiert. Das war die Lösung des Wertproblemes, wie sie Rudolf Steiner bereits im dreizehnten Kapitel seiner Philosophie der Freiheit angab. Das Ich dividiert; doch es kann nur dividieren, weil es selbst unteilbar ist, weil es In-dividualität ist.

Der Auferstandene. von Vincenzo Foppa

Die Positivität, die Steiner auch als «Sinn für Bejahung» bezeichnet, ist unter den sechs als Nebenübungen bekannten Grundübungen Steiners die einzige, die er mit einer Christus-Legende illustriert: «Es gibt eine schöne, in der persischen Dichtung vorhandene Legende von Christus, die zur Anschauung bringt, was mit dieser Eigenschaft [der Positivität] gemeint ist: Ein toter Hund liegt an einem Wege. Unter den an ihm Vorübergehenden ist auch Christus. Alle anderen wenden sich ab von dem hässlichen Anblick, den das Tier bietet; nur Christus spricht bewundernd von den schönen Zähnen des Tieres. So kann man den Dingen gegenüber empfinden; in allem, auch dem Widrigsten, mag sich für den, welcher ernstlich sucht, etwas Anerkennenswertes finden. « Und das Fruchtbare an den Dingen ist ja nicht, was ihnen fehlt, sondern dasjenige, was sie haben.» Und was sie haben, ist eben für jede divisorische Ich-Betrachtungsart das unbedingt Positive an ihnen.

Christus ist das Welten-Ich, das große Vorbild für unser mikrokosmisches Ich, unsere Individualität. Er verharrte bei allem unaussprechlichen Leiden in unbedingter Positivität. Er ist der wahre, wesenhafte Quell aller wirklichen Positivität in unserem seelisch-spirituellen Streben.

Thomas Meyer, 9. November 2017, Washington D.C.

Der Degen Lafayettes und das Michaelschwert

Zu Beginn der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts spielte sich in den USA eine ungewöhnliche Begebenheit ab. Monica von Miltitz (1885-1972) überreichte dem Rektor des Lafayette-Colleges ein Schwert des Namenträgers dieser Universität in Pennsylvania.

Der General Marquis von Lafayette (1757-1834) war bekanntlich eine der nobelsten Gestalten während der Französischen Revolution. Er wirkte auf beiden Seiten des Atlantiks, und zwar zuerst in Amerika, wo er sich am Unabhängigkeitskampf beteiligte. Nach Frankreich zurückgekehrt, warb er für eine stärkere Beteiligung Frankreichs an diesem Kampfe. Er wurde zum Inbegriff und Sinnbild der französisch-amerikanischen Freundschaft.

1789 zog er als Vertreter des Adels in die Generalstände ein und wurde zum Oberbefehlshaber der Pariser Nationalgarde ernannt. Der Entwurf zur französischen Menschenrechtserklärung (nach amerikanischem Muster) stammte von ihm. Doch das Umkippen der Revolutionsimpulse in die Barbarei billigte er nicht. Er verließ seine Truppe, die sich dem Königsverrat anschloss, an der Front gegen Deutschland. Beim Grenzübergang wurde er im Sommer 1792 dazu aufgefordert, dem Gesandten des deutschen Reiches seinen Degen zu überreichen. Dieser Gesandte war ein Vorfahre von Monica von Miltitz, in deren Familie das Schwert Lafayettes 140 Jahre lang pietätvoll gehütet wurde. Pünktlich zum 100. Jahrestag der Gründung des Lafayette-Colleges in Pennsylvania überreichte sie nun den Degen während einer feierlichen Zeremonie.

Dabei sagte sie «in der kürzesten Rede meines Lebens»: «Ich, eine Deutsche, übergebe diesem amerikanischen Collegen das Schwert eines verdienstvollen Franzosen, mit der innigsten Hoffnung, dass diese drei großen Völker zu gegenseitigem Wohlwollen und Verstehen finden werden.»*

Lafayette erglühte für die Ideale der Französischen Revolution Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Doch erst die Dreigliederung des sozialen Organismus, welche eine Michael-Inspiration ist, kann diese sonst zum Phrasendasein verurteilten Ideale entsprechend verwirklichen.

In der Zeit der Inkarnation Ahrimans im Westen, über die im Europäer mehr als einmal berichtet wurde, müssen diese michaelischen Impulse, die bereits der Französischen Revolution zugrunde lagen, in der sie sich allerdings erst chaotisch ausleben konnten, neu erfasst und gepflegt werden. In den USA müsste laut Steiner heute zuallererst auf eine Trennung von Wirtschaft und Staat hingearbeitet werden. Das verträgt sich nicht mit einem staatlich eingeführten Grundeinkommen, von dem gegenwärtig auch zahlreiche «Anthroposophen» träumen.**

Die Übergabe von Lafayettes Degen durch Monica von Miltitz war ein real-symbolischer Akt aus übernational-michaelischer Gesinnung, wie sie gerade Amerika braucht.

Um diese neu zu erwecken, brauchen wir das Schwert Michaels, geschmiedet aus Eisen und aus dem Gold spiritualisierter Gedanken.

Wer dieses Schwert einer deutschen, französischen, amerikanischen oder russischen Menschengruppe «überreichen» möchte, sollte sich genau vergewissern, ob er ein wirkliches Michaelschwert in Händen hält – und nicht nur ein gold-lackiertes Holzschwert …

Das wahre Michaelschwert hat einen viel weiteren Aktionsradius als irgendein Degen oder physisches Schwert. Es kann jedem Gutwilligen überreicht werden. Ob er es ergreifen will, muss in seine Freiheit gestellt bleiben.

Thomas Meyer

 

* The Lafayette Alumnus, Febr. 1932. Ich verdanke die Kenntnis dieses Berichtes Marcel Frei. – M. von Miltitz beschrieb die Episode in «Erinnerungen an das Lafayette-College», in Einige Erinnerungsbilder, Manuskriptdruck o.J., S. 8.

** www.sozialezukunft.de/fileadmin/Soziale-Zukunft/Dateien/170922_Aufruf_SZJ.pdf

Unser krankes Finanzsystem und seine Heilung

Editorial-Interview mit Catherine Austin Fitts

Nach einer erneuten Begegnung mit Catherine Austin Fitts diesen Sommer in Basel machte der Chefredaktor ein kurzes Interview mit ihr*. Es wird das übliche Editorial ersetzen, doch für unsere Leser zweifellos nicht von geringerem Interesse sein. Gewiss sind die von Fitts vorgeschlagenen Wege nicht die einzigen oder endgültigen, auch nicht im Sinne einer künftigen assoziativen Wirtschaft. Doch sie können einen Übergang zu dieser schaffen helfen.

THM: Sie verfassten das Buch Dillon, Read & Co. Inc and the Aristocracy of Stock Profits**. Was veranlasste Sie dazu, dieses Buch zu schreiben?

CAF: Ich beschloss, dieses Buch zu schreiben, mitten in einem Gemüsegarten von Montana, im Sommer 2005. Ich kam nach Montana, um ein Modell für Beteiligungs-Kapital zu entwickeln, um eine gesündere und frischere Lebensmittel-Versorgung zu gewährleisten. Wenn wir sauberes Wasser, frische Nahrungsmittel, nachhaltige Infrastruktur und eine gesunde Gemeinde wollen, dann müssen wir diese Ressourcen selber in die Hand nehmen und finanzieren. Wir können nicht in die Aktien und Obligationen von großen Unternehmen, Banken und Regierungen  investieren, die unsere Nahrung, unser Wasser und unsere Umwelt mit allen Lebewesen schädigen, und dann erwarten, dass die Ressourcen uns zur Verfügung stehen, wenn wir sie brauchen.

Ich machte jedoch die Entdeckung, dass Viele der Menschen, die solche Bestrebungen unterstützen, damit fortfahren, die wachsende Korruption zu unterstützen und zu finanzieren.

Ich wollte mit meinem Buch ein «Fallbeispiel» liefern, das solchen Menschen helfen könnte, das Wesen und das Ausmaß der Korruption besser zu verstehen, in der Hoffnung, dass eine solche Erkenntnis dazu führen würde, ihre Zeit, Aufmerksamkeit und Ressourcen in wirkliche Lösungen zu investieren.

THM: Im einführenden Video zu Ihrem Buch sprechen Sie über die Diskrepanz zwischen dem, was Sie den «Popsicle Index» nennen und dem Dow Jones Index. Können Sie unsere Leser darüber kurz aufklären?

CAF: Ich entwickelte den Begriff des «Popsicle Index», während ich in der ersten Bush-Administration als Ministerin für Wohnbau und Stadtwesen arbeitete. Ich wurde von Lobbyisten belagert, deren Geschäftsinteressen von mir verlangten, Entscheidungen zu treffen, die ihre Aktien steigen ließen. Ich bemerkte, dass viele Dinge, die ihre Aktien hochtrieben, eine Verschlechterung des Familien-Einkommens und -wohlstands mit sich bringen und damit auch eine Verschlechterung der öffentlichen Gesundheit und Wohlfahrt.

Ich suchte nach einem «Index», welcher die Wohlfahrt der Gemeinde angibt.

Der «Popsicle Index» gibt den Prozentsatz von Menschen an einem bestimmten Ort an, welche glauben, dass ein Kind sein Heim verlassen, zum nächstmöglichen Laden gehen, ein Popsicle  (Eis am Stiel) kaufen und wieder allein und sicher nach Hause gehen kann. Ich habe bemerkt, dass ein direkter Zusammenhang zwischen dem “Popsicle Index” und der sozialen, umweltbedingten und ökonomischen Gesundheit eines Ortes besteht. Ein hoher Grad an Vertrauen findet sich an Orten, die mit Erfolg für Menschen und lebende Wesen arbeiten.

Ich verwendete den «Popsicle Index», um das Verhältnis zwischen Lebenswerten und Finanzwerten auszudrücken. Ich denke, dass, wenn wir Orte mit Lebensqualität finanzieren, die umgekehrte Relation zur bestehenden zwischen  dem Dow Jones Index (Finanzwert) und dem «Popsicle Index» (Lebenswert) entstehen könnte. Denn der «Popsicle Index» ist gesunken, während der Dow Jones Index immer höher gestiegen ist.

THM: Was sind die Hauptzüge des gegenwärtigen Finanzsystems, das von den Globalisten beherrscht wird?

CAF: Die Globalisierer zentralisieren die Macht und werden dies weiterhin tun, bis Menschenrechte, Eigentumsrechte und die individuelle Souveränität restlos eliminiert sind – falls sie nicht daran gehindert werden, dies zu tun.

THM: Ein Witzbold entwarf eine Dollarnote, auf der wir anstelle von «In God We Trust» lesen «In Fraud [Betrug] We Trust». Ist dies das herrschende Prinzip in der gegenwärtigen Finanzwelt?

CAF: Vielleicht sollte es heißen: «In Violence We Trust». Der Dollar als Reserve-Währung bedarf zu seiner Stützung immer mehr der Gewalt.

THM: Was halten Sie von der gegenwärtigen Trump-Administration und ihrer Politik?

CAF: Trumps Wahl bedeutete einen Produktivitäts-Rückgang. Die Demokraten repräsentierten die Investment-Interessen der Ost- und Westküste – Hollywood, Silicon Valley, Wall Street und Washington. Dies sind alles Gruppen, die mit intellektuellem Kapital zu tun haben. Der Mittlere Westen umfasst die Menschen, die die Nahrung produzieren, nach Öl graben und im Transportwesen und als Hersteller tätig sind. Sie haben es mit der konkreten Welt zu tun. Das Kernland war vom kulturellen Faschismus, der sich steigernden Überwachung, den Regulierungen und dem Finanzbetrug der Küstengruppen angewidert. Die außerordentliche Korruption der Clintons und der Clinton Foundation wurde das Aushängeschild für ihren Abscheu. So konnte ein Mann ohne Regierungserfahrung sich beim Volk beliebt machen, indem er öffentlich zur Sprache brachte, was die Amerikaner tatsächlich schädigt –  Impfungen, Kernpflichtfächer, fehlende Verantwortung für 9/11 und «fake-news»-Medien.

THM: Was halten Sie von den neuen Sanktionen gegen Russland? Zu was werden sie führen?

CAF: Die Neocons und ihre Verbündeten wollen den globalen Krieg. Hoffentlich sind genügend besonnene Herzen da, dies zu verhüten.

THM: Welche Rolle könnte Europa in naher Zukunft spielen? Sollten die EU-Länder nicht einfach die NATO verlassen, welche zu einer Kriegs-Vorbereitungsmaschine geworden ist, die Russland und den Rest der Welt bedroht?

CAF: Jeder Verbündete, der sich mit den USA in einer Art verbündet, die es den USA gestattet, Krieg zu erklären und sie mit hineinzuziehen, wird das noch bedauern. Ich empfehle Malcolm Frasers kurz vor seinem Tod gegebenes Interview über sein Buch Dangerous Allies.

Die Vereinigten Saaten sind ein wunderbares Land. Wir haben jedoch eine relativ kleine Gruppe von Leuten – die Neocons – mit einer kleinen Anzahl von gewalttätigen Verbündeten, einschließlich Israel, welche für ihre Ziele sowohl die Vereinigten Staaten als auch Europa zerstören würden. Es wäre gesundend, zu trennen und zu entflechten. Die Frage dabei ist: Können wir den Parasiten eliminieren, ohne den Wirt zu töten? Auf die eine oder andere Art sollten wir das verwirklichen, sonst wird der Parasit den Wirt töten.

THM: Sie haben soeben das Buch des früheren Finanzministers Varoufakis gelesen***. Warum sollten wir es lesen?

CAF: Es ist ein hervorragender Bericht über die Finanz-Strategie der EU, als Varoufakis in Griechenland als Finanzminister diente.

Sein Bericht zeigt, dass es das Ziel der EU war, Griechenland in die Armut zu führen. Es war eine Elite-Strategie, ein finanzieller Staatsstreich – Invasion und Unterjochung durch Finanzmittel. Die Führung der EU verschrieb sich einem Gewinn-Verlust-Resultat. Sie wollte nicht, dass Griechenland sich erholte, noch weniger, dass es die Schulden zurückzahlte, Schuld ist eine Waffe, nicht ein Finanzwert. Das Ziel ist Kontrolle und soziale Manipulation – einschließlich einer niedrigeren Lebenserwartung und Entvölkerung. Es ist schwer, die Wahrheit zu ermitteln. Varoufakis liefert aufschlussreiche Einzelheiten und eine umfassende Wirtschaftsanalyse, welche das Lügengewebe der «Fake-news»-Medien zerstört – für die, die die Wahrheit ertragen können.

 

* Eine ausführliche Fassung desselben ist unter www.solari.com zu finden
** https://dillonreadandco.com/why-i-wrote-this-story/
*** 
Adults in the Room – My Battle with Europe’s Deep Establishment.

Wie weitblickend sollten wir werden?

Oliver Stones Interview-Serie mit Wladimir Putin

Oliver Stone (geb. 1946), der bekannte amerikanische Filmemacher, der kürzlich einen Film über Edgar Snowden gedreht hatte, machte während mehr als zwei Jahren eine Reihe von Interviews mit Wladimir Putin. Diese Gespräche sind in verschiedener Hinsicht bemerkenswert. Sie können kostenlos heruntergeladen werden.*

Berührt werden die NATO und ihre Osterweiterung, die russischen und die US-Militärausgaben, die Gefahr eines atomaren Krieges usw. usw. Eine der wiederkehrenden Äußerungen Putins ist, dass wir versuchen sollten, immer auch mindestens vierzig bis fünfzig Jahre in die Zukunft zu schauen. Und der russische Präsident, der sich mit seinem intelligenten Gesprächspartner offensichtlich wohlfühlt, sagt diesem zum Schluss: «Sie werden dafür [für diese Interviews] zu büßen haben.»

Oliver Stone und das Attentat auf John F. Kennedy

Stone ist, im guten Sinne, kein unbeschriebenes Blatt. Er machte unter anderem den Streifen Platoon und 1991 den Film JFK, der die Alleintäter-These beim Kennedy-Attentat in Frage stellt. Er stützte sich dabei auf die Recherchen des mutigen Anwalts aus New Orleans, Jim Garrison, der im Film selbst einen Auftritt hat. Dieser Film brachte neue Recherchen zu diesem Staatsstreich ins Rollen. Deren letzte wurden in Form des Buches JFK and the Unspeakable von James W. Douglass** vorgelegt. Putin und seinem Team wird diese Vorgeschichte von Stone natürlich bekannt gewesen sein.

Ein neuer 9/11 Whistle Blower

Zum 11. September, dem amerikanischen Initialstaatsstreich des dritten Jahrtausends, ist unlängst ein neuer Zeuge hervorgetreten. Es ist der ehemalige CIA-Mitarbeiter Malcolm Howard. Der 79jährige erzählt, wie er bei der Vorbereitung der «Sprengung» des Gebäudes 7 involviert gewesen sei. Er berichtet, dass diese Sprengung so perfekt war, dass man befürchtete, sie sei zu offensichtlich, was natürlich nicht die Absicht war und bis heute von vielen Menschen auch weiterhin geleugnet wird – allem offenbarem Augenschein entgegen.***

Howard schließt mit seinem Bekenntnis an Michael Ketcham an, welcher als ehemaliger Mitarbeiter der NIST  in diesem Jahr ebenfalls die Tatsache der Sprengung von WTC7 zugegeben und betont hatte (siehe das Editorial im Mai dieses Jahres).

Geopolitische Bestrebungnen für Hunderte von Jahren

Es ist gut, fünfzig Jahre vorauszublicken. Ein tieferes Verständnis der Gegenwartsereignisse nötigt uns jedoch, noch weiter zu blicken. Rudolf Steiner sprach von einer «okkulten Gruppe» innerhalb des anglo-amerikanischen Establishments, welche den jungen slawischen Kulturkeim im russischen Territorium zu beherrschen trachte.****

Diese Gruppe weiß, dass in etwa 1500 Jahren die slawische Kulturepoche beginnen wird. Mit «okkult» ist gemeint, dass die Gruppe über geistig-okkulte Einsichten über die Entwicklung von Rassen und Völkern verfügt; allerdings verwendet sie dies zu gruppen-egoistischen Zwecken, indem sie nur die Entwicklung und die Macht des anglo-amerikanischen Elementes fördern will. Dieses Wissen stand hinter dem «sozialistischen Experiment» von 1917.  Es stand und steht hinter den Geschehnissen in der Ukraine. Dieses Wissen ernst zu nehmen, heißt mit der Realität des Geistigen zu rechnen.

Es gibt in der Tat keinen wahren Weitblick, der nicht auch die Wirklichkeit des Geistes mitumfasst.

Thomas Meyer

 

http://123hulu.com/watch/zGWJAPxP-the-putin-interviews-season-1.html
** Siehe die Rezension von Andreas Bracher in Der Europäer ???
*** http://yournewswire.com/cia-911-wtc7/
**** Erstveröffentlichung in Der Europäer, Nr. 5, März 1999. «Kampf um den russischen Kulturkeim», www.perseus.ch/PDF-Dateien/Steiner-RussKultkeim.pdf

 

 

 

Die süße Freimaurerei – eine «Würdigung» in der Weltwoche

Die moderne Freimaurerei feierte am 24. Juni ihren dreihundertsten Geburtstag – und mit ihr die Schweizer Wochenschrift Die Weltwoche.*

Anlass: der Gründungstag im Jahre 1717 der ersten Großloge in London (siehe Juni-Editorial). Das Titelblatt mit dem Hefttitel «Die Freimaurer», umrahmt von prominenten Köpfen, zeigt Zirkel und Winkel und verspricht «eine längst verdiente Würdigung».

Der Artikel «Humanität, Toleranz, Freiheit» des Chefredakteurs Köppel trieft vor Wohlwollen, Lob und Schlagworten. Zu den zum Teil durchaus bedeutenden Freimaurern zählen bekanntlich Menschen wie Mozart, Haydn, Goethe oder Schiller; aber auch Staatsmänner wie Winston Churchill. Alle aufgezählten Persönlichkeiten werden wahllos mit dem Schimmer des Wahren und Guten überzogen. Ja, wir erfahren sogar, dass wir der Freimaurerei exquisite Schokolade verdanken, denn Suchard und Tobler waren Freimaurer. O süße Naivität!

Die Weltwoche bringt ein Innenbild der Loge «Zum Neuen Venedig». Diese liegt unmittelbar gegenüber dem Jesuiten-Wohnheim «Borromäum» am Basler Byfangweg. Der Jesuit Abbé Joye richtete hier vor über 100 Jahren eine Jugendseelsorge ein, die zielbewusst das neue Medium Film einsetzte. Wer glaubt, Logentum und jesuitische Bestrebungen seien absolute Gegensätze, irrt.

Steiner und Heise diffamiert

Schon Rudolf Steiner machte darauf aufmerksam, dass die Freimaurerei eine ursprünglich gute und notwendige Sache sei, dass sie aber «eben eine schlechte wird, wenn sie zur Machtgrundlage einzelner Menschengruppen gemacht wird». Dies stellte er im Vorwort fest, das er zu einem Werk beisteuerte, welches eben diese «Verschlechterung» der Freimaurerei zur Zeit des Ersten Weltkriegs zum Gegenstand hat. Es handelt sich um Die Entente-Freimaurerei und der Weltkrieg des Publizisten Karl Heise (1872–1939)**.

Mittlerweile war die von England aus begründete Kontinental-Freimauerei mehr und mehr in das Schlepptau politischer und nationaler Interessen geraten. Am deutlichsten geschah dies mit dem «Grand Orient de France», der seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts auch Atheisten aufnahm.

Heise verstarb vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs; er hat den Nationalsozialismus in seinem Werden nicht immer klar beurteilt. Dass seine Analysen im Völkischen Beobachter positiv rezensiert und von führenden Nationalsozialisten wie Himmler geschätzt wurden, ist nicht ihm anzulasten, noch weniger Steiner.

Die Weltwoche aber scheut sich nicht (im Beitrag von Ch. Mörgeli) Heise generell zu verleumden und Steiner gleich dazu – zwei Fliegen auf einen Schlag, der natürlich nicht ohne das Schlagwort «verschwörungstheoretisch» auskommt: «Für Furore sorgte 1919 das esoterische verschwörungstheoretische Werk Die Entente-Freimaurerei und der Weltkrieg des nachmaligen National-Sozialisten Karl Heise. Der Anthroposoph Rudolf Steiner hatte dazu ein Vorwort geliefert und sich an der Finanzierung beteiligt.» So einfach lässt sich Heises Werk diffamieren und zugleich Anthroposophie in die Nähe des Nationalsozialismus rücken!

Niemand hat wie Steiner den hohen Ursprung der Maurerei erkannt und dargestellt, niemand wie er das Abkommen von diesem Ursprung kompromisslos diagnostiziert.***

Die oberflächliche Lobhudelei der Weltwoche-Darstellung gibt Steiners Diagnose auch heute noch recht. Darüber kann die süße, phrasenhafte Tünche nur Naivlinge hinwegtäuschen – und die können sogar als Freimaurer oder Freimaurer in spe in Chefredaktionsstuben sitzen und ihr Getünch für «Humanität, Toleranz und Freiheit» halten. Doch man kann dem Chefredakteur und seinem Team auch dankbar sein: man weiß nun aus berufenem Munde, welche Eide in der heutigen Eidgenossenschaft Hochkonjunktur haben. Eide auf Wahrhaftigkeit sind das sicher nicht.

Die längst verdiente Würdigung des Freimaurer-Kenners Steiner steht nach wie vor aus.

Thomas Meyer

Im Berner Historischen Museum ist bis zum 3. September eine Ausstellung zu sehen, bei der auch ein Freimaurer-Ritual gezeigt wird.

 

* Die Weltwoche, Nr. 23, 7. Juni 2017.
** 
Das Werk erschien 1919 in Basel. Steiner zahlte 3000 Franken an die Druckkosten. Das Buch trug den sachgemäßen Untertitel «Ein Beitrag zur Historie des Weltkrieges und zum Verständnis der wahren Freimaurerei». Heise hörte Steiners Zeitgeschichtliche Betrachtungen, die ihn zu seinem Buch inspirierten. Es gab mehrere Nachdrucke, das Werk ist heute online zu finden.

*** Siehe GA 265 und Der neue Kain. Die Tempellegende und ihre Vollendung durch Rudolf Steiner, hg. von Thomas Meyer, Perseus, 2013.

1917-2017: Freimaurerei, Globalisierung und Dreigliederung

Rudolf Steiner unterschied klar zwischen einer Freimaurerei mit hohen, allgemein-menschlichen Zielsetzungen und solcher mit politischen Partikularinteressen.  Zur Ersten werfe man einen Blick in die von Steiner erneuerten Rituale der drei ersten Grade*. Zur zweiten Form sagte er: «Eine Sache, die der ganzen Menschheit ohne Rassen- und Interessen-Unterschiede dienen sollte, wird aus einer guten eben eine schlechte, wenn sie zur Machtgrundlage einzelner Menschengruppen gemacht wird.» Diese Worte stehen im Vorwort, das Steiner zur Publikation Die Entente-Freimaurerei und Weltkrieg von Karl Heyse im Oktober 1918 beigesteuert hat.

Seit dem Ersten Weltkrieg ist fast nur noch diese Form von Maurerei verbreitet – und wirksam. Ihr Ursprung war England, wo zu Johanni 1717 die erste Londoner Großloge begründet wurde, die selbst durchaus der ersten Form angehörte. Allerdings gerieten deren Filialgründungen durch ganz Europa zunehmend in das politisch-partikulare Fahrwasser.** Insbesondere gilt das vom Pariser, von London aus begründeten «Grand Orient de France», dessen Kriegspolitik Steiner dazu bewog, das Zertifikat, das ihn ermächtigte, eigenständig Rituale durchzuführen, zu zerreißen.***

Im Jahre 1917 versammelten sich in der Albert Hall 8000 Maurer zur 200-Jahrfeier der Logengründung; in derselben Albert Hall, in der der Hochgradmaurer Churchill 1947 das wahre Ziel der von ihm betriebenen Europa-Einigung umriss: die Errichtung einer anglo-amerikanischen Weltregierung. In diesem Jahr wurde das 300-jährige Jubiläum bereits im April begangen.
Wichtigeres Jubiläum: Im Juni werden es exakt hundert Jahre sein, seitdem Steiner erstmals von der Dreigliederung gesprochen hat (Näheres in der Sommernummer).

Aktualität des Grand Orient
Der wie aus dem Nichts aufgestiegene französische Präsident Macron hielt vor einem Jahr im Grand Orient eine Art Antrittsrede, mit dem Titel «La Mondialisation peut-elle être synonyme de progrès»?**** Eine rhetorische Frage, die in Wirklichkeit die Globalisierung bewirbt. Macrons nivellierende EU-Propaganda dient den Globalisierungsinteressen der Bankwelt und hat mit den wahren Bedürfnissen der Europäer nichts zu tun.

100 Jahre nach der Geburt der Dreigliederungs-Idee soll durch Präsident Macron im Namen Europas und der als EU-Leitklang missbrauchten, von Beethoven vertonten Hymne an die Freude die Globalisierung durchgesetzt werden – die reine Karikatur der Dreigliederung, die weder Brüderlichkeit in der Wirtschaft, Gleichheit im Recht und schon gar nicht Freiheit im Geistesleben anstrebt. Es ist kein Zufall, dass Macron Russia Today, den einzigen Sender, der sich dem westlichen Medien-Monopol mit Erfolg zu widersetzen weiß, den Kampf angesagt hat.

Die wirklichen Europäer müssen sich endlich dazu entschließen, eine Politik großer Gesichtspunkte zu praktizieren, wie Steiner sie in den Memoranden vom Juli 1917 entwickelt hatte. Sonst erliegen sie endgültig den Machenschaften politisch-maurerischer Kreise, die zwar durchaus mit großen Gesichtspunkten rechnen, diese aber fortwährend «zur Machtgrundlage einzelner Menschengruppen» machen möchten.

Thomas Meyer

* Siehe Der neue Kain, Die Tempellegende und ihre Vollendung durch Rudolf Steiner, Basel 2013. ** GA 265, S. 110. *** GA 174, Vortrag vom 20. Januar 1917. **** Den Hinweis auf diesen Vortrag verdankt der Verfasser Terry Boardman.

Lügen-Phantome und das Salz der Wahrheit

Unter «Phantomen» versteht man in der Geisteswissenschaft eine Art von «Naturwesen», welche durch den Menschen geschaffen werden. Und zwar menschliches Lügen, durch Heuchelei und Ähnliches. Auch sogenannte konventionelle oder Höflichkeits-Lügen zählen dazu.1

Solche Wesen durchschwirren den Seelenraum und wirken entwicklungshemmend; insbesondere den Wahrheitssinn betörend und umnebelnd, neues Lügen erzeugend.

Man wird das 20. Jahrhundert vielleicht einmal als das Phantom-Jahrhundert bezeichnen, denn sein Weg ist mit Kolossal-Lügen gepflastert worden wie kein vorheriges: von den Lügen über den Ersten Weltkrieg (Kriegsschuldlüge) und den Zweiten Weltkrieg («Überraschungs»-Angriff durch die Japaner) ist in dieser Zeitschrift wiederholt die Rede gewesen. Fast ebenso oft von den Monumental-Lügen, mit denen das dritte Jahrtausend eröffnet wurde: Der Lügen, mit welchen die Attentate vom 11. September 2001 sofort umgeben wurden. Neben den kollabierenden Türmen von New York schossen sofort gigantische Lügen-Türme in die Höhe.

Jeder Wahrheitssucher, der die etablierten Lügen zu entlarven sucht, gerät in das okkulte Visier der genannten Wesenheiten. Sie wehren sich in vehementer Weise gegen jede Wahrheitsfindung. Heute wirken sie häufig durch das wahllos gebrauchte Lügen-Schlagwort der «Verschwörungstheorie»2 der Wahrheitsfindung entgegen. Das ist ihre Natur. Das kann entmutigend und verwirrend wirken. Daher muss die Wahrheit heute durch die Überwindung des Widerstandes solcher Wesen errungen, ja erkämpft werden. Dadurch allein können sie in Zukunft aus ihrem Lügenbann befreit und umgewandelt werden.

Wie stark die heutigen Medien von einer Lügen-Atmosphäre durchsetzt sind, konnte man kürzlich auch in der Schweiz beobachten. In einer Fernsehsendung wurde der Historiker und Wahrheitssucher Daniele Ganser verunglimpft, verleumdet und u.a. in die Nachbarschaft von gefälschten Schriften wie den «Protokollen der Weisen von Zion» gerückt.3 Gutes Zeichen für die Denkweise von 492 sofort reagierender Unbefangener: «So viele Beschwerden gab es [beim SRF] noch nie», stand am 18. März in der BAZ

In einem Magazin der Basler Zeitung war in Bezug auf 9/11 und «Verschwörungstheorien» fast zeitgleich zu lesen: «Alles, worauf ich vertraue, spricht dafür, dass die Ereignisse sich so zutrugen, wie ich immer angenommen habe: als Terroranschlag der al Qaida (…) Beweisen kann ich es natürlich nicht. Dafür habe ich einfach zu wenig Ahnung.»4 So spricht ein Kopf, der durch Lügen-Phantome verwirrt die Wahrheitssuche aufgegeben hat.

Wiederum fast zeitgleich zu diesem Artikel tritt Michael Ketcham, ein langjähriger Mitarbeiter von NIST, an die Öffentlichkeit und enthüllt den kompletten Phantomcharakter des Berichts dieser offiziellen Untersuchungsbehörde über den Einsturz der Türme in New York.5 Hier ist wieder einmal Einer inmitten eines gigantischen Lügenturmes, unter dem er fast selbst endgültig begraben worden wäre, plötzlich aufgewacht.

Ketcham spricht von einer verbreiteten Lähmung durch die Furcht vor der Wahrheit. Er wurde eines Tages von ihr geheilt und verwandelte sich in einen furchtlosen Wahrheitsbekenner – ein immer wieder gerade bei einzelnen Amerikanern auftretendes Phänomen, in auffälligem Kontrast zum intensiven Phantom-Wirken in ihrer eigenen Heimat.

Ketcham spricht auch von den «Wunden von 9/11» und betont, dass diese so traumatisch seien, dass nur ein starkes schmerzhaftes Mittel sie zu heilen helfe – die ungeschminkte Wahrheit: «Die Wahrheit ist das heiße [alkalisalzhaltige] Seifenwasser, mit denen die Wunden von 9/11 ausgewaschen werden.»

Vergessen wir nie: Die 9/11-Phantome dienten zur verlogenen Rechtfertigung aller bisherigen US-Kriege im dritten Jahrtausend. Sie hatten also eine ungeheure Wirkung. – Schon Hippokrates empfahl die Verwendung von entzündungshemmendem Salzwasser für Wunden. Wer die Entzündungs- und Ansteckungswirkung von Phantomen unschädlich machen will, darf nicht davor zurückschrecken, Wahrheits-Salz in die Lügen-Wunden zu streuen. Es schmerzt, aber heilt.

Thomas Meyer

1 Siehe die Ausführungen R. Steiners vom 9. Juni 1908 in GA 98, auch als Einzelausgabe in Pfingsten, das Fest der freien Individualität.

2 Sendung auf SRF 1 vom 26. Januar 2017: «Anatomie von Verschwörungstheorien», 26. Januar 17; «Arena» vom  24. Feb. 2017. «So viele Beschwerden gab es noch nie», stand am 18. März in der BAZ.

3 Auf den CIA-Ursprung dieses Schlagwortes nach dem Kennedy-Mord machten wir wiederholt aufmerksam. – G.W. Bush, dessen Vater CIA-Chef gewesen war, sagte unmittelbar nach 9/11: «Let us never tolerate outrageous conspiracy theories concerning the attacks of September 11th.»

4 Das Magazin, 11. März 2017, S.11.

5 www.youtube.com/watch?v=GvAv-114bwM&feature=youtu.be  Siehe auch Ketchams Letter to the editor von Europhysics News unter www.ae911truth.org/news/324-news-media-events-former-nist-employee-speaks-out-with-lte-in-europhysics-news.html

Lenin vor dem «Leichnam Christi» – und die «Post-Fake-Ära»

An einem Novemberabend des Jahres 1916 stattete Wladimir I. Lenin (1870–1924), von seinem Zürcher Exil-Domizil herkommend, der Stadt Basel einen wenig bekannten Besuch ab. Der äußere Zweck war eine Ansprache vor russischen Akademikern, Arbeitern und Kaufleuten russischer Herkunft. Die Zusammenkunft fand im Erdgeschoss des heutigen Restaurants «Chez Donati» an der Johanniterbrücke statt. Die Ausführungen, die den Sturz des Zarismus forderten, fanden wenig Anklang. Lenin verabschiedete sich mit den Worten: «Von mir werden Sie noch hören.» Er übernachtete im Blaukreuzhaus, dem heutigen Hotel Rochat, in welchem regelmäßig Europäer-Samstage stattfinden. Hier konnte man damals billig speisen und nächtigen. Am anderen Morgen suchte er die Öffentliche Kunstsammlung auf und betrachtete lange und eingehend ein Bild, das in Dostojewskis Roman Der Idiot eine wichtige Rolle spielt: «Der Leichnam Christi» von Hans Holbein dem Jüngeren.*

Wegbereiter des «sozialistischen Experiments»

Am 15. März des folgenden Jahres kam es nach der Februarrevolution zum Sturz des Zaren.

Im April begann Lenin in Zürich seine legendäre Fahrt im plombierten Wagen durch Deutschland und Finnland nach Petersburg, wo er am 16. April eintraf.

Hundert Jahre später scheint der «Bolschewismus» längst Geschichte geworden, wenn auch die Wunden, die seine steinharte Geistigkeit der wahren russischen Volksseele geschlagen hat, längst nicht vernarbt sind.

Im Mausoleum Lenins in Moskau, das gegenwärtig restauriert wird, kann die mumifizierte und täglich am Scheinleben gehaltene Leiche in Anzug und Krawatte besichtigt werden. Der einstige Betrachter des «Leichnams Christi» ist selbst zum Jahrhundert-Leichnam geworden.

Ein neuer «Leninismus» im Westen

Doch der zersetzende Leichengeruch des Bolschewismus wirkt fort. Und heute weht er ausgerechnet aus dem gleichen Westen, der in seiner materialistischen Geist-Verfinsterung das sozialistische Experiment konzipiert und durch Werkzeuge wie Lenin in den Osten exportiert hatte. Stephen Bannon, Chefstratege der Trump-Regierung, brüstete sich offen mit Äußerungen wie den folgenden: «Finsternis ist gut (…) Es kann uns nur helfen, wenn die Gegenseite nicht erkennt, wer wir sind und was wir vorhaben.» Und: «Ich bin Leninist. Lenin wollte den Staat zerstören. Und das ist auch mein Ziel. Ich will das ganze System zu einem krachenden Kollaps bringen und das gesamte heutige Establishment zerstören.»** Solche Bekenntnisse sind kein gutes Omen aus dem innersten Kern der neuen US-Regierung.

…und eine versöhnliche Stimme aus dem Osten

Wie anders tönt es heute aus dem Osten! Der russische Außenminister Lawrow rief kürzlich auf der Münchner Sicherheitskonferenz zu einer friedlichen Verständigung mit den USA auf und sprach von einer «Post-West-Weltordnung»: Zum Abschluss sagte er: «Wir stehen vor großen Herausforderungen und müssen Kompromisse finden. (…) Russland möchte mit niemandem einen Konflikt haben (…) Wir wollen einen Dialog, der zum Nutzen aller sein sollte (…), dann könnten wir (…) irgendwann eine Post-Fake-Ära erreichen.»***

Viel hängt gegenwärtig davon ab, ob Auferstehungsluft ins Denken und Empfinden einzieht und den Leichengeruch des toten Intellekts ersticken kann.

Thomas Meyer

* Adolf Wanner, Berühmte Gäste in Basel, Buchverlag der Basler Zeitung, 1982, S. 91 ff.
** Zitiert nach NZZ am Sonntag, 5. 2. 1917.
*** https://deutsch.rt.com/international/46670-lawrow-zeit-neue-weltordnung-eu-usa-sicherheitskonferenz/

Trump – Diener für Amerika oder für die Menschheit?

Trump – Diener für Amerika oder für die Menschheit?

Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten heißt Donald Trump. Die Inaugurations-Rede Trumps* wirkte wie eine Ohrfeige, für das US-Establishment und die US-Medien, und war zugleich eine verbale Huldigung an den wahren Souverän – das amerikanische Volk. Getragen vom üblichen Auserwähltheits-Bewusstsein der USA und ihrer Sendung in der Welt. «America first», «We will make America great again» waren wiederholt geäußerte und applaudierte Slogans.

Der Geist von Nordamerika
Der in mehreren Inaugurations-Reden und auch in der von Trump beschworene «Gott» kann allerdings nicht mit einem Gott für die ganze Menschheit gleichgesetzt werden. Er ist ein Volksgott, der im Zeitalter des Menschheits-Geistes Michael im Unterschied zu diesem ein ahrimanischer Geist ist. Er gehört zu «abnormen Geistern der Persönlichkeit», «die nicht auf Weiterentwickelung wirken», wie Steiner im Volksseelen-Zyklus 1910 vorsichtig andeutet: «Sie brauchen sich nur den Charakter des nordamerikanischen Volkes klar zu legen, so haben Sie ein Volk, das vorderhand auf diesem Prinzip beruht.»** Zu einer wahren «Weiterentwicklung» gehört heute insbesondere eine solche auf spirituell-kulturellem Gebiet; und von der war auch in Trumps Rede – «selbstverständlich» – nichts zu hören. Neue Straßen, Züge und Tunnels mögen äußerlich erstrebenswert sein; der «Weiterentwicklung» im umfassenden Sinne können sie höchstens indirekt dienen.

Fragen an erste Amtshandlungen Trumps
Warum hat er – um nur ein paar der vielen Fragen an die Intentionen seiner Administration aufzuwerfen – mit Nikki Haley eine UN-Botschafterin nominieren lassen, die für die Interessen Israels und gegen die von Russland eintritt? Warum galt sein erster (jovial-freundlicher) Antrittsbesuch in den USA dem CIA-Hauptquartier, wo er 400 Anwesende für ihre Arbeit lobte und sie seiner uneingeschränkten Unterstützung versicherte? Warum wird die britische Premierministerin May, die Trumps prorussische Äußerungen gewiss nicht teilt, der erste Staatsgast aus dem Ausland sein? Will er mit alldem nur seinen internen und externen Gegnern den Wind aus den Segeln nehmen?

Im Geist von Churchill?
Trump ließ die von Obama entfernte Churchill-Büste – ein Geschenk von Tony Blair an W.G. Bush – wieder im Oval Office aufstellen (siehe Foto). Der von Trump bewunderte Hochgradfreimaurer Churchill diente nicht dem wahren Zeitgeist, sondern dem anglo-amerikanischen Geist einer «wirksamen Superweltregierung», für welche die Einigung Europas lediglich ein Vorspiel darstellt.*** Europa gleicht heute einer sinkenden Titanic, die von den Briten soeben verlassen wurde. Nun könnten die Repräsentanten des okkultistisch orientierten wahren britischen Establishments, vom «vereinten» Europa befreit, mit ihren US-Brüdern ungebremst an der Realisierung einer solchen Superweltregierung mitwirken. Deren Ziel der Weltherrschaft ist nach Steiner auf Jahrhunderte gerichtet.**** Diese Jahrhunderte sind, allem äußeren Schein zum Trotz, noch nicht abgelaufen. Man sollte beim Lärm aller Fassadenpolitik, zu der auch Präsidentenwahlen und Wahlparolen gehören, nicht versäumen, die Langzeitinteressen solcher Gruppierungen, die beispielsweise das «sozialistische Experiment» eingefädelt hatten, im Auge behalten. Wird Trump deren vielleicht gutwilliges, aber naives neues Vollzugsorgan sein?

Eines steht fest: Wer Amerika «wieder groß» machen will, ist dadurch noch kein Menschheitsdiener.

Thomas Meyer

* www.theblaze.com/news/2017/01/20/watch-donald-trumps-inauguration-ceremony-live
** GA 121, Oslo 8. Juni 1910.
*** Churchill am 14. Mai 1947, zitiert nach https://fassadenkratzer.wordpress.com/2013/11/22/hintergrunde-der-europaischen-integrationsbewegung
**** R. Steiner am 21. März 1921, in GA 174b.

Medien-Blamage, eine neue Zeitung und ein Geistesheld

Wir haben in der letzten Nummer düstere Nachrichten zum Medien-Infokrieg gebracht.
In erster Linie war von dem absurden Kampf westlicher Medien wie der BBC in England gegen den russischen Sender Russia Today zu berichten, der in einer temporären Schließung der RT-Bankkonten in England gipfelte. Doch wer kann die Mainstream-Medien nach der doppelten Blamage der falschen Brexit- und der US-Wahl-Prognosen noch ernst nehmen?*

Heute können wir Positives vermelden: In der Schweiz gibt es seit November 2016 die ExpressZeitung.com, herausgegeben von André Barmettler und Ruben Buchwalder. Das monatlich erscheinende Blatt nimmt in Bezug auf die Mainstream-Dogmen und -Lügen kein Blatt vor den Mund. Die Herausgeber scheinen von einem kompromisslosen Willen zur Wahrheit beseelt zu sein. Medienbedingte Täuschungen sollen ent-täuscht werden. Das Blatt analysiert u.a. Trumps Wall Street-Verbindungen, fordert weitere kritische Untersuchungen der Attentate von 9/11 und weist auf Anthony Suttons bei Perseus erschienenes Werk Wall Street und der Aufstieg Hitlers hin, von dem die Herausgeber schreiben: «Für eine kritische Geschichtsauffassung eine absolute Pflichtlektüre.»
Die ExpressZeitung könnte sich zu einem weiteren David in der Landschaft der verlogenen Propaganda-Goliathe entwickeln. Der Europäer wird das Blatt im Auge behalten.

Was das Wahlspektakel in den USA betrifft, so sollte nicht übersehen werden, dass die Entscheidungsmacht letztlich niemals bei den US-Präsidenten liegt; sie sind nur Vollzugsorgane der Finanzelite, der «Pluto-Autokraten», wie Steiner sie bereits vor 100 Jahren nannte**; vollziehen sie nicht wie gewünscht, wird ihnen das Handwerk gelegt, notfalls per Mord. Man braucht nur an den Staatsstreich gegen John F. Kennedy zu denken, der vom CIA-Chef Allen Dulles in die Wege geleitet und gedeckt wurde.

Auch der letztlich durch einen britischen Geheimagenten durchgeführte Mord an Rasputin, dessen hundertstem Todestag am 30. Dezember durch Andreas Bracher gedacht wird, zeigt den rücksichtslosen Machtwillen herrschender Eliten. Rasputin wollte den Zaren von einer Kriegsbeteiligung Russlands fernhalten und «musste» früher oder später fallen.

1917 wird des ersten Versuchs Rudolf Steiners zu gedenken sein, in Mitteleuropa einer Dreigliederung des sozialen Organismus zum Durchbruch zu verhelfen. Ebenso werden wir auch dem größten und vielleicht einzigen Eingeweihten, den die Schweiz je hervorbrachte, Beiträge widmen – dem 1417 geborenen Nikolaus von der Flüe, den Steiner einmal als einen «Geisteshelden» bezeichnete (siehe
S. 7). Wo gibt es noch solche Gestalten? Eine Besinnung auf die spirituell-sozialen Friedensimpulse von der Flües wäre für die Schweiz unendlich viel wertvoller, als allerlei «Partnerschaften für den Frieden» zu pflegen und ähnliche phrasenhafte «Wertegemeinschaften» hochzupreisen. Und nicht nur für die Schweiz.

Die Zeit ist ernst. Sie könnte zu einem Aufwachen an den blutigen Tatsachen führen. Zu einem solchen gehört aber auch das Erwachen für die geistig-spirituelle Dimension der Wirklichkeit. Diese Forderung schwebt seit über hundert Jahren über der Menschheit. Ohne ihre Erfüllung wird das, was von der materialistischen «Zivilisation» noch übrig ist, bald restlos im Abgrund versinken.

Unsere Leser werden verstehen, weshalb gerade diese Weihnachtsnummer mehrere Beiträge bringt, die in der einen oder anderen Form zum Geist-Erwachen führen können. Möge deren Lektüre im heilsamen Sinne ansteckend wirken.

Thomas Meyer

* www.rt.com/usa/367557-ron-paul-fake-news/
   www.rt.com/op-edge/367625-fake-news-post-truth-iraqi-wmds/

** www.perseus.ch/PDF-Europaer/JG_03/Europaer_05_1999.pdf

Vom Ersten Weltkrieg bis zum heutigen Propagandakrieg

Eine Moltke-Première in Colmar
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Am 16. und 17. September wurde in Colmar eine Konferenz veranstaltet, die Helmuth von Moltke gewidmet war. Der Titel war weitausgreifend: «Helmuth von Moltke et le Destin de l’Europe». Es war die erste öffentliche Veranstaltung zu einem Thema und einer Gestalt, welche in Frankreich naturgemäß auf manche Vorurteile und Schwierigkeiten treffen. Die Veranstalter waren Antoine Dodrimont und Jean Hèches. Dodrimont gab am 17. September einen glänzenden Überblick über die Situation in Europa in den Wochen vor Kriegsausbruch. Er schilderte nicht zuletzt den «Willen zum Krieg» in England und Frankreich und den dem Krieg vorausgehenden Propagandakrieg der Entente gegen Deutschland.

Wir greifen in dieser Nummer noch einmal das Rätsel der von den Deutschen verlorenen Marne-Schlacht auf und bringen sehr bedeutende Post-mortem-Aussprüche der Moltke-Seele, die das meist sehr einseitige Moltke-Bild gründlich korrigieren können, zum Beispiel: «Ein äußerer Sieg wäre der völlige Untergang des deutschen Volkes gewesen» (siehe S. 8).

Putin auf der Weltenergiekonferenz in Istanbul
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Präsident Putin schloss anfangs Oktober mit dem türkischen Präsidenten einen Gaspipeline-Deal ab, welcher den übrigen NATO-Staaten und insbesondere dem führenden US-Verbündeten ein Dorn im Auge ist. Dies spielte sich im Rahmen der 23. Weltenergiekonferenz ab, einer Organisation, die im Jahre 1924 von D.N. Dunlop begründet worden war. Auch wenn die heutige Organisation von Dunlops weitgespannten Zielen abgegangen ist, findet sich auf deren Webseite* unter «About Us/History» eine außerordentliche Würdigung des Begründers Dunlop. Sie umfasst sowohl seine ökonomischen wie auch seine spirituellen Aktivitäten und berichtet von seinem Plan, eine Weltwirtschaftsordnung im Sinn des Dreigliederungsimpulses Rudolf Steiners vorzubereiten. Es ist zu hoffen, dass Putins Berater einen Blick auf den Hintergrund der Organisation geworfen haben, in deren Rahmen der russische mit dem türkischen Staatschef verhandelten. Dunlops Ideen haben eine Zukunftskraft, für die besonders im gegenwärtigen Russland einiges Verständnis da sein dürfte.

Der jetzige Propagandakrieg gegen Russland
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Am 17. Oktober kündigte die schottische Bank NatWest den Vertrag mit dem weltweit immer bekannter werdenden russischen Sender Russia Today** auf (siehe auch den Artikel von Terry Boardman auf S. 18ff. ) und schloss dessen Konten. Es gab keinerlei konkrete Begründung für diesen plötzlichen Schritt, der zugleich als «endgültig» vermeldet wurde. Es ist nicht zufällig, dass dieser Versuch, Russia Today auszuschalten, in eine Zeit fällt, da die westlichen Medien inklusive BBC einen Propagandakrieg gegen Russland führen, der dem der Entente gegen Deutschland vor und während des Ersten Weltkriegs in nichts nachsteht.

Ein paar Tage zuvor kündete Präsident Obama die «Notwendigkeit» einer Kontrolle des Internet an, welches oft Unsinn verbreite, wie zum Beispiel, dass «wir nie auf dem Mond gewesen seien»*** und machte zugleich Druck auf Ecuador, die Internetverbindung von Julian Assange, der in der Botschaft Ecuadors in London in Asylhaft sitzt, zu unterbrechen. Wikileaks verbreitete sehr unangenehme Tatsachen über die Präsidentschaftskandidatin Clinton.

Wie vor 1914 gibt es auch im gegenwärtigen historischen Augenblick einen «Willen zum Krieg», diesmal gegen Russland.

Es ist zu hoffen, dass der Versuch, die freien Alternativmedien an die Kandare zu nehmen, scheitert, und dass der mit verlogenen Mitteln geführte anglo-amerikanische Medienkrieg gegen Putin und Russia Today nicht zum Vorspiel eines wirklichen Krieges gegen Russland wird. Eine Hoffnung, die allerdings täglich weniger begründet erscheint.

Thomas Meyer

* www.worldenergy.org
** www.rt.com
*** www.uncutnews.ch

9/11-Artikel in Physikzeitschrift jagt den Medien Angst ein

Rechtzeitig zum 15. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 erschien in der Zeitschrift «Europhysics News» Ende August ein Artikel mit dem Titel «15 Years Later – On The Physics Of High-Rise Building Collapses» (herunterladbar unter www.europhysicsnews.org/articles/epn/pdf/2016/04/epn2016-47-4.pdf)

steven_jonesDer Artikel von Steven Jones, Robert Korol, Anthony Szamboti und Ted Walter thematisiert unter Anderem den Einsturz des Gebäudes 7 neben den Twin Towers in New York; dieses Gebäude wurde von keinen brandverursachenden Flugzeugen getroffen. Der Artikel stellt fest, dass Feuer außerdem noch niemals Stahlgebäude zum Einsturz gebracht hat.

Insbesondere untersucht er das Phänomen, dass Gebäude 7 in den ersten zwei Sekunden mit der Geschwindigkeit des freien Falles zusammensank. Dieser Umstand wurde nach einer Weile auch von der offiziellen Untersuchungsbehörde NIST zugegeben. Der Einsturz des Gebäudes 7 wie auch der Twin Towers, bei denen ebenfalls die Einsturzgeschwindigkeit des freien Falls zu konstatieren ist, kann nur durch kontrollierte Sprengungen erklärt werden, bei denen die jeweils unteren Stockwerke zuerst zum Einsturz gebracht werden müssen, damit die darüberliegenden widerstandslos fallen können. Die NIST behauptet bis heute, dass der durch die Flugzeuge verursachte Kerosinbrand die Einsturzursache bei den Towers wäre und kann beim analogen Einsturz des Gebäudes 7 eingestandenermaßen «keine volle Erklärung des totalen Einsturzes» liefern (p. 25). Die Autoren erachten es als «moralischen Imperativ», dass die Untersuchungsbehörden endlich «eine wahrhaft wissenschaftliche und unparteiische Untersuchung» einleiten (p. 26).

Dieser Artikel einer Wissenschaftszeitschrift hat in Massenmedien einen Brand der Empörung ausgelöst. So versucht ihn die NZZ vom 16. 9. auf der Seite «Forschung und Technik» mit dem üblichen, von der CIA inspirierten Schlagwort von «Verschwörungstheorien»* wegzurammen, bringt aber kein einziges Sachargument gegen die Thesen der Autoren vor. Die Zeitung polemisiert gleichzeitig gegen eine Veranstaltung des Schweizer Ablegers von AE911truth, der in Bern eine Konferenz organisierte (siehe www.ae911truth.ch). Die Veranstalter und Besucher werden pauschal als «Anhänger von Verschwörungstheorien» tituliert, die nun durch den Europhysics-Artikel «Schützenhilfe» bekommen hätten.

Auch die Washington Post und  Daily News polemisierten am 9. September gegen den Artikel, der auch über Facebook verbreitet wurde.** Die Welt kritisiert Jones, einen der Autoren, wegen seines Mormonenglaubens.***

Bisher hat noch keine angesehene wissenschaftliche Zeitschrift Kritik an der offiziellen Erklärung von 9/11 vorzubringen gewagt. Das ist jetzt anders geworden. Die Diktatoren der «Wahrheit» in den Massenmedien fürchten, dass ihnen die schon arg beschmutzten Felle der seit fünfzehn Jahren praktizierten 9/11-Indoktrination nun sogar mit wissenschaftlichen Argumenten davonschwimmen. Das gab es so noch nicht. Daher der pseudo-wissenschaftliche Furor. Dieser Furor demaskiert die Verlogenheit, die in Bezug auf das folgenreiche 9/11-Ereignis von Anfang an praktiziert wurde. Sie ist derjenigen vergleichbar, die fast hundert Jahre lang die anglo-amerikanischen Drahtzieher des Ersten Weltkriegs gedeckt hat. Hoffen wir, dass es diesmal keine hundert Jahre dauert, bis die volle Wahrheit ans Licht kommt.

Thomas Meyer

_________________
*    Siehe Kasten in dieser Ausgabe S. 5  
**    www.lunaticoutpost.com/thread-689934.html
***    www.welt.de/wissenschaft/article157971801/Fachmagazin-publiziert-9-11-Verschwoerungstheorie.html).
  – Auch Focus-online zog mit: www.focus.de/wissen/mensch/geschichte/ueberwaeltigende-beweise-wissenschaftsjournal-veroeffentlicht-starke-zweifel-an-9-11_id_5905051.html

Schlichte Tatsachen – gigantische Täuschungen

Am 19. September wird einmal mehr der Rede Winston Churchills gedacht, die dieser am gleichen Tag des Jahres 1946 in Zürich gehalten hatte: sie war ein großer Aufruf zur Bildung der Vereinigten Staaten von Europa. Der Schweizer Bundesrat und Churchill-Verehrer Schneider-Ammann empfängt aus diesem Anlass Jean-Claude Juncker, Präsident der EU-Kommission. Dieses Treffen soll den Schweizern Churchills Besuch und Rede als Grund für einen allmählichen EU-Beitritt neu schmackhaft machen. – Wir wiederholen einmal mehr Original-Kernsätze aus der Rede, die Churchill am 14. Mai 1947 in London hielt: «The creation of an authoritative, all-powerful World Order is the ultimate aim towards which we must strive (…) Without a United Europe there is no sure prospect of world government. lt is the urgent and indispensable step towards the realisation of that ideal.»*

Wer sich keinen Sand in die Augen streuen lassen will, sollte über der Zürcher Rede nicht die fast unbekannte, viel wichtigere Londoner Rede vergessen, die das anglo-amerikanische Fernziel der Vereinigung Europas klar zum Ausdruck bringt.

Die NZZ vom 13./14. August 2016 brachte folgende Schlagzeilen auf der Titelseite: «Die russische Außenpolitik konzentriert sich auf das Militärische und provoziert die Nato vom Nordmeer bis zum Nahen Osten. Der Westen muss darauf eine angemessene Antwort finden.» –

Tatsache ist, dass 2015 die jährlichen Militärausgaben der USA mit  596 Milliarden diejenigen Chinas (215 Milliarden), Saudi-Arabiens (87 Mrd.) und Russlands in den Schatten stellten. Russland nimmt mit 66 Mrd. den vierten Rang ein. Die Militärausgaben der NATO-Länder übertreffen die von Russland um fast das Dreifache. In Wirklichkeit also: Wer «konzentriert sich auf das Militärische»?

So unerfreulich diese Verdrehung der Tatsachen durch die NZZ ist, so erfreulich ist es, dass es seit Kurzem in der Schweiz ein Gremium zur Entlarvung der absichtlichen Täuschungen der Öffentlichkeit über 9/11 gibt. In einem Aufruf zu einer Veranstaltung am 10. September heißt es: «Der 11. September 2001 bestimmt noch immer unsere Gegenwart. Auf ihn wird weiterhin verwiesen, wenn gesagt wird, dass sich seitdem alles geändert habe. Der sogenannte ‹Krieg gegen den Terror› hat nicht nur bisher 1.5 Mio Tote, Leiden, Elend und Unmengen an Geld für Rüstung gekostet, er hat auch die Länder im Nahen Osten destabilisiert und Millionen Menschen heimatlos gemacht, so dass sie flüchten.
Es werden Massenüberwachungen aufgebaut, die sich auch auf den Datenverkehr in und aus der Schweiz beziehen.

Die Erkenntnis der Wahrheit, dass am 11. September 2001 die drei (!) Türme des World Trade Centers (WTC) in New York gesprengt wurden, verändert unsere Sicht, auch auf den ‹Krieg gegen den Terror›. Terror kann auch ein Verbrechen mit Wissen von Politikern und Institutionen wie Geheimdiensten sein, um Rüstungsausgaben durchzusetzen, demokratische Grundrechte einzuschränken und Feindbilder aufzubauen, oder Wahlen zu beeinflussen, wie bereits in den 1980er Jahren die Operation Gladio in Europa zeigte.» Andreas Gross, AE911truth.ch

Vor einem Jahr wiesen wir auf die Aktivitäten von Richard Gage hin, dem Begründer der Organisation AE9/11 Truth, die nun einen Schweizer Ableger gefunden hat. – Zu den mutigen 9/11-Kritikern im Westen gehört auch Catherine Austin Fitts, auf deren vielfältige Tätigkeiten wir in dieser Ausgabe erstmals aufmerksam machen wollen (siehe S. 36).

Der türkische Präsident gibt sich gern als neuer Atatürk aus. Erdogan missbraucht den guten Namen, den der Gründer der neuen Türkei in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts noch heute bei den meisten Türken hat. Was Mustafa Kemal Atatürk wirklich getan und gewollt hat, soll in einer nächsten Ausgabe dargestellt werden.

Thomas Meyer

* May 14, 1947 in Albert Hall, London, in: Winston S. Churchill, His Complete Speeches, Vol. VII, New York 1974. P.

** http://de.statista.com/statistik/daten/studie/157935/umfrage/laender-mit-den-hoechsten-militaerausgaben/

Der Odilienberg, Brexit und «Skull&Bones»

Kirchenpolitik als Weltpolitik

Am 19. Juni befand sich eine kleine Menschengruppe auf dem Odilienberg. Gedenkend der großen Individualitäten von Helmuth und Eliza von Moltke, welche im 8. Jahrhundert an diesem Ort verkörpert waren, Eliza von Moltke als Odilie, Helmuth von Moltke als deren Bruder Hugo. Der Vater Eticho ist später als Wilhelm II. erschienen; ihm wurde unweit des Odilienberges von der Stadt Sélestat eine Burg geschenkt, wie zur Erinnerung an seine Eticho-Verkörperung. Im 9. Jahrhundert wurden dann von Papst Nikolaus I. und seinem Ratgeber, als welche sich Odilies Bruder und sie selbst bald nach der Odilienzeit in Rom verkörperten, die weltgeschichtlichen Entschlüsse gefasst, die den Westen vom Osten trennen sollten.*

Am 19. Juni – dem Tag unseres Besuches – 1911 stattete Helmuth von Moltke dem Odilienberg einen Besuch ab. Er wird den Sarkophag Odilias und Etichos besichtigt haben, auch wohl die Tränenkapelle mit dem Bildnis von Papst Leo IX., der aus dem Odiliengeschlecht stammte und der die Konsequenz aus der Kirchenpolitik von Papst Nikolaus I. zog: die endgültige Trennung der Ost- von der Westkirche, das Schisma von 1054.

Am gleichen 19. Juni – in der griechisch orthodoxen Kirche der Pfingsttag – fand auf Kreta das erste orthodoxe Konzil seit über tausend Jahren statt.**

Papst Franziskus rief in Rom den Schutz des Heiligen Geistes für das Konzil an. Stehen wir am Beginn der versuchten Auflösung des Schismas durch die katholische Kirche? Deren Geist ist wachsam und pflegt weltweit die äthergeographisch bedeutenden Orte: in der Odilienkapelle befindet sich seit ein paar Jahren eine Blutsreliquie von Papst Johannes Paul II. – Reliquien gehören aber in die Seelenverfassung des Mittelalters. Die spirituelle West-Ost-Vereinigung darf nicht in den Händen der Kirche bleiben. Sie kann nur von Menschen verwirklicht werden, die den Geist des neuen Zeitalters pflegen wollen.

Der britische Brexit

Wenige Tage darauf fand ein weiteres Ereignis von zumindest europa-politischer Tragweite statt: die Abstimmung der Briten für den Brexit. Es ist ein positives Zeichen, dass die Mehrheit der britischen Bevölkerung einer Institution den Rücken kehrt, die geradezu zum Inbegriff einer volks-fernen kafkaesken Regierungsform der Eliten geworden ist. Die Hohlheit der EU ist eindrücklich dokumentiert auf einem Video, welches im Vorfeld der Abstimmung in England die Runde machte und weit höhere Einschaltquoten erreichte als die Propagandareden Camerons: «Brexit – the Movie» (https://www.brexitthemovie.com).

Doch auch hier: der britische Abschied von der EU löst nicht deren und auch nicht die eigenen Probleme. Er schafft höchstens einen Freiraum für eine neue, wirklich weltumspannende Wirtschafts- und Sozialpolitik, die nicht in den geschlossenen Hinterzimmern von «Bilderbergern» und ähnlich anti-demokratischen Gremien beschlossen wird. Wo sind die Träger solcher Bestrebungen?

Deutsche Klarsicht

In Deutschland gibt es erfreulich kritische Stimmen zum Kriegstreiben der NATO an der Westgrenze von Russland. Will die NATO, nicht wie Hitler in Polen, sondern in Russland einfallen, mit Vorwänden, an deren Konstruktion sie stetig arbeitet? Die Folgen wären absehbar katastrophal. Zu den in dieser Beziehung klar Sehenden gehören der deutsche Außenminister Steinmeier, der Schriftsteller Rolf Hochhuth, der ehemalige Minister Andreas von Bülow oder Willi Wimmer, alle auch in Internet-Auftritten zu finden. Im Oktober  bringt Der Europäer ein Interview mit dem NATO-Kenner Daniele Ganser.

Hillary Clinton und Skull & Bones

Ein besonders symptomatisches Stück gegenwärtigen Polit-Spektakels wurde kürzlich in den USA geboten. Hillary Clinton, durch deren Auftritte viel Geld und Aufmerksamkeh-clintonit verschwendet wird, wurde während einer Zeremonie der Elite-Universität von Yale zum Ehrenmitglied von Skull & Bones ernannt. Wir haben die dubiosen Machenschaften dieses seit dem Tod Goethes existierenden Eliteordens oft beschrieben. Seine Hauptlinie besteht darin, ganz widersprüchliche politische Richtungen zu beherrschen, indem sowohl Links- wie Rechtsregimes unterstützt werden. Wer die Gegensätze aufbaut, kann Herr der Resultante werden! Für Skull & Bones sind links und rechts nur zwei «Flügel» einer großen Partei, wie sich Gore Vidal einmal ausdrückte. Frau Clinton spielt also auf der Marionetten-Bühne des Parteien-Spektakels ihre theatralische Rolle und pflegt zugleich innige Beziehungen zu den eigentlichen Drahtziehern hinter den Kulissen.***

Thomas Meyer

 *  Siehe Helmuth von Moltke, hg. von A. Bracher und T. Meyer, Basel, 1993.

**  allerdings ohne Teilnahme von Russland und Bulgarien.

*** http://worldnewsdailyreport.com/connecticut-hillary-clinton-made-honorary-skull-and-bones-member-during-yale-ceremony/.

Ein großer Brückenbauer – In memoriam Helmuth von Moltke

In dieser Nummer gedenken wir anlässlich des 100. Todestages von Helmuth von Moltke (1848–1916) am 18. Juni dieser bedeutenden Individualität und ihrer welthistorischen Aufgabe mit einer Sonderbeilage.

Moltke gehört zu den großen Mitgestaltern der europäischen Geschichte der letzten tausend Jahre – und zwar über Inkarnationen hinweg. Im 9. Jahrhundert fasste die Moltke-Individualität in ihrer Inkarnation als Papst Nikolaus I. den Entschluss, östlich-atavistische Geistigkeit von Europa fernzuhalten, damit die europäische Menschheit den notwendigen Weg zu Materialismus, Naturwissenschaft und Technik einschlagen konnte. Die West-Ost-Trennung im Jahre 1054 («Schisma») war die Folge der Nikolaus-Maßnahmen im 9. Jahrhundert. Sie rief die konfliktträchtige Ausgangslage des Ersten Weltkriegs hervor: Aus der Ost-West-Trennung ging der Ost-West-Konflikt hervor.

Moltkes Rolle als Generalstabschef des deutschen Heeres wie auch das ganze Wesen seiner Persönlichkeit wurde in der Regel verzerrt und verleumderisch dargestellt. Moltkes Verbindung mit der Geisteswissenschaft R. Steiners wurde Gegenstand weiterer, auch Rudolf Steiner treffender Verleumdungen.

Steiners Nachruf vom 20. Juni 1916 fordert künftige objektive Darstellungen der Rolle und Persönlichkeit von Moltke. Und Moltkes welthistorische Bedeutung sieht Steiner in erster Linie darin, dass er mit beiden Beinen verantwortlichst auf der Erde stand und doch den Weg zum Geist einschlug. Steiner verfolgte das nachtodliche Leben der Moltke-Seele und hinterließ Hunderte von Aufzeichnungen mit Post-mortem-Mitteilungen. Diese Mitteilungen skizzieren auch ein Bild vom spirituellen Wirken der Moltke Individualität in Gegenwart und Zukunft. Sie ergänzen das Bild vom äußeren Wirken Moltkes in einzigartiger Weise. Sie stellen so einen Eckstein für jede künftige biografisch-geschichtliche Darstellung dar, die auch die esoterisch-geistige Seite mit umfassen will.

Der Perseus Verlag trug im Jahre 1993 der exoterisch-esoterischen doppelten Wesensart von Moltke durch die Veröffentlichung einer zweibändigen Ausgabe Rechnung. Sie trug den Titel Helmuth von Moltke –Dokumente zu seinem Leben und Wirken und wurde 2005/07. wieder neu und erweitert herausgegeben. Die erste Ausgabe war unter maßgeblicher Mitarbeit von Johannes Tautz erfolgt, dem durch den Moltkekenner und -verteidiger Jürgen von Grone (1887–1978) die Originaldokumente Steiners anvertraut worden waren. Bei der zweiten Auflage kamen u.a. wertvolle Briefkommentare des Europäer-Autors Andreas Bracher hinzu; besonders hervorgehoben sei hier Brachers Betrachtung am Ende des zweiten Bandes: «Der erste Weltkrieg in den nachtodlichen Mitteilungen».

Die Moltke-Seele sieht aus der Post-mortem-Perspektive ihre Gegenwarts- und Zukunftsaufgabe in einer neuen Versöhnung von Sinneswelt und Geisteswelt, der ein neues Verhältnis von Mitteleuropa und dem slawischen Osten entsprechen soll. Dies war für sie die Konsequenz aus der Katastrophe des Ersten Weltkriegs. «Es wird die umgekehrte Aufgabe sein von der im 9. Jahrhundert», heißt es am 22. Juni 1918.

Diese neue Moltke-Mission steht in schärfstem Kontrast zur gegenwärtigen, von dem US-Regime und dessen NATO-Instrument durchgeführten und von den meisten Europäern mitgetragenen Ost-Politik, die weder aus dem Ersten noch dem Zweiten Weltkrieg die notwendigen Konsequenzen zu ziehen wusste. Diese Politik ist kurzsichtig und geistesblind und muss, wenn nicht in letzter Stunde eine Wende eintritt, in eine dritte Katastrophe münden.

Möge das hundertjährige Moltke-Gedenken nicht Rückblick bleiben, sondern zu einem Erwachen für die großen Zeitaufgaben von Gegenwart und Zukunft führen.

Thomas Meyer

Prinzen, Monarchen und das Drama der Zukunft

Am 19. Februar dieses Jahres war bei der Eröffnung eines Kongresses für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise ein Video zu sehen, auf welchem Prince Charles von England eine Ansprache hielt. Der Prinz geißelt darin in ruhiger und sachlicher Art die zerstörerische Behandlung der Erde durch künstliche Düngemittel und Monokulturen usw. Ermacht darauf aufmerksam, dass die richtigen Mittel längst bereitgestellt worden seien, durch den Landwirtschaftlichen Kurs, den Rudolf Steiner 1924 in Koberwitz abgehalten hatte. Es handle sich einfach darum, dass Steiners Angaben endlich weltweit aufgegriffen und befolgt würden.  (Siehe http://www.convegnobiodinamica.it/it/video-19-febbraio-2016/)

Prince Charles schloss sich mit dieser Ansprache einer Reihe anderer repräsentativer Persönlichkeiten an, welche für eine neue, dreigegliederte Weltordnung im Sinne geisteswissenschaftlicher Impulse ein Ohr besaßen.

In den späten 30er Jahren des letzten Jahrhunderts setzte sich der belgische König Leopold III. von Belgien für die Errichtung eines von W.J. Stein geleiteten Instituts in Brüssel ein. Dieses hatte den Zweck, für eine aufzubauende Ordnung der Weltwirtschaft die Daten der Realwirtschaft und der weltweiten Ressourcen zu sammeln und zu koordinieren. Stein sprach wiederholt mit dem interessierten Monarchen über Weltgeschichte aus anthroposophischer Beleuchtung. Er hatte auch Kontakt mit Prinz Bernhard der Niederlande aufgenommen, der sich ebenfalls für die Arbeit des Instituts interessierte. Sowohl Grundintentionen der Währungs-Konferenz von Bretton Woods (1944) wie auch die 1954 durch Prinz Bernhard ins Leben gerufene Gruppe der «Bilderberger» fußten, allerdings in modifiziertem Sinne, auf den Bemühungen des Brüsseler Instituts, das bei Kriegsbeginn geschlossen werden musste. Stein hatte es auf Anregung von D.N. Dunlop, dem Begründer der noch heute als World Energy Congress existierenden World Power Conference ins Leben gerufen. (Siehe J. Tautz, Walter Johannes Steine – Eine Biografie.)

Im Juli 1924 hatte D.N. Dunlop Edward VIII., den Prinzen von Wales, dafür gewinnen können, die World Power Conference zu eröffnen, was ihr von Anfang an Bekanntheit und hilfreiches Prestige verlieh. (Siehe Thomas Meyer, D.N. Dunlop – Ein Zeit- und Lebensbild.)

Im Sommer 1917 überreichte Arthur Polzer-Hoditz Kaiser Karl I. von Österreich-Ungarn ein Memorandum für die mögliche Neugestaltung der Verhältnisse in der Doppelmonarchie. Diese Tatsache wurde, nebst dem erstmaligen Abdruck dieses Memorandums, in der Biografie Kaiser Karls von Arthur Polzer-Hoditz zur Sprache gebracht; in der englischen Ausgabe dieses Buches aus dem Jahre 1930 wurde sie unterdrückt. (Siehe Thomas Meyer, Ludwig Polzer-Hoditz – Ein Europäer.)

*

Zum 400. Todestag von William Shakespeare am 23. April erinnern wir an ein Traumgesicht, das Shakespeare mit ägyptischen Mysterien in Zusammenhang bringt. Es stammt von Ludwig Polzer-Hoditz, der selbst eine große, römische  Monarchenvergangenheit besaß und am 23. April 1869 geboren worden war.

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Liegt in ägyptischen Einweihungsritualen der Ursprung der späteren dramatischen Kunst Shakespeares? So wie Shakespeare einen absoluten Gipfel abendländischer Dramatik darstellt, so legte im 20. Jahrhundert Rudolf Steiner mit seinen Mysteriendramen den Keim für die Dramatik der Zukunft. Sie wird auf die Realität von Reinkarnation und Karma aufbauen.

Möge das diesjährige Osterfest die wahrhaft zeitgemäßen Geistestaten von Monarchen, Dichtern und des Begründers der Geisteswissenschaft und seiner treusten Schüler – in wirksamer Realdramatik auferstehen lassen.

Thomas Meyer

Russisches Roulette, «Verschwörungstheorien» und ein großer Europäer

Der US-Präsident Obama vervierfachte im Februar für 2016 das Budget für die Militärausgaben der an der Westgrenze Russlands aufmarschierten NATO-Armeen. Diese stellten bekanntlich bereits bisher eine durch nichts – als durch Rüstungsgeschäfte und andere unnoble Motive – bedingte Provokation Russlands dar. Nun droht der Kalte Krieg in einen wirklichen Krieg überzugehen, wobei mit dem Einsatz atomarer Sprengköpfe auch auf Seiten Russlands zu  rechnen ist.

«Dieser Schritt [der Obama-Administration] steht in der neueren Geschichte ohne Vorbild da», bemerkt Stephen Cohen, ein emeritierter Professor für Russlandstudien und Politik der Universität von Princeton. «Außer Nazi-Deutschland bei seiner Invasion Russlands, hat sich eine westliche Militärmacht niemals in solcher Nähe Russlands positioniert. Die Entscheidung der Obama-Administration ist nichts anderes als russisches Roulette à la Washington.»*

Natürlich macht dieser Schritt sämtliche angeblichen Friedensbemühungen der USA, nicht nur gegenüber Russland, augenblicklich zur Farce. Ein erneuter Anlass, sich die grundstrukturelle Verlogenheit der heutigen US-Politik zu vergegenwärtigen. Das Wort «Verlogenheit» ist dabei nicht als Ausdruck subjektiver Empörung aufzufassen, sondern als sachliche Kennzeichnung des Grundantriebs dieser Politik. Im Sinne der Formulierung Steiners: «Entweder man entlarvt die Lüge, mit der der Westen arbeiten muss, wenn er reüssieren will (…)»**

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Während einer Hamburger pädagogischen Tagung am zweiten Februarwochenende erzählte der frühere Abgeordnete der Grünen und Mitglied des Europa-Parlamentes, Gerald Häfner, im kleinen Kreis, wie erschreckend gering nach 9/11 der Widerstand im Bundestag gegen die von Kanzler Schröder und Grünen-Chef Fischer geforderte «bedingungslose Solidarität» mit der US-Regierung gewesen war. Er selbst konnte immerhin erreichen, dass nur ein Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan bewilligt wurde, und nicht auch ein solcher im Irak etc.

Grotesk, dass in einer solchen Weltlage führend sein wollende Anthroposophen den Kampf gegen «Verschwörungstheorien» aufnehmen zu müssen glauben, wie durch den Bund der Freien Waldorfschulen seit letztem Sommer geschehen*** – ohne sich um die Tatsache zu kümmern, dass dieses vergiftende Kampfwort aus dem Kreise der Verschwörer gegen John F. Kennedy hervorgegangen ist.****

*

1916 ist das Gedenkjahr eines bedeutenden Europäers, der zwar nicht ermordet, doch Opfer nachhaltiger Rufmordkampagnen geworden war: Helmuth von Moltke. Es ist zu hoffen, dass mehr Europäer als bisher, das Leben und Leiden dieser Persönlichkeit von weltgeschichtlichem Format vorurteilslos betrachten werden und sich nicht mit fragwürdigen Geist-Begegnungen mit ihm begnügen, in denen versichert wird: «Mit so jemand arbeitet man gerne zusammen»!***** Wir möchten an dieser Stelle auf die erstaunliche Moltke-Impression von Heinrich Mann im Artikel von Andreas Bracher aufmerksam machen (S. 25).

Thomas Meyer

*globalnet@mindspring.com
**Der Europäer, Jg. 3 / Nr. 5 / März 1999
***«Was ist öffentliche Meinung?» Der Europäer, Jg. 19 / Nr. 8 / Juni 2015. Zum Kennedy-Mord siehe James W. Douglass, JFK and the Unspeakable, 2010
**** So geschehen durch den Sprecher des Bundes der Freien Waldorfschulen, Henning Kullak-Ublick, der davor warnte, «Verschwörungstheoretiker» als Referenten an die Schulen einzuladen. In einem Verteidigungsschreiben «an Heinz Mosmann und an viele andere» vom 2. November 2015 empfahl Kullak-Ublick die Schrift von Karl Hepfer, Verschwörungstheorien: Eine philosophische Kritik der Unvernunft. Hepfer gibt einen Überblick über gängige «Verschwörungstheorien», ohne auch nur einen einzigen ernsthaften Vertreter von Ansichten, die von der «political correctness» abweichen, anzuführen.
***** Erlebnis Erdwandlung, 2009, S. 154.

Leben mit der Anthroposophie und wahre Positivität

Eine kritische Erfahrung und ihre Überwindung

Jeder, der sich viele Jahre ernsthaft mit Anthroposophie beschäftigt, wird früher oder später eine Erfahrung machen, die wie folgt umschrieben werden könnte: Er wird das Bedürfnis empfinden, in sein Verhältnis zur Anthroposophie etwas Neues einzufügen. Es handelt sich für diese Empfindung nicht darum, einfach wieder einmal einen neuen Vortragszyklus zu studieren, sondern darum, eine neue Qualität, einen neuen Grad des Ernstes der Anthroposophie gegenüber zu entwickeln. Das führt bei manchen Menschen zu einer Krise; sie fühlen sich wie an einer finsteren Wand, halten sie vielleicht für undurchdringlich und geben das weitere Studium der Geisteswissenschaft auf.

Diese Wand gibt es tatsächlich. Es ist die Schwelle der geistigen Welt. Sie ist nur zu überschreiten, wenn der Weg der Übung beschritten wird; am Punkt, wo die genannte Erfahrung auftritt, vielleicht zum ersten Mal; oder aber mit dem neuen Entschluss, diesen Weg mit neuer Kraft und neuem Mut weiter zu beschreiten.

Die meisten Leser kennen die sechs Eigenschaften, die auch als «sechs Nebenübungen» bezeichnet werden; das heißt Übungen neben eigentlichen Meditationen, wie sie von Steiner verschiedentlich angegeben wurden. Sie bestehen in: Gedankenkontrolle, Kontrolle der Handlungen, Ertragsamkeit (Toleranz), Unbefangenheit, Vertrauen in die Umwelt (auch als Positivität bezeichnet) und in innerem Gleichgewicht. Das sind die Bezeichnungen, die Rudolf Steiner u.a. in den Schriften Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten? (GA 10) und Stufen der höheren Erkenntnis (GA 12) verwendet. Diese Eigenschaften konsequent und wiederholt auszubilden, ist bereits ein ziemlich sicheres Mittel zur Überwindung der genannten kritischen Erfahrung. Sie sind auch jedem förderlich, der daneben nicht auch noch eigentliche Meditationen durchführt.

Wird die erwähnte Krise nicht gemeistert, dann droht das anthroposophische «Wissen» intellektualistisch zu verflachen. Geisteswissenschaft oder Anthroposophie ist ein Lebewesen. Deshalb muss mit ihr gelebt werden. Das kann die Seele nicht, solange sie sie nur dem kalten Intellekt zum «Fraß» vorwirft. (Näheres dazu findet sich in den Beiträgen auf S. 29 ff.).

Positivität und Lebenswert

Eine besondere Bedeutung kommt angesichts der katastrophalen, ungezähltes Leid erzeugenden Weltlage der Übung der Positivität zu. Diese Übung ist eine ich-stärkende Übung.* Das denkende Ich des Menschen ist der Beurteiler des Lebenswertes, welcher heute so vielfach herabgedrückt, wenn nicht gar annulliert erscheint. Doch wie bestimmt das Ich den Wert des Lebens? Durch eine Division. Der unter dem Strich stehende Nenner mag unzählige negative Erlebnisse enthalten. Solange im Zähler auch nur ein einziger positiver Lebenswert steht – stündlich, täglich, jährlich usw. –, kann der Lebenswert niemals Null werden. In keiner Stunde, an keinem Tag, in keinem Jahr, in keinem Leben.**

Die In-dividualität dividiert. Werden wir wirkliche Individualitäten, so erscheint das Leben unter allen Umständen als lebenswert.

Thomas Meyer

_____________________
*      So Rudolf Steiner in einem Leipziger Vortrag vom 2. Januar 1914 (GA 266c)
**     Dies ist, kurz gefasst, die Art, wie Steiner im dreizehnten Kapitel der Philosophie der Freiheit den Wert des Lebens bestimmt.

Die Pariser Anschläge – Cui Bono?

Ein Tag, nachdem in Beirut über 40 Menschen durch einen ISIS-Anschlag getötet worden waren, fand in Paris gleichzeitig an verschiedenen Lokalitäten eine Serie von Anschlägen statt, der über 130 Menschen zum Opfer fielen und für die sich ISIS ebenfalls als Urheber gemeldet hatte. Neun Monate nach dem Angriff auf Charlie Hebdo.*

Am Tag nach dem Attentat vom 13. November erreichten uns die Zeilen von Jacques Le Rider, der unseren Lesern von Artikeln und zwei Interviews bekannt ist. Der französische Germanist flog am 13. November von Wien nach Paris. Er berichtet:

«Gestern Abend ereignete sich das schrecklichste terroristische Blutbad der Zeitgeschichte in Paris. (…) Für die Pariser ist es klargeworden: Sie wohnen in einem gefährlichen Kriegsgebiet. Paris wird zum westeuropäischen Beirut.»

Le Rider befand sich am Tag der Attentate auf dem Rückflug von Wien nach Paris und hatte viele Stunden vor den Anschlägen folgende Erlebnisse:

«Ich flog aus Österreich zurück nach Paris (Charles de Gaulle). Schon in Wien wurde vorgewarnt: ‹Ab heute sind die Schengen-Regelungen in Frankreich aufgehoben›; also muss man auf eine Passkontrolle bei der Ankunft in Paris gefasst sein. Ich dachte: das ist eine Vorsorge-Maßnahme wegen der großen Klimakonferenz in Paris Anfang Dezember. Am Flughafen CDG herrschte, wie mir schien, eine gewisse Nervosität an der Grenzkontrolle. Nie hatte ich soviel Polizei und Zollbeamte gesehen. Zum ersten Mal seit vielen Jahren wurde mein Gepäck ‹perlustriert› (Pass oder Ausweis wurde allerdings nicht verlangt). Wenige Stunden später begann in Saint-Denis und in Paris die Reihe der Attentate. Ich bin überzeugt, dass alle Sicherheitsdienste in Frankreich und in Europa Alarm angemeldet hatten. (…) Wer waren die Mörder? Wieso konnten sie sich mitten in Paris wie Fische im Wasser bewegen und sich, mit schweren Kampfwaffen ausgerüstet, unbemerkt organisieren? Offene Fragen…»

Diese Fragen wird im Einzelnen derzeit wohl niemand, der nicht zu den Drahtziehern gehört, beantworten können.** Doch kann mindestens verhindert werden, einseitigen oder falschen Fragestellungen aufzusitzen. Die Frage ist beispielsweise nicht, ob «ISIS» wirklich hinter den Attentaten steckt, sondern Cui bono? Wem dienen diese Attentate? Eine Antwort auf diese Frage zeichnet sich bereits jetzt mit einer fast unheimlichen Klarheit ab: den Machtkreisen, die Russland, das allein ISIS gezielt bekämpft hatte, aus Syrien weghaben wollen, um Assad doch noch zu stürzen; sowie der US-geführten NATO, die nun alle NATO-Staaten zu einem blutigen Engagement in Syrien zwingen könnte, Frankreich allen voran.

Wir erinnern daran, dass «das neue Kalifat» bereits in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als politischer Plan westlicher Mächte nachzuweisen ist, zum Beispiel in einem Economist-Artikel der Jahreswende 1992/93.***

*

Alle gegenwärtigen Kriege sind, geistig betrachtet, «Stellvertreter-Kriege» der ahrimanischen Mächte, welche die Menschheit davon abhalten wollen, den zeitgemäßen Weg zum Geist zu finden, indem sie fortwährend in Terror und Krieg verstrickt wird. Die menschlichen Propagandisten solcher Kriege sind in Wirklichkeit Ahriman-Rekruten. Ihre Kriege drehen sich nur zum Schein um Recht, Demokratie, westliche Werte etc.; in Wirklichkeit unterminieren sie den modernen Weg zum Geist.

Angesichts der düsteren Weltlage möchten wir unsere Leser auf ein ungewöhnliches Weihnachtsbild von Charles Kovacs hinweisen (S. 3), das diesen Weg zum Geist zum Inhalt hat.

Thomas Meyer

* Siehe Der Europäer, März 2015.

** Auch nicht die Frage, weshalb laut der Times of Israel vom 14. November Verantwortungsträger für die Sicherheit der jüdischen Gemeinde Frankreichs im Voraus vor Anschlägen gewarnt worden seien: «Just Friday morning, security officials in France’s Jewish community were informed of the very real possibility of an impending large terrorist attack in the country, according to Jonathan-Simon Sellem, a freelance journalist and a representative of French citizens in Israel.» Siehe http://www.voltairenet.org/article189278.html
Siehe auch http://www.globalresearch.ca/paris-under-attack-was-it-a-false-flag-a-pretext-for-nato-to-intervene-in-syria-and-the-middle-east/5489159; ferner zur gleichzeitigen Notfallübung
http://www.heise.de/tp/artikel/46/46585/1.html  und
http://alles-schallundrauch.blogspot.ch/2015/11/warum-paris-keine-false-flag-operation.html

*** Siehe das Editorial in der November-Ausgabe und den Artikel «Das katastrophale 21. Jahrhundert» von Terry Boardman in dieser Ausgabe.

Das «Neue Kaliphat» – längst geplant

Den Europäern mangelt die Fähigkeit, langfristige Perspektiven für die Entwicklung Europas und der Welt zu erfassen. Nicht so den entscheidenden politischen Kreisen im Westen (oder auch innerhalb der Kurie).

Wir haben in dieser Zeitschrift immer wieder auf die Weltkarte aufmerksam gemacht, die im September 1990 im Wirtschaftsmagazin The Economist erschienen war.

Diese Karte war von einem Artikel begleitet, der eine Art Zukunftsprogramm für die Gestaltung der Welt im 21. Jahrhundert entwarf. Auf ihr gibt es kein einheitliches Europa mehr. Europa wird in einen West- und einen Ostteil zerrissen; der eine steht in der Einflusssphäre des aufgeklärten Protestantismus/Katholizismus, der andere in der der orthodoxen Strömung. Daneben gibt es imaginäre Kontinente, die ebenfalls nach «religiösen» Gesichtspunkten benannt wurden: Hinduland, Confuciania und Islamistan. Zehn Jahre später erfolgten die Anschläge vom 11. September 2001, welche islamistischen Tätern in die Schuhe geschoben wurden. Nun konnte das Projekt Islamistan in die Tat umgesetzt werden. Der Kampf gegen den «islamistischen Terror» diente als Vorwand für die Zerstörung von Afghanistan, Irak, Libyen und so fort. Jetzt ist Syrien an der Reihe, andererseits Russland bedroht, weil man ihm das Herzstück Ukraine zu entreißen sucht.

In beides spielt ein scheinbar neues Phänomen hinein: das neue Kaliphat. Scheinbar neu, denn auch dieses wurde im Economist kurz nach der Veröffentlichung obiger Karte «vorausgesehen». Ein gutes Jahr nach der besprochenen Karte erschien zum Jahreswechsel 1992/93 ein geistreicher «Phantasie»-Artikel, mit dem Titel «Rückschau aus dem Jahre 2992» – also nach 1000 Jahren. Er gab sich als Auszug aus einem in diesem Zukunftsjahr erschienenen Buch über Weltgeschichte und trug den Untertitel: «Eine Weltgeschichte, Kap. 13: Das katastrophale 21. Jahrhundert».* Nach der weitgehenden Realisierung von «Islamistan» besteht aller Grund, auch diesen Artikel näher zu betrachten. Er schildert u.a. die Entstehung eines Neuen Kaliphats, «deren treibender Faktor nicht die Religion war, obwohl diese der Bewegung das Identitätsgefühl verlieh; es war vielmehr ein Hypernationalismus (…) Das erste Opfer war die Türkei (…) Die Kräfte des Neuen Kaliphats fegten den Bosporus hinauf und errichteten im Krieg von Sanjak (2016) den ersten Brückenkopf im süd-östlichen Europa.
Doch das Hauptziel war der zerfallende Leichnam von Russland (…) Hier fand das neue Kaliphat die Basis für seine Verbindung mit China.»

Am Schluss des Auszugs aus der fiktiven Weltgeschichte wird geschildert, wie sowohl das Kaliphat wie auch China ihre Weltrolle längst wieder abgegeben haben. Die beiden Schlusssätze lauten: «Die Bedingungen für eine Pax Democratica» – natürlich unter US-Regie – «sind endlich eingetreten. Wenn nur das Volk von 1992 schon eingesehen hätte, was seine fernen Nachkommen zustande brachten.»
Im Klartext: Angestrebt wird eine anglo-amerikanische Weltregierung, die sich gegenwärtig des Islams als Mittel bedient, ganze Länder zu destabilisieren und zu chaotisieren. Nun soll nach den oben genannten Ländern das «vereinigte» Europa chaotisiert werden.**

Dies ist der wahre Hintergrund der vorwiegend aus islamischen Ländern strömenden Migrationswelle. Das Neue Kaliphat soll einen Keil zwischen ein chaotisiertes Europa und ein chaotisiertes Russland treiben.

Hinter den westlichen «Fiktionen» steht eine reale Langzeitplanung; hinter der maßgeblichen Politik der Europäer ein Haufen naiver Illusionen.

Thomas Meyer

*     The Economist, Dec. 26th 1992 – January 8th 1993.
**     Nichts steht den im Gewand von fiktiven Karten und Buchauszügen in Erscheinung tretenden anglo-amerikanischen Weltmachtplänen mehr im Wege als ein wirklich geeintes Europa. Denn dieses könnte auch mit Russland lebensfähige Verbindung herstellen, was zu verhindern das erklärte Ziel der US-Außenpolitik der letzten hundert Jahre ist.

Jenseits von Ehrgeiz, Eitelkeit und Unwahrhaftigkeit

Man kann gewiss Manches gegen die Politik Victor Orbans einwenden, im Besonderen auch in Bezug auf die Flüchtlingsfrage. Doch in einem Punkt hat der ungarische Regierungschef recht. Der Architekt Attila Ertsey (Budapest ) machte uns darauf aufmerksam, dass «Viktor Orban sagte, die Krise sei von uns – das heißt vom Westen und der NATO, deren Mitglied wir sind – hervorgerufen worden, und daher liege die Verantwortung bei uns allen.» Eine solche Äußerung Orbans wird in den westlichen Medien verschwiegen. Ertsey fordert: Die Einmischung von Cameron, Hollande, den USA und ihren Verbündeten im Mittleren Osten müsse gestoppt werden, damit die betreffenden Länder selbst über ihre Zukunft entscheiden können. Wir möchten hinzufügen: Unglücklicherweise liegt die durch die Flüchtlingswelle bewirkte Chaotisierung Europas durchaus auf der Linie einer ehrgeizigen anglo-amerikanischen Langzeitstrategie. Der schon von Churchill ausgesprochene Plan der Errichtung einer allmächtigen Super-Weltregierung lässt sich nicht mit einer geeinten, sondern nur mit einer chaotisierten Eurozone durchführen. Nur auf den Trümmern Europas ist der Churchill-Plan durchführbar. Europa wird mit dem Flüchtlingsproblem nicht fertig werden, ehe es diese westliche Chaos-Strategie, die sich gegenwärtig sogar der nur in verlogener Art bekämpften ISIS-Rebellen bedient, durchschaut. Laut Ertsey hat sich ein ISIS-Führer damit gebrüstet, dass unter den Flüchtlingen bereits zirka 4000 ISIS-Kämpfer eingeschleust worden seien.

*

Rudolf Steiner gab drei Kardinaluntugenden der heutigen Zeit an: Ehrgeiz, Eitelkeit und Unwahrhaftigkeit.*

In Bezug auf die Letztere sagte er einmal, die «Verlogenheit sei die Grundeigenschaft des öffentlichen Lebens unserer Zeit».**

Aus Motiven der Eitelkeit wird nach Steiner nicht nur viel privates Tun motiviert, sondern auch viel «Wissenschaft» getrieben. Es sei an dieser Stelle beispielsweise auf die fragwürdigen, äußerst aufwendigen und nicht ungefährlichen Forschungen im CERN aufmerksam gemacht.

Und persönlicher Ehrgeiz ist vielleicht der erste Feind aller spirituellen Entwicklung, wie schon Mabel Collins in ihrem Schulungsbuch Licht auf den Weg darstellte. Daher gibt sie als ersten Schritt auf dem okkulten Entwicklungsweg an: «Ertöte den Ehrgeiz». Keine leichte Sache, denn der Ehrgeiz ist tief verwurzelt in den Lebens- und Bildungsgewohnheiten der meisten heutigen Menschen.

Man muss weit zurückgehen in der Menschheitsgeschichte, um Zeiten zu finden, denen Ehrgeiz noch ganz unbekannt war. Es ist dies die erste atlantische Zeit, die vom mächtigen TAO-Klang durchtönt war. Es war die goldene Zeit selbstloser Hingabe an Natur und Geist, die als gewaltige Einheit empfunden wurden.***
Die «unheilige Trinität» gehört zu den tieferen Ursachen des gegenwärtigen Kriegsgeschehens. Dieses steht im reziproken Verhältnis zur Ablehnung des seit über 100 Jahren verbreiteten Geisteswissens: je mehr Geist-Ablehnung in Form von persönlichem Ehrgeiz, von Eitelkeit und Unwahrhaftigkeit – je größer die Kriegsgewalten. Ohne energische Hinwendung zu konkreter Geist-Erkenntnis keine dauerhafte Lösung weder des gegenwärtigen Flüchtlingsproblems**** noch des weiteren Schicksals Europas und der Welt.

Thomas Meyer

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*    Gegenüber W.J. Stein, Mitteilungen aus der anthroposophischen Arbeit in Deutschland, Michaeli 1966.
**    Am 21.8. 1920, GA 199.   
***    Siehe R. Steiner, Aus der Akasha-Chronik, GA 11.
****    Humanitäre Hilfe ist selbstverständlich unter allen Umständen in höchstem Maße geboten.

Der dreifache Werdegang Europas

I. Die irdische Gattin des unbesieglichen Gottes

Perseus, der Sohn des Zeus, hatte eine irdische Verwandte, in deren Schicksal in tiefer Art auch Zeus eingriff: Europa. Ihr phönizischer Vater war Agenor, ein Poseidon-Sohn; die Mutter hieß Lybia und war eine ägyptische Königstochter. Als junges Mädchen hatte die Jungfrau Europa einen bedeutenden Traum: Zwei Frauen erschienen ihr darin, die eine mit phönizischen Zügen, die ihr vertraut waren, die andere von fremdartigem Aussehen. Eines Tages erschien Zeus der Jungfrau in Gestalt eines lieblichen Stiers, der Europas Vertrauen gewann. Kaum saß sie auf seinem Rücken, entführte er das naive Mädchen durch das Meer nach Kreta, wo er – in Gestalt eines unbekannten Mannes – drei Söhne mit Europa zeugte, Minos, den Inspirator der Minoischen Kultur, und Rhadamanthys und Sarpedon. Minos und Radamanthys wurden zu Wächtern über die Seelen der Toten bestellt.
Zeus ließ die dergestalt Verführte einsam und allein zurück. Europa haderte mit ihrem Schicksal, als ihr Aphrodite erschien und sie mit den Worten tröstete: «Liebe hat dich hierher geführt. Darum tröste dich, Europa! Zeus ist es, der dich als Stier geraubt. Zeus war es, dem du die Hand gereicht. Nun bist du die irdische Gattin des unbesieglichen Gottes. Dein Name wird unsterblich sein, denn der fremde Weltteil, der dich aufgenommen hat, wird für alle Zeiten Europa heißen.»

So war die künftige Mission Europas von einem übersinnlichen Wesen – Zeus – geleitet worden. Die großen Werte von Kunst, Philosophie und Demokratie waren Europas schönste Früchte.

II.  Europa hat den Geist verloren

EUROPA-POMPEJIHeute befinden wir uns am Ende dieses Werdeprozesses. Kein übersinnliches Wesen nährt Europa mehr. Kunst, Philosophie und «Demokratie» sind hohl und phrasenhaft geworden. Ein goldenes Kalb des reinen Materialismus ist an die Stelle des göttlichen Stiers getreten, dem Europa einst gefolgt war. Geist ist zum geistlosen «Gold» geworden. Kein Zufall, dass ausgerechnet Griechenland, die Geburtsstätte der besten europäischen Werte in bitterer Art die gesamteuropäische Dekadenz widerspiegelt: Die Europäische Union ist ein rein materialistisches Konstrukt, das nicht funktioniert hat und nicht funktionieren wird. Und Griechenland wurde nun im Labyrinth dieser uneinigen Einheit in Geiselhaft genommen. Nicht aus Liebe der übrigen Europäer für dieses Land, sondern wegen wirtschaftlicher und geo-politischer Berechnungen. Der höchste Wert, der höchste Maßstab für «Wirklichkeit» ist Geld und Macht. Die für Europa wichtigsten Institutionen (IWF, EZB, EK, NATO) sind alle auf diese zwei Mächte gebaut. Die Hohepriester des europäischen Goldenen Kalbs sind die «Halbgötter» von Goldman-Sachs. Sie haben Griechenland, zumindest als beratende Hehler, in die Euro-Zone getrickst, und sie müssen nun mit einer Klage gegen den irreführenden Rat und gegen den Hehler-Preis von über 500 Millionen Dollar rechnen. Kaum Aussicht, dass die Klage Erfolg hat, denn einer der früheren Goldman-Sachs Halbgötter (Mario Draghi) ist der Präsident der EZB.

III.  Zerstörerischer Militarismus

Ein Nebenprodukt des europäischen Materialismus ist der zerstörerische Intellektualismus und die blinde Vasallentreue gegenüber den westlichen Hohepriestern einer grenzenlosen Geld- und Machtgier. Traurig, doch die meisten dieser dekadenten «Werte» werden heute besonders in Deutschland hochgehalten. Ein schockierender Beweis, der gleichsam die andere Seite der griechischen Münze darstellt: Eine amerikanische Militärbasis bei Mannheim, die im Jahre 2015 eigentlich geschlossen werden sollte, hat eine Verlängerung der Erlaubnis für militärische Operationen erlangt. Am 23. Juni hat der neue amerikanische Verteidigungsminister, Ashton Carter, den Transport von schwerem militärischem Gerät nach Mittel- und Osteuropa verkündet, begründet durch «die russische Aggression». Eines der Resultate: Im Juni wurden 250 Bradley Panzer und anderes militärisches Gerät nach Bremerhaven verschifft und von dort per Zug u.a. zur Militärbasis bei Mannheim befördert.

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Ein 9-minütiges Video hat die Einfahrt des Zuges festgehalten. Ein düsterer Trauerzug, der auf dem Video vom berühmten Trauermarsch von Chopin begleitet wurde.
Die EU ist ein Titanic-Projekt, das die völlige Zerstörung Europas zum Ziel hat, und es in den nächsten großen Krieg stürzen soll. Der nächtliche Eisberg ist der hartnäckige europäische Materialismus. Das EU-Europa ist nur das Vorspiel für eine «wirksame Welt-Super-Regierung» (Churchill am 14. Mai 1947); am Ende des Vorspiels soll es politisch versinken, wie einst Atlantis physisch versunken war. Und Europa steht alldem hilflos gegenüber, da es allen Geist verloren hat und die meisten derer, die in Europa einen neuen Geist heraufführen wollten, verkannt, verjagt und verspottet hat. Eine von diesen Individualitäten ist, neben Rudolf Steiner, Helmuth von Moltke, der wie das personifizierte Gewissen für den geistigen Ursprung Europas und für die geistige Zukunft dieses Kontinents dasteht – falls er überhaupt noch eine Zukunft hat.

IV.  Europa muss den Weg zum neuen Geist entdecken

Hinter all dem lärmigen und leidvollen äußeren und inneren Kriegstreiben ruft Europa nach einem neuen geistigen Realismus, der die Einsicht bringt, dass es nirgends «Wirklichkeit» gibt ohne die entsprechende geistige Komponente; dass die sogenannten Toten ebenso zum Leben gehören wie die Lebenden, dass selbst hinter dem Geld ein geistiges Element zu finden ist. Diese neue Mission Europas lebt in vielen lebenden als auch verstorbenen Seelen. Nach seinem Tod im Juni 1916, tönt diese Mission zum Beispiel machtvoll aus der Seele Moltkes:
«Europa muss zur Selbstbesinnung kommen und selbst sich zum Geiste finden.» (Moltke II, 3. 5. 1919)

Das ist die gegenwärtige und künftige Mission dieses Kontinents, dessen Aufgabe aus einer alten Spiritualität erfloss, die vollkommen versiegt ist. Falls Europa den Weg zum Geist wirklich findet – und das können konkret immer nur einzelne Europäer –, dann wird auch ein anderes Post-mortem-Wort von Moltke wahr werden: «Wie eine Episode wird das materialistische europäische Zeitalter sein, wenn die neue Geistsonne einmal der Menschheit leuchten wird.»

Thomas Meyer

Perseus, Putin und die Bilderberger

Wie jeden Sommer werden auf der nördlichen Hemisphäre Ende Juli und in der ersten Augusthälfte die Meteoritenschwärme im Sternbild des Perseus – die sogenannten Perseiden – sichtbar.

Nach diesem Sternbild benannten wir bei dessen Gründung unseren Verlag. Dabei hatten wir den griechischen Mythos im Auge, der zeigt, wie Perseus, mit Merkurflügeln beschuht, im Spiegel seines Schilds, der Medusa mit einem Schwert das Haupt abschlägt. Medusa verkörpert die alten, dekadent gewordenen Kräfte der Hellsichtigkeit. Sie mussten im Spiegel der reflektierenden Vernunft abgetötet werden, wenn Menschheitsfortschritt werden sollte.

PERSEUS_webDie Astronomin und Anthroposophin Elisabeth Vreede (1879-1943) sprach, wie wir erst nach der Verlagsgründung erfuhren, im Zusammenhang mit dem Sternbild des Perseus einmal von Perseus-Michael. Sie schreibt: «So muss es uns schon als bedeutungsvoll vorkommen, dass im Sommer, wenn es schon gegen den Herbst zu geht, diejenigen Sternschnuppen, mit denen das kosmische Eisen herabkommt, das den schwefeligen Sommerdrachen besiegt, aus derjenigen Richtung her erscheinen, in welcher der Perseus steht, der nach alter Überlieferung als das Sternbild des Michael anzusehen ist.»*

Wir haben es bei Perseus also mit einem Michaelkämpfer zu tun, der alte anti-rational gewordene Kräfte zurückzudrängen hat. Sein Schwert ist das Michaelschwert.
Im Sinne dieses Motivs versuchen Verlag und Zeitschrift seit mehr als drei Jahrsiebten, in vernunftgeleiteter Art aktuelle Gegenwartsfragen zu behandeln, die oft von einem Wall von irrationalen Emotionen oder medusaartigen Tabus umgeben sind – wie zum Beispiel die Ereignisse des Ersten Weltkriegs, des Nationalsozialismus, der westlichen Machtpolitik oder auch spirituelle Strömungen, die das Fundament der Geisteswissenschaft zu untergraben suchen usw.

Da der heutige Michael-Impuls eine energische «Spiritualisierung des Intellekts» verlangt, kommen auch konkrete karmische und reinkarnatorische Tatsachen zur Sprache. Dies zeigt sich bis in die karmischen Angaben unseres Kalenders hinein.

Auf dem Hintergrund dieser Erläuterungen ist auch das Logo der Zeitschrift entstanden.** Beim Perseus-Emblem haben wir es also mit einem Michael-Symbol zu tun. Es möchte zum geistigen Kampf aufrufen, in jeder einzelnen Seele. Es ist der Kampf der zur realen Spiritualität strebenden Vernunft mit den irrationalen Medusamächten auf dem Grund der Menschenseele.

Wir gehen einem konfliktschwangeren Sommer entgegen.
Vom 10. bis zum 14. Juni fand im österreichischen Tells-Buchen ein Bilderbergertreffen statt. Auf der Agenda u.a. : Künstliche Intelligenz, Griechenland, Russland, die NATO.
Anwesend waren u.a. US-Strategen wie der Neocon Robert Zoellick von Goldman Sachs und Jens Stoltenberg, der die US-kontrollierte NATO-Kriegsallianz anführt.

Dass ohne Russland auch über Russland verhandelt wurde, zeigt, dass die westlichen Machtgruppen à la Bilderberger die NATO-Urdevise «…to keep Russia out» eisern weiter verfolgen.
Im Vorfeld der Bilderberger-Konferenz gab Präsident Putin Luciano Fontana, dem neuen Chefredakteur des Corriere della Sera, am 6. Juni in Moskau ein sehr beachtenswertes Interview. Es ist von einer differenzierten, überlegenen und gelassenen Haltung geprägt und zeugt von der ehrlichen Friedenssuche des russischen Präsidenten. Kernsätze daraus: «Ich glaube, dass diese Krise willentlich geschaffen wurde (…) Die Berichterstattung darüber war absolut inakzeptabel …Wir wurden schlicht gezwungen, auf das, was geschehen ist, zu reagieren… Der Punkt ist, dass Beziehungen langfristig gesehen nicht in einer Atmosphäre der Konfrontation, sondern auf dem Geist der Zusammenarbeit errichtet werden sollten (…) Unsere Politik ist nicht global offensiv (…) Die Militärausgaben der USA sind höher als die aller anderen Länder der Welt zusammen. (…) Die gebündelten Militärausgaben der NATO-Länder betragen das Zehnfache, wohlgemerkt das Zehnfache,  derjenigen der Russischen Föderation. Russland hat so gut wie keine Stützpunkte im Ausland. Ich fordere Sie auf, in Ihrer Zeitung eine Weltkarte abzudrucken und darauf alle US-Militärstützpunkte zu verzeichnen. Sie werden den Unterschied sehen. (…) Nur eine verrückte Person kann sich vorstellen, dass Russland plötzlich die NATO angreift (…)

Schließlich haben sich die Vereinigten Staaten einseitig aus dem Vertrag gegen ballistische Raketen zurückgezogen. (…) Ich habe unseren amerikanischen Partnern vorgeschlagen, sich nicht einseitig aus dem Vertrag zurückzuziehen, sondern zusammen ein Anti-Raketensystem zu entwickeln, wir drei: Russland, die Vereinigten Staaten und Europa. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt (…) Beispielsweise wünschen die Amerikaner keine Annäherung Russlands an Europa.»

Diese Rede wurde in der deutschen Presse nur auszugsweise zitiert.***

Mögen die Meteoritenschwärme aus dem Sternbild des Perseus im August zu klaren Gedanken über die von unheilvollsten Medusakräften durchzogene Weltlage anspornen. Mögen sie dazu anregen, Schein und Wirklichkeit in der gegenwärtigen Weltkrise immer deutlicher zu unterscheiden.

Thomas Meyer

*     E. Vreede, Anthroposophie und Astronomie, Kap. 25, «Sternschnuppen und Meteore»

**   Es hätte selbstverständlich auch in anderer Art aus dem spirituellen Perseus-Motiv umgesetzt werden können.

*** http://www.en.kremlin.ru/events/president/news/49629 (vollst. engl. Version)
       http://vineyardsaker.de/ukraine/interview-putins-mit-der-italienischen-zeitung-corriere-della-sera/ (dt. Version)

Elementarkatastrophen und ihr Hintergrund

Fast täglich kommt es irgendwo auf unserem Planeten zu Erdbeben oder Vulkanausbrüchen, in größerer oder geringerer Stärke. Seit Ende Februar wurde Chile wiederholt von Erdbeben heimgesucht. Ende April traf es in besonderer Heftigkeit Nepal. Neben den üblichen mehr oder weniger materialistischen Erklärungen gab es nach dem Beben von Nepal, dem viele Tausende zum Opfer fielen, eine ungewöhnliche Stimme. In der italienischen Zeitung La Repubblica war am 27. April aus der Feder der indischen Schriftstellerin Anita Nair zu lesen: «Indem wir den Planeten in egoistischer Art verwüsteten und indem wir dabei eine Haltung der völligen Gleichgültigkeit gegenüber der Umwelt an den Tag legten, haben wir zu all den Katastrophen beigetragen.» Und weiter: «Es kommt mir der Gedanke, dass das nepalesische Volk hier den Preis für die menschliche Gier bezahlt.» Ein großer Gedanke über die Mitverantwortlichkeit aller Menschen für das Verhalten unseres Planeten! Ein solcher Gedanke ist nicht nur vernünftig, er erhält durch die geisteswissenschaftlichen Einblicke in das Erdinnere und seinen Zusammenhang mit den Vorgängen in der Seele des Menschen auch eine Kraft, die uns nicht nur die materiellen Schäden, so gut es geht, beheben lässt – sondern die uns lehren kann, den seelisch-geistigen Ursachen solcher Katastrophen die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. «Die Erde gehört uns nicht», schließt Nair ihren Artikel, «und wir können nicht einfach tun, was uns beliebt. (…) Es handelt sich um eine Kollektivschuld. (…) Wir müssen das Heilmittel für diese Schuld finden.» Es ist schon seit hundert Jahren da, doch wird von ihm noch kaum Gebrauch gemacht. Es heißt «innere Entwicklung» und «spirituelle Erkenntnis des Zusammenhangs von Mensch und Erde».

*

Eine andere Art von Elementarkatastrophe hatte sich vor 80 Jahren, am 14. April 1935 ereignet, als führende Schüler und Freunde Rudolf Steiners aus der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft ausgeschlossen worden waren. Darunter D.N. Dunlop, dem aus Anlass seines 80. Todesjahres am 30. Mai eine Gedenkveranstaltung in London gewidmet wird. Diese Ausschlüsse waren keineswegs nur eine interne Angelegenheit der AAG; sie erleichterten das Hochkommen des Nationalsozialismus in Deutschland. Doch die Schäden waren weltweit und sind noch heute nicht behoben.

Bemerkenswert, dass am selben Tag fast die ganzen USA von einem Sand- oder Staubsturm heimgesucht worden sind, wie nie vorher und nie nachher. Dieser Tag ist als «Black Sunday» in die US-Geschichte eingegangen.

Bemerkenswert, dass Ludwig Polzer-Hoditz, der die Ausschlüsse zu verhindern suchte, in der Nacht darauf einen «spirituellen Sturm» erlebte.
Als D.N. Dunlop, den Steiner als den geeigneten Mann zur Führung der Anthroposophischen Gesellschaft in England ansah, wenige Wochen nach der spirituellen Elementarkatastrophe von Dornach am 30. Mai 1935 unerwartet verstarb, ereignete sich am gleichen Tag in Pakistan ein Erdbeben, dem 50‘000 Menschen zum Opfer fielen.

Sowohl für die mehr natürlichen wie für die spirituellen Elementarkatastrophen gilt das Wort, das Steiner im vierten Bild des ersten Mysteriendramas Die Pforte der Einweihung den Geist der Elemente im Hinblick auf die materialistische Gesinnung von Menschen sagen lässt:
«…eurer Arbeit Folgen / entfesseln Sturmgewalten / in Urwelttiefen.»

Erst wenn mehr und mehr Menschen mit der konkreten Einheit von Welt und Menschenseele ernst machen, können Katastrophen beider Art nach und nach vermieden werden.

Materielle Hilfe ist selbstverständlich das Erste bei physischen Katastrophen; ein Rückbesinnen auf die ursprünglichen spirituellen Intentionen bei solchen zweiter Art. Doch beide Arten von Katastrophen werden sich so lange wiederholen, bis nach den tieferen seelisch-geistigen Ursachen für sie gesucht wird.

Thomas Meyer

Geist-Erkenntnis als Aufbaukraft

Charles Kovacs macht in seinem bedeutenden Vortrag über Anthroposophie darauf aufmerksam, dass alles Wissen vom Geist in jeder Menschenseeele ruht, wie die Fische in der Meerestiefe. Er zeigt aber auch, dass ebendieses Wissen, solange es nicht ins Licht des denkenden Bewusstseins gehoben wird, zerstörerische Kraft wird. Soviel Geist-Verdrängung in der Welt ist, soviel Zerstörungskraft ist in ihr.

Statt konkreter Geist-Erkenntnis fast überall Phraseologie, Nominalismus und theoretisierender Intellektualismus. Wohltuend immerhin, dass da und dort Einzelne die Phänomene der Zerstörung wenigstens nicht phrasenhaft bemänteln, sondern sie beim Namen nennen. So, um nur zwei Beispiele herauszugreifen, der Whistle Blower Edgar Snowden, der das Ausmaß des Überwachungs-Überstaates, in dem wir uns schon längst befinden, ahnen lässt (siehe Filmhinweis auf S. 50), auch wenn er bisher nichts zur Aufklärung der Ur-Katastrophe des 21. Jahrhunderts beiträgt, der Attentate von 9/11; so der ungarnstämmige Georg Friedman, der den Think Tank STRATFOR ins Leben rief und der in einem Vortrag vom 4. Februar 2015 klarlegt, dass das Hauptinteresse der US-Außenpolitik der letzten 100 Jahre darauf ausgerichtet war, ein Zusammengehen von Russland und Deutschland zu verhindern, denn nur ein solches Zusammengehen könnte der Macht der USA bedrohlich werden. Friedman zeigt auch, dass die russische Regierung bei der US-inszenierten «Orangenen Revolution» in der Ukraine begriff, dass der neue bedrohliche Machtblock der Russischen Föderation durch die Spaltung der Ukraine zerschlagen werden soll usw. Wir empfehlen unseren Lesern, zumindest die mit deutschen Titeln versehene Kurzfassung dieses Vortrags zu beachten.
https://www.youtube.com/watch?v=oaL5wCY99l8

Auch in der anthroposophischen Strömung schwimmt vielerorts ein geist- und bodenloser Intellektualismus obenauf, wie ein in allen Farben schillernder Ölteppich, der das Leben der Fischwelt bedroht. Der besonders auffällig schillernde SKA-Initiator von Salt Lake City zeigt in der Facebook-Hexenküche, in der sich täglich suhlen muss, wer nicht «von gestern» sein will, ein erschreckend anderes Gesicht als zwischen seinen akademischen Buchdeckeln. Eine Facebook-Teilnehmerin wollte im letzten Herbst wissen, ob es stimmt, was im Europäer stand: dass Rudolf Steiner von den Mormonen post mortem getauft worden sei [so geschehen am 22. Januar 1990*], und findet solche Taufen generell «bizarr». Darauf der SKA-Herausgeber am 17. Oktober 2014 wortwörtlich: «Sag mal, Roswitha Hoppe, ist es nicht ebenso «bizarr», sich hinzusetzen und laut Steinerbücher zu lesen – und zu erwarten, dass die Verstorbenen da oben sich jetzt ganz doll freuen, weil sie endlich die Segnungen der Geisteswissenschaft erhalten? Inwiefern ist eine stellvertretende Taufe bizarrer als stellvertretendes Steinerlesen?»**
Anderntags beschmiss er einen weiteren Facebook-Teilnehmer mit einem Wort, das mit A beginnt und mit ch endet. So weit die «Segnungen» des neuen Steiner-Schriftgelehrten.
Es führt ein gerader Weg vom zynisch-frivolen Umgang mit Gedanken und Tatsachen zur sozialen Barbarei.

*

«Die Menschen auf der Erde müssen aus den Ereignissen lernen, dass Gedanken Tatsachen sind», heißt es in einer anhaltend-aktuellen Post-mortem-Mitteilung Helmuth von Moltkes vom 24. Mai 1918. Und ein Jahr später hören wir am 1. Mai 1919: «Falsche Gedanken sind in den Zeiten wie den jetzigen die eigentlich zerstörerischen Kräfte».***

Vom Gedanken-Ernst zur Geist-Erkenntnis, so heißt der Weg des Aufbaus. Auf diesem Weg allein kann Anthroposophie gefunden werden.

Thomas Meyer

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*    Siehe Editorial im Europäer, Jg. 18. Nr. 2/3, Dezember-Januar 2013/14
**    Quelle: Facebook-Gruppe ‚Virtuelle Anthroposophische Gesellschaft‘ Sebastian Gronbach, Post Christian Clement; 17. Oktober 2014, 16.00 Uhr
***    Siehe Helmuth von Moltke – Dokumente zu seinem Leben und Wirken, Bd. 2, Basel 2. Aufl. 2006

Der Kriegswille und das neue Geisteslicht

Am 15. Februar trat in der Ukraine ein auf Initiative der deutschen Kanzlerin und des französischen Präsidenten ausgehandelter Waffenstillstand ein. Vielleicht ist er, wenn diese Nummer erscheint, bereits gebrochen worden. Wenn nicht, ist ein solcher Bruch nur eine Frage der Zeit. Denn wie sollte in der Ukraine dauerhafter «Frieden werden, solange Washington vorhat, das Kiewer Marionettenregime militärisch auszubilden und ihm (neue) Waffen zu senden»? wie der US-Politologe Craig Roberts fragte.* Wie sollte Friede werden, wenn die Anti-Putin-Kriegsstimmung in den USA u.a. mit gefälschten Fotos von angeblichen russischen Panzeraufmärschen in der Ukraine am Kochen gehalten wird?** Wie sollte dauerhafter Friede werden, wenn auf Seiten der USA ein absoluter Kriegswille vorhanden ist, wie dies in der Vorkriegszeit des Ersten Weltkriegs bei den britischen Eliten und ihrer kontinentaleuropäischen Hauptmarionette Poincaré der Fall war?
Die Sanktionen gegen Russland aufzuheben, wagten die europäischen Staatsmänner nicht. Ihr Respekt vor der westlichen Macht ist – übermächtig. Obwohl das US-Regime im 20. Jahrhundert mehr Staatsstreiche inszeniert, Kriege angezettelt und Militärbasen errichtet hat als irgendein Staat auf der Erde. Was ist das Geheimnis seiner Macht? Sie liegt in deren okkult-geistigen Wurzeln. Zum Beispiel in den Impulsen, die von gewissen Toten herrühren, die mit zeremonieller Magie im Kreis der Lebenden erhalten werden. Rudolf Steiner hat solche Praktiken erläutert (z.B. in GA 174).
«Es wandeln jetzt viele Persönlichkeiten auf der Erde, denen die Seele fehlt», heißt es in der zweitletzten Post-mortem-Mitteilung Moltkes (vom 13. Januar 1924). «Sie werden Träger dämonischer Gewalten. Wer diese erkennen will, braucht die Erkenntnis des Geistes.» Und dann folgt ein leider immer noch weitgehend wahrer Satz: «Und diese wollen die Menschen nicht haben.»

Paul_Gauguin_Ta mateteSeit dem Jahre 1899 lebt die Menschheit in einer Epoche neuen Geisteslichtes. Paul Gauguin malte in diesem Jahre auf Tahiti ein Bild der Früchte-Ernte, durch das ein neuer Goldgrund schimmert, wie ihn auch das Mittelalter nicht gekannt hat. Dieses Licht kann jedoch nur den Menschen leuchten, die es in seiner Wahrheit erkennen und es nicht mit dem bengalischen Feuer allerhand «glänzender», aber unfruchtbarer Ideen verwechseln. Als erste Morgenfrucht des neuen Geistestages konnte die Menschheit vom Baume der Erkenntnis Geisteswissenschaft abernten. Doch ließ man deren Früchte meist unbeachtet hängen oder schalt und schilt die Ernte-Arbeiter wüste Träumer und Phantasten.
Erst wenn es mehr und mehr Menschen nach den wahren Früchten dieses neuen Geisteslichts verlangt, werden real-solide Fundamente für einen dauerhaften Frieden errichtet werden können.

Thomas Meyer

*    http://www.globalresearch.ca/the-minsk-peace-deal-farce-or-sellout/543103
**    http://www.msnbc.com/all-in/watch/paper-publishes-false-photos-of-tanks-in-ukraine-399075907706
***    Dieses Gemälde ist in der Ausstellung in der Fondation Beyeler / Riehen zu sehen, welche noch bis Ende Juni dauert.

Denkwürdige Massenkundgebung in Paris – politisch unkorrekte Bemerkungen

imagination_Auf den Transparenten des Millionenheeres, das sich am 11. Januar 2015 in Paris gebildet hatte, steht: «Sanctions contre Obama!» «A bas la dictature de l’Euro!» «Europe, réveille toi!» «Abolissons l’OTAN!» «Fin à la désinformation par les médias!» Wir wurden Zeugen einer einzigartigen Massendemonstration mit aufrüttelnden Slogans. Den Regierenden steht seit Wochen der Schweiß auf der Stirn. Sie eilen in panzergeschützten Fahrzeugen von Notkonferenz zu Notkonferenz. In der Geschichte des 20. Jahrhunderts niemals dagewesen!
Nicht einmal Der Europäer hätte sich das träumen lassen.

Doch, ach – nichts dergleichen dagewesen an besagtem Sonntag. Stattdessen solidarisierten sich Millionen mit dem Satireblatt Charlie Hébdo, das durch abgeschmackte Karikaturen seit Jahren von sich reden machte. Ein banales «Je suis Charlie» hat «L’Imagination au pouvoir», den Studenten-Slogan vom Mai 1968, definitiv ausgelöscht.

Was kann den Machteliten lieber sein, als wenn die Massen ein billiges  Karikaturblatt als heroischen Eisbrecher für Presse-, Meinungsfreiheit und Demokratie verteidigen?

Gewiss, die Morde waren scheußlich. Kaum weniger scheußlich aber, wie die Medien und die demonstrierenden Massen schlucken, dass bloß heftig behauptet, aber praktisch nichts wirklich aufgeklärt wurde – wie bei 9/11, wie bei dem die Sanktionen gegen Russland auslösenden Flugzeug-Abschuss in der Ost-Ukraine etc. etc. – und nichts aufgeklärt werden muss. Denn die zugegebenermaßen «angeblichen» Täter* wurden sogleich abgemurkst, so dass sie weder wahre noch falsche Aussagen machen können.

Scheußlich, dass die Main-stream-Medien und die Massen schlucken, dass schon wieder zwei jahrelang bestens überwachte und den Diensten wohl bekannte Burschen wie bei den Anschlägen von Boston die Hauptrolle gespielt haben sollen.** Scheußlich schließlich, dass die Massen und die Medien schlucken, dass schon wieder ein Personalausweis-Wunder passiert ist, wie nach 9/11. Und warum beging der mit Kouachi-Ermittlungen betraute Kommissar Fredou einen Tag nach dem Attentat mit seiner Dienstwaffe Selbstmord?***

Ein bisheriges Netto-Resultat des «islamistischen» Attentats und der nachfolgenden Mobilisierung der Medien und der Massen: Wer noch an der Notwendigkeit des von den US und zunehmend auch von der NATO geführten Kriegs gegen den «islamistischen» Terror zweifelt, ist ein Freund eben dieses Terrors, ein Feind von Freiheit und Demokratie – und muss überwacht, wenn nicht in Gewahrsam genommen werden. Die Massen sprangen an jenem Sonntag geschlossen mit geschlossenen Augen in das Freiheits-Massengrab des heraufziehenden europäischen Überwachungsstaats. Ein Festtag für die «Einiger» Europas. Die «autoritative, allmächtige Weltregierung», welche Winston Churchill bereits 1947 projektierte**** und zu der die «Einigung» Europas nur das nötige Präludium darstellt, ist ihrer Verwirklichung um einen ganzen Sprung näher gerückt. Auf die europäischen Massen ist jetzt endgültig Verlass: Sie haben allen Wirklichkeitssinn und Geschmack verloren. Sie wollen schlafen. Die Macher der internationalen Politik – deren Marionetten wohlbewacht in einer Pariser Nebenstraße Solidarität mit den Demonstranten heuchelten – scheren sich derweil nicht um die wenigen «Intellektuellen», welche noch denken und erkennen wollen. Hauptsache, sie haben die Massen hinter sich. Und das haben sie in Europa infolge des Hébdo-Attentats mit einem Schlag weitgehend erreicht. Bahn frei für den «Patriot Act für Europa». Eine denkwürdige Massenkundgebung.

Thomas Meyer

*       Der Spiegel vom 10. 1. 2015.
**     Die beiden Brüder hatten eine Einreise-Sperre in die USA.
***    http://www.oe24.at/welt/Charlie-Hebdo-Ermittler-beging-Selbstmord/172330128 – Näheres zu Fredous Kouachi-Ermittlungen in der Märznummer.
****    Siehe das Editorial in Der Europäer, Jg. 16, Nr. 2/3, 2011/12. – Weitere Quellen: https://www.jungewelt.de/2015/01-13/046.php http://www.nachdenkseiten.de/?p=24556 – Siehe auch «Splitter» in dieser Ausgabe, S. 25.

Der furchtlose Königssohn und die gegenwärtige Weltlage

Die Ereignisse des Jahres 2014 haben weltweit neues Leid gebracht und Furcht und Schrecken eingeflößt. Dauerkrieg im einstmals heiligen Land, im Irak, in Syrien, in der Ukraine, um nur den Anfang einer langen Liste zu benennen. Und die Aussicht in die nahe Zukunft ganz verdüstert. Die Menschheit, vorab die europäische, scheint aus zwei Weltkriegen weniger als nichts gelernt zu haben. Es sind alle Teufel losgelassen, oder sagen wir: fast alle. Denn auch «das Schlimmste» kann noch schlimmer werden. Was ist denn die Lektion, welche die Weltenlenkung gegenwärtig mit Katastrophen zu vermitteln sucht? Vertrauen auf die Kraft des unsichtbaren Geistes und auf die Macht der Lauterkeit des Herzens. Beides tritt uns unverstellt aus Volksdichtungen entgegen, die der aufgeklärte Europäer oft als «Märchen» abtut. Ein solches ist das Märchen vom «Königssohn, der sich vor nichts fürchtet»*. Ehe dieser Königssohn sich mit der Jungfrau seiner eigenen, rein gebliebenen Seele – die Griechen nannten es das Goldene Vlies – vermählen kann, hat er fürchterliche Proben durchzustehen. Er muss mit Klugheit einen Riesen überlisten, der ihn übertölpeln will. Er muss ihm von dem Baum des Lebens einen Apfel holen, vor dem ein Ring hängt. Drei Nächte muss er sich in einem Zauberschloss von ungezählten Teufeln plagen lassen, in einer Art, die Grünewalds «Versuchung des Antonius» als mildes Spiel erscheinen lässt. Er wird gefoltert und verwundet, doch da er furchtlos ausharrt, wird ihm am Ende das Wasser des ewigen Lebens gereicht, das alle zeitlichen Wunden heilt. Der Königssohn ist das Kind in uns, das in lauterer Gesinnung und im furchtlosen Vertrauen auf die Kraft des Geistes, auf den «König Ich» in sich, und auf die aus dem wahren Ich geborene Erkenntnis (Ring und Apfel) den Zugang zum verlorenen Baum des Lebens finden kann.

Nur solche furchtlosen Königssöhne werden die Schläge der Gegenwart und nahen Zukunft unbeschadet überstehen können. Nur durch solche Königssöhne kann der Riese «Gewalt» und können die Teufel aller Geistesfurcht besiegt und überwunden werden.

Dieses Jahr wurde auch Der Europäer von allerlei uns vorher kaum bekannten Hindernissen und Schwierigkeiten heimgesucht. Er hatte gegen unerwartete Finanzengpässe, die dank der Hilfe einiger Sponsoren durchschritten werden konnten, und gegen Unregelmäßigkeiten im Versand zu kämpfen. Eine aufwendige Systemumstellung war von Computerpannen begleitet. Unser Telefon- und Maildienst versagte so manches Mal. Man konnte glauben, man befände sich in einem Zauberschloss und hätte noch nicht die lösende Formel gefunden.

Viele Leser warten ungeduldig auf die neue Jahresrechnung. Das freut uns sehr. Die Rechnungen werden mit Sicherheit eintreffen. Doch falls es erneut zu Verzögerungen kommen sollte, bitten wir nochmals um Ihre Nachsicht.

Wir möchten allen Abonnenten danken, die trotz solcher Widrigkeiten, die im 18. Jahrgang wie aus allen Winkeln krochen, dem Europäer die Treue hielten. Der Spuk scheint zu Ende zu sein, und wir sind zuversichtlich, ein ruhigeres Europäer-Jahr vor uns zu haben. Auch wenn die mittelfristige Finanzierung des Perseus Verlags, in welchem Der Europäer erscheint, noch der nachhaltigen Lösung harrt. (Siehe auch unser Oktober-Editorial.)**

Wir wünschen unseren langjährigen wie unseren neuen Abonnenten eine besinnliche Adventszeit, ein stilles Weihnachtsfest in ernster Weltlage und einen Übergang ins Neue Jahr, mit Schritten, die so wagemutig und furchtlos sind wie die des Königssohns.

Thomas Meyer und die Redaktion des Europäer

*    Es handelt sich um ein Grimm-Märchen
**   Beachten Sie bitte unseren im Impressum angegebenen neuen telefonischen Auskunftsdienst am Donnerstagmorgen.

Ein Anthroposophie-Seminar in Nepal und eine neue Rubrik

Editorial-01-jg19Zwischen dem 10. und dem 12. Oktober fand in Katmandu das erste jemals in dem kleinen asiatischen Gerbirgsland durchgeführte anthroposophisch-geisteswissenschaftliche Seminar statt. Organisiert wurde es durch die von Krishna Gurung gegründete Stiftung* Kevin Rohan Memorial Eco foundation /KRMEF). Nachdem seit vielen Jahren unter der Leitung von Hans Mulder (Neuseeland) an verschiedenen Orten des Landes bio-dynamische Aktivitäten aufgebaut und entwickelt und u.a. ein Kindergarten gegründet worden war, wollte Krishna Gurung erstmals eine Einführung in den spirituellen Hintergrund dieser Aktivitäten anbieten –die Geisteswissenschaft R. Steiners. Der Asien-erfahrene anthroposophische Arzt Dr. Olaf Koob und Thomas Meyer, den seine Oliphantforschung nach Nepal geführt hatte, unterzogen sich mit Freuden dieser Aufgabe, begleitet von Annette Kurz, welche in Grundelemente des Konflikt-Managements einzuführen suchte.

Koob vermittelte Grunderkenntnisse der physiologischen und seelischen Dreigliederung, und Meyer zeigte die Entwicklung von Leib, Seele und Geist im Laufe des seit dem letzten lemurischen Fische-Zeitalter bis zum heutigen Fische-Zeitalter abgelaufenen platonischen Weltenjahres. Die rund 40 Teilnehmer lauschten voller Enthusiasmus und stellten aus der Praxis gegriffene Fragen.

Rudolf Steiner wies auf die Möglichkeit hin, die Impulse der sechsten Kulturepoche, die eigentlich in Europa vorbereitet werden müssten, aus «asiatischen Kulturen» heraus zu entwickeln.** Diese Möglichkeit scheint angesichts des weitgehenden Verlassens der europäischen Geist-Aufgabe, immer mehr zu einer Notwendigkeit zu werden.
Manche Zuhörer waren stark berührt, als am Vorabend des historischen Todestages*** des in Nepal geborenen Gautama Buddha die geisteswissenschaftliche Tatsache ausgesprochen wurde, dass der führende Geist des neueren Deutschtums, aus dem auch die Anthroposophie schöpfte, kein anderer als der einstige Angelos Buddhas ist.

*

Unserem langjähriger Mitarbeiter Boris Bernstein sei an dieser Stelle für seine regelmäßig mit vorbildlicher Verlässlichkeit eintreffende 4-seitige Kolumne Apropos herzlich gedankt. Diese Kolumne hat zahlreichen Lesern zu einem kritischen Blick auf die Zeitereignisse verholfen.

Sie wird ab dieser Nummer von einer neuen kurzen Rubrik abgelöst – Splitter des Zeitgeschehens. Die von Franz-Jürgen Römmeler betreute Rubrik soll ab der Dezemberausgabe auf nur einer Seite jeden Monat bemerkenswerte Tatsachen zusammenstellen, die uns von symptomatischer Bedeutung zu sein scheinen.

Thomas Meyer

* Kevin Rohan Memorial Eco Foundation www.krmef.org
** 2. Nov. 1919 (GA 191)
*** 13. Oktober 483 v. Chr.

Der NATO-Kriegswille und die wachsende Verintellektualisierung der Anthroposophie

Niemand, der das Ergebnis der NATO-Gipfelkonferenz in Wales vom 5./6. September mit Wirklichkeitssinn zur Kenntnis nahm, wird sich Illusionen über den wahren Charakter dieses nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Auflösung des Warschauer Paktes eigentlich überflüssig gewordenen westlichen Bündnisses machen: Die NATO ist heute ein US-Interessen dienendes europäisches Söldnerheer, ein offensichtliches Angriffs-Bündnis, welches seine wirtschaftlichen und geopolitischen Ziele mit einer beispiellos verlogenen Kampagne zum Aufbau des «Feindbilds Russland» zu rechtfertigen sucht. Eine «schnelle Eingreiftruppe», allen demokratischen Kontrollinstrumenten der Mitgliedsstaaten entzogen, hat nichts mit Friedensförderung zu tun. Ebenso wenig wie neue Sanktionen gegen Russland – schon gar nicht zum Zeitpunkt russisch-ukrainischer Friedensverhandlungen. Europa hat sich praktisch widerstandslos dem westlichen Joch einer unwürdigen Fremdbestimmung gefügt, welches seine historische Vermittlerrolle zwischen West und Ost nur erwürgen kann. Dass selbst die «neutrale» Schweiz auf Druck der USA einen von Außenminister Burkhalter bestimmten, fähigen Vermittler im Ukraine-Russland-Konflikt (Tim Gulidmann) abberief, gereicht  diesem Land zur historischen Schande.
So wie vor 100 Jahren ein völlig unangegriffenes Russland (durch britische und französische Kräfte getrieben) einen zerstörerischen Kriegswillen nach Westen entfaltete, so tut das gegenwärtig das US-Marionettenheer der NATO in Richtung Osten. Die Menschheit scheint in 100 Jahren lediglich gelernt zu haben, die Aggressionsrichtung um 180 Grad zu ändern.

*

Nicht weniger erbärmlich ist die zunehmende Verintellektualisierung der Anthroposophie, welche sich gegenwärtig unter aktivem Mittun oder passivem Beifall zahlreicher «Anthroposophen» vollzieht. Sie wurde bereits von der Seele Helmuth von Moltkes als Tendenz erlebt, wie folgende Post-mortem-Imagination Moltkes vom 26. Oktober 1920 zeigt: «Das nächste Schicksal der ‹geistigen Bewegung› wird sein, dass sie wie ein gerupftes Hühnchen dastehen wird. Man wird ihr alle Federn ausreißen.»

Die damit gemeinte Anthroposophie ist ein Lebewesen; mehr noch: ein Lebewesen mit der Kraft, sich über das rein Irdische zu erheben. Diesem Wesen wird das Leben und zugleich die immanente Flugkraft geraubt, wenn es auf dem Hintergrund neuester Computertechniken intellektualistisch «ausgeschlachtet» wird. Statt sich durch wirkliche Anthroposophie gedankenmächtig zum lebendigen Geist zu erheben, werfen mehr und mehr Menschen, nachdem sie anthroposophische Substanz für ihr persönliches Leben, ja oft für ihre berufliche Tätigkeit und ihre wissenschaftliche Karriere reichlich ausgeschlachtet haben, nur noch mit toten Hühnerknochen um sich. Ein symptomatisch-erschütterndes Beispiel dafür war eine diesjährige Tagung in Alfter (siehe den Bericht auf S. 34 ff.)

Dank
Ein besonderer Dank geht in diesem Monat – außer an alle Menschen, die durch ihr Abonnement die Zeitschrift tragen helfen – an jene Abonnenten, welche ihre Beiträge aufgerundet haben, seit wir im Juni auf einen ernsten Finanzengpass aufmerksam machten. Dank mancher weiterer Spenden und zwei sehr großzügigen Einlagen konnte das Bestehen des Europäers für den nächsten Jahrgang gesichert werden.* Wir sehen darin einen erfreulichen und keineswegs selbstverständlichen Beweis dafür, dass die Existenz dieser Zeitschrift nicht bloß dem Wunsch eines kleinen Redaktionsteams entspricht. Für alle diese Manifestationen objektiver Wertschätzung unserer Arbeit bedankt sich mit seinen Redaktionskollegen sehr herzlich

Thomas Meyer

*    Nach mittelfristigen Lösungen auch für die übrigen Perseus-Aktivitäten – Buchpublikationen, Forschung, engl. Ausgabe der Zeitschrift, Veranstaltungen etc. – wird weiterhin gesucht.

Demokratie-Phrase und der spirituelle Hintergrund der Weltkrise

Wer glaubt, Demokratie sei heute das in der westlichen Welt sozial Maßgebliche, kümmere sich zum Beispiel um das neue TTIP-Abkommen, das zwischen den USA und der EU gegenwärtig in die Wege geleitet wird. Es soll amerikanische Standards in der Chemiebranche auch für Europa verbindlich machen. Problem: Die US-Standards sind, wirtschaftlich motiviert, wesentlich niedriger. Auch die Tendenz zur rein wirtschaftlich motivierten Privatisierung des Gesundheitswesens soll zementiert werden.

Das Abkommen wird am EU-Parlament vorbei unter strenger Geheimhaltung durch die EU-Kommission ausgehandelt. Das ARD brachte am 5. August eine beachtenswerte Dokumentation.*

Wer meint, die westlichen Mainstream-Medien seien von der Tendenz nach objektiver Berichterstattung geleitet, vor allem in der Sphäre weltpolitischer Ereignisse, der studiere zum Beispiel, wie diese Medien die «öffentliche Meinung» zu den seit Februar 2014 stattfindenden traurigen Ereignissen in der Ost-Ukraine prägen. Diese «Meinung» sagt: Schuld an allem ist der russische Präsident Putin und die von ihm wie Marionetten gelenkten «pro-russischen» Kräfte in der Ukraine. Krass behauptet wurde im Zusammenhang mit dem skrupellosen Abschuss der malaysischen Passagiermaschine am 17. Juli: Es waren die Russen. Nachgewiesen wurde nichts. Aber Sanktionen ergriffen und neue NATO-Maßnahmen eingeleitet.

Man beachte, was ein immerhin preisgekrönter US-Journalist zu sagen hat: «Robert Parry, ein preisgekrönter ehemaliger Reporter von The Associated Press, hat aus US-Geheimdienstkreisen erfahren, dass die US-Regierung im Besitz von Satellitenfotos ist, die zeigen, dass (reguläre) ukrainische Truppen für den Abschuss der Fluges MH17 der Malaysian Airlines verantwortlich waren. Ohne jede korrekte Untersuchung haben die (westlichen) Medien sofort den von Russen unterstützten ostukrainischen Rebellen die Schuld für den Abschuss des Flugzeuges angelastet; der Whistleblower hat allerdings eine ganz andere Geschichte erzählt.»**
Und man frage: Weshalb nahm die BBC ein zuvor aufgeladenes Video, das der öffentlichen Meinung widerspricht, bald wieder vom Netz?***
Schließlich: Man nehme zur Kenntnis, was ein spanischer Fluglotse aus dem Kontrollturm von Kiew zu den Vorgängen am 17. Juli zu sagen hat: «Ukrainisches Militär schoss Boeing MH17 ab.»****

*

Während der Budapester Konferenz vom 27. bis 29. Juni 2014 wurde auch auf die spirituellen Hintergründe des gegenwärtigen Zeitgeschehens ein Licht geworfen. Sie bestehen in dem bis heute fortgesetzten Zurückweisen der geistigen Impulse, die seit 1899 in die Menschheit fließen. Ein symptomatisches Doppelereignis stand am Ausgangspunkt des Ersten Weltkriegs: Am Tag des Attentats von Sarajewo, der das Völkerschlachten des 20. Jahrhunderts auslöste, sprach Rudolf Steiner über die Friedensmöglichkeit durch spirituelles Streben und innere Konfliktbewältigung (GA 286).

Das mit verlogenen Phrasen übertünchte Schlachten wird so lange weitergehen, bis von genügend vielen Menschen durchschaut wird: Aller kriegerische Konflikt ist Ausdruck der Furcht und Bequemlichkeit, innere Konflikte zu erkennen und mit spirituellen Mitteln zu lösen. Die Lösung kann auf keinem äußeren Kriegsschauplatz, sie kann nur in der Seele eines jeden einzelnen Menschen erstrebt werden.

Thomas Meyer

 

* http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Der-gro%25C3%259Fe-Deal-Geheimakte-Freihandelsa/Das-Erste/Video?documentId=22761810&bcastId=799280

** http://www.globalresearch.ca/whistleblower-u-s-satellite-images-show-ukrainian-troops-shooting-down-mh17-2/5392688 )

***https://www.youtube.com/watch?v=zUvK5m2vxro

**** http://www.epochtimes.de/MH17-Absturz—spanischer-Fluglotse-Ukrainisches-Militaer-schoss-Boeing-MH17-ab-a1173106z.html

 

Die spirituelle Ur-Katastrophe, die Ziele der NATO und die Aufgabe Europas

Am ersten August 1914 brach von 100 Jahren der Erste Weltkrieg aus. Die Kriegskatastrophe kostete unzählige Menschenleben und endete im Versailler Friedensdiktat, mit dem Paragraphen der deutschen Alleinschuld, gefolgt vom Vertrag von Trianon, welcher Ungarn massiv dezimierte. Die Schuldenlast ist mittlerweile auch auf die Schultern der übrigen europäischen Nationen verteilt worden. Doch die eigentlichen Drahtzieher mit entschiedenem Kriegswillen nehmen erst an der Peripherie der neueren Geschichtsschreibung langsam Kontur an. Im Kielwasser von Caroll Quigley haben zwei englischsprachige Historiker diesbezüglich wichtige Forschungsresultate veröffentlicht (siehe die Rezensionen auf S. 14ff.).

Der geistige Paradigmenwechsel
Um die spirituellen Hintergründe kümmert man sich bis heute wenig. Sie liegen in der Tatsache begründet, dass ein 5000jähriges «Programm» innerhalb der geistigen Führung der Menschheit im Jahre 1899 zu Ende ging und durch ein neues Langzeitprogramm für die Menschheitsentwicklung abgelöst wurde. Bis zum Jahre 1899 musste
die Menschheit zum Ergreifen und Begreifen der Sinneswelt angeregt werden; seither sollte eine neue Spiritualisierung einsetzen. Ein gigantischer «Paradigmenwechsel» innerhalb der übersinnlichen Werdeimpulse des welthistorischen Geschehens! Jeder nach 1899 wiedergeborene Mensch musste mit seinen durch mehrere Inkarnationen hindurch ausgebildeten materialistischen Denkgewohnheiten mit dem neuen Zeitgeist-Programm in einen objektiven Konflikt geraten. Dieser Konflikt hätte durch das Aufgreifen einer zeitgemäßen Spiritualität gelöst werden können. Stattdessen schlug er zweimal global und viele Male mehr oder weniger lokal ein ganzes Jahrhundert lang in äußere Kriegsereignisse um.

Die Ziele der NATO
Heute stehen wir vor einer neuen akuten Gefahr in dieser Richtung. Der 70 Jahre bolschewisierte Osten wurde nach 1989 überwiegend mit ökonomischen, militärischen und geopolitischen Interessen überschwemmt.
Der Marsch der NATO nach Osten trägt neue Kriegsimpulse in die Ukraine und nach Russland. Im Juli werden in den an die Ukraine grenzenden osteuropäischen Gebieten provozierende Manöver durchgeführt. Das 1949 entstandene Militärbündnis hatte nach den Worten des ersten britischen Generalsekretärs der NATO und persönlichen Stabschef Churchills, General Ismay, einen dreifachen Zweck: «to keep the Russians out, the Americans in, and the Germans down». Alle drei Ziele wurden fast vollständig erreicht.

Die Aufgabe Europas
In der Ukraine wurde ein Bruderkrieg entfesselt. Nur selten die Stimmen, welche Europa zur Vernunft zu rufen suchen. So etwa die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht, welche jüngst im Bundestag der deutschen Kanzlerin demaskierend die Leviten vortrug und eine selbständige europäische Politik einforderte.*
Doch wo sind in Europa wahrhaft neue, spirituelle Ideenimpulse am Werk? «Es muss jetzt eine Welle von Geist in die Menschengeschicke aufgenommen werden», heißt es in einer Post-mortem Mitteilung Helmuth von Moltkes vom 7. Juli 1918.**
Diese Notwendigkeit blieb ein Jahrhundert lang weitgehend unerfüllt.
1914 bis heute: Hinter allen Kriegskatastrophen steht diese Ur-Katastrophe des Ignorierens neuer spiritueller Entwicklungsnotwendigkeiten der Menschheit. Diese aufzugreifen und – statt westlicher materialistischer Impulse – den aus der Tyrannei des Bolschewismus befreiten Ostvökern zu vermitteln, wäre Europas Aufgabe. Bei dieser Aufgabe kann es jedoch aus dem Westen keine Hilfe erwarten. Denn: «Das anglo-amerikanische Wesen wird diesen Geist missverstehen und ihn bekämpfen.»*** Und: «Mitteleuropa kann nur durch Geistigkeit vorwärtskommen.»****

Thomas Meyer

* Siehe unter: http://www.youtube.com/watch?v=20gV5zjmd1w&feature=share
** Siehe Helmuth von Moltke – Dokumente zu seinem Leben und Wirken, 2. Aufl. Basel 2006.
*** Mitteilung vom 15. Juli 1918, a.a.O.
**** Mitteilung vom 2. Februar 1922, a.a.O.

Geopolitische Planungen, Erster Weltkrieg und die Ukraine-Krise

Am 25. Mai – eine Woche nach Redaktionsschluss – waren in der Ukraine Wahlen. Dieses Ereignis warf seine blutigen Schatten voraus. Über die Ereignisse in diesem krisengeschüttelten Land wird in den westlichen Medien so viel gelogen, dass die großen Gesichtspunkte im Auge behalten werden sollten. Es geht um die geopolitische Behauptung der Macht der «einzigen Weltmacht», wie Zbigniew Brzezinskis Programmschrift aus dem Jahre 1997 hieß.* Es geht um die Schwächung Russlands durch Aufspaltung der Ukraine. Auf dem Schauplatz erst der West- dann der Ostukraine sind multinationale Söldnertruppen tätig, deren Ziel eben diese Spaltung ist. Sie scheuen nicht vor Brutalitäten zurück. Dafür werden sie bezahlt. Die westlichen Medien kümmern sich kaum um sie und ihre Geldgeber. Was hat man z.B. über die Verbrennung von 40 Menschen in Odessa erfahren? Wir empfehlen unseren Lesern, von Zeit zu Zeit russia today (http://rt.com) einzuschalten. Die gewiss manchmal ebenfalls einseitigen Nachrichten bieten eine unerlässliche Ergänzung zum westlichen Mediengedröhn von den eroberungsdurstigen Russen mit ihrer brutalen Krim-Annexion. Die Nachrichten werden u.a. auf Englisch, Spanisch und Arabisch gesendet. Besonders sehenswert: cross talks mit Peter Lavelle. Die großen geopolitischen Linien werden offen zur Sprache gebracht.**
US-Außenminister John Kerry attackierte den Sender kürzlich scharf. Der offen- sichtliche Grund: Es steht nicht nur das Dollar-Monopol, sondern auch das westliche Medien-Monopol auf dem Spiel.
Das heutige Russland befindet sich in einer Spiegelsituation zum Russland vor 100 Jahren. Damals mobilisierte das Zarenreich ohne zwingende Notwendigkeit in Richtung Westen. Heute mobilisiert die NATO – eine multinationale europäische Söldnerarmee für globale US-Interessen – ohne zwingende Notwendigkeit in Richtung der russischen Grenzen. Ein Bruch des von Helmut Kohl und James Baker nach dem Mauerfall gegebenen Versprechens an Gorbatschow, «die NATO um keinen Zenti- meter nach Osten zu bewegen», wie Gorbatschow 2009 in einem Bild-Interview in Moskau sagte.***

Neben der Lügenflut über die Hintergründe des Ersten Weltkriegs, die gegenwärtig ebenfalls Hochzeit feiert, ragen zwei Publikationen heraus, welche die westlichen geopolitischen Planungen und Aktivitäten vor und während des Ersten Weltkriegs ungeschminkt zur Sprache bringen: Hidden History – The Secret Origins of the First World War von Gerry Docherty und James MacGregor, und das Buch Lord Milner’s Second War von John P. Cafferky. Alle drei Autoren beziehen sich auf Caroll Quigley’s Untersuchungen The Anglo-American Establishment, ein wegweisendes Werk, welches erst einige Jahre nach Quigley’s Tod erscheinen konnte – im Jahre 1981, also vor genau dreiunddreißig Jahren. Schließlich kam soeben das lang erwartete Werk von Markus Osterrieder heraus: Welt im Umbruch. Nationalitätenfrage, Ordnungspläne und Rudolf Steiners Haltung während des Ersten Weltkrieges.****

Hoffnungslichter im Lügennebel!
Thomas Meyer

In der Doppelnummer fehlten die Editorial-Fußnoten. Korrigendum auf Seite 35.

* Dazu siehe auch http://www.neopresse.com/politik/usa/ usa-ukraine-brzezinskis-geopolitische-strategie-wird-weiter-umgesetzt/
** Im 21. Jahrhundert war der wirksamste Großhebel für die Umsetzung der langfristigen geo- politischen Planungen der 11. September 2001. Einer der mutigsten Aufklärer dieses Ver- brechens war der Amerikaner Mike Ruppert. Er nahm sich am 13. April dieses Jahres das Leben.
*** http://www.bild.de/politik/2009/bild-medienpreis/die-deutschen-waren-nicht-aufzu- halten-7864098.bild.html
**** Eine Rezension dieser Bücher wird folgen.

Phrasenhafte Berichterstattung und gruppen-egoistische Machtziele

Zur Lage in der Ukraine
Im Februar machte die Schweiz Schlagzeilen, weil knapp über 50% ihrer Stimmbürger eine Initiative zur Regelung der Einwanderung annahmen, welche den EU-Richtlinien und -planungen zuwiderläuft. Die Schweiz hat mit Abstand den größten ausländischen Bevölkerungsanteil Europas (über 20%), jährlicher Zustrom: 80‘000 Menschen (netto). Ist mehr als die Hälfte der Schweizer rechtslastig und «ausländerfeindlich» geworden? «Das Schweizer Virus», titelte Der Spiegel. Oder sind die Instrumente der Demokratie in Brüssel solange beliebt, als von ihnen «rechter», das heißt EU-konformer Gebrauch gemacht wird?

Im November 2013 hatte der abgesetzte ukrainische Präsident Janukowitsch ein Assoziierungs-Abkommen mit der EU auf’s Eis gelegt – Auftakt zu den von einem Profiboxer mitgeleiteten Unruhen. Besonders besorgniserregend: die Mitwirkung neo-nazistischer Kräfte beim Kiewer Staatsstreich.

lage_ukraineDie Einseitigkeit westlicher Berichterstattung ist phänomenal. Die argentinische Schriftstellerin Stella Calloni schrieb am 24. Februar in der Tageszeitung Junge Welt über den Kiewer Putsch: «Die jüdische Bevölkerung in der Ukraine muss um ihre Sicherheit und Unversehrtheit fürchten, und ausgerechnet in Deutschland wird der Grund dafür bejubelt. Außerdem sehen viele nicht, dass die aggressive NATO-Politik den Weg für den Dritten Weltkrieg bereitet (…) Die Kette Irak, Libyen, Syrien und jetzt Ukraine führt geradewegs dahin. Die USA und Europa stecken in einer tiefen Krise, das macht sie so gefährlich (…) In Deutschland und Europa sind die Menschen nicht richtig informiert und sich auch nicht darüber im Klaren, dass ihre Regierungen zwar überall Sprengsätze legen, die Zünder dafür aber andere in der Hand halten.»

«Tonangebend ist eine Gruppe von Menschen, welche die Erde beherrschen wollen mit dem Mittel beweglicher kapitalistischer Wirtschaftsimpulse», so konstatierte bereits Rudolf Steiner nach dem Ersten Weltkrieg in einer erstmals im Europäer veröffentlichten Notiz.

Vergessen wir niemals das eigentliche Fernziel der EU, wie es einmal Winston Churchill für die Vereinigten Staaten von Europa vorgesehen hatte: die Errichtung einer Welt-Herrschaft unter anglo-amerikanischer Führung. Churchill machte unmissverständlich klar: «Ohne ein vereintes Europa gibt es keine sichere Aufsicht auf eine Welt-Regierung.» (London 14. Mai 1947)* In dieses Europa sollte seit geraumer Zeit auch die Ukraine mehr und mehr eingebunden werden. Das ging nicht so glatt von statten, wie erwartet. Die Aktivierung legal stationierter russischer Truppenteile auf der Krim wurde zur «Invasion» aufgebläht und Russland mit Sanktionen gedroht, denn es habe in eklatanter Weise Völkerrecht gebrochen, – eine unüberbietbare Heuchelei, wenn die Vorwürfe von Seiten der seit bald einem Jahrhundert global agierenden Invasions-Macht USA erhoben werden.** Worum in der Ukraine von denen gekämpft wird, die «an den Zündern stehen», erfahren Sie in großen Linien aus dem Kurz-Interview mit dem Politologen und Autor Gerhard Wisnewski, das uns in letzter Minute erreichte.

«Anthroposophische» Konfliktfähigkeit» und die Flucht in die «Weihnachtstagung»
Wilfried Hammacher beleuchtet in dem auf S. 39 ff. abgedruckten offenen Brief die Unmöglichkeit und auch Überflüssigkeit einer (pseudo-) anthroposophisch-mormonischen Zusammenarbeit bei der Herausgabe des Werkes Steiners (SKA). Die Mormonen glauben an die physische Wiederkunft Christi und beglücken die Menschheit mit Post-mortem-Taufen, damit jeder, selbst Anthroposophen, spätestens nach dem Tod den Zugang zum Mormonen-Himmel erhalten könne. Ihr Glaubensinhalt steht damit natürlich in einem unübersehbaren Konflikt mit der Geisteswissenschaft Steiners. Dieser Konflikt könnte dadurch gelöst werden, dass man zur alten Gepflogenheit zurückkehrte, das Werk Steiners von wirklichen Anthroposophen betreuen zu lassen. Doch fatalerweise ist seit einiger Zeit von führenden Anthroposophen die Devise in Umlauf gebracht worden, «statt Konfliktbewältigung gehe es heute – auch in der Anthroposophischen Gesellschaft – um Konfliktfähigkeit.»***

Eine Gesellschaft, welche nicht einmal die in ihrem eigenen Schoß erzeugten realen Konflikte wie den um die SKA bewältigen will und sich stattdessen programmatisch auf ein ganzes Jahrzehnt hinaus der gebetsartigen Beschwörung der «Weihnachtstagung» von 1923 verschreibt****, verabschiedet sich natürlich auch von der Bewältigung der gegenwärtigen Weltkonflikte. Das war nicht im Sinne ihres Gründers. Die objektive Bedeutung der Weihnachtstagung wird natürlich auch von uns anerkannt; abgelehnt wird hier lediglich deren Inanspruchnahme für eine gesellschaftsinterne «Esoterik», welche jeder «Konfliktbewältigung» aus dem Wege geht.

Thomas Meyer

*Complete Speeches, Vol. VII 1943-1949, London 1974
**Die a priori ausgesprochene Nicht-Anerkennung des Krim-Referendums – eine Folge des extremistischen Machtwechsels in Kiew – steht im Übrigen in krassem Widerspruch zu den in anderen Fällen von den USA und ihren Handlangern geförderten Referenda im Sinne der Selbstbestimmung von Völkern oder größeren Volksteilen: 2008 im Kosovo, 2011 im Süd-Sudan, 2013 auf den Falkland-Inseln, und schließlich steht für den September 2014 das Referendum in Schottland auf der Agenda, das von der britischen Regierung ausdrücklich sanktioniert wird.
*** Wolfgang Held in Nr. 79 der Paracelsus-Blätter (April-Juni 1914)
**** «Der Impuls der Weihnachtstagung – Ein Weg bis 2023»: Programmblatt der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz.

Folterung und Tod von Jacques de Molay

Am 18. März 1314 wurde Jacques de Molay – mit  seinem Freund und Geistesbruder Guy de Normandie – auf der Seine-Insel von Paris lebendigen Leibes verbrannt. Es geschah dies infolge der Widerrufung der unter Folter erpressten «Geständnisse» vonseiten des Großmeisters und seines Freundes. Aus diesem Anlass bringen wir einen bemerkenswerten Artikel von Andreas Meyer zum Abdruck. Meyer wirft am Ende die Frage nach dem teilweisen Übergang des aufgelösten Ordens in einen rosenkreuzerischen Strom auf, namentlich in der Gegend von Neuchâtel; der Stadt, in welcher Rudolf Steiner im Herbst 1911 die ersten bedeutenden Ausführungen zu Christian Rosenkreutz und seinem Einweihungsweg machte (GA 130).

Ergänzend zu Meyers Betrachtung bringen wir einen wenig bekannten Hinweis Steiners auf die wahre Gestalt des Baphomet, eines anti-christlichen Geistes, welchen die Templer angeblich verehrt haben sollen. Die Verehrung dieses Götzenidols wurde neben anderen scheußlichen Missetaten unter Folter «gestanden» und gegen den Orden missbraucht. «Man hatte die ganze Katechisierung», führt Steiner am 25. September 1916 (GA 171) aus, «so eingerichtet, dass selbst der Großmeister des Templerordens unter der Folter gezwungen worden ist, aus dem Unterbewussten heraus diese Zugeständnisse zu machen.» *
Molay scheint außerdem in noch perfiderer Weise gefoltert worden zu sein als die übrigen Templer. In den Aufzeichnungen von W.J. Stein findet sich die Bemerkung: «Molay, sagte Dr. Steiner, sei auch gefoltert worden, aber anders als die anderen Templer.»**  Stein weist außerdem auf den Zusammenhang der wenige Monate nach dem Tode Molays von Robert Bruce gewonnenen Schlacht von Banockburn (Johanni 1314), welche zur Unabhängigkeit Schottlands von England führte, mit dem in Schottland fortlebenden Templerimpuls hin.

Felix Peipers, Albrecht Sellin und D.N. Dunlop
editorial-bilderGerade an die andersgeartete Molay-Folterung knüpfte das erwachte karmische Gedächtnis eines stillen Geistesschülers Rudolf Steiners an. Der Arzt Felix Peipers (1873–1944) ließ sich einmal ohne Narkose operieren, um zu erkunden, wie das Bewusstsein unter extremem Schmerz metamorphosiert werden kann. Peipers hat seinem Neffen Berthold Peipers «wiederholt einen eindeutigen Hinweis auf seine letzte Inkarnation gegeben. Er sagte: ‹Molay hat die Folter nicht bestanden.›»**
Ein anderer Schüler Steiners, der in den Mysteriendramen den Hilarius darstellte, «erlebte seine [bereits 1310 erfolgte] Verbrennung als Templer», was ihm Rudolf Steiner bestätigte.** Es handelt sich um Albrecht Wilhelm Sellin (1840–1933).
Und ein dritter Schüler und Freund Steiners sei hier genannt: D. N. Dunlop (1868–1935). Von diesem genialen Organisator der Sommerschulen wie auch der pionierhaften ersten World Power Conference in London (1924) sagte Steiner, er habe einem «inneren Kreis» des Templerordens angehört.***
Diese drei Individualitäten trugen, jede in ihrer Art, umgewandelte Templerimpulse in die anthroposophische Bewegung hinein. Wo ihrer – gerade in einem solchen historischen Augenblick wie dem jetzigen – objektiv gedacht wird, kann sich etwas von ihrem, durch die  Anthroposophie umgewandelten und fortwirkenden Templer-Impuls offenbaren.

Thomas Meyer

*    Wir können Meyer nicht folgen, wenn er anderswo feststellt: «Aufgrund neuerer Forschungen und Quellen ‹ist man sich einig darin, dass Molay nicht gefoltert wurde›.» Siehe: Andreas Meyer, Die letzten Templer, Bd. II, Basel 2013, S. 96.
**     Archiv Perseus Verlag. Vgl. T. Meyer, «Wiederverkörperte Templer unter den Schülern Steiners», Der Europäer, Jg. 15, Nr. 2/3, S. 49ff.
***    Thomas Meyer, D. N. Dunlop – Ein Zeit- und Lebensbild, Basel, 2. Aufl. 1996.

Rothschild, BIZ und das Trojanische Pferd

Jacob RothschildEnde Oktober 2013 flog Jacob Rothschild (geb. 1936), britischer Investmentbanker aus der Rothschild-Dynastie, in inoffizieller Sache von London nach Basel. Der Chauffeur, der ihn in einem Range Rover an seinen Bestimmungsort fuhr, schilderte den Besucher als einen «großen, hageren, alten Mann», der nicht im Fonds des Wagens, sondern neben ihm Platz nehmen wollte. «Er hatte eine eigenartige Ausstrahlung, kalt und wie ein Vakuum.» Unterwegs wurde der übliche sparsame small talk getrieben. Auf die Bemerkung des Fahrers, dass er Deutscher sei und seit zehn Jahren in der Schweiz lebe, meinte der Gast, der zu den pekuniär einflussreichsten Männern des Planeten gehört, dass er sich «glücklich schätzen solle, in der Schweiz zu leben», worauf dieser meinte: «Ja, bin ich.» Die Rothschild-Bemerkung ist aufschlussreich. Bereits im Januar 2013 hatte der luxemburgische Premier Jean-Claude Juncker eine Parallele zwischen dem Vorkriegsjahr 1913 und dem Jahr 2013 gezogen; im Dezember letzten Jahres wurde sie auch von Angela Merkel aufgegriffen, und fast zeitgleich mit Rothschilds Besuch machte der Schweizer Außenminister Didier Burkhalter in Genf die Viele überraschende Äußerung von «einer möglichen Implosion der europäischen Konstruktion», so die BAZ vom 20. Dezember 2013 unter der Überschrift «Burkhalter befürchtet Untergang der EU».

Falls die bereits Leck geschlagene EU wie eine Titanic senkrecht in die Tiefe sinkt, so werden an der bis zuletzt sichtbaren Heck-Reling ein paar Rettungsringe mit Schweizer Flagge hängen, um die ein Kampf der Überlebenden entbrennt.

Einer dieser Rettungsringe heißt BIZ, Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel. Die in einem eleganten Rundturm untergebrachte Institution genießt Exterritorialität und Steuerfreiheit. Die Chefs der größten Notenbanken der Welt – vom Federal Reserve bis zur Nationalbank Chinas und dem EZB-Chef Mario Draghi  – treffen sich regelmäßig zu inoffiziellen, aber bestimmenden Sitzungen. Wenn es ein Gremium gibt, das sich schon jetzt über die Post-Euro-Phase Gedanken macht, dann dieses.*Rudolf Steiner machte bereits 1918 einen sehr aktuellen Hinweis: «Tonangebend ist eine Gruppe von Menschen, welche die Erde beherrschen wollen mit dem Mittel der beweglichen kapitalistischen Wirtschaftsimpulse. Zu ihnen gehören alle diejenigen Menschenkreise, welche diese Gruppe imstande ist, durch Wirtschaftsmittel zu binden und zu organisieren.»

Eine solche Gruppe von Menschen kommt regelmäßig in der BIZ zusammen.** Solange der Turm von Basel steht, können wir uns «glücklich schätzen», in der Schweiz zu leben.
Dieses zweifelhafte, fragile Glück wird den wahren Freunden der Geisteswissenschaft allerdings dadurch getrübt, dass in der Nähe Basels unlängst ein neues Trojanisches Pferd installiert wurde. Auf Renommee erpichte «Anthroposophen» vollführen Tag und Nacht wahre Freudentänze um das Pferd. Es nennt sich «SKA» (Kritische Ausgabe der Werke Steiners). Das Projekt des «renommierten Stuttgarter Wissenschaftsverlags frommann-holzboog» (Dornacher Buchankündigung) wurde vom Rudolf Steiner Verlag in letzter Minute kooperativ in seine Tore eingelassen. Hundert Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs stehen wir auch  in einem Geisteskampf – um die wahre Substanz von Steiners Geisteswissenschaft. Wer statt Renommee Erkenntnis sucht, wird in den Analysen von Wilfried Hammacher und Arnold Sandhaus die nötigen Urteilsgrundlagen finden. Es steht jedem frei, sich in den Sattel des Trojanischen Pferds zu schwingen oder – aufzuwachen.

Kassandra

*     Siehe die Neuerscheinung von Adam Lebor:  Tower of Basel, The Shadowy History of the Secret Bank that Runs the World. New York 2013.
**     Siehe www.perseus.ch «Kampf um den russischen Kulturkeim»

Rudolf Steiner und sein neuer Prophet – und wichtigere Dinge…

Christian Clement hat öffentlich mitgeteilt*, dass Rudolf Steiner am 22. Januar 1992 – nach der Nottaufe am 27. Februar 1861 und der kirchlichen Taufe zwei Tage darauf – post-mortem noch die mormonische Taufe erhalten hatte. Diese ist nach Auffassung der Mormonen neben anderen Sakramenten «für die Errettung [des Menschen] unabdingbar».

Christian Clement hat öffentlich mitgeteilt, dass Rudolf Steiner mit dessen Ehefrau Marie Steiner-von Sivers, am 15. Mai 2002 im Mormonen Tempel von Sao Paolo «gesiegelt», das heißt nach Auffassung der Mormonen erst vollgültig verehelicht worden sei.**

Christian Clement hat öffentlich mitgeteilt, dass er selbst «die schon freigegebene Siegelung an Ita Wegmann [sic!] noch habe stoppen können.» – Er schob eigenhändig den Riegel vor eine allfällige «Vielweiberei» Rudolf Steiners im mormonischen Post-mortem-Himmel.

Wir haben in der vergangenen Nummer aufgezeigt, inwiefern Clement, der Steiner unverblümt mangelnde wissenschaftliche Methodik vorwirft, weder das normal-wissenschaftliche noch das geisteswissenschaftliche Rüstzeug in ausreichendem Maße selber besitzt, um Steiners Werk sachgemäß herauszugeben.

Hier sollte nun ferner festgestellt werden, dass er außerdem bis zu den Haarspitzen hinauf eine arrogante und militante Heilslehre vertritt, die der Geisteswissenschaft ganz einfach spottet. Steiner bedarf weder irgendwelcher ungefragt verpasster «Post-mortem-Siegelungen» noch einer rettenden dritten Taufe.

Clement aber wähnt sich im Besitze der wahren anthroposophischen «Deutungshoheit», wenn er zugleich absurde und anmaßende Forderungen wie die folgende in die Welt setzt: «Wenn Anthroposophen wirklich wissen wollen, ob Steiner ein Platon oder ein Cagliostro war, müssen sie ihn aus dem Gefängnis der eigenen Deutung freilassen». Clement setzt Steiner die Mystik-Kappe auf und erwartet anscheinend allen Ernstes von den «Anthroposophen», dass sie ihm diese seine Deutung abnehmen. Nicht alle Anthroposophen haben auf Clement gewartet, um von ihm zu erfahren, was von Steiner zu halten sei.

*

Am 18. Januar 1914, vor hundert Jahren, starb ein großer, klarer Geist: der Franzose Georges (voller Name: Georges-Marie) Picquart. Der englische Romancier Robert Harris hat ihm in seinem kürzlich erschienenen Roman Die Intrige ein bemerkenswertes Denkmal gesetzt. Picquart war der Mann, der Licht in die «Dreyfus-Affäre» brachte, den vielleicht größten «Abhörskandal» der neueren Geschichte. Dass diese Affäre nach einer bis heute kaum beachteten Bemerkung Rudolf Steiners einen gigantischen Staatsbetrug verdecken sollte und bis heute nach wie vor verdeckt, erfahren Sie auf Seite 7 ff.***

Vor sechsundsechzig Jahren starb ein anderer großer Geist: Mahatma Gandhi. Ihm verdankt Indien seine Unabhängigkeit. Sein spirituelles Lebensbuch war die Bhagavad Gita. Aus ihr schöpfte er seinen moralischen Mut und sein Vertrauen in das Ewige im Menschen.

Dass dieses Ewige auch Katastrophen wie den Holocaust durch- und überleben kann, davon kündet die in den USA lebende Schwedin Barbro Karlén. Sie weilte jüngst in Budapest, wo ihr Buch «…und die Wölfe heulten» auf Ungarisch erschien.

Doch zunächst werden unsere Leser auf eine Weihnachts-Betrachtung von Charles Kovacs stoßen. Frei von allem intellektuellen Blendwerk bietet sie einen spirituellen Blick auf eines der wichtigsten Menschheitsereignisse aller Zeiten.

Mit herzlichen Advents- und Weihnachtswünschen
Ihr Thomas Meyer

* Allen «Freunden» auf Facebook. Von den inzwischen gelöschten Äußerungen wurden Kopien gemacht.

** In einem von Stellvertretern vollzogenen Ritual.

*** Nach Steiners Forschung trat Picquart post-mortem in einen Kreis kosmopolitisch-michaelisch gesinnter Geister. Es gehörte ihm an: Emerson, Tennyson, Gladstone, Arthur Hallam, Bettina von Arnim, Herman Grimm und Joseph Joachim. Siehe T.H. Meyer (Hg.), Der Briefwechsel Ralph Waldo Emerson / Herman Grimm, Basel, 2006.

Reinkarnation, ernst genommen

Wir haben in einer früheren Nummer dieser Zeitschrift  auf den karmischen Hinweis aufmerksam gemacht, den Rudolf Steiner in mündlichen, wohlbezeugten Gesprächen über Richard Wagner und seinen Zusammenhang mit Merlin gemacht hat. Es geschah dies zum Beispiel gegenüber Marie Steiner, im Beisein von Ilona Schubert, einer Eurythmistin der ersten Stunde.*
Diese Angabe ist inzwischen in das allgemeine Kulturleben eingeflossen. Der belgische Intendant und frühere Leiter der «Salzburger Festspiele», Gerard Mortier, sagte in einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 4. Oktober 2013 im Zusammenhang mit der Aufführung von Richard Wagners Oper Tristan und Isolde:
«Aber dann kam, in diesem zweiten Akt, die zweite schönste Stelle, die mich total verzauberte: ‹… dem Land, das Tristan meint, der Sonne Licht nicht scheint›. Später wird dies von Isolde in einer anderen Tonart verklärt. Da verstand ich auf einmal, warum Rudolf Steiner den Wagner eine Reinkarnation von Merlin genannt hatte.»**
Diese ernst-selbstverständliche Bezugnahme auf eine Karma-Angabe Steiners erscheint uns – inmitten mancher hässlicher Anfeindungen, die Wagner in diesem Gedenkjahr zu seinem 200. Geburtstag widerfahren sind – als schönes hoffnungsvolles Zeichen für spirituelle Aufgeschlossenheit, die auch vorhanden ist.

*

Am 13. Oktober weilte die in den USA lebende Schriftstellerin Barbro Karlén in Budapest. Anlass: Die ungarische Übersetzung ihres Buches «…und die Wölfe heulten», in welchem sie u.a ihre Erlebnisse in einer nicht weit zurückliegenden bekannten Inkarnation während des Holocaust verarbeitete.
Dieser bisher schlimmste mitteleuropäische Sturz in den Abgrund kann nur mit großen spirituellen Gesichtspunkten wie den von Reinkarnation und Karma bewältigt werden. Ein Leben wie das von Karlén sollte uns an diese großen Gesichtspunkte gemahnen. Es waren etwa zweihundertfünfzig Teilnehmer zu der durch die anthroposophische Initiative «Peregrinus» in Ispank organisierten Konferenz gekommen. Das Interesse war groß. Wir werden in der Dezembernummer ein Interview veröffentlichen, das im Anschluss an die Konferenz geführt wurde.

Bild_Editorial_webDas Gruppenbild entstand in der Budapester Synagoge.
Es zeigt, dass eine Synagoge neben ihrem eigentlichen Zweck auch der Begegnung von Menschen dienen kann, von denen jeder bereits mindestens einen andern, aber keiner schon alle andern kannte. Es handelt sich (von links nach rechts) um Yehuda K. Tagar, den Gründer des Persephone Institute of Psychophonetics, die Übersetzerin und aktive Europäer-Abonnentin Maria Scherak, den Wiener Anthroposophen Michael Kaiser, den Hauptgast der erwähnten Konferenz, Barbro Karlén, und den alle Leser herzlich grüßenden
Thomas Meyer

* Siehe Der Europäer, Jg. 12, Nr. 2/3, Dez./Jan. 2007/8,  S. 10. Zu finden unter www.perseus.ch

 ** Eine hervorragende Darstellung dieses karmischen Zusammenhangs findet sich in der kleinen, leider vergriffenen Schrift von Friedrich Oberkogler Richard Wagner und Merlin.

«Universale Werte» – 9/11 und Christian Clements «Verschwörungstheorien»

Das Kesseltreiben gegen Assad schaukelt nach wie vor um einen gefährlichen Höhepunkt herum, an dem eine reale Kriegsgefahr besteht. Atomsprengköpfe wurden für den Ernstfall in aller Heimlichkeit von Texas an die Ostküste verlegt. Wenn auch Präsident Obama die Kongress-Abstimmung über eine Militärintervention in seiner Rede an die Nation vom 10. September verschob und der diplomatischen Lösung den Vorzug geben wollte – das mit Lügen angefüllte Pulverfass Syrien bleibt explosiv: Die fortwährenden Behauptungen von Assads «mutmaßlichen» Giftgas-Einsätzen erinnern an die mutmaßlichen «Massenvernichtungswaffen» von Saddam Hussein, deren angebliche Existenz sich als verlogener Kriegsvorwand herausstellte.* Wenn US-Außenminister John Kerry «Beweise» zu besitzen behauptet, so sollte nicht vergessen werden, dass er – wie Bush sr. & jr. – Mitglied von Skull & Bones ist, dem einflussreichen Yale-Club, der gewichtige Machtstrukturen installierte, wie sie für US-Interessen wünschenswert erscheinen. Wer einseitig nach Macht strebt, behandelt die Wahrheit meist als Leichtgewicht, mit dem man spielen kann. 

Die ins Grenzenlose gesteigerte US-Machtarroganz ist nicht zuletzt eine Frucht der Anschläge vom 11. September 2001, genauer gesagt, eine Frucht der naiven Hinnahme der verlogenen «Erklärungen» dieser Anschläge. Ein Lichtblick: In zahlreichen großen US-Städten wurden am 11. September Veranstaltungen abgehalten, die eine Neu-Untersuchung fordern, und Plakate aufgehängt, auf denen zu einem «rethink 9/11» aufgefordert wurde. Selbst die New York Times brachte am 9. 11. einen Hinweis auf die von der privaten Organisation «Architects and Engeneers for 9/11 Truth» (mittlerweile über 2000 Mitglieder) arrangierte Kampagne. Das Plakat zeigte die Schlagzeile: Did you know that a third tower fell on 9/11? Einer Umfrage zufolge bezweifeln 38% der US-Bürger die offiziellen Erklärungen, während 10% sie für komplett unwahr halten. Immerhin!

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Christian Clement von der mormonen-kirchlichen Brigham Young University in Salt Lake City (deren Server einen großen Teil der Rudolf Steiner-GA anbietet) hat nun im frommann-holzboog-Verlag als ersten Band einer 8-bändigen kritischen Rudolf Steiner-Ausgabe Steiners Werke Die Mystik und Das Christentum als mystische Tatsache herausgegeben (siehe die Rezension auf S. 3). Dies geschah «in Kooperation mit dem Rudolf Steiner Verlag», obwohl der Steiner Verlag am editorischen Zustandekommen nicht beteiligt war. Das Vorwort stammt von Alois Haas, einem Mystikforscher, dem die katholische Universität Fribourg den Dr. h.c. der Theologie zuerkannt hatte. Clement führt in seiner Einleitung ein Wort Helmut Zanders an, der die geisteswissenschaftliche Bewegung Steiners als «wichtigste esoterische Gemeinschaft der europäischen Geschichte» bezeichnet – ein irreführend-lobendes Wort, denn Steiner wollte eine Wissenschaft vom Geist begründen.

editorial12_17Wir hatten zu Clement und seinen Aktivitäten bereits im Editorial vom Juli 2012 – zur Zeit der Präsidentschafts-Kandidatur des Mormonen Mitt Romney – berichtet. Wir schlossen das damalige Editorial mit einer durchaus berechtigten Frage: «Anthroposophie und Mormonentum? Eine (…) sich anbahnende neue Allianz? Sie würde jene von Kirche und Anthroposophie› noch in den Schatten stellen.» Diese Bemerkung hat Clement jüngst auf Facebook folgendermaßen kommentiert: «Für Freunde von Verschwörungstheorien: nachdem zuerst Thomas Meyer öffentlich die
kritische Steiner-Edition als Zeichen einer ‹unheiligen Allianz› zwischen Dornach und Salt Lake City gedeutet hat http://www.perseus.ch/archive/3021, hat sich nun auch Willy Lochmann angeschlossen und überbietet Meyer noch an Detailreichtum seiner paranoiden Phantasien (…)» Diesen Eintrag illustrierte Clement mit einer Cover-Fälschung, der das kritische Werk von Charles L. Wood über das Mormonentum zugrunde liegt.

Dass sich der neue kritische Steiner-Herausgeber mit der Universalphrase «Verschwörungstheorien» in solcher Art als Verunglimpfer von Leuten betätigt (inkl. des Autors Wood des abgebildeten Buches!), die ihrerseits kritische Fragen stellen, ist, gelinde gesagt, erstaunlich. Nicht minder erstaunlich ist, dass er die Mysteriendramen Steiners, über die er in der Mormonenuniversität im Jahre 2005 immerhin dissertiert hat**, in einem Aufsatz aus dem Jahre 2011 als «abstruse» bezeichnet.***

Freunde der Geisteswissenschaft Steiners, die sich für deren sachgemäße Ausbreitung in der Welt mitverantwortlich fühlen, sollten sich die sich hier anbahnenden «pro-anthroposophischen Allianzen», die Steiners Werk historisieren, psychologisieren und «kontextualisieren», genau ansehen, bevor sie sie als unbedingten Fortschritt preisen. Nicht nur Kerry’s und Obamas Phrasen gegenüber, auch solchen neueren publizistischen Entwicklungen gegenüber tut geistige Wachheit und Klarheit not. Die Frage ist: Wes Geistes Kind sind sie?

Thomas Meyer

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* Seit dem 5. September begannen die USA nachgewiesenermaßen, an Kämpfer, die sich gegen die syrische Regierung wenden, Waffen zu liefern. Die Obama-Regierung entschied im Juni 2013, die Opposition zu unterstützen. Ungefähr die Hälfte der Rebellen, die gegen die syrische Regierung kämpfen, sind – gemäß einer Studie, die in der zweiten September-Woche durch IHS Jane’s veröffentlicht wurde – extreme Islamisten oder Jihad-Kämpfer mit Verbindungen zu Al Qaida. /The WashingtonPost; CNN.com; RT.com

** Christian Clement, Die Geburt des modernen Mysteriendramas aus dem Geiste Weimars. Zur Aktualität Goethes und Schillers in der Dramaturgie Rudolf Steiners. Logos Verlag Berlin 2007

*** Christian Clement, «Weimars Classicism and Modern Spiritual Drama: Rudolf Steiner’s Theatre of Spiritual Realism, in Weimar Classicism, ed. by D. Galagher, Mellen 2011, p. 135. «Abstruse» heißt nach dem Langenscheidt-Wörterbuch: abstrus, dunkel, schwer verständlich.

Wilhelm Hoerner, Anastasia Romanow und Impressionen aus Bulgarien

Am 13. Juni dieses Jahres ging Wilhelm Hoerner (geb. am 22. Juli 1913) über die Schwelle der geistigen Welt. Hoerner war Priester der Christengemeinschaft.
In seinem ein volles Jahrhundert umspannenden Leben hat er das zweite dramatische Kriegsgeschehen intensiv miterlebt. Im Zweiten Weltkrieg geriet er in Gefangenschaft, in der es auch zu Folterungen kam. Hoerner ist der Schöpfer des den meisten Lesern bekannten Urachhaus-Kalenders. Dieser Kalender sollte u.a. durch die Kennzeichnung von Ereignissen, welche in dem durch Rudolf Steiner erhellten 33-Jahres-Rhythmus (oder einem Mehrfachen davon) verlaufen, die Fähigkeit des «historischen Gewissens» erwecken helfen. Astronomische Daten und verschiedene Kalendarien bereichern den seit bald drei Jahrzehnten existierenden Kalender und machen ihn für Viele zu einem unentbehrlichen Lebensbegleiter.

Warum es neben diesem, durch Hoerner geschaffenen verdienstvollen Kalender noch einen Perseus-Kalender gibt und – wie wir meinen – geben muss, der im September zum zweiten Male erscheint, erklären wir auf S. 26.

In unserer Weltkriegsserie nimmt dieses Mal das Schicksal der Großfürstin Anastasia Romanow einen breiteren Raum ein. Anastasia überlebte die Ermordung der Zarenfamilie im Juli 1919. Obwohl ihre Identität immer wieder bestritten wurde, nicht zuletzt dank eines Gentests, der nicht weniger fragwürdig ist als der im Falle Kaspar Hausers unternommene, gibt es, abgesehen von Anastasias eigenen Äußerungen, eine Reihe von ernst zu nehmenden Zeugen für deren Identität. So zum Beispiel Anna Samweber, welche Anastasia anlässlich von Feierlichkeiten zum 300jährigen Bestehen der Romanow-Dynastie 1914 vor Kriegsausbruch in Odessa gesehen hatte und die sie später wiedererkannte. So auch Monica von Miltitz, welche sie in ihrem Heim auf Schloss Siebeneichen aufnahm und während vieler Monate aus nächster Nähe erlebte.

Miltitz stellte für die Aufnahme Anastasias die Bedingung, dass sie nicht in den Identitäts-Streit hineingezogen würde. Umso größeres Gewicht kommt ihren Aufzeichnungen heute zu, 400 Jahre nach Begründung der Romanow-Dynastie im Jahre 1613. Im Zusammenhang mit dem Weltkriegsthema bedeutend sind u.a. die Äußerungen zu Rasputin, welcher den letzten Zaren Nikolaus II. davor bewahren wollte, Russland in den Krieg zu führen und der deshalb im Dezember 1916 selbst ermordet wurde.

Im Wagnerjahr wirft Marcus Schneider einen Blick auf eine kaum bekannte Beziehung und Korrespondenz Richard Wagners mit dem Bildhauer Gustav Adolph Kietz, der eine Wagner-Büste schuf. Die Erinnerungen von Kietz, aus denen Schneider zitiert, wären wert, wieder aufgelegt zu werden. Sie enthalten eine Reihe von anekdotischen Miniaturen von bleibendem Gehalt.

Wir erlaubten uns, in dem Kasten auf Seite 9 ein paar ebenfalls wenig beachtete Äußerungen über Wagner einzufügen. Sie stammen von Kaiserin Elisabeth, genannt «Sissi», und wurden von ihrem Griechischlehrer Christomanos festgehalten.

Der Bericht von meiner Vortragsreise nach Sofia zur Johannizeit zeigt das Spannungsfeld sich bekämpfender geistiger Tendenzen, in welchem sich Anthroposophie heute zu entfalten hat: Auf der einen Seite starres Festhalten an jedem Wortlaut Rudolf Steiners; auf der anderen Seite ein willkürliches Umdeuten oder Ablehnen seiner Äußerungen. Der Mittelweg liegt darin, manche Worte Steiners «in rechter Weise fortzubilden», wie es im Mysteriendrama Die Prüfung der Seele heißt. Nirgends zeigt sich diese Aufgabe vielleicht deutlicher als im zeitgemäßen Umgang mit den Inhalten der Michaelschule, den sogenannten «Klassenstunden». Möge sie mehr und mehr im michaelischen Sinne gelöst werden.

Thomas Meyer

Carte blanche für Israel und der kosmopolitische wahre deutsche Geist

Die Weltlage spitzt sich zu. Die größte Machtballung liegt immer noch in den USA, das heißt innerhalb der global agierenden US-Konzerne und dem riesenhaft gewordenen militärisch-industriellen Komplex. 760 Militärbasen weltweit stützen das Imperium. Übermacht erzeugt Furcht und erschlägt das Recht. Mittlerweile wird sogar in einem bislang recht widerstandsfähigen Land wie der Schweiz politisch-wirtschaftlicher US-Wille wie ein Gesslerhut geachtet, vor dem sich jeder zu verneigen habe. Jüngste Illustration: Man versuchte ein weitgehend unbekanntes Banken-Gesetz, welches US-Willkür sanktionieren soll, am Parlament vorbeizupeitschen, ähnlich wie das vor zwölf Jahren mit dem anti-patriotischen «Patriot Act», welcher eine Reihe von Bürgerrechten aushebelte, in den USA passiert ist.

Außerdem wurde der US-Senat zur Unterstützung eines israelischen Überfalls auf den Iran verpflichtet. Es erinnert an die «Carte Blanche», welche vor bald 100 Jahren, am 20. Juli 1914, durch den französischen Präsidenten Poincaré dem Zarenreich ausgestellt wurde, worauf Russland völlig unnötigerweise sein Heer mobil machte, was entscheidend zum Ersten Weltkrieg trieb.

Das Image Deutschlands liegt am Boden. Zu seiner Zerstörung haben gigantische Geschichtslügen wie jene von der deutschen Alleinschuld am Ersten Weltkrieg beigetragen. (Siehe dazu die Artikel von Andreas Bracher auf S. 32 ff. und den von Herbert Pfeifer auf S. 38ff.) Bestenfalls lässt man es als «Jekyll und Hyde» gewähren, unter dem scharfen Kontrollblick des Großen Bruders. Es ist wie die EU als Ganze zum US-Vasallen herabgesunken.

Deutschland hat in seiner politischen Führung allen Geist verloren. Und der wahre deutsche Geist? Er schwebt in Geisteshöhen, erwartend, dass wenigstens einige wenige zu ihm aufsteigen, auch wenn sie nicht der deutschen Zunge mächtig sind.* Er inspiriert die Kernaufgabe der Geisteswissenschaft: Durchlichtung der Realität von Reinkarnation und Karma, deren erster Pionier einst die Individualität von Gautama Buddha gewesen war.

Zu den großen Wahrheiten der Geistesforschung gehört auch die Erkenntnis konkreter karmischer Zusammenhänge zwischen bestimmten Persönlichkeiten des alten jüdischen und des jungen deutschen Geisteslebens. Stellvertretend für Viele seien die großen Geistgestalten von Moses und Spinoza, von Goethe und Fichte genannt.

Der deutsche Geist hat noch eine Aufgabe von rund 1000 Jahren – in der angedeuteten Richtung. Er wirkt in «völligem Einklang mit Michael», dem Zeitgeist. Er wird verleugnet, ignoriert oder bekämpft, wie die Geisteswissenschaft selbst. Auch von «Deutschen», nicht ganz selten auch von deutschen «Anthroposophen».

Daher betrachten wir es in geistig finsterster Weltenstunde als eine Pflicht, an den großen klärenden Aufsatz von Karl Heyer zu erinnern: «Wer ist der deutsche Volksgeist?» Jeder Schüler der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners sollte diesen Aufsatz kennen, wenn er den wahren Kampf unserer Zeit durchschauen will: den Kampf zwischen dem ahrimanischen Machtprinzip und dem michaelisch-christlichen Impuls des Geists der Wahrheit, welcher auch der Geist der Freiheit ist. Diesem Geist will die Geisteswissenschaft, will der wahre deutsche Geist durch alle Finsternis hindurch lichtbringend dienen. Schüler der Geisteswissenschaft zu werden heißt letztlich, sich an diesem Kampfe zu beteiligen.

Der Artikel über Jorge Luis Borges zeigt, wie etwas vom gekennzeichneten wahren Geist Europas auch in dem vielleicht größten Dichter Argentiniens wehte – angesichts der Wahl eines argentinisch-jesuitischen Papstes ein Hoffnungszeichen.

Wie ein bedeutender Schüler Rudolf Steiners wahren mitteleuropäischen Geist nach England und nach Nordamerika zu tragen suchte, kann dem Gedenkartikel über Eugen Kolisko entnommen werden.

Thomas Meyer

* Vor und während des Holocausts wurde er in Deutschland gleichsam gekreuzigt.

Boston, Rassismus und das «Nasmyth-Interview»*

In den USA gab es erneut einen Terroranschlag, der zur Verschärfung der anti-islamischen Stimmung führte. Ein Artikel unseres Autors Andreas Bracher aus Boston beschreibt die Atmosphäre nach den Anschlägen. Er deutet auch auf die Widersprüche und Ungereimtheiten in der offiziellen Berichterstattung hin, die weltweit von den Medien nachgebetet wurde.** – 

Helmuth von Moltke wird zunehmend zum deutschen Sündenbock für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Im Hinblick auf das kommende Gedenkjahr 1914/2014 bringen wir Klarstellungen solcher Karikaturbilder. –

Helmut Zander durfte wieder einmal in einer großen Tageszeitung seine geschmeidig daherkommenden Unterstellungen «rassistischer Formulierungen» bei Rudolf Steiner zu Markte tragen. Einen sachlichen kurzen Leserbrief ließ die NZZ von Zander beantworten. Wir publizieren eine vollständige Dokumentation dieses unwürdigen Umgangs mit dem Werk Rudolf Steiners.

*

Der Herausgeber des Europäer, der in den vergangenen Jahren zahlreiche Interviews mit verschiedenen wichtigen Persönlichkeiten veröffentlicht hatte, publizierte im letzten November ein weiteres Interview, welches er mit «Alexander Nasmyth» führte, einem amerikanischen Diplomaten, dessen Identität zunächst nicht preisgegeben werden sollte. Als sich zeigte, dass sich bei einigen Lesern ein ziemlich ungesundes Interesse an Alexander Nasmyth statt am konkreten Inhalt des Interviews entwickelte, begann ich auf direkte Fragen hin durchblicken zu lassen, dass Nasmyth nicht in gewöhnlicher Weise existiert, mit anderen Worten: dass er eine fiktive Identität besitzt. Das wurde mir von solchen Lesern übelgenommen. Ich wurde mit einem 15seitigen Elaborat beglückt, das mir ohne Absender von einem ungenannten «Bruder im Geist» zugesandt wurde. Die Europäer-Redaktion beschloss, die Sache in der Juninummer aufzugreifen.

Bei Redaktionsschluss traf zusätzlich ein von Niklaus Schär abgesandter eingeschriebener Brief ein, der insgesamt von 13 Persönlichkeiten unterzeichnet wurde, darunter Alt-Regierungs- und Ständerat R. Hafner. Das Schreiben forderte ebenfalls zur öffentlichen Selbst-Entlarvung meines Vorgehens auf. Paradoxes Detail: Schär sitzt im Verwaltungsrat des Rudolf Steiner Verlags, ist also mitverantwortlich für die Publikation der Schrift von Taja Gut, Wie hältst du’s mit der Anthroposophie?, in welcher der Autor seine unverarbeiteten Vorbehalte gegenüber Steiner und der Anthroposophie in Form eines nicht-fiktiven Selbst-Interviews öffentlich verbreitete. Das inkriminierte Europäer-Interview war zwar der Form nach teils fiktiv, diente aber der vorbehaltlosen Förderung der anthroposophischen Sache. Worauf kommt es an?

Wir gingen der Frage nach, weshalb dieses Interview bei manchen missverstanden wurde oder gar heftigen Unwillen erregte. Dies geschah mit möglichster Sachlichkeit, aber auch mit dem nötigen Humor, nicht zuletzt durch eine kleine satirische Behandlung des allmählich alle vernünftigen Proportionen sprengenden Vorgehens gewisser Menschen. Wir betrachten die Sache durch die entsprechenden Beiträge dieser Nummer als ausreichend geklärt und wünschen unseren Lesern auch Vergnügen bei der Lektüre der Darstellung dieser Vorgänge.

Thomas Meyer 

* «Was ich denke», Nov. 2012. S. 3ff.
** Kritische Informationen siehe unter: http://www.naturalnews.com/039926_Boston_marathon_bombing_terrorism.html
http://www.globalresearch.ca/the-boston-bombing-web-of-lies/5332981
http://luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_13/LP05613_290413.pdf

David und Goliath heute oder was der Einzelne vermag

Am 25. Februar fand in Horsham, Sussex, eine außerordentliche Gerichtsverhandlung statt. Der britische Filmemacher Tony Rooke hatte sich geweigert, fällige TV-Gebühren an die BBC zu bezahlen. Er begründete dies damit, dass die Fernsehanstalt ihre gesetzliche Pflicht zu objektiver Berichterstattung grob verletze. Sein wichtigstes Beweisstück: Die BBC hatte am 11. September 2001 ein Live-Interview aus New York ausgestrahlt, mit den rauchenden Türmen und dem noch unversehrt stehenden Gebäude 7 im Hintergrund. Die Reporterin Jane Stanley teilte um 16.57 mit, dass nun auch das, wie jedermann sehen konnte, de facto noch stehende Gebäude 7 eingestürzt sei – rund 25 Minuten vor dessen tatsächlichem Einsturz. Dieses Interview ist später aus dem BBC-Archiv entfernt worden. Wie war diese offensichtliche Vorinformation an die BBC gelangt? Eine Klärung dieser Frage ist bis heute nicht erfolgt.

Rooke argumentierte: Die BBC sei der Komplizenschaft mit terroristischen Aktivitäten anzuklagen. Eine Zahlung der Gebühren wäre deshalb ein Verstoß gegen den Artikel 14 des britischen Anti-Terrorgesetzes, welches die Finanzierung einer Terrorgruppe verbietet.

Der Richter erklärte seine Inkompetenz, Rookes Verstoß gegen das Kommunikationsgesetz durch eine Berücksichtigung des Anti-Terrorgesetzes aufzuheben, verfügte einen bedingten Freispruch und erlegte Rooke lediglich die Übernahme der 200£ Gerichtskosten auf. Privat hatte er Rookes vor der Gerichtsverhandlung nach Betrachtung des BBC-Interviews Recht gegeben und ihm versichert, dass er nicht zu einer Buße wegen Nichtbezahlung der BBC-Gebühren verurteilt würde.

Hier hat einmal mehr ein Einzelner den Finger in die von den Massenmedien weltweit praktizierte Verlogenheit der 9/11-Berichterstattungen gelegt. Die West Sussex County berichtete über den an sich symptomatisch wichtigen Fall am 27. Februar, der auch auf you tube verfolgt werden kann.*
Die internationalen Massenmedien ignorierten die Sache. Kein Wunder!

Was ein Einzelner vermag, zeigen viele Beiträge auf der Webseite schall&rauch**, die uns auf die Juncker-Rede aufmerksam machte und die vom ehemaligen Investmentbanker Manfred Petritsch geführt wird. Hier findet man u.a. gute Anhaltspunkte dafür, dass Osama Bin Laden bereits im Dezember 2001 infolge eines gravierenden Nierenleidens verstorben war. Umso grotesker das lange danach gespielte Medien-Spektakel um seine angebliche Liquidierung in Afghanistan.

Was ein Einzelner vermag, zeigt auch der Sieg der Minder-Initiative in der Schweiz. Während ausländische TV-Reporter bei der Siegesfeier in Schaffhausen um Zugang baten, erhielt das Schweizer-Fernsehen, das die sogenannte «Abzocker»-Initiative im Vorfeld zu diskreditieren suchte, von Minder Hausverbot.

Die individualistischen Davide aller Zeiten haben einen längeren Atem als die sie durch Masse und Macht bedrohenden Goliathe.

*

Ausnahmsweise drucken wir in dieser Doppelnummer nicht nur Leserbriefe zum Interview mit David Marc Hoffmann ab (siehe Februarnummer), sondern zugleich auch eine Stellungnahme Hoffmanns zu ihnen, die sonst erst im Juni hätte erscheinen können.

Es sei an dieser Stelle wiederholt, dass wir Hoffmanns These, dass Steiners Lebensgang «keine Quelle für die darin beschriebene Zeit» sei, für unhaltbar erachten. Nichtsdestoweniger geben wir ihm gern die Gelegenheit seine, u.a. von Helmuth Zander geteilte diesbezügliche Ansicht klar und frank auszusprechen.

Thomas Meyer

* http://www.youtube.com/watch?v=4R__mtXJi1M

** http://alles-schallundrauch.blogspot.ch/

Europäische Untergangstendenzen und universelle Aufbauimpulse

Jean-Claude Juncker hat in seiner in der letzten Ausgabe erwähnten luxemburgischen Neujahrsrede vor Journalisten das Jahr 2013 nicht, wie auf Webseiten fälschlicherweise übersetzt, als «Vorkriegsjahr», sondern als «Vorkrisenjahr» bezeichnet. Das ändert allerdings nichts daran, dass seine dreimalige dezidierte Parallelisierung der Jahre 1913/2013 auffällig und bemerkenswert ist. Hier ein zentrales Stück aus dieser ominösen Rede: «Lesen Sie, bis auf ganz wenige Ausnahmen, in der Literatur aus dem Jahr 1913 nach – insbesondere der deutschen, österreichischen und slawischen, mit Ausnahme der serbischen Literatur. Dort findet man eine Friedensgläubigkeit, die unbändig war. Und die in keinerlei Hinsicht den Sturm verraten hat, der bereits im Jahr 1914 über Europa hereingebrochen ist – zunächst im Ersten und dann im Zweiten Weltkrieg. Das Jahr 1913 weist unendlich viele Parallelen zum Jahr 2013 auf. Oder das Jahr 2013 zeigt unendlich viele Parallelen zum Jahr 1913. Jeder wäre gut beraten, diese Jahre miteinander zu vergleichen.»*

Doch wie kann zwischen einem historischen Jahr, und einem solchen, von dem gerade erst ein paar Tage verstrichen waren, überhaupt ein solcher ungeheuerlicher, warnender Vergleich gezogen werden? Spricht die luxemburgische Kassandra einfach aus einer prophetischen Schau in die nahe, unheilvolle Zukunft? Oder will sie den Landsleuten vielmehr ein Stückchen Insiderwissen preisgeben, damit sie nicht erneut in naive Friedensgläubigkeit verfallen und sich vorsehen, ehe es zu spät ist? Ein Insiderwissen um das, was in der Gegenwart gebraut wird?

Vergessen wir nicht: Auch der Erste Weltkrieg war keineswegs ein von selbst eintretendes, gewissermaßen höheres Naturereignis: Er wurde durch Jahrzehnte systematisch herbei intrigiert. Und zwar um eines weitgesteckten Zieles willen: Der völligen Umgestaltung der sozialen und ökonomischen Verhältnisse in Russland. Das bereits nachweislich in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts konzipierte «sozialistische Experiment» erschien den Planern nur nach «dem nächsten großen europäischen Krieg» durchführbar.** 1917 schlug die Geburtsstunde des verhängnisvollen Experiments.

Stehen wir vor der Geburtsstunde eines weit größeren, globalen Experiments, das ebenfalls eines «Sturms» bedarf, um umsetzbar zu werden? Die erdumspannende Finanzkrise, die weltweiten sozialen Missstände, die gegenwärtig auf fast allen Erdteilen geführten Kriege, die bedrohliche Situation im Nahen Osten und im Iran: Irgend etwas davon kann leicht zum Hebel für die Auslösung eines nächsten «Sturmes» dienen.

In ganz anderer Art wird das Jahr 1913 durch den Bestseller von Florian Illies 1913 – Der Sommer des Jahrhunderts mit dem «Vorkrisenjahr» 2013 parallelisiert: Der Klappentext bezeichnet den Inhalt des vor ein paar Monaten erschienenen Buches als «Die Geschichte eines ungeheuren Jahres». Gesetzt wurde das Werk absichtlich in der Monotype Imprint, welche 1913 erfunden worden war. Illies Buch endet mit einer Tagebucheintragung von Arthur Schnitzler vom 31. Dezember 1913: «Vormittags die Wahnsinnsnovelle zu Ende diktiert.»

Angesichts solcher Krisenvoraussagen und Untergangsstimmungen wollen wir einmal mehr auf die großen, starken Gedankenimpulse verweisen, wie sie aus der Geisteswissenschaft gewonnen werden können. Impulse, die sich allen vergangenen Katastrophen gegenüber als unzerstörbar erwiesen haben und dies auch gegenüber den künftigen tun werden, wenn sie mit Verstand und Herz ergriffen werden.

Thomas Meyer

* Wir verdanken die Übersetzung dieser Passage Gisela Roeder.

** Siehe C.G. Harrison, Das transcendentale Weltenall, Sechs Vorträge über Geheimwissen, Theosophie und den katholischen Glauben, reprint Stuttgart 1990, zweiter Vortrag.

2013 – ein Vorkriegsjahr?

In vergangenen Nummern blickten wir auf Ereignisse, welche im Jahre 1912/13 zur Trennung des Wirkens Rudolf Steiners von der Theosophischen Gesellschaft geführt hatten. Dabei machten wir auch auf bedenkliche Erscheinungen innerhalb der heutigen anthroposophischen Bewegung aufmerksam, die eine Folge der Nicht-Verarbeitung gravierender Ereignisse nach Steiners Tod darstellen.*

Dreißig gegenwärtige Krieg

Im großen Weltgeschehen droht eine ähnliche Wiederholung fataler Ereignisse: Die Welt ist – bald hundert Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs –  nach einer Untersuchung der Universität Hamburg aus dem Jahre 2011 – in rund 30 Kriege verwickelt**, Tendenz steigend. Diese Kriege können praktisch jederzeit zu einem großen Weltkrieg zusammenschmelzen. Die Gefahr dazu ist wohl nirgends größer als im weitgehend künstlich provozierten Konflikt mit dem Iran, in welchen nebst der USA alle NATO-Länder, aber auch Israel, Russland und China hineingezogen werden könnten.

Dass sich Kriege provozieren lassen, sollten wir schon seit dem Ersten Weltkrieg wissen. Dass es dabei in gewissen Kreisen zu einem merkwürdigen «Vorwissen» kommen kann, ist nicht verwunderlich.

Ein solches Vorwissen über das Attentat von Sarajewo, das am 28. Juni 1914 stattfand und zum Auslöser des Ersten Weltkriegs wurde, gab es u.a. in London, und zwar in Kreisen des dekadent-politischen Freimaurerordens Le Grand Orient. Diese Tatsache wurde wohl erstmals durch den Briten H. C. Norman enthüllt. Wir bringen Normans Bericht auf S. 23ff. zum Abdruck.

Damit eröffnen wir zugleich die von Andreas Bracher betreute Artikelserie «1914–2014: Lügen, Fakten, Perspektiven». Diese Serie, bei der auch Autoren wie Terry Boardman und Markus Osterrieder mitwirken werden, soll mindestens bis zum Ende dieses Jahrgangs fortgesetzt werden. Die Serie soll der Weckung des «historischen Gewissens» dienen, und zwar im bewussten Hinblick auf die höchst bedrohliche Gegenwartslage. Denn 2013 könnte wie 1913 zu einem Vorkriegsjahr werden. So jedenfalls die Ansicht eines prominenten und einflussreichen europäischen Staatsmannes: Jean-Claude Juncker.

Spielerei oder Vorwissen?

Anlässlich des traditionellen Neujahrsempfangs der Presse Luxemburgs hat der luxemburgische Premierminister und Ende Januar scheidende Vorsitzende der Euro-Gruppe Juncker nämlich eine beachtenswerte Äußerung gemacht: Er ermahnte die achtzig Journalisten, die seiner Rede folgten, sie sollen sich mit dem Jahr 1913 beschäftigen, dem letzten echten Friedensjahr bis zum Ende des Kalten Krieges. Laut dem luxemburgischen Radio RTL habe Juncker «ein wenig prophetisch» davor gewarnt, «das Jahr 2013 könnte ein Vorkriegsjahr werden wie das Jahr 1913, wo alle Menschen an Frieden glaubten, bevor der Krieg kam».***

Ein in unseren Augen sehr bemerkenswerter Ausspruch; ein Hinweis darauf, dass Kräfte am Werk sind, Europa und die Welt in einen erneuten Kriegszustand zu stürzen.

Wiederholt sich die Geschichte? Ja, wenn zu viele Menschen sich weigern, aus ihr etwas zu lernen.

Thomas Meyer

 

* Vgl. Das Kapitel «Die Entwicklung der Anthroposophie nach Rudolf Steiners Tod» in meinem Buch Wegmarken im Leben Rudolf Steiners und in der Entwicklung der Anthroposophie, Basel, 2012.

** Siehe www.wiso.uni-hamburg.de/fileadmin/sowi/akuf/Text_2010/AKUF-Analysen-10-Schreiber-2011.pdf

*** Zitiert nach http://news.rtl.lu/news/national/374419.html.   Deutsche Fassung: http://alles-schallundrauch.blogspot.ch/2013/01/warnt-jean-claude-juncker-vor-einem.html –  Junckers ganze Rede unter http://www.gouvernement.lu/salle_presse/discours/premier_ministre/2013/01-janvier/07-juncker-presse/index.htm

Die Erneuerung des anthroposophischen Strebens vor 100 Jahren – und heute?

Nach dem Rauswurf der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft aus der internationalen Theosophischen Gesellschaft im Dezember 1912 – bedingt durch die Nicht-Annahme der Krishnamurti-Doktrin durch Rudolf Steiner – wurde auf die Initiative von Mathilde Scholl hin beschlossen, eine Anthroposophische Gesellschaft zu gründen. Nach den fatalen Erfahrungen innerhalb der TG wirkte Steiner in dieser neuen Gesellschaft nur als Lehrer, ohne deren Mitglied zu sein.*

Ein neuer Zug ging nun durch Rudolf Steiners ganzes Wirken.

«Es war einfach nicht möglich», bilanziert Steiner in der Einleitung zum Haager Zyklus (GA 145) am 20. März 1913 die Wirksamkeit innerhalb der TG, «dasjenige, was man in berechtigter Weise Okkultismus nennt, in all seiner Weitherzigkeit und in seiner Angepasstheit an unseren gegenwärtigen Menschheitszyklus zur Geltung zu bringen. Und ich hoffe, wenn es uns gegönnt ist, die Anthroposophische Gesellschaft weiter zu führen, werden sich unsere Freunde überzeugen, dass die Befreiung von der Theosophischen Gesellschaft uns nicht bringen wird eine Verengung, sondern im Gegenteil gerade eine Erweiterung unseres okkulten Strebens.»**

Der Haager Zyklus war nach der am 7. März 1913 durch Annie Besant vorgenommenen Annullierung der Stiftungsurkunde der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft der erste umfassende Vortragszyklus nach der Trennung von der TG. Nicht zufällig finden sich gerade in ihm «Musterimaginationen» von ganz allgemein-menschlicher Bedeutung – als «Korrektur» und Ausgleich für die zahlreichen theosophischen Partikular-Imaginationen mit Täuschungscharakter, wie sie in der Krishnamurti-Illusion – er wurde ja als «wiederverkörperter Christus» ausgegeben – kulminierten.

100 Jahre nach dem Befreiungsschritt von 1912/13 ist ein entsprechender Schritt innerhalb der gegenwärtigen anthroposophischen Arbeit fällig. Ein solcher Schritt kann nur gelingen, wenn das weitgehend abgerissene Kontinuitätsbewusstsein wieder neu gebildet wird: d.h. wenn spirituell erneut und vermehrt an die Bemühungen Rudolf Steiners und seiner großer Schüler angeknüpft wird. Dies sind Schüler, die teils innerhalb der AAG selbst in Bedrängnis kamen wie Marie Steiner oder W.J. Stein, teils aus der 1923 neu gegründeten AAG ausgeschlossen wurden oder sie auch selbst verließen, ohne damit ihr Wirken für den anthroposophischen Universalimpuls abzuschwächen oder einzustellen.

Dieses Heft bringt Beiträge von solchen und über solche bedeutenden Schüler Rudolf Steiners – von W.J. Stein über Ludwig Polzer-Hoditz bis zu D.N. Dunlop und Bruno Krüger. Die Reihe solcher mit der Anthroposophie innerhalb oder außerhalb der Gesellschaft tief verbundener Schülergestalten ist damit natürlich keineswegs erschöpft und soll durch die genannten Beispiele nicht einseitig festgelegt werden.

Alle dogmatischen Versicherungen eines unbedingten Goodwills der geistigen Welt gegenüber einer Erdengesellschaft sind Schall und Rauch. Was zählt, ist die konkrete Substanz anthroposophischer Arbeit. Was zählt, ist der Wille zur Kontinuitätsbildung auf Grundlage wirklichen anthroposophischen Strebens. Was zählt, ist der verstehend-verehrende Blick auf die leuchtenden Sterne am Geisteshimmel des anthroposophischen Impulses.

Thomas Meyer

 

* Dies änderte er erst, als er zu Weihnachten 1923 die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft selbst begründete und zugleich deren ersten Vorsitz übernahm.

** Diese Einleitung wie auch die Schlussworte des Zyklus sind in GA 145 nicht enthalten und sollen in einer nächsten Nummer abgedruckt werden.

Drei Interviews zu Geist, Macht und Geld

Die Interview-Welle hält an: Nach dem großen Interview mit dem französischen Kulturschaffenden Jacques Le Rider in der letzten Nummer bringen wir in diesem Heft gleich drei Interviews sehr unterschiedlicher Art.

Den neuen Jahrgang eröffnet ein Interview, das ein amerikanischer Anthroposoph und Diplomat auf Durchreise durch Basel mit dem Herausgeber Thomas Meyer führte.

Da sein Inkognito gewahrt sein musste, nennen wir ihn Alexander Nasmyth, in Anknüpfung an den amerikanischen Nationalökonomen William Nasmyth (1882–1920), der Rudolf Steiner 1919 in Berlin aufsuchte und ihm nach Steiner «besonders kluge Fragen» zur Dreigliederung stellte.* Meyer ergriff die seltene Gelegenheit, sich zu Zeitfragen, aber auch zum Zustand der anthroposophischen Sache innerhalb und außerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft offen und ungeschminkt zu äußern.

Ähnlich ungeschminkt äußert sich der ehemalige Waldorfschüler und heutige Dozent an der Historischen Fakultät der Universität Basel Daniele Ganser in einem Interview mit Meyer über den gegenwärtigen Kampf ums Öl und andere Ressourcen, der im Hintergrund der Kämpfe im Nahen Osten steht und auf den Iran überzugreifen droht. Auch zum derzeitigen Stand der ernstzunehmenden 9/11-Forschung – und die wird bis heute meist von akademischen Außenseitern getragen – äußert Ganser sich. Seine diesbezüglichen Aktivitäten hatten vor ein paar Jahren zu seiner Entlassung aus dem Lehrkörper der ETH geführt – eine Schande für die angebliche akademische Lehrfreiheit in der Schweiz. Ganser hat sich mittlerweile durch die Gründung einer AG für Friedensforschung und Energie (www.siper.ch)  ein unabhängiges wirtschaftliches und geistiges Standbein aufgebaut.

Das dritte, für den Europäer stark gekürzte Interview führte der deutsche Journalist Lars Schall mit dem Perseus-Autor Guido Preparata. Preparatas Buch Wer Hitler mächtig machte – wie britisch-amerikanische Finanzeliten dem Dritten Reich den Weg bereiteten erscheint demnächst in dritter Auflage. Die englische Pluto Press, die das Buch 2005 erstmals veröffentlichte, hat auf Grund von Pressionen davon Abstand genommen, eine Neuauflage zu veranstalten.

Dieses Buch könnte manchem die Augen öffnen für die reale Macht einer anglo-amerikanischen Elite von Plutokraten, welche sich der politischen und nationalistischen Strömungen bedient, um skrupellos Geschäfte zu machen. Ihr Arm reicht gegenwärtig in die vom ehemaligen Goldman-Sachs-Banker Draghi geführt EZB. Auf Schalls Webseite (www.larsschall.com) findet sich auch ein Interview mit dem amerikanischen Wirtschaftsdiagnostiker Max Kaiser, der auf RT-Moscow (http://rt.com/on-air) regelmäßig eine eigene Sendung betreut, in der er Winkelzüge der von ihm so genannten «banksters» enthüllt. Die zunehmenden Massenproteste in Italien, Spanien oder Griechenland sind nichts als ein Spiegel der menschenverachtenden Profitgier der gegenwärtigen Finanzplutokratie.

Kenner der Geisteswissenschaft werden nicht übersehen, dass hinter all den rechtsbrüchigen Machenschaften ein geistiger Kampf steht. Sein Urbild ist in der dritten Versuchung Christi zu finden, aus der in der Darstellung Steiners (siehe GA 148) klar werden kann, dass das Geld- und Wirtschaftsproblem in die Herrschaft Ahrimans gleiten muss – wenn es nicht aus freier Einsicht durch Menschen gelöst wird.

Thomas Meyer

* Siehe «George William Nasmyth und seine Begegnung mit Rudolf Steiners» von Jens Göken, in Der Europäer, Jg. 14, Nr. 1, November 2009.

Wie angloamerikanische Plutokraten Europa lenken

Am 4. September strahlte Arte-TV einen bemerkenswerten Dokumentarfilm mit dem Titel Goldmann- Sachs – Eine Bank lenkt die Welt* aus. Mario Draghi, ein früherer Goldmann Sachs-Mitarbeiter, heute Chef der EZB, heißt die Politik dieser Bank ausdrücklich gut, obwohl sie Griechenlands Schulden heruntertrickste, um das Land EU- resp. Euro-fähig zu machen, und sich dann an seiner voraussehbaren Pleite bereicherte.

Draghis Vorgänger Jean-Claude Trichet verstummte auf die Frage eines Journalisten, was Draghi von diesen betrugs-kriminellen Machenschaften von Goldmann Sachs gewusst habe – wie auf ein verabredetes Zeichen hin. Die zur Zeit wohl mächtigste Bank der Welt hat nur ein Ziel: unlimitierte Bereicherung, um jeden Preis, das heißt egal, auf wessen Kosten.

Draghis am 6. September bekanntgegebener Beschluss, dass die EZB unlimitiert Staatsanleihen aufkaufen kann, muss auch vor dem Hintergrund gesehen werden, wie Goldmann-Sachs Griechenland hereinlegte. Soll das nun mit der ganzen Euro-Zone geschehen?

Es sollte nicht vorausgesetzt werden, dass Draghi an einem viel umfassenderen «Verlustgeschäft» im Sinn von Goldmann-Sachs kein Interesse hätte.

Rudolf Steiner sprach in einer undatierten, aber wohl vom Dezember 1917 stammenden Aufzeichnung von «angloamerikanischen Plutokraten», welche sich der «beweglichen kapitalistischen Wirtschaftsimpulse» zu Machtzwecken zu bedienen wissen.

Und im selben Epochejahr 1917 betonte Steiner: «Mitteleuropa muss in einem richtigen wirtschaftlichen  Konkurrenzverhältnis zu England bleiben und darf nicht in ein wirtschaftliches Abhängigkeitsverhältnis kommen.» Aus heutiger Sicht ist zu ergänzen: Erstens sind an die Stelle Englands die USA getreten. Zweitens ist die zu vermeidende Abhängigkeit Faktum geworden. Allein die Ernennung des Goldmann Sachs-Mannes Mario Draghi zum Chef der europäischen Zentralbank dokumentiert diese Tatsache. Seine am 4. September vorgestellte Wundertüte – durch unlimitierten Ankauf von Staatspapieren durch die EZB – könnte sich für die Euro-Länder über kurz oder lang als finanztechnische Büchse der Pandora erweisen.

An ihr werden nur die verdienen, die sie konstruiert haben. Der grenzenlose Mammonismus des US-Bankensystems hat vom Finanzplatz Europa Besitz ergriffen. Dass die Europäer ihren wirtschaftlichen Unabhängigkeitswillen, für dessen Aufrechterhaltung Steiner wirkte, nun irreversibel zu begraben scheinen, können sie nur sich selbst zuschreiben. Doch die Folge ist fatal: Das Fernziel einer allmächtigen Weltregierung, wie es Winston Churchill vorschwebte, kann auf dem Grab, das Europa seiner wirtschaftlichen – und mittelbar auch seiner geistigen – Unabhängigkeit schaufelte, umso leichter errichtet werden.

«Kritiker werfen dem europäischen Lobby-Netzwerk der amerikanischen Bank Goldman Sachs (GS) vor, wie eine Form der Freimaurerei zu funktionieren. In unterschiedlichem Maße sind der neue Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi, Italiens designierter Regierungschef Mario Monti und Griechenlands neuer Ministerpräsident Lukas Papademos Galionsfiguren dieses enggestrickten Netzes.» So schrieb bereits vor einem Jahr der französische Journalist Marc Roche in Le Monde (15. 11. 2011), Co-Autor des eingangs erwähnten Arte-Films. Endgültiger Untergang europäischer Unabhängigkeit oder Neubesinnung auf wirkliche europäische Werte, wie sie etwa im folgenden Interview mit dem französischen Kulturschaffenden Jacques Le Rider zur Sprache kommen? An diesem entscheidenden Wendepunkt ist die europäische Entwicklung angelangt.

Thomas Meyer

* http://videos.arte.tv/de/videos/goldman-sachs-eine-bank-lenkt-die-welt–6894428.html

Europa zwischen Illusion und «dämonischer Hoffnung»

Ist Europa noch zu retten? – So könnte unser neues Heft auch übertitelt worden sein. Am 12. September steht eine wichtige Entscheidung aus: Das Karlsruher Bundesverfassungsgericht könnte die rasante Fahrt Deutschlands in eine europäische Wirtschafsdiktatur in letzter Sekunde stoppen, wegen Verfassungswidrigkeit. Werden die Karlsruher Richter die Hand an die Notbremse legen?

Diese Entscheidung wird im gleichen Karlsruhe gefällt, in welchem am 29. September 1812 ein badischer Erbprinz geboren worden war, um kurz nach der Geburt gegen ein anderes Kind ausgetauscht, 16 Jahre gefangen gehalten und schließlich ermordet zu werden – Kaspar Hauser. Er wurde nicht ohne tiefen Grund als Kind Europas bezeichnet. Mit seiner Individualität waren spirituelle Wirkensziele verbunden, die weit über deutsche Interessen hinaus reichten. Seine Gefangenschaft und sein Tod waren nicht nur Ausdruck dynastischer Machtkämpfe, sondern vor allem des Widerstandes gewisser okkulter Kreise, welche gerade eine dem wahren deutschen Volkswesen angemessene übernationale Politik in Mitteleuropa unterbinden woll(t)en. Dieser Aspekt ist in der bisherigen Kaspar-Hauserliteratur wenig berücksichtigt worden.

Der anthroposophische Dramatiker Paul Michaelis schrieb im Sommer 1943 ein Drama, das gerade diesen okkulten Angriff in den Vordergrund rückt: Kaspar Hauser – Eine Tragödie.* Zum 200. Geburtstag Kaspar Hausers veröffentlichen wir auf den folgenden Seiten den ersten Akt aus diesem Drama.

Eine kurze Reise ins Südtirol – in Begleitung von Freunden und ein paar Redaktionsmitgliedern – führte in überraschender Weise vor Augen, wie Europa derzeit zwischen Wahn und Wirklichkeit am Schwanken ist. In Levico Terme wurden Habsburger Monarchieträume zum Besten gegeben, und in Rovereto bei Trient war das schier Unglaubliche zu erleben, dass phrasenhafte Worte eines gegenwärtigen US-Präsidenten und Kriegsverbrechers (Afghanistan, Guantanamo) verehrt und in Musik gesetzt werden können. Lech Walesa hielt bei dieser Gelegenheit eine Ansprache, welche als eine Art Quintessenz der Europa- oder besser der EU-Illusionen der Gegenwart erlebt werden konnte.

Gewisse Passagen im folgenden Reisebericht könnten etwas leichtfüßig klingen. Der Leser mag sich nicht beirren lassen: sie sind nur ein kleiner satirischer Spiegel der zum Teil unfassbar grotesken Vorgänge, die beschrieben werden.
Eine überwiegende Mehrheit von «Europäern» sind nicht Kinder oder Freunde des «Kindes von Europa», sondern Kinder des Wahns, alle Wirklichkeit wurzle letztlich bloß in materiellen Prozessen und Gütern.
Helmuth von Moltke sprach einmal von einer «Hoffnung, die in ihren Untergründen (…) dämonisch» sei (siehe S. 6). Friedrich Dürrenmatt hat eine dazu passende Zeichnung gemacht.

Solcherart sehen die gegenwärtigen EU-Hoffnungen von Millionen Menschen aus. Wir wollen es für möglich halten, dass es auch aus diesen «dämonischen Hoffnungen» noch ein spätes Erwachen geben könnte.

Thomas Meyer

 

*Zu den ersten Kennern und Schätzern gehörten Ludwig Polzer-Hoditz und Karl Heyer, dem wir das bis heute tiefgründigste Kaspar-Hauser-Werk verdanken.

 

Kirche, Anthroposophie und Mormonentum

Editorial Europäer Juli/August 2012

In Mai dieses Jahres wurden in den großen Tageszeitungen, durch Radiosendungen, auch im Spiegel, Würdigungen des Philosophen Robert Spaemann gebracht, aus Anlass zu dessen 85. Geburtstag. Es wurde Spaemanns umfassender Horizont, seine Freigeistigkeit wie seine Verankerung in der geistigen Welt der katholischen Kirche gleichermaßen hervorgehoben. Diese Charakteristika sprechen auch aus seiner jüngsten Publikation Über Gott und die Welt – eine Autobiographie in Gesprächen*. Spaemann stand dem letzten polnischen Papst persönlich nahe und steht auch mit dem jetzigen in freundschaftlicher Verbindung.

Er ist ein Kenner und Schätzer sowohl der Philosophie des Aristoteles wie der von Thomas von Aquin. Dass er auch ein Kenner und – bis zu einem gewissen Grade – Schätzer Rudolf Steiners ist, blieb in den Würdigungen und auch von Spaemann selbst unerwähnt.

Robert Spaemann gab 1983 zusammen mit dem zum Katholizismus konvertierten früheren Anthroposophen und Staatsrechtler Martin Kriele das vierbändigen Tarotwerk des ebenfalls katholisch gewordenen einstigen Anthroposophen Valentin Tomberg heraus, welches auch von Papst Johannes Paul I. studiert worden ist.** In seinem Vorwort hob Spaemann anerkennend hervor: «Vor allem liegt dem Verfasser [Valentin Tomberg] am Herzen, die eine Kirche, die Kirche der Apostel, die Kirche des menschgewordenen Gottes allen Weisheitssuchern, Hermetikern, Theosophen, Anthroposophen, als ihren wahren geistigen Lebensraum zu erschließen, als die eigentliche gei- stige Heimat, von der sie, ob sie wollen oder nicht – täglich leben und ohne deren Gebete und Sakramente, die Wirklichkeiten, um die es ihnen geht, aus unserer Welt vollständig verschwinden müssten.» Spaemann ist nicht der einzige Kenner der Anthroposophie, der sie der Obhut der einen Kirche unterstellt wissen will und den anthroposophischen Impuls damit – nolens volens – in seiner ureigenen Wirksamkeit sabotieren muss. Eine heute mit Verschweigen arbeitende Gegnerschaft, die ernster zu nehmen ist als die lärmige Trivialopposition von Leuten wie Helmut Zander.

Der US-Präsidentschaftskanditat Mitt Romney hat welt- anschaulich Wurzeln bei den Mormonen, einer materia- listisch ausgerichteten christlich-fundamentalistischen Sekte mit Hauptsitz in Salt Lake City. Das diesjährige Bilderbergtreffen (Ende Mai) fand in einem Marriott-Hotel in Virginia statt. Diese Hotelkette wurde vom Mormonen J. Willard Marriott begründet. Für manche ein Hinweis auf Romneys kommende Präsidentschaft.

Die in Salt Lake City beheimatete mormonische Brigham Young University verwaltet auf ihrem Server eine von Dr. Christian Clement erstellte, weitgehend vollständige online Steiner-Ausgabe. *** Clement hatte in Utah über Die Geburt des modernen Mysteriendramas aus dem Geiste Weimars dissertiert und arbeitet derzeit an der Herausgabe einer kritischen Steiner- Ausgabe im nicht-anthroposophischen Stuttgarter Verlag Frommann-Holzboog. Er besitzt einen Lehrauftrag an der Brigham Young University für German Literature und ist gleicherweise von Steiner wie von der «Mysterienkultur» der Mormonen fasziniert.

Anthroposophie und Mormonentum? Eine – unter mormonischer Präsidentschaft? – sich anbahnende neue Allianz? Sie würde jene von Kirche und «Anthroposophie» noch in den Schatten stellen.

Thomas Meyer

 

* erschienen bei Klett-Cotta.
** Die großen Arcana des Tarot, Herder, Basel 1983.
*** http://anthroposophie.byu.edu


Tagespolitik und Johanni-Weltgedanken

Editorial Europäer Juni 2012

In den USA läuft seit dem 13. Mai ein Prozess gegen den angeblichen Hauptdrahtzieher der Anschläge vom 9/11, Khalid Sheikh Mohammed und ein paar Helfershelfer. Seit seiner Verhaftung im Jahre 2003 wurde Sheikh Mohammed laut NZZ online (29. 4. 2012) 183 Mal dem «Waterboarding» unterzogen, einer Foltermethode, durch welche das Opfer dem Tod durch Ertrinken ausgesetzt, um im letzten Moment davor «gerettet» zu werden. Der Prozess findet auf Guantanamo statt, wo noch andere Foltermethoden angewendet werden. Präsident Obama hatte das jenseits aller demokratischen Rechtssprechung agierende Militärgefängnis vor Jahren zu schließen versprochen. Es klingt wie Hohn auf jeglichen «Menschenverstand», wenn die NZZ, welche wie die meistenTagesmedien an die Schuld von Sheikh Mohammed glaubt, am Schluss bemerkt: «Die Militärjuristen müssen klären, wie weit sie die unter Folter erwirkten Aussagen der Angeklagten berücksichtigen können». Was waren die unter Folter erpressten «Geständnisse» der Templer im 14. Jahrhundert wert? Nicht Sheikh Mohammed, solcher «Folterjustiz» müsste öffentlich der Prozess gemacht werden.

*

Vor hundert Jahren ist am 14. Mai der schwedische Dichter August Strindberg gestorben. Aus diesem Anlass bringen wir eine schon für das Maiheft geplante Skizze des französisch-russischen Germanisten Anatoly Livry, welche u.a. eine überraschende Beziehung von Strindbergs Gespenstersonate zur «Toteninsel» von Arnold Böcklin dokumentiert. Wir erinnern an die Monografie von Norbert Glas, der den von Steiner erforschten karmischen Hintergrund* Strindbergs und seines Lebensfreundes Carl Ludwig Schleich beleuchtet.

*

Zur Johannizeit veröffentlichen wir die Betrachtung eines noch ungenannten Schülers Rudolf Steiners. Es ist die Zeit des «historischen Gewissen». Wir leben in einer Epoche der historischen «Gewissenlosigkeit», wie u.a. der amerikanische Farcen-Prozess dokumentiert. Noch nie scheinen die Gedankenbildungen von allen früheren historischen Prozessen derart abgerissen zu sein wie heute. «Wer nicht von dreitausend Jahren sich weiß Rechenschaft zu geben, bleib im Dunkeln, unerfahren, mag von Tag zu Tage leben» – schrieb Goethe im West-östlichen Diwan.

Der geisteswissenschaftlich Interessierte könnte seinen historischen Blick noch mehr ausweiten. In welcher Phase der Gesamtentwicklung vom alten Saturn in fernster Vergangenheit bis zum Vulkan in fernster Zukunft befinden wir uns gegenwärtig? Diese Gesamtentwicklung umfasst 7x7x7 Zustände: insgesamt also 343. Wir befinden uns heute etwas über der Mitte, im 172. Entwicklungszustand, in welchem das Physisch- Mineralische verstanden und bearbeitet wird.** Alle Ereignisse, Kriege, Errungenschaften, Tragödien und Verlogenheiten unserer Zeit spielen sich im Zustand 172 ab. Wer nach der Seite der Vergangenheit und der Seite der Zukunft über diesen «Tagesaugenblick» hinausschaut, kann aus einem weitem Atem schöpfen. Es ist der Atem, mit welchem dem Menschen in vieler Beziehung weit überlegene Wesenheiten und ihre Helfer die Weltentwicklung impulsieren und lenken. Zu ihnen gehört Uriel, der Erzengel der Johannizeit, der Inspirator des «historischen Gewissens», das in unserer Zeit gar nicht umfassend genug ausgebildet werden kann.***

Thomas Meyer

* 7. September 1924, GA 138 ** 29. Juni 1908, GA 104 *** 12. Oktober 1923, GA 229

Drei Erkenntnis-Aufgaben im Fische-Zeitalter und die «Schöpfung aus dem Nichts»

Editorial Europäer April/Mai 2012

Unsere Zeit ist die der bornierten Intelligenz. Zwar ist die Intelligenz vieler Menschen ungeheuer scharf und kompetent geworden – innerhalb fest abgesteckter Grenzen. Welche Intelligenz ist in die Konstruktion eines IPhone geflossen! Aber auch in den Bau modernster Mordwaffen. Ganz zu schweigen von betrügerischen Finanztechniken, die es Wenigen erlauben, sich am Untergang ganzer Nationen zu bereichern.

Eine wirkliche Erweiterung der Intelligenz kann sich nur daraus ergeben, dass sie auf den Kosmos des Geistes ausgedehnt wird.

Dazu braucht es Mut, Aktivität und statt bornierter – großer Gesichtspunk- te. In einem Vortrag vom 13. Dezember 1918 (GA 186) hob Rudolf Steiner drei elementare Erkenntnis-Aufgaben hervor, die heute zu bewältigen sind:
1. Die Einsicht, dass es in der Welt nicht nur Aufbau- sondern auch Niedergangskräfte gibt; er nannte dies Evolution und Involution.
2. Die Fähigkeit, einen spirituellen Mittelpunkt in sich zu schaffen, der auch trägt, wenn sich unter uns der Abgrund, das Nichts öffnet.
3. Die rückhaltlose Erkenntnis der Impulse des Egoismus.
Wie Auf- und Abbaukräfte in der Natur wirken, zeigt sich am Jahreslauf. Mit beiden in ein harmonisches Verhältnis zu kommen, lässt sich am Miterleben des Jahreslaufes erüben, worauf ein Leben mit dem Seelenkalender von Woche zu Woche vorbereiten kann. Nur muss dann auch das gleichzeitige polare Geschehen auf der Südhemisphäre miterlebt werden. Der Beitrag des australischen Anthroposophen Adrian Anderson ist eine gute Anleitung zu einer solchen ganzheitlichen Betrachtung des Jahreslaufes.

Der Artikel von Richard Ramsbotham über Shakespeare weist auf einen Gruppen-Egoismus besonderer Art: Gewisse anglo-amerikanische Kreise wollen durch gezielte Geschichtsfälschung eine unübersteigbare Kluft zwischen der Mitte Europas und dem Westen einerseits, Europa und dem Os- ten andererseits graben. Die Autorschaftsdebatte ist keineswegs eine rein literarische Angelegenheit. Sie ist eines der Mittel des Westens, die Funktion und Aufgabe Mitteleuropas auszuschalten.

Die Kommentare von Christin Schaub zur Apokalypse können als Anregung zur Erfüllung aller drei von Steiner gestellten Aufgaben gelesen werden. Dabei handelt es sich immer darum, alle drei Tendenzen oder Impulse in erster Linie in sich selbst, am eigenen Leibe oder in der eigenen Seele zu erfassen, was vor allem beim dritten Impuls höchst unangenehm sein kann…

Wie weit die Untergrabung der auf Individualisierung und Spiritualisierung angelegten mitteleuropäischen Anlagen gediehen ist, zeigt eine symptomatische Äußerung des Universitätsphilosophen Sloterdijk (S. 48), der seine spirituellen Bedürfnisse einst in Indien zu befriedigen suchte und der die «Freiheit» als ein Gut betrachtet, das in Zukunft nur noch von folkoristischem Wert sein werde.

Es steht natürlich auch in der Freiheit des Menschen, den Untergang der Freiheit zu befördern. Dann blieben aber die großen Aufgaben des Fischezeitalters*, das noch bis zum Jahre 3573 dauern wird und in welchem gerade auf Menschen-Freiheit gerechnet wird, unerfüllt. Keine Götter werden für deren Erfüllung sorgen. Diese Erfüllung muss freies und mutiges Menschenwerk sein oder, wie Steiner das auch nannte – eben weil keine Natur- und keine Geistesmacht dies erzwingen darf– eine «Schöpfung aus dem Nichts».

Thomas Meyer

* Rudolf Steiner in der Einleitung «Was gemeint ist» zum Kalender von 1912/13. Faksimile- Print des Kalenders als PDF zu kaufen auf der neuen Webseite www.perseus.ch.

Die arabische «Revolution» – ein Erwachen für was?

Editorial Europäer März 2012

Die Vorgänge in Nordafrika, Ägypten und Syrien oder auch die Occupy-Bewegung zu beurteilen, ist keine leichte Sache – falls die Beurteilung wirklichkeitsgemäß sein soll.

Stehen wir am Ausgang einer «neuen revolutionären Ära des globalen politischen Erwachens», wie der junge kanadische Publizist Andrew Marshall feststellt? Sind die sich jagenden Demonstrationen und Umstürze Ausdruck von einem «großen Durst nach Freiheit und Demokratie», wie unser Apropos-Kolumnist diagnostiziert? Oder handelt es sich vielmehr um eine Reihe von inszenierten und gesteuerten Scheinrevolutionen? Oder um beides zugleich?

Diejenigen, die aufgrund eines verstärkt erwachenden Willens zu sozialem, politischem und wirtschaftlichem Wandel und eines vermehrten Durstes nach «Demokratie» schon auf ähnliche Durchbrüche wie nach 1789 hoffen, könnten enttäuscht werden. Sie mögen sich fragen: Erwachen für was? Ist nicht auch ein großer Teil der 68-Vorgänge aus einem fast weltweiten Erwachen hervorgegangen? Hatte dieses Erwachen zu wirklichen politischen oder wirtschaftlichen Veränderungen geführt? Der Durst nach Selbstbestimmung und Demokratie ist seit 1789 weder neu noch für die erwünschten Veränderungen entscheidend geworden. Entscheidend ist, ob diesem politischen Erwachen neuerdings und in gewissem Sinne erstmalig ein Durst nach Erkenntnis innewohnt, der sich auch auf die verborgenen, spirituellen Dimensionen des Weltgeschehens erstreckt. Solange das nicht der Fall ist, werden die Lenker der aristokratischen anti-demokratischen Machtströmungen den Durst nach Demokratie nur soweit berücksichtigen, dass ihm regelmäßig Placebos in Form von Mitspracherecht, nationalem Parlamentarismus, «demokratischen» Wahlen etc. entgegengebracht werden. «Die Macher der anglo-amerikanischen Sache sind die Träger einer Strömung, die ihre Wurzeln in den Impulsen hat, die vor der Französischen Revolution liegen und in der Realisierung einer Welt-Herrschaft mit Kapitalistenmitteln bestehe, die sich nur der Revolutions-Impulse als Phrase bedient, um sich dahinter zu verstecken», so Rudolf Steiner im Kerntext «Kampf um den russischen Kulturkeim»*

Steiner spricht von einer «okkulten Gruppe», die, um ihre Macht zu erhöhen, unter Anderem materialistisch gesinnte Verstorbene in ihre Rituale einflicht. Die Macht solcher Gruppen kann nicht anders gebrochen werden als durch Erkenntnis der spirituellen Hintergründe ihrer Machenschaften. In einer Post-mortem-Mitteilung Helmuth von Moltkes heißt es: «Es handelt sich darum, dass die Menschheit immer mehr darauf vorbereitet wird, zu glauben, dass es auf dem physischen Plan allein kein Glück geben kann, wonach doch die Menschen suchen. Sie werden aufhören müssen, dieses Glück zu suchen und erkennen müssen, dass in alles, was der Mensch auf der Erde erlebt, hineinfließen muss, was aus der geistigen Welt kommt. Erst das irdische Erlebnis mit dem geistigen zusammen macht dasjenige aus, was auf Erden für den Menschen wünschenswert sein soll.»**

Der Durst nach Demokratie bleibt ohnmächtig, solange er nicht in einen solchen nach Erkenntnis der spirituellen Seite der Dinge und Tatsachen übergeht.

Thomas Meyer

 

* Der Europäer, Jg. 5, Nr. 3, März 1999, wiederabgedruckt in «Brückenbauer müssen die Menschen werden», Basel 2004, S. 110.
** Mitteilung vom 22. Juni 1918, Helmuth von Moltke – Dokumente zu seinem Leben und Wirken, Basel, 2. Aufl. 2008, S. 185.

Vom Mayakalender zum Seelenkalender Rudolf Steiners

Editorial Europäer Februar 2012

Die halbe Welt ist im Mayakalender-Fieber. Marcus Schneider rückt das Reden, mancherorts das Gerede vom Mayakalender in eine aufklärende geisteswissenschaftliche Perspektive. Unter Anthroposophen hat nicht zuletzt das von ihm erwähnte Buch von Robert Powell Christus und der Mayakalender – 2012 und das Erscheinen des Antichrist für Aufsehen, Unruhe oder Verwirrung gesorgt. Powell gehört zu den langjährigen Vertretern der Ansicht, der Bodhisattwa des 20. Jahrhunderts sei im estländischen und später zum Katholizismus konvertierten Anthroposophen Valentin Tomberg erschienen, und er vertritt infolgedessen die in unseren Augen illusionäre Auffassung einer Kompatibilität zwischen römischem Katholizismus und wirklicher Geisteswissenschaft.* Die ungarische Anthroposophin und Universitätsdozentin für Astronomie, Márta Varga, zeigt, auf welch fragwürdigen astronomischen wie anthroposophischen Grundlagen Powells Mayakalender- und Antichrist-Theorien fußen. Vargas Artikel sollte eigentlich auf den von Schneider folgen, musste aber aus technischen Gründen im hinteren Teil der Zeitschrift abgedruckt werden.

Vor hundert Jahren erschien die Urausgabe von Rudolf Steiners Jahreskalender mit den Wochensprüchen des so genannten Seelenkalenders. Jeder Monat enthielt ein «intuitives» Tierkreisbild. Es war eine großangelegte Anregung, die kosmischen Einflüsse aus dem Tierkreis sowie die sich verwandelnden Qualitäten innerhalb des Jahreslaufes tiefer zu erleben. Steiner stellte außerdem einen Kalender zusammen, der die spezifisch christliche Entwicklung in den ersten zwei Jahrtausenden nach Golgatha spiegeln sollte. Darin figurieren christliche Märtyrer, Missionare oder Heilige, deren Namen heute nur Wenige überhaupt kennen. Das zeigt, dass von der wirklich christlichen Entwicklung und ihren Trägern bis heute nicht allzu viel ins öffentliche Bewusstsein gedrungen ist. In unserem Kalender haben wir die Zahl solcher Persönlichkeiten allerdings reduzieren müssen, um mehr Raum für die neuen Karma-Angaben zu lassen, die zur Hauptsache auf Steiners Vorträge und gelegentlich auf zuverlässige mündliche Angaben zurückgehen.

In Bezug auf den Umgang mit den Wochensprüchen des Seelenkalenders bringen wir einen uns von Günter Aschoff zugesandten Artikel, welcher auf deren tiefen Zusammenhang mit dem Doppelstrom der Zeit hinweist.

Um das ätherische Wirken Christi in das Erleben aufzunehmen, ist das Miterleben des reellen Jahreslaufes eine Vorbedingung. So Rudolf Steiner einmal zu Friedrich Rittelmeyer.
Nach Steiners Vortrag vom 13. Oktober 1923 (GA 229) entspricht dabei jedem Jahresfest auf der Nordhemisphäre ein solches auf der Südhemisphäre. Aber beide bedingen und durchdringen sich gegenseitig.

Der Artikel wirft auch Licht auf den markanten Unterschied zwischen den «Spiegelsprüchen» und den «Gegensprüchen». Wir werden diese essentielle Thematik in den folgenden Nummern fortsetzen.

Auch für den letzten Jahrgang des Europäers wurde ein Register erstellt. Diesen können Sie hier erwerben: Register/Index Europäer Jahrgang 1-15

Wer dennoch einen Printkopie wünscht, möge diese über info@perseus.ch oder die Redaktionsanschrift anfordern.

Thomas Meyer


* Vgl. dazu auch Th. Meyer,
Scheidung der Geister – Die Bodhisattwafrage als Prüfstein des Unterscheidungsvermögens, Basel, erw. Aufl. 2010

Materialistische Weltregierung und geistige Karmagesetze

Editorial Europäer Dezember/Januar 2011/12

Wer die Geschichte der Europäischen Einigung überblickt, wird die Rolle Winston Churchills nicht übersehen können. Dieser ausschließlich britisch-amerikanische Interessen vertretende Staatsmann rief im September 1946 in seiner Zürcher Rede bekanntlich zur Bildung der Vereinigten Staaten von Europa auf. Über die nach dem Zweiten Weltkrieg in Angriff genommene, zunächst wirtschaftliche und dann zunehmend politische Einigung kann Gutes gesagt werden: Sie hat Europa während bald 70 Jahren vor neuen Kriegen verschont. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass Churchill ein halbes Jahr nach seiner Zürcher Rede in London die europäische Einigung lediglich als unerlässliche Zwischenetappe zu einem weit wichtigeren Ziel darstellte: «Die Schaffung einer autoritativen, allmächtigen Weltregierung ist das Endziel, das wir anzustreben haben (…) Ohne ein Vereinigtes Europa keine sichere Aussicht auf eine Weltregierung.»* Diese Weltregierung sollte selbstverständlich anglo-amerikanisches, nicht europäisches Gepräge tragen.

An diese Intention darf zu einem Zeitpunkt erinnert werden, wo in Europa in zwei krisengeschüttelten Staaten Persönlichkeiten an die Macht gekommen sind, welche eine verkörperte Garantie für westliche machtwirtschaftliche Interessen darstellen: Der Grieche Lucas Papademos und der Italiener Mario Monti.

Laut Robert Wenzel, dem Herausgeber des Economic Political Journal, war Papademos Wirtschafter in der Federal Reserve Bank von Boston, früherer Vizepräsident der Europäischen Zentralbank und Mitglied der Trilateral Commission seit 1998. Monti ist u.a. Berater von Goldmann-Sachs, Bilderberger und Europa-Vorsitzen- der der Trilateral Commission.

Letztere Körperschaft wurde im Jahre 1973 durch David Rockefeller und Zbigniew Brzezinski ins Leben gerufen, deren Glaube an die Weltmachtsendung der USA so effizient wie wahnhaft ist.** Mit oder ohne Scheitern des Euro – Churchills Fernziel scheint in immer greifbarere Nähe zu rücken, und zwar mit Hilfe europäischer Staatsmänner, deren Zahl natürlich leider ohne Weiteres vermehrt werden könnte.

Patrick Wood, der zusammen mit Antony Sutton in den 70er Jahren die Politik der Trilateral Commission analysierte, stellt fest: «Dass trilaterale Banker wie Papademos und Monti nun als Premierminister ihre eigenen Nationalstaaten anführen, sollte als ein Schritt in Richtung Zwangsverwaltung angesehen werden – ein Schritt, der darauf abzielt, die Vermögenswerte der Banken des Netzwerks, die sie repräsentieren, zu schützen.»***

Das wirksame Gegengewicht zu dem besonders im anglo-amerikanischen Westen kultivierten (und dann global exportierten und nachgeahmten) Willen, die Weltangelegenheiten ausschließlich durch wirtschaftliche und militärische Tatsachen zu regeln, kann durch die Pflege und das Aufgreifen der Impulse der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners gebildet werden, der auf all diese einseitigen Tendenzen längst hingewiesen hatte.

Alles Handeln, auch das von derzeitig «erfolgreichen» Machtstrategen, hat karmische Wirkungen, welche sich spätestens in kommenden Erdenleben auswirken. Wir haben, auch im Hinblick auf die sich zuspitzende Weltkrise beschlossen, unserem Kalender Karma-Angaben Steiners hinzuzufügen. Sie mögen helfen, gerade mitten im Sumpf der materialistischen Denkpraxis, die uns überall umgibt, den Blick auf die letzten Endes viel höheren Gesetzmäßigkeiten karmisch-geistiger Art zu richten – und unbeirrt gerichtet zu halten. Mit guten Adventswünschen

Thomas Meyer

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* Zitiert und Quelle in Th. Meyer, Ludwig Polzer-Hoditz – Ein Europäer, 2. Aufl. 1996, S. 575.
** Brzezinski schrieb bereits 1970 in seinem Buch Between Two Ages: America’s Role in the Technetronic Era.: «Der Nationalstaat als fundamentale Einheit des organisierten menschlichen Lebens ist nicht mehr die wichtigste schöpferische Macht: Internationale Banken und multi-laterale Konzerne handeln und planen in einer Weise, welche den politischen Konzepten des Nationalstaats weit überlegen ist.»
*** http://www.augustforecast.com/2011/11/11/trilateral-commission-influence-in-the-eurozone/

Das einzige authentische Porträt von William Shakespeare

Editorial Europäer April/Mai 2011

Vor zwei Jahren wurde der Öffentlichkeit das erste und einzige authentische Porträt des größten Dramatikers der Welt vorgestellt. Es wurde um das Jahr 1610 von einem unbekannten Maler im Umkreis von Henry Wriothesley, dem wohl wichtigsten Gönner Shakespeares*, gemalt. Shakespeare (1564–1616) stand zu diesem Zeitpunkt also in der Mitte seiner 40er Jahre. Es dauerte 400 Jahre, bis dieses Porträt, das in einem Familienbesitz einen 400jährigen Dornröschenschlaf führte, identifiziert und mit modernsten Methoden untersucht wurde. Offenbar diente es als Vorlage für eine Anzahl nicht unähnlicher Porträts und auch für den Stich auf dem Titelblatt der Folioausgabe von Shakespeares Werken (1623).

Shakespeare war mit dem jungen Wriothesley eng befreundet. Er widmete ihm seine Werke Venus und Adonis und Die Schändung der Lucrezia, und es besteht guter Grund zur Annahme, dass manche der Sonette ihm gegolten haben.

Das Porträt ist zur Zeit in einer Sonderausstellung der Morgan Library in New York zu sehen. Die Monographie Shakespeare Found! – A Life Portrait at Last** beschreibt in vorbildlicher Art Herkunft und Geschichte dieses einzigartigen Bildes. «Shakespeare schrieb erhabene Dichtungen, die von Witz, Lebensfreude und Leidenschaft strotzen», so ein Kommentator des neuen Fundes. «Das Gesicht des Mannes auf diesem Porträt strahlt Tiefe, Freude und etwas Schelmisches aus.» Das kann von keinem der bisher bekannten Porträts in solcher Mischung behauptet werden.

Ein bemerkenswerter kleiner Zug an diesem Porträt ist die Stellung der Augachsen. Das rechte Auge blickt (nur auf dem Original erkennbar) leicht nach außen. Rudolf  Steiner soll im Zusammenhang mit alten Gemälden gesagt haben, dies deute oft darauf hin, dass es sich um eine eingeweihte Persönlichkeit handle.

Ludwig Polzer-Hoditz (1869–1945) träumte einmal von einer «Teilnahme an einer Kulthandlung in ägyptischer Art. Stand mit gekreuzten Armen als Lichtträger dabei. Inhalt im Sinne eines Shakespeare-Dramas. Wahrscheinlich eine Beziehung Shakespeares mit Ägypten andeutend.»*** Polzer wurde am selben Tag geboren, der auch Shakespeares Geburts- wie auch Todestag ist. Es ist der 23. April.

Ist es inmitten der apokalyptischen Ereignisse dieser Wochen und Tage (von Libyen bis Japan, auf das vor 66 Jahren die erste Atombombe abgeworfen wur- de) am Platz, auf einen solchen Fund hinzuweisen? Und wie! Gerade in Zeiten, in denen sich die Tages-Katastrophen geradezu überschlagen, ist eine Besin- nung auf die großen Impulsatoren und Begleiter der Menschheitsentwicklung, die offenbar mit einem langen Atem schaffen und noch nach Jahrhunderten neu und zurecht von sich reden machen können, dringender denn je.

Thomas Meyer

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* Siehe Richard Ramsbotham, Jakob I. (1566 –1625), Basel 2008, S. 117ff.
** Cobbe Foundation, 2. erweiterte Auflage 2011, ISBN 978-09538203-2-0
*** Archiv des Perseus Verlags.