Europäer-Aktuell, Europäer-Archiv, News

Europäer Dezember/Januar 2017/18 (Jg 22 / Nr. 2/3)

Editorial: Die Quelle der wahren Positivität

Erinnerungen an Sokrates
Tobias Gottfried Schröer

Ahasver und St. Germain – Eine weltgeschichtliche Polarität
Thomas Meyer

Hybernia und Artus
Edzard Clemm

Erlebnisse in Portland
Thomas Meyer

Die letzte Rune der Kalewala
Anton Schiefner

Meditatives zum Seelenkalender
Eleanor C. Merry

Globalismus-Planung und 9/11
Franz-Jürgen Römmeler

Medien-Rückblick

Brief aus Stourbridge
Die Cecils – Onkel und Neffe
Terry Boardman

Anastasia (Teil 1)
Bettina Volz

Christus im 20. Jahrhundert
Hans Börnsen

Erinnerung an Hans Börnsen
Dr. Heinrich Schwentek

Gral und Golgatha
Bernhard Steiner

Der Maler Peter Schäfer
Ruedi Bind / Peter Schäfer

Forum
«Bestechende Worte»
Arnold Sandhaus

Terror, Lüge und Wahrheit
Eine Tagung am 3. März 2018

Buchbesprechungen

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Die Quelle der wahren Positivität

Was hat das Leben für einen Wert? In einer Welt des Hungers, des Elends, fortwährender terroristischer Akte und Kriegshandlungen. Wie können wir angesichts der Zerstörungen, dem Hass, der Furcht und der Gier, die heute die Welt zu beherrschen scheinen, in einer positiven Grundhaltung verbleiben? Das scheint unmöglich. Die Frage stellt sich auch für jeden einzelnen Menschen: Scheinen Krankheit, permanenter Schmerz und Schicksalsschläge dem Leben nicht allen Wert zu rauben? Legen wir auf eine Waagschale alles Positive, das wir je erfahren haben, auf die andere alles Negative. Es ist klar, dass die Schale mit den negativen Erlebnissen bei den allermeisten Menschen schwerer wiegt. Eine durchaus negative Bilanz also. Ist ein Suizid oder ein «Exit» nicht die vernünftigste Lösung, um der ins Minus gehenden Wertspirale ein Ende zu setzen?

Werden wir also Pessimisten? Das war die philosophische Konsequenz von Schopenhauer und Eduard von Hartmann und allen, die wie sie bloß addieren und subtrahieren. Die Rechnung stimmt, doch das menschliche Ich rechnet anders. Es setzt ein anderes Verhältnis zwischen positiven und negativen Erlebnissen, als sie zu addieren und zu subtrahieren. Es nimmt mit ihnen eine Division vor. Setzen wir alle negativen und positiven Erlebnisse in einen Bruch: Über dem Strich (Zähler) stehen alle positiven, unter dem Strich (Nenner) alle negativen Erlebnisse. Dieser Bruch kann niemals Null werden! Denn dazu müsste entweder der Zähler Null sein oder der Nenner approximativ unendlich werden. Wer kann behaupten, dass er bis zum letzten Atemzug keinen einzigen Wert erlebte? Wer kann behaupten, dass die Zahl seiner Leiden unendlich groß sei? Das divisorische Verhältnis von negativen und positiven Erlebnissen behält also unter allen Umständen einen positiven Wert, wie gering er auch sein oder scheinen mag. Diese nüchterne Erkenntnis zu erleben, verleiht unserem Leben einen erlebten, positiven Grundwert.

Das Ich dividiert. Das war die Lösung des Wertproblemes, wie sie Rudolf Steiner bereits im dreizehnten Kapitel seiner Philosophie der Freiheit angab. Das Ich dividiert; doch es kann nur dividieren, weil es selbst unteilbar ist, weil es In-dividualität ist.

Der Auferstandene. von Vincenzo Foppa

Die Positivität, die Steiner auch als «Sinn für Bejahung» bezeichnet, ist unter den sechs als Nebenübungen bekannten Grundübungen Steiners die einzige, die er mit einer Christus-Legende illustriert: «Es gibt eine schöne, in der persischen Dichtung vorhandene Legende von Christus, die zur Anschauung bringt, was mit dieser Eigenschaft [der Positivität] gemeint ist: Ein toter Hund liegt an einem Wege. Unter den an ihm Vorübergehenden ist auch Christus. Alle anderen wenden sich ab von dem hässlichen Anblick, den das Tier bietet; nur Christus spricht bewundernd von den schönen Zähnen des Tieres. So kann man den Dingen gegenüber empfinden; in allem, auch dem Widrigsten, mag sich für den, welcher ernstlich sucht, etwas Anerkennenswertes finden. « Und das Fruchtbare an den Dingen ist ja nicht, was ihnen fehlt, sondern dasjenige, was sie haben.» Und was sie haben, ist eben für jede divisorische Ich-Betrachtungsart das unbedingt Positive an ihnen.

Christus ist das Welten-Ich, das große Vorbild für unser mikrokosmisches Ich, unsere Individualität. Er verharrte bei allem unaussprechlichen Leiden in unbedingter Positivität. Er ist der wahre, wesenhafte Quell aller wirklichen Positivität in unserem seelisch-spirituellen Streben.

Thomas Meyer, 9. November 2017, Washington D.C.

Europäer November 2017 (Jg 22 / Nr. 1)

Editorial: Der Degen Lafayettes und das Michaelschwert

Das sozialistische Experiment und der Westen
Alexander Scherbatow

Wirklichkeit der Dreigliederung
Walter Johannes Stein

Die epochale Entdeckung Rudolf Steiners im Jahre 1917
Harald Herrmann

Armada Ade!
Franz-Jürgen Römmeler

Betrachtungen zum Seelenkalender
Hans Börnsen

Meditatives zum Seelenkalender
E.C. Merry

Brief aus Boston
Wilson und Herder
Andreas Bracher

Brief aus Stourbridge
Die Cecils – Vater und Sohn
Terry Boardman

Leserbrief

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Der Degen Lafayettes und das Michaelschwert

Zu Beginn der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts spielte sich in den USA eine ungewöhnliche Begebenheit ab. Monica von Miltitz (1885-1972) überreichte dem Rektor des Lafayette-Colleges ein Schwert des Namenträgers dieser Universität in Pennsylvania.

Der General Marquis von Lafayette (1757-1834) war bekanntlich eine der nobelsten Gestalten während der Französischen Revolution. Er wirkte auf beiden Seiten des Atlantiks, und zwar zuerst in Amerika, wo er sich am Unabhängigkeitskampf beteiligte. Nach Frankreich zurückgekehrt, warb er für eine stärkere Beteiligung Frankreichs an diesem Kampfe. Er wurde zum Inbegriff und Sinnbild der französisch-amerikanischen Freundschaft.

1789 zog er als Vertreter des Adels in die Generalstände ein und wurde zum Oberbefehlshaber der Pariser Nationalgarde ernannt. Der Entwurf zur französischen Menschenrechtserklärung (nach amerikanischem Muster) stammte von ihm. Doch das Umkippen der Revolutionsimpulse in die Barbarei billigte er nicht. Er verließ seine Truppe, die sich dem Königsverrat anschloss, an der Front gegen Deutschland. Beim Grenzübergang wurde er im Sommer 1792 dazu aufgefordert, dem Gesandten des deutschen Reiches seinen Degen zu überreichen. Dieser Gesandte war ein Vorfahre von Monica von Miltitz, in deren Familie das Schwert Lafayettes 140 Jahre lang pietätvoll gehütet wurde. Pünktlich zum 100. Jahrestag der Gründung des Lafayette-Colleges in Pennsylvania überreichte sie nun den Degen während einer feierlichen Zeremonie.

Dabei sagte sie «in der kürzesten Rede meines Lebens»: «Ich, eine Deutsche, übergebe diesem amerikanischen Collegen das Schwert eines verdienstvollen Franzosen, mit der innigsten Hoffnung, dass diese drei großen Völker zu gegenseitigem Wohlwollen und Verstehen finden werden.»*

Lafayette erglühte für die Ideale der Französischen Revolution Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Doch erst die Dreigliederung des sozialen Organismus, welche eine Michael-Inspiration ist, kann diese sonst zum Phrasendasein verurteilten Ideale entsprechend verwirklichen.

In der Zeit der Inkarnation Ahrimans im Westen, über die im Europäer mehr als einmal berichtet wurde, müssen diese michaelischen Impulse, die bereits der Französischen Revolution zugrunde lagen, in der sie sich allerdings erst chaotisch ausleben konnten, neu erfasst und gepflegt werden. In den USA müsste laut Steiner heute zuallererst auf eine Trennung von Wirtschaft und Staat hingearbeitet werden. Das verträgt sich nicht mit einem staatlich eingeführten Grundeinkommen, von dem gegenwärtig auch zahlreiche «Anthroposophen» träumen.**

Die Übergabe von Lafayettes Degen durch Monica von Miltitz war ein real-symbolischer Akt aus übernational-michaelischer Gesinnung, wie sie gerade Amerika braucht.

Um diese neu zu erwecken, brauchen wir das Schwert Michaels, geschmiedet aus Eisen und aus dem Gold spiritualisierter Gedanken.

Wer dieses Schwert einer deutschen, französischen, amerikanischen oder russischen Menschengruppe «überreichen» möchte, sollte sich genau vergewissern, ob er ein wirkliches Michaelschwert in Händen hält – und nicht nur ein gold-lackiertes Holzschwert …

Das wahre Michaelschwert hat einen viel weiteren Aktionsradius als irgendein Degen oder physisches Schwert. Es kann jedem Gutwilligen überreicht werden. Ob er es ergreifen will, muss in seine Freiheit gestellt bleiben.

Thomas Meyer

 

* The Lafayette Alumnus, Febr. 1932. Ich verdanke die Kenntnis dieses Berichtes Marcel Frei. – M. von Miltitz beschrieb die Episode in «Erinnerungen an das Lafayette-College», in Einige Erinnerungsbilder, Manuskriptdruck o.J., S. 8.

** www.sozialezukunft.de/fileadmin/Soziale-Zukunft/Dateien/170922_Aufruf_SZJ.pdf

Europäer Oktober 2017 (Jg 21 / Nr. 12)

Editorial: Unser krankes Finanzsystem und seine Heilung

Der stümperhafte Gott – Ahasver in der Weltgeschichte
Thomas Meyer

Meditatives zum Seelenkalender
E.C. Merry

Sterbeprozess und Schicksal
Dr. Zoltàn Schermann

Macron und islamistischer Terrorismus
Dr. Anatoly Livry

Brief aus Hamburg
Wahrer und falscher Sozialismus
Andreas Bracher

Geistige Hintergründe der Sozialen Dreigliederung (Teil 2)
Franz-Jürgen Römmeler

Brief aus Stourbridge
Philipp der Schöne und Heinrich VIII.
Terry Boardman

Medien-Rückblick

Überwindung des Drachen
Imanuel Klotz

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Unser krankes Finanzsystem und seine Heilung

Editorial-Interview mit Catherine Austin Fitts

Nach einer erneuten Begegnung mit Catherine Austin Fitts diesen Sommer in Basel machte der Chefredaktor ein kurzes Interview mit ihr*. Es wird das übliche Editorial ersetzen, doch für unsere Leser zweifellos nicht von geringerem Interesse sein. Gewiss sind die von Fitts vorgeschlagenen Wege nicht die einzigen oder endgültigen, auch nicht im Sinne einer künftigen assoziativen Wirtschaft. Doch sie können einen Übergang zu dieser schaffen helfen.

THM: Sie verfassten das Buch Dillon, Read & Co. Inc and the Aristocracy of Stock Profits**. Was veranlasste Sie dazu, dieses Buch zu schreiben?

CAF: Ich beschloss, dieses Buch zu schreiben, mitten in einem Gemüsegarten von Montana, im Sommer 2005. Ich kam nach Montana, um ein Modell für Beteiligungs-Kapital zu entwickeln, um eine gesündere und frischere Lebensmittel-Versorgung zu gewährleisten. Wenn wir sauberes Wasser, frische Nahrungsmittel, nachhaltige Infrastruktur und eine gesunde Gemeinde wollen, dann müssen wir diese Ressourcen selber in die Hand nehmen und finanzieren. Wir können nicht in die Aktien und Obligationen von großen Unternehmen, Banken und Regierungen  investieren, die unsere Nahrung, unser Wasser und unsere Umwelt mit allen Lebewesen schädigen, und dann erwarten, dass die Ressourcen uns zur Verfügung stehen, wenn wir sie brauchen.

Ich machte jedoch die Entdeckung, dass Viele der Menschen, die solche Bestrebungen unterstützen, damit fortfahren, die wachsende Korruption zu unterstützen und zu finanzieren.

Ich wollte mit meinem Buch ein «Fallbeispiel» liefern, das solchen Menschen helfen könnte, das Wesen und das Ausmaß der Korruption besser zu verstehen, in der Hoffnung, dass eine solche Erkenntnis dazu führen würde, ihre Zeit, Aufmerksamkeit und Ressourcen in wirkliche Lösungen zu investieren.

THM: Im einführenden Video zu Ihrem Buch sprechen Sie über die Diskrepanz zwischen dem, was Sie den «Popsicle Index» nennen und dem Dow Jones Index. Können Sie unsere Leser darüber kurz aufklären?

CAF: Ich entwickelte den Begriff des «Popsicle Index», während ich in der ersten Bush-Administration als Ministerin für Wohnbau und Stadtwesen arbeitete. Ich wurde von Lobbyisten belagert, deren Geschäftsinteressen von mir verlangten, Entscheidungen zu treffen, die ihre Aktien steigen ließen. Ich bemerkte, dass viele Dinge, die ihre Aktien hochtrieben, eine Verschlechterung des Familien-Einkommens und -wohlstands mit sich bringen und damit auch eine Verschlechterung der öffentlichen Gesundheit und Wohlfahrt.

Ich suchte nach einem «Index», welcher die Wohlfahrt der Gemeinde angibt.

Der «Popsicle Index» gibt den Prozentsatz von Menschen an einem bestimmten Ort an, welche glauben, dass ein Kind sein Heim verlassen, zum nächstmöglichen Laden gehen, ein Popsicle  (Eis am Stiel) kaufen und wieder allein und sicher nach Hause gehen kann. Ich habe bemerkt, dass ein direkter Zusammenhang zwischen dem “Popsicle Index” und der sozialen, umweltbedingten und ökonomischen Gesundheit eines Ortes besteht. Ein hoher Grad an Vertrauen findet sich an Orten, die mit Erfolg für Menschen und lebende Wesen arbeiten.

Ich verwendete den «Popsicle Index», um das Verhältnis zwischen Lebenswerten und Finanzwerten auszudrücken. Ich denke, dass, wenn wir Orte mit Lebensqualität finanzieren, die umgekehrte Relation zur bestehenden zwischen  dem Dow Jones Index (Finanzwert) und dem «Popsicle Index» (Lebenswert) entstehen könnte. Denn der «Popsicle Index» ist gesunken, während der Dow Jones Index immer höher gestiegen ist.

THM: Was sind die Hauptzüge des gegenwärtigen Finanzsystems, das von den Globalisten beherrscht wird?

CAF: Die Globalisierer zentralisieren die Macht und werden dies weiterhin tun, bis Menschenrechte, Eigentumsrechte und die individuelle Souveränität restlos eliminiert sind – falls sie nicht daran gehindert werden, dies zu tun.

THM: Ein Witzbold entwarf eine Dollarnote, auf der wir anstelle von «In God We Trust» lesen «In Fraud [Betrug] We Trust». Ist dies das herrschende Prinzip in der gegenwärtigen Finanzwelt?

CAF: Vielleicht sollte es heißen: «In Violence We Trust». Der Dollar als Reserve-Währung bedarf zu seiner Stützung immer mehr der Gewalt.

THM: Was halten Sie von der gegenwärtigen Trump-Administration und ihrer Politik?

CAF: Trumps Wahl bedeutete einen Produktivitäts-Rückgang. Die Demokraten repräsentierten die Investment-Interessen der Ost- und Westküste – Hollywood, Silicon Valley, Wall Street und Washington. Dies sind alles Gruppen, die mit intellektuellem Kapital zu tun haben. Der Mittlere Westen umfasst die Menschen, die die Nahrung produzieren, nach Öl graben und im Transportwesen und als Hersteller tätig sind. Sie haben es mit der konkreten Welt zu tun. Das Kernland war vom kulturellen Faschismus, der sich steigernden Überwachung, den Regulierungen und dem Finanzbetrug der Küstengruppen angewidert. Die außerordentliche Korruption der Clintons und der Clinton Foundation wurde das Aushängeschild für ihren Abscheu. So konnte ein Mann ohne Regierungserfahrung sich beim Volk beliebt machen, indem er öffentlich zur Sprache brachte, was die Amerikaner tatsächlich schädigt –  Impfungen, Kernpflichtfächer, fehlende Verantwortung für 9/11 und «fake-news»-Medien.

THM: Was halten Sie von den neuen Sanktionen gegen Russland? Zu was werden sie führen?

CAF: Die Neocons und ihre Verbündeten wollen den globalen Krieg. Hoffentlich sind genügend besonnene Herzen da, dies zu verhüten.

THM: Welche Rolle könnte Europa in naher Zukunft spielen? Sollten die EU-Länder nicht einfach die NATO verlassen, welche zu einer Kriegs-Vorbereitungsmaschine geworden ist, die Russland und den Rest der Welt bedroht?

CAF: Jeder Verbündete, der sich mit den USA in einer Art verbündet, die es den USA gestattet, Krieg zu erklären und sie mit hineinzuziehen, wird das noch bedauern. Ich empfehle Malcolm Frasers kurz vor seinem Tod gegebenes Interview über sein Buch Dangerous Allies.

Die Vereinigten Saaten sind ein wunderbares Land. Wir haben jedoch eine relativ kleine Gruppe von Leuten – die Neocons – mit einer kleinen Anzahl von gewalttätigen Verbündeten, einschließlich Israel, welche für ihre Ziele sowohl die Vereinigten Staaten als auch Europa zerstören würden. Es wäre gesundend, zu trennen und zu entflechten. Die Frage dabei ist: Können wir den Parasiten eliminieren, ohne den Wirt zu töten? Auf die eine oder andere Art sollten wir das verwirklichen, sonst wird der Parasit den Wirt töten.

THM: Sie haben soeben das Buch des früheren Finanzministers Varoufakis gelesen***. Warum sollten wir es lesen?

CAF: Es ist ein hervorragender Bericht über die Finanz-Strategie der EU, als Varoufakis in Griechenland als Finanzminister diente.

Sein Bericht zeigt, dass es das Ziel der EU war, Griechenland in die Armut zu führen. Es war eine Elite-Strategie, ein finanzieller Staatsstreich – Invasion und Unterjochung durch Finanzmittel. Die Führung der EU verschrieb sich einem Gewinn-Verlust-Resultat. Sie wollte nicht, dass Griechenland sich erholte, noch weniger, dass es die Schulden zurückzahlte, Schuld ist eine Waffe, nicht ein Finanzwert. Das Ziel ist Kontrolle und soziale Manipulation – einschließlich einer niedrigeren Lebenserwartung und Entvölkerung. Es ist schwer, die Wahrheit zu ermitteln. Varoufakis liefert aufschlussreiche Einzelheiten und eine umfassende Wirtschaftsanalyse, welche das Lügengewebe der «Fake-news»-Medien zerstört – für die, die die Wahrheit ertragen können.

 

* Eine ausführliche Fassung desselben ist unter www.solari.com zu finden
** https://dillonreadandco.com/why-i-wrote-this-story/
*** 
Adults in the Room – My Battle with Europe’s Deep Establishment.

Europäer September 2017 (Jg 21 / Nr. 11)

Editorial: Wie weitblickend sollten wir werden?

Parsifal und die Überwindung des Bösen
Thomas Meyer

Meditatives zum Seelenkalender
E.C. Merry

100 Jahre Dreigliederung
Eine Matinee in Berlin
Gerald Brei

Wer ist Ken Jebsen?
Jutta Schwarz

«Gender» und Waldorfpädagogik
Senin Constantin

«Rote Linien» – «Rattenlinien»
Franz-Jürgen Römmeler

Brief aus Stourbridge
Die «Leichenfabrik»-Lüge von 1917
Terry Boardman

Nachruf auf Brzeziński
José García Morales

Freiheit und Besitz
Karl Bäschlin

Reisebericht aus Nepal
Gabriela Maria Gerber

Bagatelle
La Gioconda von Astano
Thomas Meyer

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Wie weitblickend sollten wir werden?

Oliver Stones Interview-Serie mit Wladimir Putin

Oliver Stone (geb. 1946), der bekannte amerikanische Filmemacher, der kürzlich einen Film über Edgar Snowden gedreht hatte, machte während mehr als zwei Jahren eine Reihe von Interviews mit Wladimir Putin. Diese Gespräche sind in verschiedener Hinsicht bemerkenswert. Sie können kostenlos heruntergeladen werden.*

Berührt werden die NATO und ihre Osterweiterung, die russischen und die US-Militärausgaben, die Gefahr eines atomaren Krieges usw. usw. Eine der wiederkehrenden Äußerungen Putins ist, dass wir versuchen sollten, immer auch mindestens vierzig bis fünfzig Jahre in die Zukunft zu schauen. Und der russische Präsident, der sich mit seinem intelligenten Gesprächspartner offensichtlich wohlfühlt, sagt diesem zum Schluss: «Sie werden dafür [für diese Interviews] zu büßen haben.»

Oliver Stone und das Attentat auf John F. Kennedy

Stone ist, im guten Sinne, kein unbeschriebenes Blatt. Er machte unter anderem den Streifen Platoon und 1991 den Film JFK, der die Alleintäter-These beim Kennedy-Attentat in Frage stellt. Er stützte sich dabei auf die Recherchen des mutigen Anwalts aus New Orleans, Jim Garrison, der im Film selbst einen Auftritt hat. Dieser Film brachte neue Recherchen zu diesem Staatsstreich ins Rollen. Deren letzte wurden in Form des Buches JFK and the Unspeakable von James W. Douglass** vorgelegt. Putin und seinem Team wird diese Vorgeschichte von Stone natürlich bekannt gewesen sein.

Ein neuer 9/11 Whistle Blower

Zum 11. September, dem amerikanischen Initialstaatsstreich des dritten Jahrtausends, ist unlängst ein neuer Zeuge hervorgetreten. Es ist der ehemalige CIA-Mitarbeiter Malcolm Howard. Der 79jährige erzählt, wie er bei der Vorbereitung der «Sprengung» des Gebäudes 7 involviert gewesen sei. Er berichtet, dass diese Sprengung so perfekt war, dass man befürchtete, sie sei zu offensichtlich, was natürlich nicht die Absicht war und bis heute von vielen Menschen auch weiterhin geleugnet wird – allem offenbarem Augenschein entgegen.***

Howard schließt mit seinem Bekenntnis an Michael Ketcham an, welcher als ehemaliger Mitarbeiter der NIST  in diesem Jahr ebenfalls die Tatsache der Sprengung von WTC7 zugegeben und betont hatte (siehe das Editorial im Mai dieses Jahres).

Geopolitische Bestrebungnen für Hunderte von Jahren

Es ist gut, fünfzig Jahre vorauszublicken. Ein tieferes Verständnis der Gegenwartsereignisse nötigt uns jedoch, noch weiter zu blicken. Rudolf Steiner sprach von einer «okkulten Gruppe» innerhalb des anglo-amerikanischen Establishments, welche den jungen slawischen Kulturkeim im russischen Territorium zu beherrschen trachte.****

Diese Gruppe weiß, dass in etwa 1500 Jahren die slawische Kulturepoche beginnen wird. Mit «okkult» ist gemeint, dass die Gruppe über geistig-okkulte Einsichten über die Entwicklung von Rassen und Völkern verfügt; allerdings verwendet sie dies zu gruppen-egoistischen Zwecken, indem sie nur die Entwicklung und die Macht des anglo-amerikanischen Elementes fördern will. Dieses Wissen stand hinter dem «sozialistischen Experiment» von 1917.  Es stand und steht hinter den Geschehnissen in der Ukraine. Dieses Wissen ernst zu nehmen, heißt mit der Realität des Geistigen zu rechnen.

Es gibt in der Tat keinen wahren Weitblick, der nicht auch die Wirklichkeit des Geistes mitumfasst.

Thomas Meyer

 

http://123hulu.com/watch/zGWJAPxP-the-putin-interviews-season-1.html
** Siehe die Rezension von Andreas Bracher in Der Europäer ???
*** http://yournewswire.com/cia-911-wtc7/
**** Erstveröffentlichung in Der Europäer, Nr. 5, März 1999. «Kampf um den russischen Kulturkeim», www.perseus.ch/PDF-Dateien/Steiner-RussKultkeim.pdf

 

 

 

Europäer Juli/August 2017 (Jg 21 / Nr. 09/10)

Editorial: Die süße Freimaurerei – eine «Würdigung» in der Weltwoche

Die Geburtsstunde der Dreigliederung 1917
Thomas Meyer

Brief aus Boston
Nach 100 Jahren
Andreas Bracher

Forum
Rudolf Steiner zur Gehaltsfrage
Hans Kühn
Ergänzungen
Andreas Flörsheimer

Der Konzilbeschluss von 869 und seine Folgen
Johannes Geyer

Magna Charta Mitteleuropas
Franz-Jürgen Römmeler

Meditatives zum Seelenkalender
Eleanor C. Merry

Henry David Thoreau
Bernhard Kuhn

Rehabilitation von Milošević
Dr. Gerald Brei

Medien-Rückblick

Das amerikanische System
Cyril Moog

Sterbehilfe
Dr. Christin Schaub

Buchbesprechungen

Forum
Zu Rudolf Steiners «Lebensgang»
Arnold Sandhaus

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Die süße Freimaurerei – eine «Würdigung» in der Weltwoche

Die moderne Freimaurerei feierte am 24. Juni ihren dreihundertsten Geburtstag – und mit ihr die Schweizer Wochenschrift Die Weltwoche.*

Anlass: der Gründungstag im Jahre 1717 der ersten Großloge in London (siehe Juni-Editorial). Das Titelblatt mit dem Hefttitel «Die Freimaurer», umrahmt von prominenten Köpfen, zeigt Zirkel und Winkel und verspricht «eine längst verdiente Würdigung».

Der Artikel «Humanität, Toleranz, Freiheit» des Chefredakteurs Köppel trieft vor Wohlwollen, Lob und Schlagworten. Zu den zum Teil durchaus bedeutenden Freimaurern zählen bekanntlich Menschen wie Mozart, Haydn, Goethe oder Schiller; aber auch Staatsmänner wie Winston Churchill. Alle aufgezählten Persönlichkeiten werden wahllos mit dem Schimmer des Wahren und Guten überzogen. Ja, wir erfahren sogar, dass wir der Freimaurerei exquisite Schokolade verdanken, denn Suchard und Tobler waren Freimaurer. O süße Naivität!

Die Weltwoche bringt ein Innenbild der Loge «Zum Neuen Venedig». Diese liegt unmittelbar gegenüber dem Jesuiten-Wohnheim «Borromäum» am Basler Byfangweg. Der Jesuit Abbé Joye richtete hier vor über 100 Jahren eine Jugendseelsorge ein, die zielbewusst das neue Medium Film einsetzte. Wer glaubt, Logentum und jesuitische Bestrebungen seien absolute Gegensätze, irrt.

Steiner und Heise diffamiert

Schon Rudolf Steiner machte darauf aufmerksam, dass die Freimaurerei eine ursprünglich gute und notwendige Sache sei, dass sie aber «eben eine schlechte wird, wenn sie zur Machtgrundlage einzelner Menschengruppen gemacht wird». Dies stellte er im Vorwort fest, das er zu einem Werk beisteuerte, welches eben diese «Verschlechterung» der Freimaurerei zur Zeit des Ersten Weltkriegs zum Gegenstand hat. Es handelt sich um Die Entente-Freimaurerei und der Weltkrieg des Publizisten Karl Heise (1872–1939)**.

Mittlerweile war die von England aus begründete Kontinental-Freimauerei mehr und mehr in das Schlepptau politischer und nationaler Interessen geraten. Am deutlichsten geschah dies mit dem «Grand Orient de France», der seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts auch Atheisten aufnahm.

Heise verstarb vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs; er hat den Nationalsozialismus in seinem Werden nicht immer klar beurteilt. Dass seine Analysen im Völkischen Beobachter positiv rezensiert und von führenden Nationalsozialisten wie Himmler geschätzt wurden, ist nicht ihm anzulasten, noch weniger Steiner.

Die Weltwoche aber scheut sich nicht (im Beitrag von Ch. Mörgeli) Heise generell zu verleumden und Steiner gleich dazu – zwei Fliegen auf einen Schlag, der natürlich nicht ohne das Schlagwort «verschwörungstheoretisch» auskommt: «Für Furore sorgte 1919 das esoterische verschwörungstheoretische Werk Die Entente-Freimaurerei und der Weltkrieg des nachmaligen National-Sozialisten Karl Heise. Der Anthroposoph Rudolf Steiner hatte dazu ein Vorwort geliefert und sich an der Finanzierung beteiligt.» So einfach lässt sich Heises Werk diffamieren und zugleich Anthroposophie in die Nähe des Nationalsozialismus rücken!

Niemand hat wie Steiner den hohen Ursprung der Maurerei erkannt und dargestellt, niemand wie er das Abkommen von diesem Ursprung kompromisslos diagnostiziert.***

Die oberflächliche Lobhudelei der Weltwoche-Darstellung gibt Steiners Diagnose auch heute noch recht. Darüber kann die süße, phrasenhafte Tünche nur Naivlinge hinwegtäuschen – und die können sogar als Freimaurer oder Freimaurer in spe in Chefredaktionsstuben sitzen und ihr Getünch für «Humanität, Toleranz und Freiheit» halten. Doch man kann dem Chefredakteur und seinem Team auch dankbar sein: man weiß nun aus berufenem Munde, welche Eide in der heutigen Eidgenossenschaft Hochkonjunktur haben. Eide auf Wahrhaftigkeit sind das sicher nicht.

Die längst verdiente Würdigung des Freimaurer-Kenners Steiner steht nach wie vor aus.

Thomas Meyer

Im Berner Historischen Museum ist bis zum 3. September eine Ausstellung zu sehen, bei der auch ein Freimaurer-Ritual gezeigt wird.

 

* Die Weltwoche, Nr. 23, 7. Juni 2017.
** 
Das Werk erschien 1919 in Basel. Steiner zahlte 3000 Franken an die Druckkosten. Das Buch trug den sachgemäßen Untertitel «Ein Beitrag zur Historie des Weltkrieges und zum Verständnis der wahren Freimaurerei». Heise hörte Steiners Zeitgeschichtliche Betrachtungen, die ihn zu seinem Buch inspirierten. Es gab mehrere Nachdrucke, das Werk ist heute online zu finden.

*** Siehe GA 265 und Der neue Kain. Die Tempellegende und ihre Vollendung durch Rudolf Steiner, hg. von Thomas Meyer, Perseus, 2013.

1917-2017: Freimaurerei, Globalisierung und Dreigliederung

Rudolf Steiner unterschied klar zwischen einer Freimaurerei mit hohen, allgemein-menschlichen Zielsetzungen und solcher mit politischen Partikularinteressen.  Zur Ersten werfe man einen Blick in die von Steiner erneuerten Rituale der drei ersten Grade*. Zur zweiten Form sagte er: «Eine Sache, die der ganzen Menschheit ohne Rassen- und Interessen-Unterschiede dienen sollte, wird aus einer guten eben eine schlechte, wenn sie zur Machtgrundlage einzelner Menschengruppen gemacht wird.» Diese Worte stehen im Vorwort, das Steiner zur Publikation Die Entente-Freimaurerei und Weltkrieg von Karl Heyse im Oktober 1918 beigesteuert hat.

Seit dem Ersten Weltkrieg ist fast nur noch diese Form von Maurerei verbreitet – und wirksam. Ihr Ursprung war England, wo zu Johanni 1717 die erste Londoner Großloge begründet wurde, die selbst durchaus der ersten Form angehörte. Allerdings gerieten deren Filialgründungen durch ganz Europa zunehmend in das politisch-partikulare Fahrwasser.** Insbesondere gilt das vom Pariser, von London aus begründeten «Grand Orient de France», dessen Kriegspolitik Steiner dazu bewog, das Zertifikat, das ihn ermächtigte, eigenständig Rituale durchzuführen, zu zerreißen.***

Im Jahre 1917 versammelten sich in der Albert Hall 8000 Maurer zur 200-Jahrfeier der Logengründung; in derselben Albert Hall, in der der Hochgradmaurer Churchill 1947 das wahre Ziel der von ihm betriebenen Europa-Einigung umriss: die Errichtung einer anglo-amerikanischen Weltregierung. In diesem Jahr wurde das 300-jährige Jubiläum bereits im April begangen.
Wichtigeres Jubiläum: Im Juni werden es exakt hundert Jahre sein, seitdem Steiner erstmals von der Dreigliederung gesprochen hat (Näheres in der Sommernummer).

Aktualität des Grand Orient
Der wie aus dem Nichts aufgestiegene französische Präsident Macron hielt vor einem Jahr im Grand Orient eine Art Antrittsrede, mit dem Titel «La Mondialisation peut-elle être synonyme de progrès»?**** Eine rhetorische Frage, die in Wirklichkeit die Globalisierung bewirbt. Macrons nivellierende EU-Propaganda dient den Globalisierungsinteressen der Bankwelt und hat mit den wahren Bedürfnissen der Europäer nichts zu tun.

100 Jahre nach der Geburt der Dreigliederungs-Idee soll durch Präsident Macron im Namen Europas und der als EU-Leitklang missbrauchten, von Beethoven vertonten Hymne an die Freude die Globalisierung durchgesetzt werden – die reine Karikatur der Dreigliederung, die weder Brüderlichkeit in der Wirtschaft, Gleichheit im Recht und schon gar nicht Freiheit im Geistesleben anstrebt. Es ist kein Zufall, dass Macron Russia Today, den einzigen Sender, der sich dem westlichen Medien-Monopol mit Erfolg zu widersetzen weiß, den Kampf angesagt hat.

Die wirklichen Europäer müssen sich endlich dazu entschließen, eine Politik großer Gesichtspunkte zu praktizieren, wie Steiner sie in den Memoranden vom Juli 1917 entwickelt hatte. Sonst erliegen sie endgültig den Machenschaften politisch-maurerischer Kreise, die zwar durchaus mit großen Gesichtspunkten rechnen, diese aber fortwährend «zur Machtgrundlage einzelner Menschengruppen» machen möchten.

Thomas Meyer

* Siehe Der neue Kain, Die Tempellegende und ihre Vollendung durch Rudolf Steiner, Basel 2013. ** GA 265, S. 110. *** GA 174, Vortrag vom 20. Januar 1917. **** Den Hinweis auf diesen Vortrag verdankt der Verfasser Terry Boardman.

Europäer Juni 2017 (Jg 21 / Nr. 08)

Editorial: 1917-2017: Freimaurerei, Globalisierung und Dreigliederung

Natürliche und vom Menschen geschaffene Elementarwesen
Thomas Meyer

Meditatives zum Seelenkalender
Eleanor C. Merry

Die Kategorien des Aristoteles
Pfingstvortrag von Hans Börnsen

Brief aus Stourbridge
Eine Geburtstagsfeier in Rom
Terry Boardman

Medien-Rückblick

Bagatelle

Wer war Marie Steiner?
Wilfried Hammacher

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Interview mit Kucinich «Sie versuchen alles, um ihn zu stürzen»

Dennis Kucinich über Mike Flynn’s Rücktritt und das Verhältnis der Geheimdienste zu Donald Trump

Ausschnitte aus einem TV-Interview mit dem früheren Repräsentantenhausabgeordneten Dennis Kucinich, am Valentinstag, 14. Februar 2017, einige Stunden nach Michael Flynns Rücktritt als Trumps Nationaler Sicherheitsberater. Kucinich war von 1996 bis 2013 als Demokrat Mitglied des Repräsentantenhauses. 2004 und 2008 bewarb er sich um die Nominierung als demokratischer Präsidentschaftskandidat.

TV-Moderator: Abgeordneter, gut Sie zu sehen! Danke, dass Sie gekommen sind! Das Justizministerium hat angeblich die Trump-Regierung gewarnt, dass Flynn wegen seiner Verbindung zum russischen Botschafter erpressbar sein könnte. Sind Sie überrascht von dem Rücktritt, wie sehen Sie das?

Kucinich: Nun, General Flynn hat zugegeben, dass er den Vizepräsidenten irregeführt hat, aber ich denke, wir müssen das Ganze etwas tiefer ausleuchten. Ein Telefongespräch des angehenden Nationalen Sicherheitsberaters wurde abgehört und der Inhalt an die Medien weitergegeben und offensichtlich durch Geheimdienstleute mitgeteilt. Worum es dabei im Kern geht, ist eine Bemühung so und so vieler aus dem Geheimdienstmilieu, jede positive Beziehung zwischen den USA und Russland zu beenden und ich sage Ihnen, (…) da versuchen Leute, die USA und Russland auseinander zu dividieren, damit diese militärisch-industriell-geheimdienstliche Achse einkassieren kann.

TV-Moderator: Ihrer Meinung nach geht es also hier darum, dass das nach außen gebracht wurde und dass jemand aus der Umgebung des Weißen Hauses das an die Presse gegeben hat? Oder was wollen Sie sagen?

Kucinich: Sehen Sie, das ist schon ein Thema und der General hat in seinem Rücktrittsbrief zugegeben, dass er den Vizepräsidenten irregeführt hat. Aber die Menschen in Amerika müssen wissen, dass hier ein Spiel im Geheimdienstmilieu gespielt wird, wo es die gibt, welche die USA so von Russland hinweg dividieren wollen, dass dadurch der Kalte Krieg neu entzündet werden könnte. Das steckt hinter all dem. Es ist früh am Morgen und heute ist Valentinstag, aber: Wach auf, Amerika!

TV-Moderator: Abgeordneter, denken Sie, dass das die Aussicht auf ein besseres Verhältnis mit Russland grundsätzlich ändert oder denken Sie, dass die Dinge so weitergehen können, wie der Präsident erklärt hat, dass sie gehen sollen?

Kucinich: Schauen Sie! Was sich im Geheimdienstmilieu mit diesem neuen Präsidenten abspielt, ist ohne Beispiel. Sie versuchen alles, um ihn zu stürzen. Wer weiß schon, wo hier die Wahrheit liegt? Das ist wie eine elektronische Version von MAD, Spion gegen Spion. Die Hauptlinie ist: wir sollten keinen neuen Kalten Krieg mit Russland beginnen. Das amerikanische Volk hat für den letzten Milliarden von Dollar geblecht und das hat die Lebensqualität hier im Land grundlegend verändert. Es geht hier etwas vor im Geheimdienstmilieu.

TV-Moderator: Was sollte Donald Trump also tun?

Kucinich: Zunächst muss er seinen eigenen Geheimdienstapparat in den Griff kriegen. Das ist kein Witz, das ist eine ernste Angelegenheit. Wenn er nicht herausfindet, woher die Informationen kommen, wird er niemals die Wahrheit wissen, das amerikanische Volk wird niemals die Wahrheit wissen und wir könnten in Kriege mit fast jedem Land hineingetrieben werden. Seid sehr vorsichtig, ist meine Warnung von heute morgen!

TV-Moderator: Im Zeitalter von Wikileaks, wo jeder unbegrenzten Informationszugang hat, was kann denn Trump jetzt tun? Ich meine, es scheint doch so, als ob diese Regierung in einer schwierigen Situation in Bezug auf nationale Sicherheit ist?

Kucinich: Warten Sie, es geht nicht nur um diese Regierung. Ich möchte die Zuschauer (…) daran erinnern, dass in ihren letzten Monaten Obamas Regierung ein Abkommen mit Russland ausgehandelt hatte, das Frieden in Syrien schaffen sollte. Eine Woche später tötete ein amerikanischer Militärschlag einhundert syrische Soldaten und das beendete dieses Abkommen. Was geschah, war, dass innerhalb der Geheimdienste und des Pentagon es eine eindeutige Absicht gab, ein Abkommen zu sabotieren, das das Weiße Haus abgeschlossen hatte. Das ist wie ein «tiefer Staat». Das klingt wie aus einem Spionageroman, aber es ist real und die Leute müssen verstehen, dass hier ein Spiel mit der Sicherheit unseres Landes gespielt wird. (…)

Lügen-Phantome und das Salz der Wahrheit

Unter «Phantomen» versteht man in der Geisteswissenschaft eine Art von «Naturwesen», welche durch den Menschen geschaffen werden. Und zwar menschliches Lügen, durch Heuchelei und Ähnliches. Auch sogenannte konventionelle oder Höflichkeits-Lügen zählen dazu.1

Solche Wesen durchschwirren den Seelenraum und wirken entwicklungshemmend; insbesondere den Wahrheitssinn betörend und umnebelnd, neues Lügen erzeugend.

Man wird das 20. Jahrhundert vielleicht einmal als das Phantom-Jahrhundert bezeichnen, denn sein Weg ist mit Kolossal-Lügen gepflastert worden wie kein vorheriges: von den Lügen über den Ersten Weltkrieg (Kriegsschuldlüge) und den Zweiten Weltkrieg («Überraschungs»-Angriff durch die Japaner) ist in dieser Zeitschrift wiederholt die Rede gewesen. Fast ebenso oft von den Monumental-Lügen, mit denen das dritte Jahrtausend eröffnet wurde: Der Lügen, mit welchen die Attentate vom 11. September 2001 sofort umgeben wurden. Neben den kollabierenden Türmen von New York schossen sofort gigantische Lügen-Türme in die Höhe.

Jeder Wahrheitssucher, der die etablierten Lügen zu entlarven sucht, gerät in das okkulte Visier der genannten Wesenheiten. Sie wehren sich in vehementer Weise gegen jede Wahrheitsfindung. Heute wirken sie häufig durch das wahllos gebrauchte Lügen-Schlagwort der «Verschwörungstheorie»2 der Wahrheitsfindung entgegen. Das ist ihre Natur. Das kann entmutigend und verwirrend wirken. Daher muss die Wahrheit heute durch die Überwindung des Widerstandes solcher Wesen errungen, ja erkämpft werden. Dadurch allein können sie in Zukunft aus ihrem Lügenbann befreit und umgewandelt werden.

Wie stark die heutigen Medien von einer Lügen-Atmosphäre durchsetzt sind, konnte man kürzlich auch in der Schweiz beobachten. In einer Fernsehsendung wurde der Historiker und Wahrheitssucher Daniele Ganser verunglimpft, verleumdet und u.a. in die Nachbarschaft von gefälschten Schriften wie den «Protokollen der Weisen von Zion» gerückt.3 Gutes Zeichen für die Denkweise von 492 sofort reagierender Unbefangener: «So viele Beschwerden gab es [beim SRF] noch nie», stand am 18. März in der BAZ

In einem Magazin der Basler Zeitung war in Bezug auf 9/11 und «Verschwörungstheorien» fast zeitgleich zu lesen: «Alles, worauf ich vertraue, spricht dafür, dass die Ereignisse sich so zutrugen, wie ich immer angenommen habe: als Terroranschlag der al Qaida (…) Beweisen kann ich es natürlich nicht. Dafür habe ich einfach zu wenig Ahnung.»4 So spricht ein Kopf, der durch Lügen-Phantome verwirrt die Wahrheitssuche aufgegeben hat.

Wiederum fast zeitgleich zu diesem Artikel tritt Michael Ketcham, ein langjähriger Mitarbeiter von NIST, an die Öffentlichkeit und enthüllt den kompletten Phantomcharakter des Berichts dieser offiziellen Untersuchungsbehörde über den Einsturz der Türme in New York.5 Hier ist wieder einmal Einer inmitten eines gigantischen Lügenturmes, unter dem er fast selbst endgültig begraben worden wäre, plötzlich aufgewacht.

Ketcham spricht von einer verbreiteten Lähmung durch die Furcht vor der Wahrheit. Er wurde eines Tages von ihr geheilt und verwandelte sich in einen furchtlosen Wahrheitsbekenner – ein immer wieder gerade bei einzelnen Amerikanern auftretendes Phänomen, in auffälligem Kontrast zum intensiven Phantom-Wirken in ihrer eigenen Heimat.

Ketcham spricht auch von den «Wunden von 9/11» und betont, dass diese so traumatisch seien, dass nur ein starkes schmerzhaftes Mittel sie zu heilen helfe – die ungeschminkte Wahrheit: «Die Wahrheit ist das heiße [alkalisalzhaltige] Seifenwasser, mit denen die Wunden von 9/11 ausgewaschen werden.»

Vergessen wir nie: Die 9/11-Phantome dienten zur verlogenen Rechtfertigung aller bisherigen US-Kriege im dritten Jahrtausend. Sie hatten also eine ungeheure Wirkung. – Schon Hippokrates empfahl die Verwendung von entzündungshemmendem Salzwasser für Wunden. Wer die Entzündungs- und Ansteckungswirkung von Phantomen unschädlich machen will, darf nicht davor zurückschrecken, Wahrheits-Salz in die Lügen-Wunden zu streuen. Es schmerzt, aber heilt.

Thomas Meyer

1 Siehe die Ausführungen R. Steiners vom 9. Juni 1908 in GA 98, auch als Einzelausgabe in Pfingsten, das Fest der freien Individualität.

2 Sendung auf SRF 1 vom 26. Januar 2017: «Anatomie von Verschwörungstheorien», 26. Januar 17; «Arena» vom  24. Feb. 2017. «So viele Beschwerden gab es noch nie», stand am 18. März in der BAZ.

3 Auf den CIA-Ursprung dieses Schlagwortes nach dem Kennedy-Mord machten wir wiederholt aufmerksam. – G.W. Bush, dessen Vater CIA-Chef gewesen war, sagte unmittelbar nach 9/11: «Let us never tolerate outrageous conspiracy theories concerning the attacks of September 11th.»

4 Das Magazin, 11. März 2017, S.11.

5 www.youtube.com/watch?v=GvAv-114bwM&feature=youtu.be  Siehe auch Ketchams Letter to the editor von Europhysics News unter www.ae911truth.org/news/324-news-media-events-former-nist-employee-speaks-out-with-lte-in-europhysics-news.html

Europäer April-Mai 2017 (Jg 21 / Nr. 06/07)

Editorial: Lügen-Phantome und das Salz der Wahrheit

Die geistige Führung (Teil 1)
Charles Kovacs

Meditatives zum Seelenkalender
Eleanor C. Merry

Phanuel und Christus
Ergänzung zu «Wer ist der große Hüter der Schwelle»?
Thomas Meyer

Vom Studium des Seelenkalenders
Erstveröffentlichung
Hans Börnsen

Fercher von Steinwand
Walter Schlegel

Medien-Rückblick 

Was wirkt durch Parteien?
Franz-Jürgen Römmeler

Brief aus Stourbridge
Das amerikanische Jahrhundert
Terry Boardman

Brief aus Boston
Rücktritt von Michael Flynn
Andreas Bracher

Interview mit Dennis Kucinich 

Propaganda und Re-Education
Cyril Moog

Das Phänomen Blut
Dr. Olaf Koob

Claude Monet
Dr. Sophia-Janet Aleemi

Monet – Licht und Farbe
Ruedi Bind

Reise zum Geburtsort Ita Wegmans
Johannes Greiner

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Europäer März 2017 (Jg 21 / Nr. 05)

Editorial: Lenin vor dem «Leichnam Christi» – und die «Post-Fake-Ära»

«Die Verklärung Christi» von Raffael
Thomas Meyer

Mitteleuropa
Hans Börnsen

Monatsbetrachtung März  (letzte Betrachtung)
Fred Poeppig

Medien-Rückblick

Das Gesetz der Lautverschiebung
Franz-Jürgen Römmeler

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(Schluss)

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Lenin vor dem «Leichnam Christi» – und die «Post-Fake-Ära»

An einem Novemberabend des Jahres 1916 stattete Wladimir I. Lenin (1870–1924), von seinem Zürcher Exil-Domizil herkommend, der Stadt Basel einen wenig bekannten Besuch ab. Der äußere Zweck war eine Ansprache vor russischen Akademikern, Arbeitern und Kaufleuten russischer Herkunft. Die Zusammenkunft fand im Erdgeschoss des heutigen Restaurants «Chez Donati» an der Johanniterbrücke statt. Die Ausführungen, die den Sturz des Zarismus forderten, fanden wenig Anklang. Lenin verabschiedete sich mit den Worten: «Von mir werden Sie noch hören.» Er übernachtete im Blaukreuzhaus, dem heutigen Hotel Rochat, in welchem regelmäßig Europäer-Samstage stattfinden. Hier konnte man damals billig speisen und nächtigen. Am anderen Morgen suchte er die Öffentliche Kunstsammlung auf und betrachtete lange und eingehend ein Bild, das in Dostojewskis Roman Der Idiot eine wichtige Rolle spielt: «Der Leichnam Christi» von Hans Holbein dem Jüngeren.*

Wegbereiter des «sozialistischen Experiments»

Am 15. März des folgenden Jahres kam es nach der Februarrevolution zum Sturz des Zaren.

Im April begann Lenin in Zürich seine legendäre Fahrt im plombierten Wagen durch Deutschland und Finnland nach Petersburg, wo er am 16. April eintraf.

Hundert Jahre später scheint der «Bolschewismus» längst Geschichte geworden, wenn auch die Wunden, die seine steinharte Geistigkeit der wahren russischen Volksseele geschlagen hat, längst nicht vernarbt sind.

Im Mausoleum Lenins in Moskau, das gegenwärtig restauriert wird, kann die mumifizierte und täglich am Scheinleben gehaltene Leiche in Anzug und Krawatte besichtigt werden. Der einstige Betrachter des «Leichnams Christi» ist selbst zum Jahrhundert-Leichnam geworden.

Ein neuer «Leninismus» im Westen

Doch der zersetzende Leichengeruch des Bolschewismus wirkt fort. Und heute weht er ausgerechnet aus dem gleichen Westen, der in seiner materialistischen Geist-Verfinsterung das sozialistische Experiment konzipiert und durch Werkzeuge wie Lenin in den Osten exportiert hatte. Stephen Bannon, Chefstratege der Trump-Regierung, brüstete sich offen mit Äußerungen wie den folgenden: «Finsternis ist gut (…) Es kann uns nur helfen, wenn die Gegenseite nicht erkennt, wer wir sind und was wir vorhaben.» Und: «Ich bin Leninist. Lenin wollte den Staat zerstören. Und das ist auch mein Ziel. Ich will das ganze System zu einem krachenden Kollaps bringen und das gesamte heutige Establishment zerstören.»** Solche Bekenntnisse sind kein gutes Omen aus dem innersten Kern der neuen US-Regierung.

…und eine versöhnliche Stimme aus dem Osten

Wie anders tönt es heute aus dem Osten! Der russische Außenminister Lawrow rief kürzlich auf der Münchner Sicherheitskonferenz zu einer friedlichen Verständigung mit den USA auf und sprach von einer «Post-West-Weltordnung»: Zum Abschluss sagte er: «Wir stehen vor großen Herausforderungen und müssen Kompromisse finden. (…) Russland möchte mit niemandem einen Konflikt haben (…) Wir wollen einen Dialog, der zum Nutzen aller sein sollte (…), dann könnten wir (…) irgendwann eine Post-Fake-Ära erreichen.»***

Viel hängt gegenwärtig davon ab, ob Auferstehungsluft ins Denken und Empfinden einzieht und den Leichengeruch des toten Intellekts ersticken kann.

Thomas Meyer

* Adolf Wanner, Berühmte Gäste in Basel, Buchverlag der Basler Zeitung, 1982, S. 91 ff.
** Zitiert nach NZZ am Sonntag, 5. 2. 1917.
*** https://deutsch.rt.com/international/46670-lawrow-zeit-neue-weltordnung-eu-usa-sicherheitskonferenz/

Trump – Diener für Amerika oder für die Menschheit?

Trump – Diener für Amerika oder für die Menschheit?

Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten heißt Donald Trump. Die Inaugurations-Rede Trumps* wirkte wie eine Ohrfeige, für das US-Establishment und die US-Medien, und war zugleich eine verbale Huldigung an den wahren Souverän – das amerikanische Volk. Getragen vom üblichen Auserwähltheits-Bewusstsein der USA und ihrer Sendung in der Welt. «America first», «We will make America great again» waren wiederholt geäußerte und applaudierte Slogans.

Der Geist von Nordamerika
Der in mehreren Inaugurations-Reden und auch in der von Trump beschworene «Gott» kann allerdings nicht mit einem Gott für die ganze Menschheit gleichgesetzt werden. Er ist ein Volksgott, der im Zeitalter des Menschheits-Geistes Michael im Unterschied zu diesem ein ahrimanischer Geist ist. Er gehört zu «abnormen Geistern der Persönlichkeit», «die nicht auf Weiterentwickelung wirken», wie Steiner im Volksseelen-Zyklus 1910 vorsichtig andeutet: «Sie brauchen sich nur den Charakter des nordamerikanischen Volkes klar zu legen, so haben Sie ein Volk, das vorderhand auf diesem Prinzip beruht.»** Zu einer wahren «Weiterentwicklung» gehört heute insbesondere eine solche auf spirituell-kulturellem Gebiet; und von der war auch in Trumps Rede – «selbstverständlich» – nichts zu hören. Neue Straßen, Züge und Tunnels mögen äußerlich erstrebenswert sein; der «Weiterentwicklung» im umfassenden Sinne können sie höchstens indirekt dienen.

Fragen an erste Amtshandlungen Trumps
Warum hat er – um nur ein paar der vielen Fragen an die Intentionen seiner Administration aufzuwerfen – mit Nikki Haley eine UN-Botschafterin nominieren lassen, die für die Interessen Israels und gegen die von Russland eintritt? Warum galt sein erster (jovial-freundlicher) Antrittsbesuch in den USA dem CIA-Hauptquartier, wo er 400 Anwesende für ihre Arbeit lobte und sie seiner uneingeschränkten Unterstützung versicherte? Warum wird die britische Premierministerin May, die Trumps prorussische Äußerungen gewiss nicht teilt, der erste Staatsgast aus dem Ausland sein? Will er mit alldem nur seinen internen und externen Gegnern den Wind aus den Segeln nehmen?

Im Geist von Churchill?
Trump ließ die von Obama entfernte Churchill-Büste – ein Geschenk von Tony Blair an W.G. Bush – wieder im Oval Office aufstellen (siehe Foto). Der von Trump bewunderte Hochgradfreimaurer Churchill diente nicht dem wahren Zeitgeist, sondern dem anglo-amerikanischen Geist einer «wirksamen Superweltregierung», für welche die Einigung Europas lediglich ein Vorspiel darstellt.*** Europa gleicht heute einer sinkenden Titanic, die von den Briten soeben verlassen wurde. Nun könnten die Repräsentanten des okkultistisch orientierten wahren britischen Establishments, vom «vereinten» Europa befreit, mit ihren US-Brüdern ungebremst an der Realisierung einer solchen Superweltregierung mitwirken. Deren Ziel der Weltherrschaft ist nach Steiner auf Jahrhunderte gerichtet.**** Diese Jahrhunderte sind, allem äußeren Schein zum Trotz, noch nicht abgelaufen. Man sollte beim Lärm aller Fassadenpolitik, zu der auch Präsidentenwahlen und Wahlparolen gehören, nicht versäumen, die Langzeitinteressen solcher Gruppierungen, die beispielsweise das «sozialistische Experiment» eingefädelt hatten, im Auge behalten. Wird Trump deren vielleicht gutwilliges, aber naives neues Vollzugsorgan sein?

Eines steht fest: Wer Amerika «wieder groß» machen will, ist dadurch noch kein Menschheitsdiener.

Thomas Meyer

* www.theblaze.com/news/2017/01/20/watch-donald-trumps-inauguration-ceremony-live
** GA 121, Oslo 8. Juni 1910.
*** Churchill am 14. Mai 1947, zitiert nach https://fassadenkratzer.wordpress.com/2013/11/22/hintergrunde-der-europaischen-integrationsbewegung
**** R. Steiner am 21. März 1921, in GA 174b.

Europäer Februar 2017 (Jg 21 / Nr. 04)

Editorial: Trump – Diener für Amerika oder für die Menschheit?

Wer ist der große Hüter der Schwelle? (Schluss)
Thomas Meyer

Monatsbetrachtungen Februar
Fred Poeppig

Medien-Rückblick 

Brief aus Stourbridge
The Economist legt Tarotkarten
Terry Boardman

«BlackRock» und die «Bots»
Franz-Jürgen Römmeler

Brief aus Boston
Brexit und Trumpquake
Andreas Bracher

Propaganda
Cyril Moog

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Rückblick auf 2016/17
Reto Andrea Savoldelli

Rätsellösung
Isabelle Sturm

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Europäer Dezember/Januar 2016/17 (Jg 21 / Nr. 02/03)

Editorial: Medien-Blamage, eine neue Zeitung und ein Geistesheld

Wer ist der große Hüter der Schwelle?
Thomas Meyer

Nikolaus von der Flüe
Rudolf Steiner (aus GA 187)

Brief aus Boston
Zur Ermordung Rasputins 1916 8
Andreas Bracher

Die Legende von Maria und Josef
Monica von Miltitz

Die Madonna in der Felsengrotte
Wilfried Hammacher

Monatsbetrachtungen Dezember/ Januar
Fred Poeppig

Karma
Mabel Collins

Vierfaches Weihnachtserleben
Hartmut Weber

Stellungnahme zur Weihnachtstagung
Hellmut Finsterlin

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«Eurocalypse Now»
Bericht eines Podiumgesprächs
Harald Herrmann

«Mythologie der Vernunft»
Imanuel Klotz

Campanellas Rosenkreuzer-Inspiration
Dr. Christin Schaub

Erdinneres und Sonnenflecken
Franz-Jürgen Römmeler

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Gerhard Kienle (Teil 2)
Alexander von Glenck

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Medien-Blamage, eine neue Zeitung und ein Geistesheld

Wir haben in der letzten Nummer düstere Nachrichten zum Medien-Infokrieg gebracht.
In erster Linie war von dem absurden Kampf westlicher Medien wie der BBC in England gegen den russischen Sender Russia Today zu berichten, der in einer temporären Schließung der RT-Bankkonten in England gipfelte. Doch wer kann die Mainstream-Medien nach der doppelten Blamage der falschen Brexit- und der US-Wahl-Prognosen noch ernst nehmen?*

Heute können wir Positives vermelden: In der Schweiz gibt es seit November 2016 die ExpressZeitung.com, herausgegeben von André Barmettler und Ruben Buchwalder. Das monatlich erscheinende Blatt nimmt in Bezug auf die Mainstream-Dogmen und -Lügen kein Blatt vor den Mund. Die Herausgeber scheinen von einem kompromisslosen Willen zur Wahrheit beseelt zu sein. Medienbedingte Täuschungen sollen ent-täuscht werden. Das Blatt analysiert u.a. Trumps Wall Street-Verbindungen, fordert weitere kritische Untersuchungen der Attentate von 9/11 und weist auf Anthony Suttons bei Perseus erschienenes Werk Wall Street und der Aufstieg Hitlers hin, von dem die Herausgeber schreiben: «Für eine kritische Geschichtsauffassung eine absolute Pflichtlektüre.»
Die ExpressZeitung könnte sich zu einem weiteren David in der Landschaft der verlogenen Propaganda-Goliathe entwickeln. Der Europäer wird das Blatt im Auge behalten.

Was das Wahlspektakel in den USA betrifft, so sollte nicht übersehen werden, dass die Entscheidungsmacht letztlich niemals bei den US-Präsidenten liegt; sie sind nur Vollzugsorgane der Finanzelite, der «Pluto-Autokraten», wie Steiner sie bereits vor 100 Jahren nannte**; vollziehen sie nicht wie gewünscht, wird ihnen das Handwerk gelegt, notfalls per Mord. Man braucht nur an den Staatsstreich gegen John F. Kennedy zu denken, der vom CIA-Chef Allen Dulles in die Wege geleitet und gedeckt wurde.

Auch der letztlich durch einen britischen Geheimagenten durchgeführte Mord an Rasputin, dessen hundertstem Todestag am 30. Dezember durch Andreas Bracher gedacht wird, zeigt den rücksichtslosen Machtwillen herrschender Eliten. Rasputin wollte den Zaren von einer Kriegsbeteiligung Russlands fernhalten und «musste» früher oder später fallen.

1917 wird des ersten Versuchs Rudolf Steiners zu gedenken sein, in Mitteleuropa einer Dreigliederung des sozialen Organismus zum Durchbruch zu verhelfen. Ebenso werden wir auch dem größten und vielleicht einzigen Eingeweihten, den die Schweiz je hervorbrachte, Beiträge widmen – dem 1417 geborenen Nikolaus von der Flüe, den Steiner einmal als einen «Geisteshelden» bezeichnete (siehe
S. 7). Wo gibt es noch solche Gestalten? Eine Besinnung auf die spirituell-sozialen Friedensimpulse von der Flües wäre für die Schweiz unendlich viel wertvoller, als allerlei «Partnerschaften für den Frieden» zu pflegen und ähnliche phrasenhafte «Wertegemeinschaften» hochzupreisen. Und nicht nur für die Schweiz.

Die Zeit ist ernst. Sie könnte zu einem Aufwachen an den blutigen Tatsachen führen. Zu einem solchen gehört aber auch das Erwachen für die geistig-spirituelle Dimension der Wirklichkeit. Diese Forderung schwebt seit über hundert Jahren über der Menschheit. Ohne ihre Erfüllung wird das, was von der materialistischen «Zivilisation» noch übrig ist, bald restlos im Abgrund versinken.

Unsere Leser werden verstehen, weshalb gerade diese Weihnachtsnummer mehrere Beiträge bringt, die in der einen oder anderen Form zum Geist-Erwachen führen können. Möge deren Lektüre im heilsamen Sinne ansteckend wirken.

Thomas Meyer

* www.rt.com/usa/367557-ron-paul-fake-news/
   www.rt.com/op-edge/367625-fake-news-post-truth-iraqi-wmds/

** www.perseus.ch/PDF-Europaer/JG_03/Europaer_05_1999.pdf

Europäer November 2016 (Jg 21 / Nr. 01)

Editorial: Vom Ersten Weltkrieg bis zum heutigen Propagandakrieg

Monatsbetrachtungen November
Fred Poeppig

Judas und die Umwandlung des Bösen (Schluss)
Thomas Meyer

Das Rätsel der Marneschlacht
Vincenzo Longo und unbekannter Autor

9/11 September- und Novembertage
Franz-Jürgen Römmeler

Brief aus Boston
Heinrich Brüning
Andreas Bracher

Medien-Rückblick zu Allen Dulles

Brief aus Stourbridge
Medien und Wissenschaft in der englischsprachigen Welt
Terry Boardman

Neuerscheinungen im Perseus-Verlag 

Forum
Steiner aus dem Abgrund gesehen
Thomas Meyer

Gerhard Kienle
Alexander von Glenck

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Bagatelle
Ins Bild Gesetzte
Ruedi Bind

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Vom Ersten Weltkrieg bis zum heutigen Propagandakrieg

Eine Moltke-Première in Colmar
colmar
Am 16. und 17. September wurde in Colmar eine Konferenz veranstaltet, die Helmuth von Moltke gewidmet war. Der Titel war weitausgreifend: «Helmuth von Moltke et le Destin de l’Europe». Es war die erste öffentliche Veranstaltung zu einem Thema und einer Gestalt, welche in Frankreich naturgemäß auf manche Vorurteile und Schwierigkeiten treffen. Die Veranstalter waren Antoine Dodrimont und Jean Hèches. Dodrimont gab am 17. September einen glänzenden Überblick über die Situation in Europa in den Wochen vor Kriegsausbruch. Er schilderte nicht zuletzt den «Willen zum Krieg» in England und Frankreich und den dem Krieg vorausgehenden Propagandakrieg der Entente gegen Deutschland.

Wir greifen in dieser Nummer noch einmal das Rätsel der von den Deutschen verlorenen Marne-Schlacht auf und bringen sehr bedeutende Post-mortem-Aussprüche der Moltke-Seele, die das meist sehr einseitige Moltke-Bild gründlich korrigieren können, zum Beispiel: «Ein äußerer Sieg wäre der völlige Untergang des deutschen Volkes gewesen» (siehe S. 8).

Putin auf der Weltenergiekonferenz in Istanbul
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Präsident Putin schloss anfangs Oktober mit dem türkischen Präsidenten einen Gaspipeline-Deal ab, welcher den übrigen NATO-Staaten und insbesondere dem führenden US-Verbündeten ein Dorn im Auge ist. Dies spielte sich im Rahmen der 23. Weltenergiekonferenz ab, einer Organisation, die im Jahre 1924 von D.N. Dunlop begründet worden war. Auch wenn die heutige Organisation von Dunlops weitgespannten Zielen abgegangen ist, findet sich auf deren Webseite* unter «About Us/History» eine außerordentliche Würdigung des Begründers Dunlop. Sie umfasst sowohl seine ökonomischen wie auch seine spirituellen Aktivitäten und berichtet von seinem Plan, eine Weltwirtschaftsordnung im Sinn des Dreigliederungsimpulses Rudolf Steiners vorzubereiten. Es ist zu hoffen, dass Putins Berater einen Blick auf den Hintergrund der Organisation geworfen haben, in deren Rahmen der russische mit dem türkischen Staatschef verhandelten. Dunlops Ideen haben eine Zukunftskraft, für die besonders im gegenwärtigen Russland einiges Verständnis da sein dürfte.

Der jetzige Propagandakrieg gegen Russland
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Am 17. Oktober kündigte die schottische Bank NatWest den Vertrag mit dem weltweit immer bekannter werdenden russischen Sender Russia Today** auf (siehe auch den Artikel von Terry Boardman auf S. 18ff. ) und schloss dessen Konten. Es gab keinerlei konkrete Begründung für diesen plötzlichen Schritt, der zugleich als «endgültig» vermeldet wurde. Es ist nicht zufällig, dass dieser Versuch, Russia Today auszuschalten, in eine Zeit fällt, da die westlichen Medien inklusive BBC einen Propagandakrieg gegen Russland führen, der dem der Entente gegen Deutschland vor und während des Ersten Weltkriegs in nichts nachsteht.

Ein paar Tage zuvor kündete Präsident Obama die «Notwendigkeit» einer Kontrolle des Internet an, welches oft Unsinn verbreite, wie zum Beispiel, dass «wir nie auf dem Mond gewesen seien»*** und machte zugleich Druck auf Ecuador, die Internetverbindung von Julian Assange, der in der Botschaft Ecuadors in London in Asylhaft sitzt, zu unterbrechen. Wikileaks verbreitete sehr unangenehme Tatsachen über die Präsidentschaftskandidatin Clinton.

Wie vor 1914 gibt es auch im gegenwärtigen historischen Augenblick einen «Willen zum Krieg», diesmal gegen Russland.

Es ist zu hoffen, dass der Versuch, die freien Alternativmedien an die Kandare zu nehmen, scheitert, und dass der mit verlogenen Mitteln geführte anglo-amerikanische Medienkrieg gegen Putin und Russia Today nicht zum Vorspiel eines wirklichen Krieges gegen Russland wird. Eine Hoffnung, die allerdings täglich weniger begründet erscheint.

Thomas Meyer

* www.worldenergy.org
** www.rt.com
*** www.uncutnews.ch

Europäer Oktober 2016 (Jg 20 / Nr. 12)

Editorial: 9/11-Artikel in Physikzeitschrift jagt den Medien Angst ein

Die NATO ist ein Angriffsbündnis
Interview mit Daniele Ganser

Ein Besuch bei Atatürk
Walter Johannes Stein

Monatsbetrachtungen Oktober
Fred Poeppig

8 Porträts Rudolf Steiners von 1916
Ruedi Bind

Der SKA-«Glücksfall»
Satire

«Allmende»
Franz-Jürgen Römmeler

Medien-Rückblick
Franz-Jürgen Römmeler

Brief aus Boston
Russland im US-Wahlkampf
Andreas Bracher

Judas und das Rätsel des Bösen (zweiter Teil)
Thomas Meyer

Persönlichkeiten im Umkreis des Goetheanum (Teil 5)
Alexander von Glenck

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9/11-Artikel in Physikzeitschrift jagt den Medien Angst ein

Rechtzeitig zum 15. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 erschien in der Zeitschrift «Europhysics News» Ende August ein Artikel mit dem Titel «15 Years Later – On The Physics Of High-Rise Building Collapses» (herunterladbar unter www.europhysicsnews.org/articles/epn/pdf/2016/04/epn2016-47-4.pdf)

steven_jonesDer Artikel von Steven Jones, Robert Korol, Anthony Szamboti und Ted Walter thematisiert unter Anderem den Einsturz des Gebäudes 7 neben den Twin Towers in New York; dieses Gebäude wurde von keinen brandverursachenden Flugzeugen getroffen. Der Artikel stellt fest, dass Feuer außerdem noch niemals Stahlgebäude zum Einsturz gebracht hat.

Insbesondere untersucht er das Phänomen, dass Gebäude 7 in den ersten zwei Sekunden mit der Geschwindigkeit des freien Falles zusammensank. Dieser Umstand wurde nach einer Weile auch von der offiziellen Untersuchungsbehörde NIST zugegeben. Der Einsturz des Gebäudes 7 wie auch der Twin Towers, bei denen ebenfalls die Einsturzgeschwindigkeit des freien Falls zu konstatieren ist, kann nur durch kontrollierte Sprengungen erklärt werden, bei denen die jeweils unteren Stockwerke zuerst zum Einsturz gebracht werden müssen, damit die darüberliegenden widerstandslos fallen können. Die NIST behauptet bis heute, dass der durch die Flugzeuge verursachte Kerosinbrand die Einsturzursache bei den Towers wäre und kann beim analogen Einsturz des Gebäudes 7 eingestandenermaßen «keine volle Erklärung des totalen Einsturzes» liefern (p. 25). Die Autoren erachten es als «moralischen Imperativ», dass die Untersuchungsbehörden endlich «eine wahrhaft wissenschaftliche und unparteiische Untersuchung» einleiten (p. 26).

Dieser Artikel einer Wissenschaftszeitschrift hat in Massenmedien einen Brand der Empörung ausgelöst. So versucht ihn die NZZ vom 16. 9. auf der Seite «Forschung und Technik» mit dem üblichen, von der CIA inspirierten Schlagwort von «Verschwörungstheorien»* wegzurammen, bringt aber kein einziges Sachargument gegen die Thesen der Autoren vor. Die Zeitung polemisiert gleichzeitig gegen eine Veranstaltung des Schweizer Ablegers von AE911truth, der in Bern eine Konferenz organisierte (siehe www.ae911truth.ch). Die Veranstalter und Besucher werden pauschal als «Anhänger von Verschwörungstheorien» tituliert, die nun durch den Europhysics-Artikel «Schützenhilfe» bekommen hätten.

Auch die Washington Post und  Daily News polemisierten am 9. September gegen den Artikel, der auch über Facebook verbreitet wurde.** Die Welt kritisiert Jones, einen der Autoren, wegen seines Mormonenglaubens.***

Bisher hat noch keine angesehene wissenschaftliche Zeitschrift Kritik an der offiziellen Erklärung von 9/11 vorzubringen gewagt. Das ist jetzt anders geworden. Die Diktatoren der «Wahrheit» in den Massenmedien fürchten, dass ihnen die schon arg beschmutzten Felle der seit fünfzehn Jahren praktizierten 9/11-Indoktrination nun sogar mit wissenschaftlichen Argumenten davonschwimmen. Das gab es so noch nicht. Daher der pseudo-wissenschaftliche Furor. Dieser Furor demaskiert die Verlogenheit, die in Bezug auf das folgenreiche 9/11-Ereignis von Anfang an praktiziert wurde. Sie ist derjenigen vergleichbar, die fast hundert Jahre lang die anglo-amerikanischen Drahtzieher des Ersten Weltkriegs gedeckt hat. Hoffen wir, dass es diesmal keine hundert Jahre dauert, bis die volle Wahrheit ans Licht kommt.

Thomas Meyer

_________________
*    Siehe Kasten in dieser Ausgabe S. 5  
**    www.lunaticoutpost.com/thread-689934.html
***    www.welt.de/wissenschaft/article157971801/Fachmagazin-publiziert-9-11-Verschwoerungstheorie.html).
  – Auch Focus-online zog mit: www.focus.de/wissen/mensch/geschichte/ueberwaeltigende-beweise-wissenschaftsjournal-veroeffentlicht-starke-zweifel-an-9-11_id_5905051.html

Die Nato ist ein Angriffsbündnis – Ein Interview mit Daniele Ganser

Daniele Ganser gehört zu den klarsichtigen Kritikern des westlichen Militärbündnisses NATO wie auch der offiziellen Darstellung des fatalen Ereignisses vom 11. September 2001. Er beschäftigt sich ferner mit der Frage des «Peak Oil» und alternativer Energiequellen für das 21. Jahrhundert. Er begründete das Schweizer Institut für Friedensforschung und Energie (SIPER) und untersucht den globalen Kampf um Erdöl und die Chancen der Energiewende.

Ganser hatte jüngst einen kurzen Auftritt in Budapest, bei welchem alle angeführten Fragenkreise prägnant umrissen werden. www.youtube.com/watch?v=dsfROmgVN5U&feature=youtu.be

Das Interview aus dem Europäer JG 20, Heft 12:

PDF: Ganser: Die Nato ist ein Angriffsbuendnis_2016

 

Schlichte Tatsachen – gigantische Täuschungen

Am 19. September wird einmal mehr der Rede Winston Churchills gedacht, die dieser am gleichen Tag des Jahres 1946 in Zürich gehalten hatte: sie war ein großer Aufruf zur Bildung der Vereinigten Staaten von Europa. Der Schweizer Bundesrat und Churchill-Verehrer Schneider-Ammann empfängt aus diesem Anlass Jean-Claude Juncker, Präsident der EU-Kommission. Dieses Treffen soll den Schweizern Churchills Besuch und Rede als Grund für einen allmählichen EU-Beitritt neu schmackhaft machen. – Wir wiederholen einmal mehr Original-Kernsätze aus der Rede, die Churchill am 14. Mai 1947 in London hielt: «The creation of an authoritative, all-powerful World Order is the ultimate aim towards which we must strive (…) Without a United Europe there is no sure prospect of world government. lt is the urgent and indispensable step towards the realisation of that ideal.»*

Wer sich keinen Sand in die Augen streuen lassen will, sollte über der Zürcher Rede nicht die fast unbekannte, viel wichtigere Londoner Rede vergessen, die das anglo-amerikanische Fernziel der Vereinigung Europas klar zum Ausdruck bringt.

Die NZZ vom 13./14. August 2016 brachte folgende Schlagzeilen auf der Titelseite: «Die russische Außenpolitik konzentriert sich auf das Militärische und provoziert die Nato vom Nordmeer bis zum Nahen Osten. Der Westen muss darauf eine angemessene Antwort finden.» –

Tatsache ist, dass 2015 die jährlichen Militärausgaben der USA mit  596 Milliarden diejenigen Chinas (215 Milliarden), Saudi-Arabiens (87 Mrd.) und Russlands in den Schatten stellten. Russland nimmt mit 66 Mrd. den vierten Rang ein. Die Militärausgaben der NATO-Länder übertreffen die von Russland um fast das Dreifache. In Wirklichkeit also: Wer «konzentriert sich auf das Militärische»?

So unerfreulich diese Verdrehung der Tatsachen durch die NZZ ist, so erfreulich ist es, dass es seit Kurzem in der Schweiz ein Gremium zur Entlarvung der absichtlichen Täuschungen der Öffentlichkeit über 9/11 gibt. In einem Aufruf zu einer Veranstaltung am 10. September heißt es: «Der 11. September 2001 bestimmt noch immer unsere Gegenwart. Auf ihn wird weiterhin verwiesen, wenn gesagt wird, dass sich seitdem alles geändert habe. Der sogenannte ‹Krieg gegen den Terror› hat nicht nur bisher 1.5 Mio Tote, Leiden, Elend und Unmengen an Geld für Rüstung gekostet, er hat auch die Länder im Nahen Osten destabilisiert und Millionen Menschen heimatlos gemacht, so dass sie flüchten.
Es werden Massenüberwachungen aufgebaut, die sich auch auf den Datenverkehr in und aus der Schweiz beziehen.

Die Erkenntnis der Wahrheit, dass am 11. September 2001 die drei (!) Türme des World Trade Centers (WTC) in New York gesprengt wurden, verändert unsere Sicht, auch auf den ‹Krieg gegen den Terror›. Terror kann auch ein Verbrechen mit Wissen von Politikern und Institutionen wie Geheimdiensten sein, um Rüstungsausgaben durchzusetzen, demokratische Grundrechte einzuschränken und Feindbilder aufzubauen, oder Wahlen zu beeinflussen, wie bereits in den 1980er Jahren die Operation Gladio in Europa zeigte.» Andreas Gross, AE911truth.ch

Vor einem Jahr wiesen wir auf die Aktivitäten von Richard Gage hin, dem Begründer der Organisation AE9/11 Truth, die nun einen Schweizer Ableger gefunden hat. – Zu den mutigen 9/11-Kritikern im Westen gehört auch Catherine Austin Fitts, auf deren vielfältige Tätigkeiten wir in dieser Ausgabe erstmals aufmerksam machen wollen (siehe S. 36).

Der türkische Präsident gibt sich gern als neuer Atatürk aus. Erdogan missbraucht den guten Namen, den der Gründer der neuen Türkei in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts noch heute bei den meisten Türken hat. Was Mustafa Kemal Atatürk wirklich getan und gewollt hat, soll in einer nächsten Ausgabe dargestellt werden.

Thomas Meyer

* May 14, 1947 in Albert Hall, London, in: Winston S. Churchill, His Complete Speeches, Vol. VII, New York 1974. P.

** http://de.statista.com/statistik/daten/studie/157935/umfrage/laender-mit-den-hoechsten-militaerausgaben/

Europäer September 2016 (Jg 20 / Nr. 11)

Editorial: Schlichte Tatsachen – gigantische Täuschungen

Judas und das Rätsel des Bösen
Thomas Meyer

Monatsbetrachtungen September
Fred Poeppig

«Perimeter»
Franz-Jürgen Römmeler

Hinter den Kulissen «Das Guttenberg-Dossier»
Cyril Moog

Medien-Rückblick
Franz-Jürgen Römmeler

Brief aus Boston
Obama in Hiroshima
Andreas Bracher

Brief aus Stourbridge
Großbritanniens EU-Referendum
Terry Boardman

Hieronymus Bosch und sein «Garten der Lüste»
Erich Prochnik

Persönlichkeiten im Umkreis des Goetheanum (Teil 4)
Alexander von Glenck

Das Drüsensystem
Dr. Olaf Koob

Eine mutige Amerikanerin
Thomas Meyer und Dilldapp

Buchbesprechungen 

Bagatelle
Eine Bluttat in Florida
Thomas Meyer

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Der Odilienberg, Brexit und «Skull&Bones»

Kirchenpolitik als Weltpolitik

Am 19. Juni befand sich eine kleine Menschengruppe auf dem Odilienberg. Gedenkend der großen Individualitäten von Helmuth und Eliza von Moltke, welche im 8. Jahrhundert an diesem Ort verkörpert waren, Eliza von Moltke als Odilie, Helmuth von Moltke als deren Bruder Hugo. Der Vater Eticho ist später als Wilhelm II. erschienen; ihm wurde unweit des Odilienberges von der Stadt Sélestat eine Burg geschenkt, wie zur Erinnerung an seine Eticho-Verkörperung. Im 9. Jahrhundert wurden dann von Papst Nikolaus I. und seinem Ratgeber, als welche sich Odilies Bruder und sie selbst bald nach der Odilienzeit in Rom verkörperten, die weltgeschichtlichen Entschlüsse gefasst, die den Westen vom Osten trennen sollten.*

Am 19. Juni – dem Tag unseres Besuches – 1911 stattete Helmuth von Moltke dem Odilienberg einen Besuch ab. Er wird den Sarkophag Odilias und Etichos besichtigt haben, auch wohl die Tränenkapelle mit dem Bildnis von Papst Leo IX., der aus dem Odiliengeschlecht stammte und der die Konsequenz aus der Kirchenpolitik von Papst Nikolaus I. zog: die endgültige Trennung der Ost- von der Westkirche, das Schisma von 1054.

Am gleichen 19. Juni – in der griechisch orthodoxen Kirche der Pfingsttag – fand auf Kreta das erste orthodoxe Konzil seit über tausend Jahren statt.**

Papst Franziskus rief in Rom den Schutz des Heiligen Geistes für das Konzil an. Stehen wir am Beginn der versuchten Auflösung des Schismas durch die katholische Kirche? Deren Geist ist wachsam und pflegt weltweit die äthergeographisch bedeutenden Orte: in der Odilienkapelle befindet sich seit ein paar Jahren eine Blutsreliquie von Papst Johannes Paul II. – Reliquien gehören aber in die Seelenverfassung des Mittelalters. Die spirituelle West-Ost-Vereinigung darf nicht in den Händen der Kirche bleiben. Sie kann nur von Menschen verwirklicht werden, die den Geist des neuen Zeitalters pflegen wollen.

Der britische Brexit

Wenige Tage darauf fand ein weiteres Ereignis von zumindest europa-politischer Tragweite statt: die Abstimmung der Briten für den Brexit. Es ist ein positives Zeichen, dass die Mehrheit der britischen Bevölkerung einer Institution den Rücken kehrt, die geradezu zum Inbegriff einer volks-fernen kafkaesken Regierungsform der Eliten geworden ist. Die Hohlheit der EU ist eindrücklich dokumentiert auf einem Video, welches im Vorfeld der Abstimmung in England die Runde machte und weit höhere Einschaltquoten erreichte als die Propagandareden Camerons: «Brexit – the Movie» (https://www.brexitthemovie.com).

Doch auch hier: der britische Abschied von der EU löst nicht deren und auch nicht die eigenen Probleme. Er schafft höchstens einen Freiraum für eine neue, wirklich weltumspannende Wirtschafts- und Sozialpolitik, die nicht in den geschlossenen Hinterzimmern von «Bilderbergern» und ähnlich anti-demokratischen Gremien beschlossen wird. Wo sind die Träger solcher Bestrebungen?

Deutsche Klarsicht

In Deutschland gibt es erfreulich kritische Stimmen zum Kriegstreiben der NATO an der Westgrenze von Russland. Will die NATO, nicht wie Hitler in Polen, sondern in Russland einfallen, mit Vorwänden, an deren Konstruktion sie stetig arbeitet? Die Folgen wären absehbar katastrophal. Zu den in dieser Beziehung klar Sehenden gehören der deutsche Außenminister Steinmeier, der Schriftsteller Rolf Hochhuth, der ehemalige Minister Andreas von Bülow oder Willi Wimmer, alle auch in Internet-Auftritten zu finden. Im Oktober  bringt Der Europäer ein Interview mit dem NATO-Kenner Daniele Ganser.

Hillary Clinton und Skull & Bones

Ein besonders symptomatisches Stück gegenwärtigen Polit-Spektakels wurde kürzlich in den USA geboten. Hillary Clinton, durch deren Auftritte viel Geld und Aufmerksamkeh-clintonit verschwendet wird, wurde während einer Zeremonie der Elite-Universität von Yale zum Ehrenmitglied von Skull & Bones ernannt. Wir haben die dubiosen Machenschaften dieses seit dem Tod Goethes existierenden Eliteordens oft beschrieben. Seine Hauptlinie besteht darin, ganz widersprüchliche politische Richtungen zu beherrschen, indem sowohl Links- wie Rechtsregimes unterstützt werden. Wer die Gegensätze aufbaut, kann Herr der Resultante werden! Für Skull & Bones sind links und rechts nur zwei «Flügel» einer großen Partei, wie sich Gore Vidal einmal ausdrückte. Frau Clinton spielt also auf der Marionetten-Bühne des Parteien-Spektakels ihre theatralische Rolle und pflegt zugleich innige Beziehungen zu den eigentlichen Drahtziehern hinter den Kulissen.***

Thomas Meyer

 *  Siehe Helmuth von Moltke, hg. von A. Bracher und T. Meyer, Basel, 1993.

**  allerdings ohne Teilnahme von Russland und Bulgarien.

*** http://worldnewsdailyreport.com/connecticut-hillary-clinton-made-honorary-skull-and-bones-member-during-yale-ceremony/.

Europäer Juli/August 2016 (Jg 20 / Nr. 09/10)

Editorial
Der Odilienberg, Brexit und «Skull&Bones»

Samuel Pisar – eine Lebenseinweihung
Thomas Meyer

Monatsbetrachtungen Juli/August
Fred Poeppig

Medien-Rückblick
Franz-Jürgen Römmeler

Edward VII. – Architekt des Ersten Weltkrieges
Franz-Jürgen Römmeler

Keine Mondlandung
Douglas Gibson

Brief aus Boston
«Liberal» einst und heute
Andreas Bracher

Brief aus Stourbridge
H. von Moltke, Krieg gegen Russland und «Neues römisches Reich» 

Waldorf-Impulse in China
Martin Barkhoff

Über Leber, Milz und Herz
Dr. Olaf Koob

Zur Beton-Entwicklung
Markus Sieber

Esther Bright – eine treue Theosophin
Bernhard Kuhn

Wer war Ella Hruschka?
Andrea Hitsch

Tommaso Campanella
Dr. Christin Schaub

Perseus
Ruedi Bind

Persönlichkeiten im Umkreis des Goetheanum (Teil 3)
Alexander von Glenck

Ausstellungshinweis
Nero in Trier
Damian Mallepree

Buchbesprechungen

Leserbriefe

Forum
Rat zu Shakespeare und Bowie
Terry Boardman

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Europäer Juni 2016 (Jg 20 / Nr. 08)

Editorial
Ein großer Brückenbauer – In memoriam Helmuth von Moltke

Monatsbetrachtung Juni
Fred Poeppig

Fercher von Steinwand und Johanni
Imanuel Klotz

Medien-Rückblick
Franz-Jürgen Römmeler

Clements Bündnis mit den
«Binnen-Anthroposophen» 12

Wilfried Hammacher

Emil Molts Initiativen
Manfred Kannenberg-Rentschler

_______________________________________

Die West-Ost-Mission Helmuth von Moltkes, Sonderbeilage

Nachruf auf Helmuth von Moltke
Rudolf Steiner

Moltke und die Gegenwart
Thomas Meyer

Gedenkansprache für Eliza von Moltke
Walter Johannes Stein

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Ausstellungshinweis
Der Schicksalskreis Rom-Habsburg
Damian Mallepree

Buchbesprechungen
Seelenvermächtnis

Herbert Ludwig

J.W. Douglass, JFK und das Unsagbare
John Schuchardt

Leserbriefe

Persönlichkeiten im Umkreis
des Goetheanum
(Teil 2)

Alexander von Glenck

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Ein großer Brückenbauer – In memoriam Helmuth von Moltke

In dieser Nummer gedenken wir anlässlich des 100. Todestages von Helmuth von Moltke (1848–1916) am 18. Juni dieser bedeutenden Individualität und ihrer welthistorischen Aufgabe mit einer Sonderbeilage.

Moltke gehört zu den großen Mitgestaltern der europäischen Geschichte der letzten tausend Jahre – und zwar über Inkarnationen hinweg. Im 9. Jahrhundert fasste die Moltke-Individualität in ihrer Inkarnation als Papst Nikolaus I. den Entschluss, östlich-atavistische Geistigkeit von Europa fernzuhalten, damit die europäische Menschheit den notwendigen Weg zu Materialismus, Naturwissenschaft und Technik einschlagen konnte. Die West-Ost-Trennung im Jahre 1054 («Schisma») war die Folge der Nikolaus-Maßnahmen im 9. Jahrhundert. Sie rief die konfliktträchtige Ausgangslage des Ersten Weltkriegs hervor: Aus der Ost-West-Trennung ging der Ost-West-Konflikt hervor.

Moltkes Rolle als Generalstabschef des deutschen Heeres wie auch das ganze Wesen seiner Persönlichkeit wurde in der Regel verzerrt und verleumderisch dargestellt. Moltkes Verbindung mit der Geisteswissenschaft R. Steiners wurde Gegenstand weiterer, auch Rudolf Steiner treffender Verleumdungen.

Steiners Nachruf vom 20. Juni 1916 fordert künftige objektive Darstellungen der Rolle und Persönlichkeit von Moltke. Und Moltkes welthistorische Bedeutung sieht Steiner in erster Linie darin, dass er mit beiden Beinen verantwortlichst auf der Erde stand und doch den Weg zum Geist einschlug. Steiner verfolgte das nachtodliche Leben der Moltke-Seele und hinterließ Hunderte von Aufzeichnungen mit Post-mortem-Mitteilungen. Diese Mitteilungen skizzieren auch ein Bild vom spirituellen Wirken der Moltke Individualität in Gegenwart und Zukunft. Sie ergänzen das Bild vom äußeren Wirken Moltkes in einzigartiger Weise. Sie stellen so einen Eckstein für jede künftige biografisch-geschichtliche Darstellung dar, die auch die esoterisch-geistige Seite mit umfassen will.

Der Perseus Verlag trug im Jahre 1993 der exoterisch-esoterischen doppelten Wesensart von Moltke durch die Veröffentlichung einer zweibändigen Ausgabe Rechnung. Sie trug den Titel Helmuth von Moltke –Dokumente zu seinem Leben und Wirken und wurde 2005/07. wieder neu und erweitert herausgegeben. Die erste Ausgabe war unter maßgeblicher Mitarbeit von Johannes Tautz erfolgt, dem durch den Moltkekenner und -verteidiger Jürgen von Grone (1887–1978) die Originaldokumente Steiners anvertraut worden waren. Bei der zweiten Auflage kamen u.a. wertvolle Briefkommentare des Europäer-Autors Andreas Bracher hinzu; besonders hervorgehoben sei hier Brachers Betrachtung am Ende des zweiten Bandes: «Der erste Weltkrieg in den nachtodlichen Mitteilungen».

Die Moltke-Seele sieht aus der Post-mortem-Perspektive ihre Gegenwarts- und Zukunftsaufgabe in einer neuen Versöhnung von Sinneswelt und Geisteswelt, der ein neues Verhältnis von Mitteleuropa und dem slawischen Osten entsprechen soll. Dies war für sie die Konsequenz aus der Katastrophe des Ersten Weltkriegs. «Es wird die umgekehrte Aufgabe sein von der im 9. Jahrhundert», heißt es am 22. Juni 1918.

Diese neue Moltke-Mission steht in schärfstem Kontrast zur gegenwärtigen, von dem US-Regime und dessen NATO-Instrument durchgeführten und von den meisten Europäern mitgetragenen Ost-Politik, die weder aus dem Ersten noch dem Zweiten Weltkrieg die notwendigen Konsequenzen zu ziehen wusste. Diese Politik ist kurzsichtig und geistesblind und muss, wenn nicht in letzter Stunde eine Wende eintritt, in eine dritte Katastrophe münden.

Möge das hundertjährige Moltke-Gedenken nicht Rückblick bleiben, sondern zu einem Erwachen für die großen Zeitaufgaben von Gegenwart und Zukunft führen.

Thomas Meyer

Alexander von Glenck: Persönlichkeiten im Umkreis des Goetheanums Teil 1 und 2

von-glenckAlexander von Glenck (geb. 1950) ist der älteste Sohn von Rahel Ruhtenberg und von Otto von Glenck. Er hatte eine jüngere Schwester und einen jüngeren Bruder, der vor drei Jahren unerwartet gestorben ist. Die Mutter war Waldorfschülerin und hatte noch Rudolf Steiner erlebt. Die Familie wohnte am Weg Auf der Höhe in Arlesheim und führte stets ein gastfreies Haus.

Alexander von Glenck erlebte so in seiner Kindheit und Jugend fast die ganze Dornacher und Arlesheimer «Prominenz» mit eigenen Augen und eigenen Ohren mit. Wir baten ihn zu einem Gespräch über seine erlebnisreiche Jugend. Daraus wurden viele Gespräche. Besucher im elterlichen Haus, Schauspieler, Künstler, Sprachgestalter, Vorstandsmitglieder werden aus der Perspektive kindlichen Erlebens und unbefangener jugendlicher Offenheit geschildert. Es werden spontane, subjektive Gefühlseindrücke wiedergegeben. Sie können und wollen kein abgeschlossenes, ausgewogenes Bild der geschilderten Persönlichkeiten liefern. Doch das kindlich-jugendliche Gemüt scheidet oft mit untrüglichem Gespür Großes von Banalem, Echtes von Gekünsteltem, manchmal in ein und derselben Person. Das macht den besonderen Reiz und den tieferen Wert dieser authentischen Schilderungen aus.

Wir bringen die nur leicht edierten Aufzeichnungen dieser Gespräche in mehrteiliger Folge ab dieser Nummer.

Thomas Meyer

Alexander von Glenck – Persönlichkeiten im Umkreis des Goetheanums Teil 1

Alexander von Glenck – Persönlichkeiten im Umkreis des Goetheanums Teil 2

Europäer April/Mai 2016 (Jg 20 / Nr. 06/07)

Editorial
Prinzen, Monarchen und das Drama der Zukunft

Persönlichkeiten im Umkreis des Goetheanums
Gespräch mit Alexander von Glenck

Der spirituelle Terminkalender
Thomas Meyer

Vom rechten Erleben des Zeitenganges
Fred Poeppig

Merkur und Sonne
Márta Varga

Die letzte Rede Moltkes
Marcel Frei

Das Problem des Bösen
Charles Kovacs

Englisches Leben
Hugo von Hofmannsthal

Amenemhet III. und das «Labyrinth» von Fayoum
Dr. Bettina Volz

Wirtschaftliche Begriffe neu denken
Alexander Caspar

Medien–Rückblick

Brief aus Boston
Die New York Times
Andreas Bracher

«Und nun wurde das Geld immer weniger…» ‚
Franz-Jürgen Römmeler

Das Triptychon des «Meisters von Moulins»
Dr. Christin Schaub

Buchbesprechungen
Digitale Demenz
Cyril Moog

Menschheit 2.0 – Die Singularität naht
Benjamin Butler

Leserbriefe

Nürnberger Impressionen
Thomas Meyer

Rätsel / Impressum

 

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Prinzen, Monarchen und das Drama der Zukunft

Am 19. Februar dieses Jahres war bei der Eröffnung eines Kongresses für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise ein Video zu sehen, auf welchem Prince Charles von England eine Ansprache hielt. Der Prinz geißelt darin in ruhiger und sachlicher Art die zerstörerische Behandlung der Erde durch künstliche Düngemittel und Monokulturen usw. Ermacht darauf aufmerksam, dass die richtigen Mittel längst bereitgestellt worden seien, durch den Landwirtschaftlichen Kurs, den Rudolf Steiner 1924 in Koberwitz abgehalten hatte. Es handle sich einfach darum, dass Steiners Angaben endlich weltweit aufgegriffen und befolgt würden.  (Siehe http://www.convegnobiodinamica.it/it/video-19-febbraio-2016/)

Prince Charles schloss sich mit dieser Ansprache einer Reihe anderer repräsentativer Persönlichkeiten an, welche für eine neue, dreigegliederte Weltordnung im Sinne geisteswissenschaftlicher Impulse ein Ohr besaßen.

In den späten 30er Jahren des letzten Jahrhunderts setzte sich der belgische König Leopold III. von Belgien für die Errichtung eines von W.J. Stein geleiteten Instituts in Brüssel ein. Dieses hatte den Zweck, für eine aufzubauende Ordnung der Weltwirtschaft die Daten der Realwirtschaft und der weltweiten Ressourcen zu sammeln und zu koordinieren. Stein sprach wiederholt mit dem interessierten Monarchen über Weltgeschichte aus anthroposophischer Beleuchtung. Er hatte auch Kontakt mit Prinz Bernhard der Niederlande aufgenommen, der sich ebenfalls für die Arbeit des Instituts interessierte. Sowohl Grundintentionen der Währungs-Konferenz von Bretton Woods (1944) wie auch die 1954 durch Prinz Bernhard ins Leben gerufene Gruppe der «Bilderberger» fußten, allerdings in modifiziertem Sinne, auf den Bemühungen des Brüsseler Instituts, das bei Kriegsbeginn geschlossen werden musste. Stein hatte es auf Anregung von D.N. Dunlop, dem Begründer der noch heute als World Energy Congress existierenden World Power Conference ins Leben gerufen. (Siehe J. Tautz, Walter Johannes Steine – Eine Biografie.)

Im Juli 1924 hatte D.N. Dunlop Edward VIII., den Prinzen von Wales, dafür gewinnen können, die World Power Conference zu eröffnen, was ihr von Anfang an Bekanntheit und hilfreiches Prestige verlieh. (Siehe Thomas Meyer, D.N. Dunlop – Ein Zeit- und Lebensbild.)

Im Sommer 1917 überreichte Arthur Polzer-Hoditz Kaiser Karl I. von Österreich-Ungarn ein Memorandum für die mögliche Neugestaltung der Verhältnisse in der Doppelmonarchie. Diese Tatsache wurde, nebst dem erstmaligen Abdruck dieses Memorandums, in der Biografie Kaiser Karls von Arthur Polzer-Hoditz zur Sprache gebracht; in der englischen Ausgabe dieses Buches aus dem Jahre 1930 wurde sie unterdrückt. (Siehe Thomas Meyer, Ludwig Polzer-Hoditz – Ein Europäer.)

*

Zum 400. Todestag von William Shakespeare am 23. April erinnern wir an ein Traumgesicht, das Shakespeare mit ägyptischen Mysterien in Zusammenhang bringt. Es stammt von Ludwig Polzer-Hoditz, der selbst eine große, römische  Monarchenvergangenheit besaß und am 23. April 1869 geboren worden war.

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Liegt in ägyptischen Einweihungsritualen der Ursprung der späteren dramatischen Kunst Shakespeares? So wie Shakespeare einen absoluten Gipfel abendländischer Dramatik darstellt, so legte im 20. Jahrhundert Rudolf Steiner mit seinen Mysteriendramen den Keim für die Dramatik der Zukunft. Sie wird auf die Realität von Reinkarnation und Karma aufbauen.

Möge das diesjährige Osterfest die wahrhaft zeitgemäßen Geistestaten von Monarchen, Dichtern und des Begründers der Geisteswissenschaft und seiner treusten Schüler – in wirksamer Realdramatik auferstehen lassen.

Thomas Meyer

Russisches Roulette, «Verschwörungstheorien» und ein großer Europäer

Der US-Präsident Obama vervierfachte im Februar für 2016 das Budget für die Militärausgaben der an der Westgrenze Russlands aufmarschierten NATO-Armeen. Diese stellten bekanntlich bereits bisher eine durch nichts – als durch Rüstungsgeschäfte und andere unnoble Motive – bedingte Provokation Russlands dar. Nun droht der Kalte Krieg in einen wirklichen Krieg überzugehen, wobei mit dem Einsatz atomarer Sprengköpfe auch auf Seiten Russlands zu  rechnen ist.

«Dieser Schritt [der Obama-Administration] steht in der neueren Geschichte ohne Vorbild da», bemerkt Stephen Cohen, ein emeritierter Professor für Russlandstudien und Politik der Universität von Princeton. «Außer Nazi-Deutschland bei seiner Invasion Russlands, hat sich eine westliche Militärmacht niemals in solcher Nähe Russlands positioniert. Die Entscheidung der Obama-Administration ist nichts anderes als russisches Roulette à la Washington.»*

Natürlich macht dieser Schritt sämtliche angeblichen Friedensbemühungen der USA, nicht nur gegenüber Russland, augenblicklich zur Farce. Ein erneuter Anlass, sich die grundstrukturelle Verlogenheit der heutigen US-Politik zu vergegenwärtigen. Das Wort «Verlogenheit» ist dabei nicht als Ausdruck subjektiver Empörung aufzufassen, sondern als sachliche Kennzeichnung des Grundantriebs dieser Politik. Im Sinne der Formulierung Steiners: «Entweder man entlarvt die Lüge, mit der der Westen arbeiten muss, wenn er reüssieren will (…)»**

*

Während einer Hamburger pädagogischen Tagung am zweiten Februarwochenende erzählte der frühere Abgeordnete der Grünen und Mitglied des Europa-Parlamentes, Gerald Häfner, im kleinen Kreis, wie erschreckend gering nach 9/11 der Widerstand im Bundestag gegen die von Kanzler Schröder und Grünen-Chef Fischer geforderte «bedingungslose Solidarität» mit der US-Regierung gewesen war. Er selbst konnte immerhin erreichen, dass nur ein Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan bewilligt wurde, und nicht auch ein solcher im Irak etc.

Grotesk, dass in einer solchen Weltlage führend sein wollende Anthroposophen den Kampf gegen «Verschwörungstheorien» aufnehmen zu müssen glauben, wie durch den Bund der Freien Waldorfschulen seit letztem Sommer geschehen*** – ohne sich um die Tatsache zu kümmern, dass dieses vergiftende Kampfwort aus dem Kreise der Verschwörer gegen John F. Kennedy hervorgegangen ist.****

*

1916 ist das Gedenkjahr eines bedeutenden Europäers, der zwar nicht ermordet, doch Opfer nachhaltiger Rufmordkampagnen geworden war: Helmuth von Moltke. Es ist zu hoffen, dass mehr Europäer als bisher, das Leben und Leiden dieser Persönlichkeit von weltgeschichtlichem Format vorurteilslos betrachten werden und sich nicht mit fragwürdigen Geist-Begegnungen mit ihm begnügen, in denen versichert wird: «Mit so jemand arbeitet man gerne zusammen»!***** Wir möchten an dieser Stelle auf die erstaunliche Moltke-Impression von Heinrich Mann im Artikel von Andreas Bracher aufmerksam machen (S. 25).

Thomas Meyer

*globalnet@mindspring.com
**Der Europäer, Jg. 3 / Nr. 5 / März 1999
***«Was ist öffentliche Meinung?» Der Europäer, Jg. 19 / Nr. 8 / Juni 2015. Zum Kennedy-Mord siehe James W. Douglass, JFK and the Unspeakable, 2010
**** So geschehen durch den Sprecher des Bundes der Freien Waldorfschulen, Henning Kullak-Ublick, der davor warnte, «Verschwörungstheoretiker» als Referenten an die Schulen einzuladen. In einem Verteidigungsschreiben «an Heinz Mosmann und an viele andere» vom 2. November 2015 empfahl Kullak-Ublick die Schrift von Karl Hepfer, Verschwörungstheorien: Eine philosophische Kritik der Unvernunft. Hepfer gibt einen Überblick über gängige «Verschwörungstheorien», ohne auch nur einen einzigen ernsthaften Vertreter von Ansichten, die von der «political correctness» abweichen, anzuführen.
***** Erlebnis Erdwandlung, 2009, S. 154.

Europäer März 2016 (Jg 20 / Nr. 05)

Editorial
Russisches Roulette, «Verschwörungstheorien» und ein großer Europäer

Clarissa Muller-Stein zum 33. Todestag
Falk Feind

Umgang mit Steiners Mitteilungen über das Erdinnere
Volker S. Zielonka

Brief aus Boston
Die Migranten und die deutsche Regierung
Andreas Bracher

Brief aus Stourbridge
Zum Tod von David Bowie
Terry Boardman

Medien–Rückblick

«Der Mensch als Ware»
Franz-Jürgen Römmeler

Lebensmotive von H. Beckh
Edzard Clemm

Heinrich Mann
Andreas Bracher

Buchbesprechungen
Die Evolution der Minerale zwischen Kosmos und Erde
Dr. Christin Schaub

Mario Betti: Autobiographie
Johannes Greiner

Gespräche mit Rudolf Steiner über Malerei
Andrea Hitsch

Leserbriefe

Bagatelle
Thomas Meyer

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Kaspar Hauser und die Wahrung des künftigen Menschen

Hier ein wunderabres Gespräch zu Kaspar Hauser mit Eckart Böhmer und Jasminka Bogdanovic:

PDF: Kaspar Hauser und die Wahrung des künftigen Menschen

Europäer Februar 2016 (Jg 20 / Nr. 04)

Editorial
Leben mit der Anthroposophie und wahre Positivität

Die anglo-amerikanische und die mitteleuropäische Mission
Thomas Meyer

Kaspar Hauser und die Wahrung des künftigen Menschen
Jasminka Bogdanovic und Eckart Böhmer

Longinus, der Lanzenträger
Marcus Schneider

Februar
Gedicht von Monica von Miltitz

Richard Holbrooke – Tod eines Diplomaten
Andreas Bracher

Medien – Rückblick

Terror bei einem Rockkonzert
Andreas Bracher

GR – €xit? (Teil 2)
Franz-Jürgen Römmeler

Christoph Peter über Mozart (Teil 2)
Edzard Clemm

Lichteurythmie in Amerika
Gabriela Maria Gerber

Laurence Oliphant – ein großer Unbekannter
Thomas Meyer

Hugo von Hofmannsthal  würdigt Oliphant
Thomas Meyer

Forum
Rudolf Steiner Verlag und SKA
Wilfried Hammacher

Die SKA-Kontroverse und neue Projekte
Nicholas Dodwell

Dilldapp

Buchbesprechnungen
Neue Organerkenntnis und kosmischer Mensch
Dr. Wolfgang Leonhardt

Zukunftsgestaltung Waldorfschule
Rainer Monnet

Leserbriefe

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Thomas Meyer

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Leben mit der Anthroposophie und wahre Positivität

Eine kritische Erfahrung und ihre Überwindung

Jeder, der sich viele Jahre ernsthaft mit Anthroposophie beschäftigt, wird früher oder später eine Erfahrung machen, die wie folgt umschrieben werden könnte: Er wird das Bedürfnis empfinden, in sein Verhältnis zur Anthroposophie etwas Neues einzufügen. Es handelt sich für diese Empfindung nicht darum, einfach wieder einmal einen neuen Vortragszyklus zu studieren, sondern darum, eine neue Qualität, einen neuen Grad des Ernstes der Anthroposophie gegenüber zu entwickeln. Das führt bei manchen Menschen zu einer Krise; sie fühlen sich wie an einer finsteren Wand, halten sie vielleicht für undurchdringlich und geben das weitere Studium der Geisteswissenschaft auf.

Diese Wand gibt es tatsächlich. Es ist die Schwelle der geistigen Welt. Sie ist nur zu überschreiten, wenn der Weg der Übung beschritten wird; am Punkt, wo die genannte Erfahrung auftritt, vielleicht zum ersten Mal; oder aber mit dem neuen Entschluss, diesen Weg mit neuer Kraft und neuem Mut weiter zu beschreiten.

Die meisten Leser kennen die sechs Eigenschaften, die auch als «sechs Nebenübungen» bezeichnet werden; das heißt Übungen neben eigentlichen Meditationen, wie sie von Steiner verschiedentlich angegeben wurden. Sie bestehen in: Gedankenkontrolle, Kontrolle der Handlungen, Ertragsamkeit (Toleranz), Unbefangenheit, Vertrauen in die Umwelt (auch als Positivität bezeichnet) und in innerem Gleichgewicht. Das sind die Bezeichnungen, die Rudolf Steiner u.a. in den Schriften Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten? (GA 10) und Stufen der höheren Erkenntnis (GA 12) verwendet. Diese Eigenschaften konsequent und wiederholt auszubilden, ist bereits ein ziemlich sicheres Mittel zur Überwindung der genannten kritischen Erfahrung. Sie sind auch jedem förderlich, der daneben nicht auch noch eigentliche Meditationen durchführt.

Wird die erwähnte Krise nicht gemeistert, dann droht das anthroposophische «Wissen» intellektualistisch zu verflachen. Geisteswissenschaft oder Anthroposophie ist ein Lebewesen. Deshalb muss mit ihr gelebt werden. Das kann die Seele nicht, solange sie sie nur dem kalten Intellekt zum «Fraß» vorwirft. (Näheres dazu findet sich in den Beiträgen auf S. 29 ff.).

Positivität und Lebenswert

Eine besondere Bedeutung kommt angesichts der katastrophalen, ungezähltes Leid erzeugenden Weltlage der Übung der Positivität zu. Diese Übung ist eine ich-stärkende Übung.* Das denkende Ich des Menschen ist der Beurteiler des Lebenswertes, welcher heute so vielfach herabgedrückt, wenn nicht gar annulliert erscheint. Doch wie bestimmt das Ich den Wert des Lebens? Durch eine Division. Der unter dem Strich stehende Nenner mag unzählige negative Erlebnisse enthalten. Solange im Zähler auch nur ein einziger positiver Lebenswert steht – stündlich, täglich, jährlich usw. –, kann der Lebenswert niemals Null werden. In keiner Stunde, an keinem Tag, in keinem Jahr, in keinem Leben.**

Die In-dividualität dividiert. Werden wir wirkliche Individualitäten, so erscheint das Leben unter allen Umständen als lebenswert.

Thomas Meyer

_____________________
*      So Rudolf Steiner in einem Leipziger Vortrag vom 2. Januar 1914 (GA 266c)
**     Dies ist, kurz gefasst, die Art, wie Steiner im dreizehnten Kapitel der Philosophie der Freiheit den Wert des Lebens bestimmt.

«Das katastrophale 21. Jahrhundert»

Ein eurasischer Konflikt – ausgedacht im Jahre 1992 in London

Lesen: PDF: Das katastrophale 21. Jahrhundert, ein eurasischer Konflikt – ausgedacht im Jahre 1992 in London

Europäer Dezember/Januar 2015/16 (Jg 20 / Nr. 02/03)

Editorial
Die Pariser Anschläge – Cui Bono?

Zu einem Weihnachtsbild
Thomas Meyer

Von Benedikt von Nursia zu Rudolf Steiner – Ein Reisebericht
Thomas Meyer

Wie The Economist 1992 das 21. Jahrhundert prophezeite
Terry Boardman

Medienspiegel zum Flüchtlingsdrama

GR – €xit? (Teil 1)
Franz-Jürgen Römmeler

Dem Schöpfer einen Irrtum nachweisen
Dr. Christin Schaub

Anthroposophen und Nationalsozialismus
Andreas Bracher

Helfen – Heilen – Harmonisieren
Hermann Pfrogner

«Die Sprache der Musik in Mozarts Zauberflöte»
Edzard Clemm

Die Fresken von Fra Angelico
Erich Prochnik

Der dreistimmige Lobgesang des Mönchs Quitrillerer
Reto Andrea Savoldelli

Kampf gegen Mitteleuropa
Balázs Korcsog

Forum
Ein Nachklang
Johannes Greiner

Leserbriefe

Bagatellen Nr. 5
Der Pilznarr von Chaville

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Die Pariser Anschläge – Cui Bono?

Ein Tag, nachdem in Beirut über 40 Menschen durch einen ISIS-Anschlag getötet worden waren, fand in Paris gleichzeitig an verschiedenen Lokalitäten eine Serie von Anschlägen statt, der über 130 Menschen zum Opfer fielen und für die sich ISIS ebenfalls als Urheber gemeldet hatte. Neun Monate nach dem Angriff auf Charlie Hebdo.*

Am Tag nach dem Attentat vom 13. November erreichten uns die Zeilen von Jacques Le Rider, der unseren Lesern von Artikeln und zwei Interviews bekannt ist. Der französische Germanist flog am 13. November von Wien nach Paris. Er berichtet:

«Gestern Abend ereignete sich das schrecklichste terroristische Blutbad der Zeitgeschichte in Paris. (…) Für die Pariser ist es klargeworden: Sie wohnen in einem gefährlichen Kriegsgebiet. Paris wird zum westeuropäischen Beirut.»

Le Rider befand sich am Tag der Attentate auf dem Rückflug von Wien nach Paris und hatte viele Stunden vor den Anschlägen folgende Erlebnisse:

«Ich flog aus Österreich zurück nach Paris (Charles de Gaulle). Schon in Wien wurde vorgewarnt: ‹Ab heute sind die Schengen-Regelungen in Frankreich aufgehoben›; also muss man auf eine Passkontrolle bei der Ankunft in Paris gefasst sein. Ich dachte: das ist eine Vorsorge-Maßnahme wegen der großen Klimakonferenz in Paris Anfang Dezember. Am Flughafen CDG herrschte, wie mir schien, eine gewisse Nervosität an der Grenzkontrolle. Nie hatte ich soviel Polizei und Zollbeamte gesehen. Zum ersten Mal seit vielen Jahren wurde mein Gepäck ‹perlustriert› (Pass oder Ausweis wurde allerdings nicht verlangt). Wenige Stunden später begann in Saint-Denis und in Paris die Reihe der Attentate. Ich bin überzeugt, dass alle Sicherheitsdienste in Frankreich und in Europa Alarm angemeldet hatten. (…) Wer waren die Mörder? Wieso konnten sie sich mitten in Paris wie Fische im Wasser bewegen und sich, mit schweren Kampfwaffen ausgerüstet, unbemerkt organisieren? Offene Fragen…»

Diese Fragen wird im Einzelnen derzeit wohl niemand, der nicht zu den Drahtziehern gehört, beantworten können.** Doch kann mindestens verhindert werden, einseitigen oder falschen Fragestellungen aufzusitzen. Die Frage ist beispielsweise nicht, ob «ISIS» wirklich hinter den Attentaten steckt, sondern Cui bono? Wem dienen diese Attentate? Eine Antwort auf diese Frage zeichnet sich bereits jetzt mit einer fast unheimlichen Klarheit ab: den Machtkreisen, die Russland, das allein ISIS gezielt bekämpft hatte, aus Syrien weghaben wollen, um Assad doch noch zu stürzen; sowie der US-geführten NATO, die nun alle NATO-Staaten zu einem blutigen Engagement in Syrien zwingen könnte, Frankreich allen voran.

Wir erinnern daran, dass «das neue Kalifat» bereits in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als politischer Plan westlicher Mächte nachzuweisen ist, zum Beispiel in einem Economist-Artikel der Jahreswende 1992/93.***

*

Alle gegenwärtigen Kriege sind, geistig betrachtet, «Stellvertreter-Kriege» der ahrimanischen Mächte, welche die Menschheit davon abhalten wollen, den zeitgemäßen Weg zum Geist zu finden, indem sie fortwährend in Terror und Krieg verstrickt wird. Die menschlichen Propagandisten solcher Kriege sind in Wirklichkeit Ahriman-Rekruten. Ihre Kriege drehen sich nur zum Schein um Recht, Demokratie, westliche Werte etc.; in Wirklichkeit unterminieren sie den modernen Weg zum Geist.

Angesichts der düsteren Weltlage möchten wir unsere Leser auf ein ungewöhnliches Weihnachtsbild von Charles Kovacs hinweisen (S. 3), das diesen Weg zum Geist zum Inhalt hat.

Thomas Meyer

* Siehe Der Europäer, März 2015.

** Auch nicht die Frage, weshalb laut der Times of Israel vom 14. November Verantwortungsträger für die Sicherheit der jüdischen Gemeinde Frankreichs im Voraus vor Anschlägen gewarnt worden seien: «Just Friday morning, security officials in France’s Jewish community were informed of the very real possibility of an impending large terrorist attack in the country, according to Jonathan-Simon Sellem, a freelance journalist and a representative of French citizens in Israel.» Siehe http://www.voltairenet.org/article189278.html
Siehe auch http://www.globalresearch.ca/paris-under-attack-was-it-a-false-flag-a-pretext-for-nato-to-intervene-in-syria-and-the-middle-east/5489159; ferner zur gleichzeitigen Notfallübung
http://www.heise.de/tp/artikel/46/46585/1.html  und
http://alles-schallundrauch.blogspot.ch/2015/11/warum-paris-keine-false-flag-operation.html

*** Siehe das Editorial in der November-Ausgabe und den Artikel «Das katastrophale 21. Jahrhundert» von Terry Boardman in dieser Ausgabe.

Das «Neue Kaliphat» – längst geplant

Den Europäern mangelt die Fähigkeit, langfristige Perspektiven für die Entwicklung Europas und der Welt zu erfassen. Nicht so den entscheidenden politischen Kreisen im Westen (oder auch innerhalb der Kurie).

Wir haben in dieser Zeitschrift immer wieder auf die Weltkarte aufmerksam gemacht, die im September 1990 im Wirtschaftsmagazin The Economist erschienen war.

Diese Karte war von einem Artikel begleitet, der eine Art Zukunftsprogramm für die Gestaltung der Welt im 21. Jahrhundert entwarf. Auf ihr gibt es kein einheitliches Europa mehr. Europa wird in einen West- und einen Ostteil zerrissen; der eine steht in der Einflusssphäre des aufgeklärten Protestantismus/Katholizismus, der andere in der der orthodoxen Strömung. Daneben gibt es imaginäre Kontinente, die ebenfalls nach «religiösen» Gesichtspunkten benannt wurden: Hinduland, Confuciania und Islamistan. Zehn Jahre später erfolgten die Anschläge vom 11. September 2001, welche islamistischen Tätern in die Schuhe geschoben wurden. Nun konnte das Projekt Islamistan in die Tat umgesetzt werden. Der Kampf gegen den «islamistischen Terror» diente als Vorwand für die Zerstörung von Afghanistan, Irak, Libyen und so fort. Jetzt ist Syrien an der Reihe, andererseits Russland bedroht, weil man ihm das Herzstück Ukraine zu entreißen sucht.

In beides spielt ein scheinbar neues Phänomen hinein: das neue Kaliphat. Scheinbar neu, denn auch dieses wurde im Economist kurz nach der Veröffentlichung obiger Karte «vorausgesehen». Ein gutes Jahr nach der besprochenen Karte erschien zum Jahreswechsel 1992/93 ein geistreicher «Phantasie»-Artikel, mit dem Titel «Rückschau aus dem Jahre 2992» – also nach 1000 Jahren. Er gab sich als Auszug aus einem in diesem Zukunftsjahr erschienenen Buch über Weltgeschichte und trug den Untertitel: «Eine Weltgeschichte, Kap. 13: Das katastrophale 21. Jahrhundert».* Nach der weitgehenden Realisierung von «Islamistan» besteht aller Grund, auch diesen Artikel näher zu betrachten. Er schildert u.a. die Entstehung eines Neuen Kaliphats, «deren treibender Faktor nicht die Religion war, obwohl diese der Bewegung das Identitätsgefühl verlieh; es war vielmehr ein Hypernationalismus (…) Das erste Opfer war die Türkei (…) Die Kräfte des Neuen Kaliphats fegten den Bosporus hinauf und errichteten im Krieg von Sanjak (2016) den ersten Brückenkopf im süd-östlichen Europa.
Doch das Hauptziel war der zerfallende Leichnam von Russland (…) Hier fand das neue Kaliphat die Basis für seine Verbindung mit China.»

Am Schluss des Auszugs aus der fiktiven Weltgeschichte wird geschildert, wie sowohl das Kaliphat wie auch China ihre Weltrolle längst wieder abgegeben haben. Die beiden Schlusssätze lauten: «Die Bedingungen für eine Pax Democratica» – natürlich unter US-Regie – «sind endlich eingetreten. Wenn nur das Volk von 1992 schon eingesehen hätte, was seine fernen Nachkommen zustande brachten.»
Im Klartext: Angestrebt wird eine anglo-amerikanische Weltregierung, die sich gegenwärtig des Islams als Mittel bedient, ganze Länder zu destabilisieren und zu chaotisieren. Nun soll nach den oben genannten Ländern das «vereinigte» Europa chaotisiert werden.**

Dies ist der wahre Hintergrund der vorwiegend aus islamischen Ländern strömenden Migrationswelle. Das Neue Kaliphat soll einen Keil zwischen ein chaotisiertes Europa und ein chaotisiertes Russland treiben.

Hinter den westlichen «Fiktionen» steht eine reale Langzeitplanung; hinter der maßgeblichen Politik der Europäer ein Haufen naiver Illusionen.

Thomas Meyer

*     The Economist, Dec. 26th 1992 – January 8th 1993.
**     Nichts steht den im Gewand von fiktiven Karten und Buchauszügen in Erscheinung tretenden anglo-amerikanischen Weltmachtplänen mehr im Wege als ein wirklich geeintes Europa. Denn dieses könnte auch mit Russland lebensfähige Verbindung herstellen, was zu verhindern das erklärte Ziel der US-Außenpolitik der letzten hundert Jahre ist.

Europäer November 2015 (Jg 20 / Nr. 01)

Editorial
Das «Neue Kaliphat» – längst geplant

November, der Schwellenmonat
Thomas Meyer

Rudolf Steiners Vorträge über das Erdinnere
Einleitung von Volker S. Zielonka

Die USA und die VW-Blamage
Franz-Jürgen Römmeler

Großbritannien und China
Terry Boardman

Halloween und Horror
Andreas Bracher

Novemberstimmung in Brahms‘ Requiem
Dr. Christin Schaub

November – Ein Gedicht
Monica von Miltitz

Okkulte Hintergründe der Rockmusik (Schluss)
Johannes Greiner

In Memoriam Christoph Peter (1927–1982)
Hermann Pfrogner

Forum
Eine Antwort an Johannes Greiner
Terry Boardman

Klarstellung einer Formulierung
Arnold Sandhaus

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(Keine) Bagatelle

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Europäer Oktober 2015 (Jg 19 / Nr. 12)

Editorial
Jenseits von Ehrgeiz, Eitelkeit und Unwahrhaftigkeit

Okkulte Hintergründe der Rockmusik (Teil 1)
Johannes Greiner

Zum Nachlass von W. J. Stein
Thomas Meyer

Mein Weg zur Anthroposophie «Der Jugendkreis» (Teil 3)
Wilhelm Rath

Geld mit Verfallsdatum
Harald Herrmann

Brief aus Stourbridge
Japan und der Westen
Terry Boardman

Deutschland und die Eurozone
Andreas Bracher

Erinnerungen an Kurt Hendewerk
Wilfried Hammacher

Selma Lagerlöf und Rudolf Steiner
Gardar Sahlberg

Wirkung geistiger Wesen im Westen
Dr. Olaf Koob

Leserbriefe

Bagatellen

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Jenseits von Ehrgeiz, Eitelkeit und Unwahrhaftigkeit

Man kann gewiss Manches gegen die Politik Victor Orbans einwenden, im Besonderen auch in Bezug auf die Flüchtlingsfrage. Doch in einem Punkt hat der ungarische Regierungschef recht. Der Architekt Attila Ertsey (Budapest ) machte uns darauf aufmerksam, dass «Viktor Orban sagte, die Krise sei von uns – das heißt vom Westen und der NATO, deren Mitglied wir sind – hervorgerufen worden, und daher liege die Verantwortung bei uns allen.» Eine solche Äußerung Orbans wird in den westlichen Medien verschwiegen. Ertsey fordert: Die Einmischung von Cameron, Hollande, den USA und ihren Verbündeten im Mittleren Osten müsse gestoppt werden, damit die betreffenden Länder selbst über ihre Zukunft entscheiden können. Wir möchten hinzufügen: Unglücklicherweise liegt die durch die Flüchtlingswelle bewirkte Chaotisierung Europas durchaus auf der Linie einer ehrgeizigen anglo-amerikanischen Langzeitstrategie. Der schon von Churchill ausgesprochene Plan der Errichtung einer allmächtigen Super-Weltregierung lässt sich nicht mit einer geeinten, sondern nur mit einer chaotisierten Eurozone durchführen. Nur auf den Trümmern Europas ist der Churchill-Plan durchführbar. Europa wird mit dem Flüchtlingsproblem nicht fertig werden, ehe es diese westliche Chaos-Strategie, die sich gegenwärtig sogar der nur in verlogener Art bekämpften ISIS-Rebellen bedient, durchschaut. Laut Ertsey hat sich ein ISIS-Führer damit gebrüstet, dass unter den Flüchtlingen bereits zirka 4000 ISIS-Kämpfer eingeschleust worden seien.

*

Rudolf Steiner gab drei Kardinaluntugenden der heutigen Zeit an: Ehrgeiz, Eitelkeit und Unwahrhaftigkeit.*

In Bezug auf die Letztere sagte er einmal, die «Verlogenheit sei die Grundeigenschaft des öffentlichen Lebens unserer Zeit».**

Aus Motiven der Eitelkeit wird nach Steiner nicht nur viel privates Tun motiviert, sondern auch viel «Wissenschaft» getrieben. Es sei an dieser Stelle beispielsweise auf die fragwürdigen, äußerst aufwendigen und nicht ungefährlichen Forschungen im CERN aufmerksam gemacht.

Und persönlicher Ehrgeiz ist vielleicht der erste Feind aller spirituellen Entwicklung, wie schon Mabel Collins in ihrem Schulungsbuch Licht auf den Weg darstellte. Daher gibt sie als ersten Schritt auf dem okkulten Entwicklungsweg an: «Ertöte den Ehrgeiz». Keine leichte Sache, denn der Ehrgeiz ist tief verwurzelt in den Lebens- und Bildungsgewohnheiten der meisten heutigen Menschen.

Man muss weit zurückgehen in der Menschheitsgeschichte, um Zeiten zu finden, denen Ehrgeiz noch ganz unbekannt war. Es ist dies die erste atlantische Zeit, die vom mächtigen TAO-Klang durchtönt war. Es war die goldene Zeit selbstloser Hingabe an Natur und Geist, die als gewaltige Einheit empfunden wurden.***
Die «unheilige Trinität» gehört zu den tieferen Ursachen des gegenwärtigen Kriegsgeschehens. Dieses steht im reziproken Verhältnis zur Ablehnung des seit über 100 Jahren verbreiteten Geisteswissens: je mehr Geist-Ablehnung in Form von persönlichem Ehrgeiz, von Eitelkeit und Unwahrhaftigkeit – je größer die Kriegsgewalten. Ohne energische Hinwendung zu konkreter Geist-Erkenntnis keine dauerhafte Lösung weder des gegenwärtigen Flüchtlingsproblems**** noch des weiteren Schicksals Europas und der Welt.

Thomas Meyer

______________________________________________________________________________________________
*    Gegenüber W.J. Stein, Mitteilungen aus der anthroposophischen Arbeit in Deutschland, Michaeli 1966.
**    Am 21.8. 1920, GA 199.   
***    Siehe R. Steiner, Aus der Akasha-Chronik, GA 11.
****    Humanitäre Hilfe ist selbstverständlich unter allen Umständen in höchstem Maße geboten.

Europäer September 2015 (Jg 19 / Nr. 11)

Editorial
Der dreifache Werdegang Europas

Der heilige Bauer
Michaeli-Vortrag 1956
Charles Kovacs

9/11 – eine Bilanz
Thomas Meyer

Mein Weg zur Anthroposophie
Der «Kreis»-Gedanke (Teil 2)
Wilhelm Rath

Im Windschatten des Majdan
Franz-Jürgen Römmeler

Putin-Trolle und -Versteher
Gerd Weidenhausen

Belsazar und Rembrandt
Dr. Christin Schaub

«Das Blut des Thomas Becket»
Bericht einer Theateraufführung
Thomas Meyer

Forum
Aufmarsch der Naiven
Arnold Sandhaus

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Der dreifache Werdegang Europas

I. Die irdische Gattin des unbesieglichen Gottes

Perseus, der Sohn des Zeus, hatte eine irdische Verwandte, in deren Schicksal in tiefer Art auch Zeus eingriff: Europa. Ihr phönizischer Vater war Agenor, ein Poseidon-Sohn; die Mutter hieß Lybia und war eine ägyptische Königstochter. Als junges Mädchen hatte die Jungfrau Europa einen bedeutenden Traum: Zwei Frauen erschienen ihr darin, die eine mit phönizischen Zügen, die ihr vertraut waren, die andere von fremdartigem Aussehen. Eines Tages erschien Zeus der Jungfrau in Gestalt eines lieblichen Stiers, der Europas Vertrauen gewann. Kaum saß sie auf seinem Rücken, entführte er das naive Mädchen durch das Meer nach Kreta, wo er – in Gestalt eines unbekannten Mannes – drei Söhne mit Europa zeugte, Minos, den Inspirator der Minoischen Kultur, und Rhadamanthys und Sarpedon. Minos und Radamanthys wurden zu Wächtern über die Seelen der Toten bestellt.
Zeus ließ die dergestalt Verführte einsam und allein zurück. Europa haderte mit ihrem Schicksal, als ihr Aphrodite erschien und sie mit den Worten tröstete: «Liebe hat dich hierher geführt. Darum tröste dich, Europa! Zeus ist es, der dich als Stier geraubt. Zeus war es, dem du die Hand gereicht. Nun bist du die irdische Gattin des unbesieglichen Gottes. Dein Name wird unsterblich sein, denn der fremde Weltteil, der dich aufgenommen hat, wird für alle Zeiten Europa heißen.»

So war die künftige Mission Europas von einem übersinnlichen Wesen – Zeus – geleitet worden. Die großen Werte von Kunst, Philosophie und Demokratie waren Europas schönste Früchte.

II.  Europa hat den Geist verloren

EUROPA-POMPEJIHeute befinden wir uns am Ende dieses Werdeprozesses. Kein übersinnliches Wesen nährt Europa mehr. Kunst, Philosophie und «Demokratie» sind hohl und phrasenhaft geworden. Ein goldenes Kalb des reinen Materialismus ist an die Stelle des göttlichen Stiers getreten, dem Europa einst gefolgt war. Geist ist zum geistlosen «Gold» geworden. Kein Zufall, dass ausgerechnet Griechenland, die Geburtsstätte der besten europäischen Werte in bitterer Art die gesamteuropäische Dekadenz widerspiegelt: Die Europäische Union ist ein rein materialistisches Konstrukt, das nicht funktioniert hat und nicht funktionieren wird. Und Griechenland wurde nun im Labyrinth dieser uneinigen Einheit in Geiselhaft genommen. Nicht aus Liebe der übrigen Europäer für dieses Land, sondern wegen wirtschaftlicher und geo-politischer Berechnungen. Der höchste Wert, der höchste Maßstab für «Wirklichkeit» ist Geld und Macht. Die für Europa wichtigsten Institutionen (IWF, EZB, EK, NATO) sind alle auf diese zwei Mächte gebaut. Die Hohepriester des europäischen Goldenen Kalbs sind die «Halbgötter» von Goldman-Sachs. Sie haben Griechenland, zumindest als beratende Hehler, in die Euro-Zone getrickst, und sie müssen nun mit einer Klage gegen den irreführenden Rat und gegen den Hehler-Preis von über 500 Millionen Dollar rechnen. Kaum Aussicht, dass die Klage Erfolg hat, denn einer der früheren Goldman-Sachs Halbgötter (Mario Draghi) ist der Präsident der EZB.

III.  Zerstörerischer Militarismus

Ein Nebenprodukt des europäischen Materialismus ist der zerstörerische Intellektualismus und die blinde Vasallentreue gegenüber den westlichen Hohepriestern einer grenzenlosen Geld- und Machtgier. Traurig, doch die meisten dieser dekadenten «Werte» werden heute besonders in Deutschland hochgehalten. Ein schockierender Beweis, der gleichsam die andere Seite der griechischen Münze darstellt: Eine amerikanische Militärbasis bei Mannheim, die im Jahre 2015 eigentlich geschlossen werden sollte, hat eine Verlängerung der Erlaubnis für militärische Operationen erlangt. Am 23. Juni hat der neue amerikanische Verteidigungsminister, Ashton Carter, den Transport von schwerem militärischem Gerät nach Mittel- und Osteuropa verkündet, begründet durch «die russische Aggression». Eines der Resultate: Im Juni wurden 250 Bradley Panzer und anderes militärisches Gerät nach Bremerhaven verschifft und von dort per Zug u.a. zur Militärbasis bei Mannheim befördert.

nato-panzer-mannheim

Ein 9-minütiges Video hat die Einfahrt des Zuges festgehalten. Ein düsterer Trauerzug, der auf dem Video vom berühmten Trauermarsch von Chopin begleitet wurde.
Die EU ist ein Titanic-Projekt, das die völlige Zerstörung Europas zum Ziel hat, und es in den nächsten großen Krieg stürzen soll. Der nächtliche Eisberg ist der hartnäckige europäische Materialismus. Das EU-Europa ist nur das Vorspiel für eine «wirksame Welt-Super-Regierung» (Churchill am 14. Mai 1947); am Ende des Vorspiels soll es politisch versinken, wie einst Atlantis physisch versunken war. Und Europa steht alldem hilflos gegenüber, da es allen Geist verloren hat und die meisten derer, die in Europa einen neuen Geist heraufführen wollten, verkannt, verjagt und verspottet hat. Eine von diesen Individualitäten ist, neben Rudolf Steiner, Helmuth von Moltke, der wie das personifizierte Gewissen für den geistigen Ursprung Europas und für die geistige Zukunft dieses Kontinents dasteht – falls er überhaupt noch eine Zukunft hat.

IV.  Europa muss den Weg zum neuen Geist entdecken

Hinter all dem lärmigen und leidvollen äußeren und inneren Kriegstreiben ruft Europa nach einem neuen geistigen Realismus, der die Einsicht bringt, dass es nirgends «Wirklichkeit» gibt ohne die entsprechende geistige Komponente; dass die sogenannten Toten ebenso zum Leben gehören wie die Lebenden, dass selbst hinter dem Geld ein geistiges Element zu finden ist. Diese neue Mission Europas lebt in vielen lebenden als auch verstorbenen Seelen. Nach seinem Tod im Juni 1916, tönt diese Mission zum Beispiel machtvoll aus der Seele Moltkes:
«Europa muss zur Selbstbesinnung kommen und selbst sich zum Geiste finden.» (Moltke II, 3. 5. 1919)

Das ist die gegenwärtige und künftige Mission dieses Kontinents, dessen Aufgabe aus einer alten Spiritualität erfloss, die vollkommen versiegt ist. Falls Europa den Weg zum Geist wirklich findet – und das können konkret immer nur einzelne Europäer –, dann wird auch ein anderes Post-mortem-Wort von Moltke wahr werden: «Wie eine Episode wird das materialistische europäische Zeitalter sein, wenn die neue Geistsonne einmal der Menschheit leuchten wird.»

Thomas Meyer

In memoriam Hella Wiesberger

Drei Schwellenübertritte markanter Vertreter der anthroposophischen Sache

Hella Wiesberger starb am 13. Dezember 2014, zwei Wochen vor der 66. Wiederkehr des Tages, an dem Marie Steiner am 27. Dezember 1948 gestorben ist. Ohne Marie Steiner noch im Erdenleben zu begegnen, hatte sie ihre Herausgebertätigkeit am Archiv der Rudolf Steiner Nachlassverwaltung wenige Monate zuvor begonnen, die sie dann durch 66 Jahre ausgeübt hat: also durch zwei die Geschichte bildenden Rhythmen von 33 Jahren.

weiter lesen:

Interview mit Volker Vogel zur „Zauberflöte“

Interview mit Volker Vogel zur Zauberflöte in Dornach als PDF

Perseus, Putin und die Bilderberger

Wie jeden Sommer werden auf der nördlichen Hemisphäre Ende Juli und in der ersten Augusthälfte die Meteoritenschwärme im Sternbild des Perseus – die sogenannten Perseiden – sichtbar.

Nach diesem Sternbild benannten wir bei dessen Gründung unseren Verlag. Dabei hatten wir den griechischen Mythos im Auge, der zeigt, wie Perseus, mit Merkurflügeln beschuht, im Spiegel seines Schilds, der Medusa mit einem Schwert das Haupt abschlägt. Medusa verkörpert die alten, dekadent gewordenen Kräfte der Hellsichtigkeit. Sie mussten im Spiegel der reflektierenden Vernunft abgetötet werden, wenn Menschheitsfortschritt werden sollte.

PERSEUS_webDie Astronomin und Anthroposophin Elisabeth Vreede (1879-1943) sprach, wie wir erst nach der Verlagsgründung erfuhren, im Zusammenhang mit dem Sternbild des Perseus einmal von Perseus-Michael. Sie schreibt: «So muss es uns schon als bedeutungsvoll vorkommen, dass im Sommer, wenn es schon gegen den Herbst zu geht, diejenigen Sternschnuppen, mit denen das kosmische Eisen herabkommt, das den schwefeligen Sommerdrachen besiegt, aus derjenigen Richtung her erscheinen, in welcher der Perseus steht, der nach alter Überlieferung als das Sternbild des Michael anzusehen ist.»*

Wir haben es bei Perseus also mit einem Michaelkämpfer zu tun, der alte anti-rational gewordene Kräfte zurückzudrängen hat. Sein Schwert ist das Michaelschwert.
Im Sinne dieses Motivs versuchen Verlag und Zeitschrift seit mehr als drei Jahrsiebten, in vernunftgeleiteter Art aktuelle Gegenwartsfragen zu behandeln, die oft von einem Wall von irrationalen Emotionen oder medusaartigen Tabus umgeben sind – wie zum Beispiel die Ereignisse des Ersten Weltkriegs, des Nationalsozialismus, der westlichen Machtpolitik oder auch spirituelle Strömungen, die das Fundament der Geisteswissenschaft zu untergraben suchen usw.

Da der heutige Michael-Impuls eine energische «Spiritualisierung des Intellekts» verlangt, kommen auch konkrete karmische und reinkarnatorische Tatsachen zur Sprache. Dies zeigt sich bis in die karmischen Angaben unseres Kalenders hinein.

Auf dem Hintergrund dieser Erläuterungen ist auch das Logo der Zeitschrift entstanden.** Beim Perseus-Emblem haben wir es also mit einem Michael-Symbol zu tun. Es möchte zum geistigen Kampf aufrufen, in jeder einzelnen Seele. Es ist der Kampf der zur realen Spiritualität strebenden Vernunft mit den irrationalen Medusamächten auf dem Grund der Menschenseele.

Wir gehen einem konfliktschwangeren Sommer entgegen.
Vom 10. bis zum 14. Juni fand im österreichischen Tells-Buchen ein Bilderbergertreffen statt. Auf der Agenda u.a. : Künstliche Intelligenz, Griechenland, Russland, die NATO.
Anwesend waren u.a. US-Strategen wie der Neocon Robert Zoellick von Goldman Sachs und Jens Stoltenberg, der die US-kontrollierte NATO-Kriegsallianz anführt.

Dass ohne Russland auch über Russland verhandelt wurde, zeigt, dass die westlichen Machtgruppen à la Bilderberger die NATO-Urdevise «…to keep Russia out» eisern weiter verfolgen.
Im Vorfeld der Bilderberger-Konferenz gab Präsident Putin Luciano Fontana, dem neuen Chefredakteur des Corriere della Sera, am 6. Juni in Moskau ein sehr beachtenswertes Interview. Es ist von einer differenzierten, überlegenen und gelassenen Haltung geprägt und zeugt von der ehrlichen Friedenssuche des russischen Präsidenten. Kernsätze daraus: «Ich glaube, dass diese Krise willentlich geschaffen wurde (…) Die Berichterstattung darüber war absolut inakzeptabel …Wir wurden schlicht gezwungen, auf das, was geschehen ist, zu reagieren… Der Punkt ist, dass Beziehungen langfristig gesehen nicht in einer Atmosphäre der Konfrontation, sondern auf dem Geist der Zusammenarbeit errichtet werden sollten (…) Unsere Politik ist nicht global offensiv (…) Die Militärausgaben der USA sind höher als die aller anderen Länder der Welt zusammen. (…) Die gebündelten Militärausgaben der NATO-Länder betragen das Zehnfache, wohlgemerkt das Zehnfache,  derjenigen der Russischen Föderation. Russland hat so gut wie keine Stützpunkte im Ausland. Ich fordere Sie auf, in Ihrer Zeitung eine Weltkarte abzudrucken und darauf alle US-Militärstützpunkte zu verzeichnen. Sie werden den Unterschied sehen. (…) Nur eine verrückte Person kann sich vorstellen, dass Russland plötzlich die NATO angreift (…)

Schließlich haben sich die Vereinigten Staaten einseitig aus dem Vertrag gegen ballistische Raketen zurückgezogen. (…) Ich habe unseren amerikanischen Partnern vorgeschlagen, sich nicht einseitig aus dem Vertrag zurückzuziehen, sondern zusammen ein Anti-Raketensystem zu entwickeln, wir drei: Russland, die Vereinigten Staaten und Europa. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt (…) Beispielsweise wünschen die Amerikaner keine Annäherung Russlands an Europa.»

Diese Rede wurde in der deutschen Presse nur auszugsweise zitiert.***

Mögen die Meteoritenschwärme aus dem Sternbild des Perseus im August zu klaren Gedanken über die von unheilvollsten Medusakräften durchzogene Weltlage anspornen. Mögen sie dazu anregen, Schein und Wirklichkeit in der gegenwärtigen Weltkrise immer deutlicher zu unterscheiden.

Thomas Meyer

*     E. Vreede, Anthroposophie und Astronomie, Kap. 25, «Sternschnuppen und Meteore»

**   Es hätte selbstverständlich auch in anderer Art aus dem spirituellen Perseus-Motiv umgesetzt werden können.

*** http://www.en.kremlin.ru/events/president/news/49629 (vollst. engl. Version)
       http://vineyardsaker.de/ukraine/interview-putins-mit-der-italienischen-zeitung-corriere-della-sera/ (dt. Version)

Europäer Juli/August 2015 (Jg 19 / Nr. 9/10)

Editorial
Perseus, Putin und die Bilderberger

Mein Weg zur Anthroposophie
Wilhelm Rath

Der geistige Hintergrund der öffentlichen Meinung
Thomas Meyer

Inspiratoren der öffentlichen Meinung
Rudolf Steiner, Vortragsnotizen

Aus dem Leben von Giacinto Scelsi
Ruedi Bind

Brief aus Boston
Saul Bellow und die Anthroposophie
Andreas Bracher

Rudolf Steiner und die soziale Frage
Harald Herrmann

Stiftungen und Sponsoren in Eurasien
Franz-Jürgen Römmeler

Postmoderne im Kampf mit Moderne
Gerd Weidenhausen

Splitter des Zeitgeschehens
Damian Malepree

Brief aus Stourbridge
Verständnis und Missverständnis von Hegel
Terry Boardman

Ein Missbrauch von Fichte
Cyril Moog

In memoriam Hella Wiesberger
Wilfried Hammacher

Der innere Feind
Johannes Greiner

Heilwirkung des Isenheimer Altars
Thomas Meyer

Bericht zur Dunlop-Tagung
Sevak Gulbekian und Prue Benson

Interview mit Volker Vogel über die Zauberflöte
Thomas Meyer

Bagatellen
Der Briefträger von Saint-John Perse
Thomas Meyer

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Elementarkatastrophen und ihr Hintergrund

Fast täglich kommt es irgendwo auf unserem Planeten zu Erdbeben oder Vulkanausbrüchen, in größerer oder geringerer Stärke. Seit Ende Februar wurde Chile wiederholt von Erdbeben heimgesucht. Ende April traf es in besonderer Heftigkeit Nepal. Neben den üblichen mehr oder weniger materialistischen Erklärungen gab es nach dem Beben von Nepal, dem viele Tausende zum Opfer fielen, eine ungewöhnliche Stimme. In der italienischen Zeitung La Repubblica war am 27. April aus der Feder der indischen Schriftstellerin Anita Nair zu lesen: «Indem wir den Planeten in egoistischer Art verwüsteten und indem wir dabei eine Haltung der völligen Gleichgültigkeit gegenüber der Umwelt an den Tag legten, haben wir zu all den Katastrophen beigetragen.» Und weiter: «Es kommt mir der Gedanke, dass das nepalesische Volk hier den Preis für die menschliche Gier bezahlt.» Ein großer Gedanke über die Mitverantwortlichkeit aller Menschen für das Verhalten unseres Planeten! Ein solcher Gedanke ist nicht nur vernünftig, er erhält durch die geisteswissenschaftlichen Einblicke in das Erdinnere und seinen Zusammenhang mit den Vorgängen in der Seele des Menschen auch eine Kraft, die uns nicht nur die materiellen Schäden, so gut es geht, beheben lässt – sondern die uns lehren kann, den seelisch-geistigen Ursachen solcher Katastrophen die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. «Die Erde gehört uns nicht», schließt Nair ihren Artikel, «und wir können nicht einfach tun, was uns beliebt. (…) Es handelt sich um eine Kollektivschuld. (…) Wir müssen das Heilmittel für diese Schuld finden.» Es ist schon seit hundert Jahren da, doch wird von ihm noch kaum Gebrauch gemacht. Es heißt «innere Entwicklung» und «spirituelle Erkenntnis des Zusammenhangs von Mensch und Erde».

*

Eine andere Art von Elementarkatastrophe hatte sich vor 80 Jahren, am 14. April 1935 ereignet, als führende Schüler und Freunde Rudolf Steiners aus der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft ausgeschlossen worden waren. Darunter D.N. Dunlop, dem aus Anlass seines 80. Todesjahres am 30. Mai eine Gedenkveranstaltung in London gewidmet wird. Diese Ausschlüsse waren keineswegs nur eine interne Angelegenheit der AAG; sie erleichterten das Hochkommen des Nationalsozialismus in Deutschland. Doch die Schäden waren weltweit und sind noch heute nicht behoben.

Bemerkenswert, dass am selben Tag fast die ganzen USA von einem Sand- oder Staubsturm heimgesucht worden sind, wie nie vorher und nie nachher. Dieser Tag ist als «Black Sunday» in die US-Geschichte eingegangen.

Bemerkenswert, dass Ludwig Polzer-Hoditz, der die Ausschlüsse zu verhindern suchte, in der Nacht darauf einen «spirituellen Sturm» erlebte.
Als D.N. Dunlop, den Steiner als den geeigneten Mann zur Führung der Anthroposophischen Gesellschaft in England ansah, wenige Wochen nach der spirituellen Elementarkatastrophe von Dornach am 30. Mai 1935 unerwartet verstarb, ereignete sich am gleichen Tag in Pakistan ein Erdbeben, dem 50‘000 Menschen zum Opfer fielen.

Sowohl für die mehr natürlichen wie für die spirituellen Elementarkatastrophen gilt das Wort, das Steiner im vierten Bild des ersten Mysteriendramas Die Pforte der Einweihung den Geist der Elemente im Hinblick auf die materialistische Gesinnung von Menschen sagen lässt:
«…eurer Arbeit Folgen / entfesseln Sturmgewalten / in Urwelttiefen.»

Erst wenn mehr und mehr Menschen mit der konkreten Einheit von Welt und Menschenseele ernst machen, können Katastrophen beider Art nach und nach vermieden werden.

Materielle Hilfe ist selbstverständlich das Erste bei physischen Katastrophen; ein Rückbesinnen auf die ursprünglichen spirituellen Intentionen bei solchen zweiter Art. Doch beide Arten von Katastrophen werden sich so lange wiederholen, bis nach den tieferen seelisch-geistigen Ursachen für sie gesucht wird.

Thomas Meyer

Europäer Juni 2015 (Jg 19 / Nr. 8)

Editorial
Elementarkatastrophen und ihr Hintergrund

D.N. Dunlop zum 80. Todesjahr
Thomas Meyer

Die Sommer-Sonnenwende
Vortrag von Charles Kovacs

Dante und sein Lebenswerk
Marcus Schneider

Was ist «öffentliche Meinung»?
Thomas Meyer

Brief aus Boston
Warren Buffett, «ein Übermensch»?
Andreas Bracher

Brief aus Stourbridge
Großbritannien und Japan
Terry Boardman

Ein höher entwickeltes Fühlen
Dr. med. Olaf Koob

Bagatellen
Thomas Becket in Basel
Thomas Meyer

Mensch und Unter-Natur
Rezension von Maschinen und der Menschengeist von Paul Emberson
Andreas Bracher

Selma Lagerlöf, eine Dichterfürstin
2 Buchbesprechungen
Claudia Törpel

Vision einer Machtübernahme
Zum Roman Unterwerfung von M. Houellebecq
Andreas Bracher

Innerhalb-außerhalb der Anthroposophie
Arnold Sandhaus

Splitter des Zeitgeschehens
Franz-Jürgen Römmeler

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Europäer April/Mai 2015 (Jg 19 / Nr. 6/7)

Editorial
Geist-Erkenntnis als Aufbaukraft

Das Wesen Anthroposophie
Ein Vortrag von Charles Kovacs

Fehlende Tempellegende in SKA 7
Thomas Meyer

Bedeutung der Krimkrise
Georgij Kavtaradse

Dornacher «Salto mortale»?
Franz-Jürgen Römmeler

«Shakespear von Arabien»
Brief aus Stourbridge
Terry Boardman

Weihnacht und die Jefferson-Bibel
Brief aus Boston
Andreas Bracher

Die neun Erdschichten
Thomas Meyer

Todeskräfte und «grüne» Technologie
Paul Emberson

Das Herz als Sonnenorgan
Dr. med. Olaf Koob

«Der Segen Jakobs» von Rembrandt
Dr. med. Christin Schaub

Der Weg des Judas
Sivan Karnieli

Splitter des Zeitgeschehens
Franz-Jürgen Römmeler

Kopernikanische Wende?
Lukas Zingg

Die Snowden-Filmdokumentation
Ruedi Bind

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Geist-Erkenntnis als Aufbaukraft

Charles Kovacs macht in seinem bedeutenden Vortrag über Anthroposophie darauf aufmerksam, dass alles Wissen vom Geist in jeder Menschenseeele ruht, wie die Fische in der Meerestiefe. Er zeigt aber auch, dass ebendieses Wissen, solange es nicht ins Licht des denkenden Bewusstseins gehoben wird, zerstörerische Kraft wird. Soviel Geist-Verdrängung in der Welt ist, soviel Zerstörungskraft ist in ihr.

Statt konkreter Geist-Erkenntnis fast überall Phraseologie, Nominalismus und theoretisierender Intellektualismus. Wohltuend immerhin, dass da und dort Einzelne die Phänomene der Zerstörung wenigstens nicht phrasenhaft bemänteln, sondern sie beim Namen nennen. So, um nur zwei Beispiele herauszugreifen, der Whistle Blower Edgar Snowden, der das Ausmaß des Überwachungs-Überstaates, in dem wir uns schon längst befinden, ahnen lässt (siehe Filmhinweis auf S. 50), auch wenn er bisher nichts zur Aufklärung der Ur-Katastrophe des 21. Jahrhunderts beiträgt, der Attentate von 9/11; so der ungarnstämmige Georg Friedman, der den Think Tank STRATFOR ins Leben rief und der in einem Vortrag vom 4. Februar 2015 klarlegt, dass das Hauptinteresse der US-Außenpolitik der letzten 100 Jahre darauf ausgerichtet war, ein Zusammengehen von Russland und Deutschland zu verhindern, denn nur ein solches Zusammengehen könnte der Macht der USA bedrohlich werden. Friedman zeigt auch, dass die russische Regierung bei der US-inszenierten «Orangenen Revolution» in der Ukraine begriff, dass der neue bedrohliche Machtblock der Russischen Föderation durch die Spaltung der Ukraine zerschlagen werden soll usw. Wir empfehlen unseren Lesern, zumindest die mit deutschen Titeln versehene Kurzfassung dieses Vortrags zu beachten.
https://www.youtube.com/watch?v=oaL5wCY99l8

Auch in der anthroposophischen Strömung schwimmt vielerorts ein geist- und bodenloser Intellektualismus obenauf, wie ein in allen Farben schillernder Ölteppich, der das Leben der Fischwelt bedroht. Der besonders auffällig schillernde SKA-Initiator von Salt Lake City zeigt in der Facebook-Hexenküche, in der sich täglich suhlen muss, wer nicht «von gestern» sein will, ein erschreckend anderes Gesicht als zwischen seinen akademischen Buchdeckeln. Eine Facebook-Teilnehmerin wollte im letzten Herbst wissen, ob es stimmt, was im Europäer stand: dass Rudolf Steiner von den Mormonen post mortem getauft worden sei [so geschehen am 22. Januar 1990*], und findet solche Taufen generell «bizarr». Darauf der SKA-Herausgeber am 17. Oktober 2014 wortwörtlich: «Sag mal, Roswitha Hoppe, ist es nicht ebenso «bizarr», sich hinzusetzen und laut Steinerbücher zu lesen – und zu erwarten, dass die Verstorbenen da oben sich jetzt ganz doll freuen, weil sie endlich die Segnungen der Geisteswissenschaft erhalten? Inwiefern ist eine stellvertretende Taufe bizarrer als stellvertretendes Steinerlesen?»**
Anderntags beschmiss er einen weiteren Facebook-Teilnehmer mit einem Wort, das mit A beginnt und mit ch endet. So weit die «Segnungen» des neuen Steiner-Schriftgelehrten.
Es führt ein gerader Weg vom zynisch-frivolen Umgang mit Gedanken und Tatsachen zur sozialen Barbarei.

*

«Die Menschen auf der Erde müssen aus den Ereignissen lernen, dass Gedanken Tatsachen sind», heißt es in einer anhaltend-aktuellen Post-mortem-Mitteilung Helmuth von Moltkes vom 24. Mai 1918. Und ein Jahr später hören wir am 1. Mai 1919: «Falsche Gedanken sind in den Zeiten wie den jetzigen die eigentlich zerstörerischen Kräfte».***

Vom Gedanken-Ernst zur Geist-Erkenntnis, so heißt der Weg des Aufbaus. Auf diesem Weg allein kann Anthroposophie gefunden werden.

Thomas Meyer

_________________________
*    Siehe Editorial im Europäer, Jg. 18. Nr. 2/3, Dezember-Januar 2013/14
**    Quelle: Facebook-Gruppe ‚Virtuelle Anthroposophische Gesellschaft‘ Sebastian Gronbach, Post Christian Clement; 17. Oktober 2014, 16.00 Uhr
***    Siehe Helmuth von Moltke – Dokumente zu seinem Leben und Wirken, Bd. 2, Basel 2. Aufl. 2006

Europäer März 2015 (Jg 19 / Nr. 5)

Editorial
Der Kriegswille und das neue Geisteslicht

Paul Gauguin und die Südsee
Thomas Meyer

Im Gedenken an Marie Steiner
Ansprache von Ehrenfried Pfeiffer

Wege innerer Entwicklung
Giovanni Colazza

Wer war Giovanni Colazza?
Piero Cammerinesi

Rasse und Individualität
Carmelo Samonà

Homunculus des 21. Jahrh. – Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik (Teil 3)
Dr. med. Christin Schaub

Templer und Reformatoren
Franz-Jürgen Römmeler

Grenzen der Philologie
Dr. med. Olaf Koob

Splitter – Kuriosa des Zeitgeschehens
Franz-Jürgen Römmeler

Was kam denn da ins Haus?
Wilfried Hammacher

Endlose Suche nach den Quellen
Arnold Sandhaus

Distanzierung
Aus Info 3, Januar 2015

Aus 15‘000 Briefen von Samuel Beckett
Ruedi Bind

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Der Kriegswille und das neue Geisteslicht

Am 15. Februar trat in der Ukraine ein auf Initiative der deutschen Kanzlerin und des französischen Präsidenten ausgehandelter Waffenstillstand ein. Vielleicht ist er, wenn diese Nummer erscheint, bereits gebrochen worden. Wenn nicht, ist ein solcher Bruch nur eine Frage der Zeit. Denn wie sollte in der Ukraine dauerhafter «Frieden werden, solange Washington vorhat, das Kiewer Marionettenregime militärisch auszubilden und ihm (neue) Waffen zu senden»? wie der US-Politologe Craig Roberts fragte.* Wie sollte Friede werden, wenn die Anti-Putin-Kriegsstimmung in den USA u.a. mit gefälschten Fotos von angeblichen russischen Panzeraufmärschen in der Ukraine am Kochen gehalten wird?** Wie sollte dauerhafter Friede werden, wenn auf Seiten der USA ein absoluter Kriegswille vorhanden ist, wie dies in der Vorkriegszeit des Ersten Weltkriegs bei den britischen Eliten und ihrer kontinentaleuropäischen Hauptmarionette Poincaré der Fall war?
Die Sanktionen gegen Russland aufzuheben, wagten die europäischen Staatsmänner nicht. Ihr Respekt vor der westlichen Macht ist – übermächtig. Obwohl das US-Regime im 20. Jahrhundert mehr Staatsstreiche inszeniert, Kriege angezettelt und Militärbasen errichtet hat als irgendein Staat auf der Erde. Was ist das Geheimnis seiner Macht? Sie liegt in deren okkult-geistigen Wurzeln. Zum Beispiel in den Impulsen, die von gewissen Toten herrühren, die mit zeremonieller Magie im Kreis der Lebenden erhalten werden. Rudolf Steiner hat solche Praktiken erläutert (z.B. in GA 174).
«Es wandeln jetzt viele Persönlichkeiten auf der Erde, denen die Seele fehlt», heißt es in der zweitletzten Post-mortem-Mitteilung Moltkes (vom 13. Januar 1924). «Sie werden Träger dämonischer Gewalten. Wer diese erkennen will, braucht die Erkenntnis des Geistes.» Und dann folgt ein leider immer noch weitgehend wahrer Satz: «Und diese wollen die Menschen nicht haben.»

Paul_Gauguin_Ta mateteSeit dem Jahre 1899 lebt die Menschheit in einer Epoche neuen Geisteslichtes. Paul Gauguin malte in diesem Jahre auf Tahiti ein Bild der Früchte-Ernte, durch das ein neuer Goldgrund schimmert, wie ihn auch das Mittelalter nicht gekannt hat. Dieses Licht kann jedoch nur den Menschen leuchten, die es in seiner Wahrheit erkennen und es nicht mit dem bengalischen Feuer allerhand «glänzender», aber unfruchtbarer Ideen verwechseln. Als erste Morgenfrucht des neuen Geistestages konnte die Menschheit vom Baume der Erkenntnis Geisteswissenschaft abernten. Doch ließ man deren Früchte meist unbeachtet hängen oder schalt und schilt die Ernte-Arbeiter wüste Träumer und Phantasten.
Erst wenn es mehr und mehr Menschen nach den wahren Früchten dieses neuen Geisteslichts verlangt, werden real-solide Fundamente für einen dauerhaften Frieden errichtet werden können.

Thomas Meyer

*    http://www.globalresearch.ca/the-minsk-peace-deal-farce-or-sellout/543103
**    http://www.msnbc.com/all-in/watch/paper-publishes-false-photos-of-tanks-in-ukraine-399075907706
***    Dieses Gemälde ist in der Ausstellung in der Fondation Beyeler / Riehen zu sehen, welche noch bis Ende Juni dauert.

Conrad Schachenmann, Günter Aschoff, Hella Wiesberger

Drei Schwellenübertritte markanter Vertreter der anthroposophischen Sache

Im eben abgelaufenen Jahr gingen drei Persönlichkeiten über die Schwelle der geistigen Welt, welche jede auf ihre Weise dem Werk Rudolf Steiners verpflichtet war und es in der einen oder anderen Art fruchtbar zu machen suchte. Conrad Schachenmann verschied am 15. Mai, Günter Aschoff am 9. Dezember und Hella Wiesberger am 12. Dezember 2014 Da die drei Genannten arbeitsmäßig zum Teil in engem Zusammenhange standen, bringt der Europäer erste Nachrufe auf sie im selben Heft. Wir betrachten es als großes Glück, dass uns Wilfried Hammacher sofort einen Nachruf auf Günter Aschoff sandte, da Aschoff viele Jahre lang enger Mitarbeiter von Hammacher an der Novalis-Bühne gewesen war, und da auch Hammacher als Biograf Marie Steiners sich dem selben Aufgabenkreis verpflichtet weiß wie die betreffenden Persönlichkeiten.

Die Beiträge zu Conrad Schachenmann und Hella Wiesberger stammen vom Herausgeber dieser Zeitschrift, der Broder von Laue, Justina Schachenmann, Gisela Gaumnitz und Alexander Lüscher wertvolle Angaben verdankt. Zu Hella Wiesberger verfasst Alexander Lüscher, welcher in deren letzten Lebensjahren eng mit ihr zusammengearbeitet hatte, gegenwärtig einen ausführlicheren Nachruf, der im Goetheanum erscheinen wird.

Thomas Meyer

Denkwürdige Massenkundgebung in Paris – politisch unkorrekte Bemerkungen

imagination_Auf den Transparenten des Millionenheeres, das sich am 11. Januar 2015 in Paris gebildet hatte, steht: «Sanctions contre Obama!» «A bas la dictature de l’Euro!» «Europe, réveille toi!» «Abolissons l’OTAN!» «Fin à la désinformation par les médias!» Wir wurden Zeugen einer einzigartigen Massendemonstration mit aufrüttelnden Slogans. Den Regierenden steht seit Wochen der Schweiß auf der Stirn. Sie eilen in panzergeschützten Fahrzeugen von Notkonferenz zu Notkonferenz. In der Geschichte des 20. Jahrhunderts niemals dagewesen!
Nicht einmal Der Europäer hätte sich das träumen lassen.

Doch, ach – nichts dergleichen dagewesen an besagtem Sonntag. Stattdessen solidarisierten sich Millionen mit dem Satireblatt Charlie Hébdo, das durch abgeschmackte Karikaturen seit Jahren von sich reden machte. Ein banales «Je suis Charlie» hat «L’Imagination au pouvoir», den Studenten-Slogan vom Mai 1968, definitiv ausgelöscht.

Was kann den Machteliten lieber sein, als wenn die Massen ein billiges  Karikaturblatt als heroischen Eisbrecher für Presse-, Meinungsfreiheit und Demokratie verteidigen?

Gewiss, die Morde waren scheußlich. Kaum weniger scheußlich aber, wie die Medien und die demonstrierenden Massen schlucken, dass bloß heftig behauptet, aber praktisch nichts wirklich aufgeklärt wurde – wie bei 9/11, wie bei dem die Sanktionen gegen Russland auslösenden Flugzeug-Abschuss in der Ost-Ukraine etc. etc. – und nichts aufgeklärt werden muss. Denn die zugegebenermaßen «angeblichen» Täter* wurden sogleich abgemurkst, so dass sie weder wahre noch falsche Aussagen machen können.

Scheußlich, dass die Main-stream-Medien und die Massen schlucken, dass schon wieder zwei jahrelang bestens überwachte und den Diensten wohl bekannte Burschen wie bei den Anschlägen von Boston die Hauptrolle gespielt haben sollen.** Scheußlich schließlich, dass die Massen und die Medien schlucken, dass schon wieder ein Personalausweis-Wunder passiert ist, wie nach 9/11. Und warum beging der mit Kouachi-Ermittlungen betraute Kommissar Fredou einen Tag nach dem Attentat mit seiner Dienstwaffe Selbstmord?***

Ein bisheriges Netto-Resultat des «islamistischen» Attentats und der nachfolgenden Mobilisierung der Medien und der Massen: Wer noch an der Notwendigkeit des von den US und zunehmend auch von der NATO geführten Kriegs gegen den «islamistischen» Terror zweifelt, ist ein Freund eben dieses Terrors, ein Feind von Freiheit und Demokratie – und muss überwacht, wenn nicht in Gewahrsam genommen werden. Die Massen sprangen an jenem Sonntag geschlossen mit geschlossenen Augen in das Freiheits-Massengrab des heraufziehenden europäischen Überwachungsstaats. Ein Festtag für die «Einiger» Europas. Die «autoritative, allmächtige Weltregierung», welche Winston Churchill bereits 1947 projektierte**** und zu der die «Einigung» Europas nur das nötige Präludium darstellt, ist ihrer Verwirklichung um einen ganzen Sprung näher gerückt. Auf die europäischen Massen ist jetzt endgültig Verlass: Sie haben allen Wirklichkeitssinn und Geschmack verloren. Sie wollen schlafen. Die Macher der internationalen Politik – deren Marionetten wohlbewacht in einer Pariser Nebenstraße Solidarität mit den Demonstranten heuchelten – scheren sich derweil nicht um die wenigen «Intellektuellen», welche noch denken und erkennen wollen. Hauptsache, sie haben die Massen hinter sich. Und das haben sie in Europa infolge des Hébdo-Attentats mit einem Schlag weitgehend erreicht. Bahn frei für den «Patriot Act für Europa». Eine denkwürdige Massenkundgebung.

Thomas Meyer

*       Der Spiegel vom 10. 1. 2015.
**     Die beiden Brüder hatten eine Einreise-Sperre in die USA.
***    http://www.oe24.at/welt/Charlie-Hebdo-Ermittler-beging-Selbstmord/172330128 – Näheres zu Fredous Kouachi-Ermittlungen in der Märznummer.
****    Siehe das Editorial in Der Europäer, Jg. 16, Nr. 2/3, 2011/12. – Weitere Quellen: https://www.jungewelt.de/2015/01-13/046.php http://www.nachdenkseiten.de/?p=24556 – Siehe auch «Splitter» in dieser Ausgabe, S. 25.

Europäer Februar 2015 (Jg 19 / Nr. 4)

Editorial
Denkwürdige Massenkundgebung in Paris – politisch unkorrekte Bemerkungen

Der Weg Mitteleuropas
Cyril Moog

Berlin, Motzstraße «17»
Jutta Schwarz

Dauerhafte Abwehr des deutschen Geistes
Helmut Kohl und Konrad Adenauer
Andreas Bracher

Drei bedeutende Persönlichkeiten
Conrad Schachenmann (1921-2014)
Thomas Meyer

Günter Aschoff (1943-2014)
Wilfried Hammacher

Hella Wiesberger (1920-2014)
Thomas Meyer

Deflation und Inflation
Franz-Jürgen Römmeler

Was ist das Herz?
Dr. med. Olaf Koob

Splitter des Zeitgeschehens
Franz-Jürgen Römmeler

Zwei abgelehnte Buchbesprechungen
Thomas Meyer, Der neue Kain
und Im Zeichen der Fünf
Dr. med. Christin Schaub

Leserbriefe

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Der furchtlose Königssohn und die gegenwärtige Weltlage

Die Ereignisse des Jahres 2014 haben weltweit neues Leid gebracht und Furcht und Schrecken eingeflößt. Dauerkrieg im einstmals heiligen Land, im Irak, in Syrien, in der Ukraine, um nur den Anfang einer langen Liste zu benennen. Und die Aussicht in die nahe Zukunft ganz verdüstert. Die Menschheit, vorab die europäische, scheint aus zwei Weltkriegen weniger als nichts gelernt zu haben. Es sind alle Teufel losgelassen, oder sagen wir: fast alle. Denn auch «das Schlimmste» kann noch schlimmer werden. Was ist denn die Lektion, welche die Weltenlenkung gegenwärtig mit Katastrophen zu vermitteln sucht? Vertrauen auf die Kraft des unsichtbaren Geistes und auf die Macht der Lauterkeit des Herzens. Beides tritt uns unverstellt aus Volksdichtungen entgegen, die der aufgeklärte Europäer oft als «Märchen» abtut. Ein solches ist das Märchen vom «Königssohn, der sich vor nichts fürchtet»*. Ehe dieser Königssohn sich mit der Jungfrau seiner eigenen, rein gebliebenen Seele – die Griechen nannten es das Goldene Vlies – vermählen kann, hat er fürchterliche Proben durchzustehen. Er muss mit Klugheit einen Riesen überlisten, der ihn übertölpeln will. Er muss ihm von dem Baum des Lebens einen Apfel holen, vor dem ein Ring hängt. Drei Nächte muss er sich in einem Zauberschloss von ungezählten Teufeln plagen lassen, in einer Art, die Grünewalds «Versuchung des Antonius» als mildes Spiel erscheinen lässt. Er wird gefoltert und verwundet, doch da er furchtlos ausharrt, wird ihm am Ende das Wasser des ewigen Lebens gereicht, das alle zeitlichen Wunden heilt. Der Königssohn ist das Kind in uns, das in lauterer Gesinnung und im furchtlosen Vertrauen auf die Kraft des Geistes, auf den «König Ich» in sich, und auf die aus dem wahren Ich geborene Erkenntnis (Ring und Apfel) den Zugang zum verlorenen Baum des Lebens finden kann.

Nur solche furchtlosen Königssöhne werden die Schläge der Gegenwart und nahen Zukunft unbeschadet überstehen können. Nur durch solche Königssöhne kann der Riese «Gewalt» und können die Teufel aller Geistesfurcht besiegt und überwunden werden.

Dieses Jahr wurde auch Der Europäer von allerlei uns vorher kaum bekannten Hindernissen und Schwierigkeiten heimgesucht. Er hatte gegen unerwartete Finanzengpässe, die dank der Hilfe einiger Sponsoren durchschritten werden konnten, und gegen Unregelmäßigkeiten im Versand zu kämpfen. Eine aufwendige Systemumstellung war von Computerpannen begleitet. Unser Telefon- und Maildienst versagte so manches Mal. Man konnte glauben, man befände sich in einem Zauberschloss und hätte noch nicht die lösende Formel gefunden.

Viele Leser warten ungeduldig auf die neue Jahresrechnung. Das freut uns sehr. Die Rechnungen werden mit Sicherheit eintreffen. Doch falls es erneut zu Verzögerungen kommen sollte, bitten wir nochmals um Ihre Nachsicht.

Wir möchten allen Abonnenten danken, die trotz solcher Widrigkeiten, die im 18. Jahrgang wie aus allen Winkeln krochen, dem Europäer die Treue hielten. Der Spuk scheint zu Ende zu sein, und wir sind zuversichtlich, ein ruhigeres Europäer-Jahr vor uns zu haben. Auch wenn die mittelfristige Finanzierung des Perseus Verlags, in welchem Der Europäer erscheint, noch der nachhaltigen Lösung harrt. (Siehe auch unser Oktober-Editorial.)**

Wir wünschen unseren langjährigen wie unseren neuen Abonnenten eine besinnliche Adventszeit, ein stilles Weihnachtsfest in ernster Weltlage und einen Übergang ins Neue Jahr, mit Schritten, die so wagemutig und furchtlos sind wie die des Königssohns.

Thomas Meyer und die Redaktion des Europäer

*    Es handelt sich um ein Grimm-Märchen
**   Beachten Sie bitte unseren im Impressum angegebenen neuen telefonischen Auskunftsdienst am Donnerstagmorgen.

Europäer Dezember / Januar 2014/2015 (Jg 19 / Nr. 2/3)

Editorial
Der furchtlose Königssohn und die gegenwärtige Weltlage

Weihnacht und die Kindheitskräfte
Vortrag von Charles Kovacs 1959

Die Heiligen Drei Könige
Bettina Volz

Zur Kraft des Ehrgeizes
Mabel Collins

Die wahre «Urkatastrophe»
Nachwort von Thomas Meyer zu Der Kampf um den russischen Kulturkeim (Neuerscheinung)

Splitter des Zeitgeschehens
Franz-Jürgen Römmeler

Schlafwandler, Hasardeure und ein Souverän
Franz-Jürgen Römmeler

Eindrückliche Begegnung mit Marie Steiner
Monica von Miltitz

Zum 66. Todestag von Marie Steiner-von Sivers
Christin Schaub

Vier Mariendogmen der katholischen Kirche
Claudia Törpel

Die Komposition des «Seelenkalenders»
Johannes Greiner

Anthroposophie als Geisteswissenschaft
Vorträge von Werner A. Moser,
Buchhinweis, Thomas Meyer

Die Wiener Juden und Otto Weininger
Ein neues Werk von Jacques le Rider,
Buchhinweis, Thomas Meyer

Aus dem Wirken Rudolf Steiners (Teil 3)
Wilfried Hammacher

Ein Rückblick auf die SKA-Debatte
Wilfried Hammacher

Forum
Nur eine Art Test?
Arnold Sandhaus

Freimaurerei in Serbien
Branko Ljubic

Leserbriefe

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Europäer November 2014 (Jg 19 / Nr. 01)

Editorial
Ein Anthroposophie-Seminar in Nepal und eine neue Rubrik

Über den wahren Cagliostro
Thomas Meyer

Splitter des Zeitgeschehens – Eine neue Rubrik

Eine Reise nach Sizilien – Teil 2
Thomas Meyer

Der Fall Landru
Franz Jürgen Römmeler

Folgen des Ersten Weltkriegs
Andreas Bracher

Markus Osterrieder, Welt im Umbruch
Buchbesprechung von Andreas Bracher

Die Wikinger – Eine Berliner Ausstellung
Claudia Törpel

Aus dem Wirken Rudolf Steiners – Teil 2
Dichtung von Wilfried Hammacher

Forum
Umgang mit Rudolf  Steiners Werk
Ein Tagungsbericht von Béatrice Vianin

Politische Haltung  des Dalai Lama
Branko Ljubic

Zur Ukraine-Krise
Dietmar Brander

Leserbriefe

Lösung Rätsel

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Ein Anthroposophie-Seminar in Nepal und eine neue Rubrik

Editorial-01-jg19Zwischen dem 10. und dem 12. Oktober fand in Katmandu das erste jemals in dem kleinen asiatischen Gerbirgsland durchgeführte anthroposophisch-geisteswissenschaftliche Seminar statt. Organisiert wurde es durch die von Krishna Gurung gegründete Stiftung* Kevin Rohan Memorial Eco foundation /KRMEF). Nachdem seit vielen Jahren unter der Leitung von Hans Mulder (Neuseeland) an verschiedenen Orten des Landes bio-dynamische Aktivitäten aufgebaut und entwickelt und u.a. ein Kindergarten gegründet worden war, wollte Krishna Gurung erstmals eine Einführung in den spirituellen Hintergrund dieser Aktivitäten anbieten –die Geisteswissenschaft R. Steiners. Der Asien-erfahrene anthroposophische Arzt Dr. Olaf Koob und Thomas Meyer, den seine Oliphantforschung nach Nepal geführt hatte, unterzogen sich mit Freuden dieser Aufgabe, begleitet von Annette Kurz, welche in Grundelemente des Konflikt-Managements einzuführen suchte.

Koob vermittelte Grunderkenntnisse der physiologischen und seelischen Dreigliederung, und Meyer zeigte die Entwicklung von Leib, Seele und Geist im Laufe des seit dem letzten lemurischen Fische-Zeitalter bis zum heutigen Fische-Zeitalter abgelaufenen platonischen Weltenjahres. Die rund 40 Teilnehmer lauschten voller Enthusiasmus und stellten aus der Praxis gegriffene Fragen.

Rudolf Steiner wies auf die Möglichkeit hin, die Impulse der sechsten Kulturepoche, die eigentlich in Europa vorbereitet werden müssten, aus «asiatischen Kulturen» heraus zu entwickeln.** Diese Möglichkeit scheint angesichts des weitgehenden Verlassens der europäischen Geist-Aufgabe, immer mehr zu einer Notwendigkeit zu werden.
Manche Zuhörer waren stark berührt, als am Vorabend des historischen Todestages*** des in Nepal geborenen Gautama Buddha die geisteswissenschaftliche Tatsache ausgesprochen wurde, dass der führende Geist des neueren Deutschtums, aus dem auch die Anthroposophie schöpfte, kein anderer als der einstige Angelos Buddhas ist.

*

Unserem langjähriger Mitarbeiter Boris Bernstein sei an dieser Stelle für seine regelmäßig mit vorbildlicher Verlässlichkeit eintreffende 4-seitige Kolumne Apropos herzlich gedankt. Diese Kolumne hat zahlreichen Lesern zu einem kritischen Blick auf die Zeitereignisse verholfen.

Sie wird ab dieser Nummer von einer neuen kurzen Rubrik abgelöst – Splitter des Zeitgeschehens. Die von Franz-Jürgen Römmeler betreute Rubrik soll ab der Dezemberausgabe auf nur einer Seite jeden Monat bemerkenswerte Tatsachen zusammenstellen, die uns von symptomatischer Bedeutung zu sein scheinen.

Thomas Meyer

* Kevin Rohan Memorial Eco Foundation www.krmef.org
** 2. Nov. 1919 (GA 191)
*** 13. Oktober 483 v. Chr.

Europäer Oktober 2014 (Jg 18 / Nr. 12)

Editorial
Der NATO-Kriegswille und die wachsende Verintellektualisierung der Anthroposophie

Eine Reise nach Sizilien (Teil 1)
Thomas Meyer

Das Michaelfest
Vortrag von Charles Kovacs

Georg im Westen – Guanyin im Osten
Eine Bildbetrachtung von Johannes Greiner

TAFTA-TTIP und TiSA
Franz Jürgen Römmeler

Rembrandt und Paulus
Claudia Törpel

Altägypten und Argentinien
Bernhard Steiner

Der achtgliedrige Pfad als Schule und Therapie
Beitrag zur anthroposophischen Psychotherapie von Harald Haas

Vom Schicksal der Philosophie
Steffen Hartmann

Elif Shafak, Die vierzig Geheimnisse der Liebe
Buchbesprechung von Bettina Volz

Wie schrieb Rudolf Steiner Die Geheimwissenschaft
Tagungsbericht eines Kolloquiums an der Alanus-Hochschule, Johann Silberbauer

Selbstbesinnung
Ein Gedicht von Johannes Soppa

Leserbriefe

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Der NATO-Kriegswille und die wachsende Verintellektualisierung der Anthroposophie

Niemand, der das Ergebnis der NATO-Gipfelkonferenz in Wales vom 5./6. September mit Wirklichkeitssinn zur Kenntnis nahm, wird sich Illusionen über den wahren Charakter dieses nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Auflösung des Warschauer Paktes eigentlich überflüssig gewordenen westlichen Bündnisses machen: Die NATO ist heute ein US-Interessen dienendes europäisches Söldnerheer, ein offensichtliches Angriffs-Bündnis, welches seine wirtschaftlichen und geopolitischen Ziele mit einer beispiellos verlogenen Kampagne zum Aufbau des «Feindbilds Russland» zu rechtfertigen sucht. Eine «schnelle Eingreiftruppe», allen demokratischen Kontrollinstrumenten der Mitgliedsstaaten entzogen, hat nichts mit Friedensförderung zu tun. Ebenso wenig wie neue Sanktionen gegen Russland – schon gar nicht zum Zeitpunkt russisch-ukrainischer Friedensverhandlungen. Europa hat sich praktisch widerstandslos dem westlichen Joch einer unwürdigen Fremdbestimmung gefügt, welches seine historische Vermittlerrolle zwischen West und Ost nur erwürgen kann. Dass selbst die «neutrale» Schweiz auf Druck der USA einen von Außenminister Burkhalter bestimmten, fähigen Vermittler im Ukraine-Russland-Konflikt (Tim Gulidmann) abberief, gereicht  diesem Land zur historischen Schande.
So wie vor 100 Jahren ein völlig unangegriffenes Russland (durch britische und französische Kräfte getrieben) einen zerstörerischen Kriegswillen nach Westen entfaltete, so tut das gegenwärtig das US-Marionettenheer der NATO in Richtung Osten. Die Menschheit scheint in 100 Jahren lediglich gelernt zu haben, die Aggressionsrichtung um 180 Grad zu ändern.

*

Nicht weniger erbärmlich ist die zunehmende Verintellektualisierung der Anthroposophie, welche sich gegenwärtig unter aktivem Mittun oder passivem Beifall zahlreicher «Anthroposophen» vollzieht. Sie wurde bereits von der Seele Helmuth von Moltkes als Tendenz erlebt, wie folgende Post-mortem-Imagination Moltkes vom 26. Oktober 1920 zeigt: «Das nächste Schicksal der ‹geistigen Bewegung› wird sein, dass sie wie ein gerupftes Hühnchen dastehen wird. Man wird ihr alle Federn ausreißen.»

Die damit gemeinte Anthroposophie ist ein Lebewesen; mehr noch: ein Lebewesen mit der Kraft, sich über das rein Irdische zu erheben. Diesem Wesen wird das Leben und zugleich die immanente Flugkraft geraubt, wenn es auf dem Hintergrund neuester Computertechniken intellektualistisch «ausgeschlachtet» wird. Statt sich durch wirkliche Anthroposophie gedankenmächtig zum lebendigen Geist zu erheben, werfen mehr und mehr Menschen, nachdem sie anthroposophische Substanz für ihr persönliches Leben, ja oft für ihre berufliche Tätigkeit und ihre wissenschaftliche Karriere reichlich ausgeschlachtet haben, nur noch mit toten Hühnerknochen um sich. Ein symptomatisch-erschütterndes Beispiel dafür war eine diesjährige Tagung in Alfter (siehe den Bericht auf S. 34 ff.)

Dank
Ein besonderer Dank geht in diesem Monat – außer an alle Menschen, die durch ihr Abonnement die Zeitschrift tragen helfen – an jene Abonnenten, welche ihre Beiträge aufgerundet haben, seit wir im Juni auf einen ernsten Finanzengpass aufmerksam machten. Dank mancher weiterer Spenden und zwei sehr großzügigen Einlagen konnte das Bestehen des Europäers für den nächsten Jahrgang gesichert werden.* Wir sehen darin einen erfreulichen und keineswegs selbstverständlichen Beweis dafür, dass die Existenz dieser Zeitschrift nicht bloß dem Wunsch eines kleinen Redaktionsteams entspricht. Für alle diese Manifestationen objektiver Wertschätzung unserer Arbeit bedankt sich mit seinen Redaktionskollegen sehr herzlich

Thomas Meyer

*    Nach mittelfristigen Lösungen auch für die übrigen Perseus-Aktivitäten – Buchpublikationen, Forschung, engl. Ausgabe der Zeitschrift, Veranstaltungen etc. – wird weiterhin gesucht.

Europäer September 2014 (Jg 18 / Nr. 11)

Editorial:
Demokratie-Phrase und der spirituelle Hintergrund der Weltkrise

Die Marneschlacht
Jürgen von Grone

Berichte über die Konferenz 1914-2014 in Budapest
Peter Barna, Andreas Bracher

Wege zur Weltherrschaft
Franz- Jürgen Römmeler

Mysterien- und Schenkungsgeld
Harald Herrmann

Die 6 Nebenübungen und die Bhagavadgita
Harald Haas

Homunculus des 21. Jahrhunderts
Zur Reproduktionsmedizin (Teil 2)
Christin Schaub

Rudolf Steiner in Bildern
Eine Dichtung von Wilfried Hammacher

Forum

Wie echt ist unser Recht?
Branko Ljubic

Steinertreu oder originell?
Arnold Sandhaus

Werdende Anthroposophie?
Irene Diet

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Demokratie-Phrase und der spirituelle Hintergrund der Weltkrise

Wer glaubt, Demokratie sei heute das in der westlichen Welt sozial Maßgebliche, kümmere sich zum Beispiel um das neue TTIP-Abkommen, das zwischen den USA und der EU gegenwärtig in die Wege geleitet wird. Es soll amerikanische Standards in der Chemiebranche auch für Europa verbindlich machen. Problem: Die US-Standards sind, wirtschaftlich motiviert, wesentlich niedriger. Auch die Tendenz zur rein wirtschaftlich motivierten Privatisierung des Gesundheitswesens soll zementiert werden.

Das Abkommen wird am EU-Parlament vorbei unter strenger Geheimhaltung durch die EU-Kommission ausgehandelt. Das ARD brachte am 5. August eine beachtenswerte Dokumentation.*

Wer meint, die westlichen Mainstream-Medien seien von der Tendenz nach objektiver Berichterstattung geleitet, vor allem in der Sphäre weltpolitischer Ereignisse, der studiere zum Beispiel, wie diese Medien die «öffentliche Meinung» zu den seit Februar 2014 stattfindenden traurigen Ereignissen in der Ost-Ukraine prägen. Diese «Meinung» sagt: Schuld an allem ist der russische Präsident Putin und die von ihm wie Marionetten gelenkten «pro-russischen» Kräfte in der Ukraine. Krass behauptet wurde im Zusammenhang mit dem skrupellosen Abschuss der malaysischen Passagiermaschine am 17. Juli: Es waren die Russen. Nachgewiesen wurde nichts. Aber Sanktionen ergriffen und neue NATO-Maßnahmen eingeleitet.

Man beachte, was ein immerhin preisgekrönter US-Journalist zu sagen hat: «Robert Parry, ein preisgekrönter ehemaliger Reporter von The Associated Press, hat aus US-Geheimdienstkreisen erfahren, dass die US-Regierung im Besitz von Satellitenfotos ist, die zeigen, dass (reguläre) ukrainische Truppen für den Abschuss der Fluges MH17 der Malaysian Airlines verantwortlich waren. Ohne jede korrekte Untersuchung haben die (westlichen) Medien sofort den von Russen unterstützten ostukrainischen Rebellen die Schuld für den Abschuss des Flugzeuges angelastet; der Whistleblower hat allerdings eine ganz andere Geschichte erzählt.»**
Und man frage: Weshalb nahm die BBC ein zuvor aufgeladenes Video, das der öffentlichen Meinung widerspricht, bald wieder vom Netz?***
Schließlich: Man nehme zur Kenntnis, was ein spanischer Fluglotse aus dem Kontrollturm von Kiew zu den Vorgängen am 17. Juli zu sagen hat: «Ukrainisches Militär schoss Boeing MH17 ab.»****

*

Während der Budapester Konferenz vom 27. bis 29. Juni 2014 wurde auch auf die spirituellen Hintergründe des gegenwärtigen Zeitgeschehens ein Licht geworfen. Sie bestehen in dem bis heute fortgesetzten Zurückweisen der geistigen Impulse, die seit 1899 in die Menschheit fließen. Ein symptomatisches Doppelereignis stand am Ausgangspunkt des Ersten Weltkriegs: Am Tag des Attentats von Sarajewo, der das Völkerschlachten des 20. Jahrhunderts auslöste, sprach Rudolf Steiner über die Friedensmöglichkeit durch spirituelles Streben und innere Konfliktbewältigung (GA 286).

Das mit verlogenen Phrasen übertünchte Schlachten wird so lange weitergehen, bis von genügend vielen Menschen durchschaut wird: Aller kriegerische Konflikt ist Ausdruck der Furcht und Bequemlichkeit, innere Konflikte zu erkennen und mit spirituellen Mitteln zu lösen. Die Lösung kann auf keinem äußeren Kriegsschauplatz, sie kann nur in der Seele eines jeden einzelnen Menschen erstrebt werden.

Thomas Meyer

 

* http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Der-gro%25C3%259Fe-Deal-Geheimakte-Freihandelsa/Das-Erste/Video?documentId=22761810&bcastId=799280

** http://www.globalresearch.ca/whistleblower-u-s-satellite-images-show-ukrainian-troops-shooting-down-mh17-2/5392688 )

***https://www.youtube.com/watch?v=zUvK5m2vxro

**** http://www.epochtimes.de/MH17-Absturz—spanischer-Fluglotse-Ukrainisches-Militaer-schoss-Boeing-MH17-ab-a1173106z.html

 

Europäer Juli/August 2014 (Jg 18 / Nr. 09/10)

Editorial:
Die spirituelle Ur-Katastrophe, die Ziele der NATO und die Aufgabe Europas

D.N. Dunlop und Rudolf Steiner Bericht von einer irischen Tagung
Thomas Meyer

Ein Keil zwischen Europa und Russland
Zur Ukrainekrise
Gerd Weidenhausen

Lord Milners zweiter Krieg
Buchbesprechung von Andreas Bracher

Die verborgenen Ursprünge des Ersten Weltkriegs
Buchbesprechung
von Terry Boardman

1914-2014: Lügen, Fakten,
Perspektiven – Eine Artikelserie
Eine Antwort an Herrn Walter Görlitz
Adam von Moltke über Helmuth von Moltke

Homunculus des 21. Jahrhunderts
Zur Reproduktionsmedizin
Christin Schaub

Die Davis-Methode und der Doppelgänger
Zur drohenden Unterwanderung
der Waldorfschule
Wilfried Kessler

Friedrich Eckstein als Okkultist
Rolf Speckner

Die überzeitliche Aktualität von Kaspar Hauser
Ein Interview mit Eckart Böhmer

«Herostrat»
Franz-Jürgen Römmeler

Zur Leseprobe von Clements SKA Bd. 7 und der Verlagsankündigung
Wilfried Hammacher

Europa – Ein Wahrtraum

 

 

 

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Die spirituelle Ur-Katastrophe, die Ziele der NATO und die Aufgabe Europas

Am ersten August 1914 brach von 100 Jahren der Erste Weltkrieg aus. Die Kriegskatastrophe kostete unzählige Menschenleben und endete im Versailler Friedensdiktat, mit dem Paragraphen der deutschen Alleinschuld, gefolgt vom Vertrag von Trianon, welcher Ungarn massiv dezimierte. Die Schuldenlast ist mittlerweile auch auf die Schultern der übrigen europäischen Nationen verteilt worden. Doch die eigentlichen Drahtzieher mit entschiedenem Kriegswillen nehmen erst an der Peripherie der neueren Geschichtsschreibung langsam Kontur an. Im Kielwasser von Caroll Quigley haben zwei englischsprachige Historiker diesbezüglich wichtige Forschungsresultate veröffentlicht (siehe die Rezensionen auf S. 14ff.).

Der geistige Paradigmenwechsel
Um die spirituellen Hintergründe kümmert man sich bis heute wenig. Sie liegen in der Tatsache begründet, dass ein 5000jähriges «Programm» innerhalb der geistigen Führung der Menschheit im Jahre 1899 zu Ende ging und durch ein neues Langzeitprogramm für die Menschheitsentwicklung abgelöst wurde. Bis zum Jahre 1899 musste
die Menschheit zum Ergreifen und Begreifen der Sinneswelt angeregt werden; seither sollte eine neue Spiritualisierung einsetzen. Ein gigantischer «Paradigmenwechsel» innerhalb der übersinnlichen Werdeimpulse des welthistorischen Geschehens! Jeder nach 1899 wiedergeborene Mensch musste mit seinen durch mehrere Inkarnationen hindurch ausgebildeten materialistischen Denkgewohnheiten mit dem neuen Zeitgeist-Programm in einen objektiven Konflikt geraten. Dieser Konflikt hätte durch das Aufgreifen einer zeitgemäßen Spiritualität gelöst werden können. Stattdessen schlug er zweimal global und viele Male mehr oder weniger lokal ein ganzes Jahrhundert lang in äußere Kriegsereignisse um.

Die Ziele der NATO
Heute stehen wir vor einer neuen akuten Gefahr in dieser Richtung. Der 70 Jahre bolschewisierte Osten wurde nach 1989 überwiegend mit ökonomischen, militärischen und geopolitischen Interessen überschwemmt.
Der Marsch der NATO nach Osten trägt neue Kriegsimpulse in die Ukraine und nach Russland. Im Juli werden in den an die Ukraine grenzenden osteuropäischen Gebieten provozierende Manöver durchgeführt. Das 1949 entstandene Militärbündnis hatte nach den Worten des ersten britischen Generalsekretärs der NATO und persönlichen Stabschef Churchills, General Ismay, einen dreifachen Zweck: «to keep the Russians out, the Americans in, and the Germans down». Alle drei Ziele wurden fast vollständig erreicht.

Die Aufgabe Europas
In der Ukraine wurde ein Bruderkrieg entfesselt. Nur selten die Stimmen, welche Europa zur Vernunft zu rufen suchen. So etwa die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht, welche jüngst im Bundestag der deutschen Kanzlerin demaskierend die Leviten vortrug und eine selbständige europäische Politik einforderte.*
Doch wo sind in Europa wahrhaft neue, spirituelle Ideenimpulse am Werk? «Es muss jetzt eine Welle von Geist in die Menschengeschicke aufgenommen werden», heißt es in einer Post-mortem Mitteilung Helmuth von Moltkes vom 7. Juli 1918.**
Diese Notwendigkeit blieb ein Jahrhundert lang weitgehend unerfüllt.
1914 bis heute: Hinter allen Kriegskatastrophen steht diese Ur-Katastrophe des Ignorierens neuer spiritueller Entwicklungsnotwendigkeiten der Menschheit. Diese aufzugreifen und – statt westlicher materialistischer Impulse – den aus der Tyrannei des Bolschewismus befreiten Ostvökern zu vermitteln, wäre Europas Aufgabe. Bei dieser Aufgabe kann es jedoch aus dem Westen keine Hilfe erwarten. Denn: «Das anglo-amerikanische Wesen wird diesen Geist missverstehen und ihn bekämpfen.»*** Und: «Mitteleuropa kann nur durch Geistigkeit vorwärtskommen.»****

Thomas Meyer

* Siehe unter: http://www.youtube.com/watch?v=20gV5zjmd1w&feature=share
** Siehe Helmuth von Moltke – Dokumente zu seinem Leben und Wirken, 2. Aufl. Basel 2006.
*** Mitteilung vom 15. Juli 1918, a.a.O.
**** Mitteilung vom 2. Februar 1922, a.a.O.

Geopolitische Planungen, Erster Weltkrieg und die Ukraine-Krise

Am 25. Mai – eine Woche nach Redaktionsschluss – waren in der Ukraine Wahlen. Dieses Ereignis warf seine blutigen Schatten voraus. Über die Ereignisse in diesem krisengeschüttelten Land wird in den westlichen Medien so viel gelogen, dass die großen Gesichtspunkte im Auge behalten werden sollten. Es geht um die geopolitische Behauptung der Macht der «einzigen Weltmacht», wie Zbigniew Brzezinskis Programmschrift aus dem Jahre 1997 hieß.* Es geht um die Schwächung Russlands durch Aufspaltung der Ukraine. Auf dem Schauplatz erst der West- dann der Ostukraine sind multinationale Söldnertruppen tätig, deren Ziel eben diese Spaltung ist. Sie scheuen nicht vor Brutalitäten zurück. Dafür werden sie bezahlt. Die westlichen Medien kümmern sich kaum um sie und ihre Geldgeber. Was hat man z.B. über die Verbrennung von 40 Menschen in Odessa erfahren? Wir empfehlen unseren Lesern, von Zeit zu Zeit russia today (http://rt.com) einzuschalten. Die gewiss manchmal ebenfalls einseitigen Nachrichten bieten eine unerlässliche Ergänzung zum westlichen Mediengedröhn von den eroberungsdurstigen Russen mit ihrer brutalen Krim-Annexion. Die Nachrichten werden u.a. auf Englisch, Spanisch und Arabisch gesendet. Besonders sehenswert: cross talks mit Peter Lavelle. Die großen geopolitischen Linien werden offen zur Sprache gebracht.**
US-Außenminister John Kerry attackierte den Sender kürzlich scharf. Der offen- sichtliche Grund: Es steht nicht nur das Dollar-Monopol, sondern auch das westliche Medien-Monopol auf dem Spiel.
Das heutige Russland befindet sich in einer Spiegelsituation zum Russland vor 100 Jahren. Damals mobilisierte das Zarenreich ohne zwingende Notwendigkeit in Richtung Westen. Heute mobilisiert die NATO – eine multinationale europäische Söldnerarmee für globale US-Interessen – ohne zwingende Notwendigkeit in Richtung der russischen Grenzen. Ein Bruch des von Helmut Kohl und James Baker nach dem Mauerfall gegebenen Versprechens an Gorbatschow, «die NATO um keinen Zenti- meter nach Osten zu bewegen», wie Gorbatschow 2009 in einem Bild-Interview in Moskau sagte.***

Neben der Lügenflut über die Hintergründe des Ersten Weltkriegs, die gegenwärtig ebenfalls Hochzeit feiert, ragen zwei Publikationen heraus, welche die westlichen geopolitischen Planungen und Aktivitäten vor und während des Ersten Weltkriegs ungeschminkt zur Sprache bringen: Hidden History – The Secret Origins of the First World War von Gerry Docherty und James MacGregor, und das Buch Lord Milner’s Second War von John P. Cafferky. Alle drei Autoren beziehen sich auf Caroll Quigley’s Untersuchungen The Anglo-American Establishment, ein wegweisendes Werk, welches erst einige Jahre nach Quigley’s Tod erscheinen konnte – im Jahre 1981, also vor genau dreiunddreißig Jahren. Schließlich kam soeben das lang erwartete Werk von Markus Osterrieder heraus: Welt im Umbruch. Nationalitätenfrage, Ordnungspläne und Rudolf Steiners Haltung während des Ersten Weltkrieges.****

Hoffnungslichter im Lügennebel!
Thomas Meyer

In der Doppelnummer fehlten die Editorial-Fußnoten. Korrigendum auf Seite 35.

* Dazu siehe auch http://www.neopresse.com/politik/usa/ usa-ukraine-brzezinskis-geopolitische-strategie-wird-weiter-umgesetzt/
** Im 21. Jahrhundert war der wirksamste Großhebel für die Umsetzung der langfristigen geo- politischen Planungen der 11. September 2001. Einer der mutigsten Aufklärer dieses Ver- brechens war der Amerikaner Mike Ruppert. Er nahm sich am 13. April dieses Jahres das Leben.
*** http://www.bild.de/politik/2009/bild-medienpreis/die-deutschen-waren-nicht-aufzu- halten-7864098.bild.html
**** Eine Rezension dieser Bücher wird folgen.

Europäer Juni 2014 (Jg 18 / Nr. 08)

Editorial:
Geopolitische Planungen, Erster Weltkrieg und die Ukraine-Krise

Johanni-Stimmung
Eine Betrachtung von Charles Kovacs

George Soros und die Jesuiten des Westens
Andreas Bracher

Franz Ferdinand zum 100jährigen Todestag
Gertrud Derksen

Zwei Neuerscheinungen von Thomas Meyer

Was heißt: Rudolf Steiner verstehen?
Brigitte Schreckenbach

1914-2014: Lügen, Fakten, Perspektiven – Eine Artikelserie
Schuldenblasen und ihre Folgen
Franz-Jürgen Römmeler

Die Mission der Germanen und der Slawen
Andreas Bracher

Wem gehört die Ukraine?
Gerd Weidenhausen

Drei Attacken auf Rudolf Steiner
Ilse Johanna Drüsedau

Perseus in eigener Sache

Leserbriefe / Rätsel

 

 

 

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Phrasenhafte Berichterstattung und gruppen-egoistische Machtziele

Zur Lage in der Ukraine
Im Februar machte die Schweiz Schlagzeilen, weil knapp über 50% ihrer Stimmbürger eine Initiative zur Regelung der Einwanderung annahmen, welche den EU-Richtlinien und -planungen zuwiderläuft. Die Schweiz hat mit Abstand den größten ausländischen Bevölkerungsanteil Europas (über 20%), jährlicher Zustrom: 80‘000 Menschen (netto). Ist mehr als die Hälfte der Schweizer rechtslastig und «ausländerfeindlich» geworden? «Das Schweizer Virus», titelte Der Spiegel. Oder sind die Instrumente der Demokratie in Brüssel solange beliebt, als von ihnen «rechter», das heißt EU-konformer Gebrauch gemacht wird?

Im November 2013 hatte der abgesetzte ukrainische Präsident Janukowitsch ein Assoziierungs-Abkommen mit der EU auf’s Eis gelegt – Auftakt zu den von einem Profiboxer mitgeleiteten Unruhen. Besonders besorgniserregend: die Mitwirkung neo-nazistischer Kräfte beim Kiewer Staatsstreich.

lage_ukraineDie Einseitigkeit westlicher Berichterstattung ist phänomenal. Die argentinische Schriftstellerin Stella Calloni schrieb am 24. Februar in der Tageszeitung Junge Welt über den Kiewer Putsch: «Die jüdische Bevölkerung in der Ukraine muss um ihre Sicherheit und Unversehrtheit fürchten, und ausgerechnet in Deutschland wird der Grund dafür bejubelt. Außerdem sehen viele nicht, dass die aggressive NATO-Politik den Weg für den Dritten Weltkrieg bereitet (…) Die Kette Irak, Libyen, Syrien und jetzt Ukraine führt geradewegs dahin. Die USA und Europa stecken in einer tiefen Krise, das macht sie so gefährlich (…) In Deutschland und Europa sind die Menschen nicht richtig informiert und sich auch nicht darüber im Klaren, dass ihre Regierungen zwar überall Sprengsätze legen, die Zünder dafür aber andere in der Hand halten.»

«Tonangebend ist eine Gruppe von Menschen, welche die Erde beherrschen wollen mit dem Mittel beweglicher kapitalistischer Wirtschaftsimpulse», so konstatierte bereits Rudolf Steiner nach dem Ersten Weltkrieg in einer erstmals im Europäer veröffentlichten Notiz.

Vergessen wir niemals das eigentliche Fernziel der EU, wie es einmal Winston Churchill für die Vereinigten Staaten von Europa vorgesehen hatte: die Errichtung einer Welt-Herrschaft unter anglo-amerikanischer Führung. Churchill machte unmissverständlich klar: «Ohne ein vereintes Europa gibt es keine sichere Aufsicht auf eine Welt-Regierung.» (London 14. Mai 1947)* In dieses Europa sollte seit geraumer Zeit auch die Ukraine mehr und mehr eingebunden werden. Das ging nicht so glatt von statten, wie erwartet. Die Aktivierung legal stationierter russischer Truppenteile auf der Krim wurde zur «Invasion» aufgebläht und Russland mit Sanktionen gedroht, denn es habe in eklatanter Weise Völkerrecht gebrochen, – eine unüberbietbare Heuchelei, wenn die Vorwürfe von Seiten der seit bald einem Jahrhundert global agierenden Invasions-Macht USA erhoben werden.** Worum in der Ukraine von denen gekämpft wird, die «an den Zündern stehen», erfahren Sie in großen Linien aus dem Kurz-Interview mit dem Politologen und Autor Gerhard Wisnewski, das uns in letzter Minute erreichte.

«Anthroposophische» Konfliktfähigkeit» und die Flucht in die «Weihnachtstagung»
Wilfried Hammacher beleuchtet in dem auf S. 39 ff. abgedruckten offenen Brief die Unmöglichkeit und auch Überflüssigkeit einer (pseudo-) anthroposophisch-mormonischen Zusammenarbeit bei der Herausgabe des Werkes Steiners (SKA). Die Mormonen glauben an die physische Wiederkunft Christi und beglücken die Menschheit mit Post-mortem-Taufen, damit jeder, selbst Anthroposophen, spätestens nach dem Tod den Zugang zum Mormonen-Himmel erhalten könne. Ihr Glaubensinhalt steht damit natürlich in einem unübersehbaren Konflikt mit der Geisteswissenschaft Steiners. Dieser Konflikt könnte dadurch gelöst werden, dass man zur alten Gepflogenheit zurückkehrte, das Werk Steiners von wirklichen Anthroposophen betreuen zu lassen. Doch fatalerweise ist seit einiger Zeit von führenden Anthroposophen die Devise in Umlauf gebracht worden, «statt Konfliktbewältigung gehe es heute – auch in der Anthroposophischen Gesellschaft – um Konfliktfähigkeit.»***

Eine Gesellschaft, welche nicht einmal die in ihrem eigenen Schoß erzeugten realen Konflikte wie den um die SKA bewältigen will und sich stattdessen programmatisch auf ein ganzes Jahrzehnt hinaus der gebetsartigen Beschwörung der «Weihnachtstagung» von 1923 verschreibt****, verabschiedet sich natürlich auch von der Bewältigung der gegenwärtigen Weltkonflikte. Das war nicht im Sinne ihres Gründers. Die objektive Bedeutung der Weihnachtstagung wird natürlich auch von uns anerkannt; abgelehnt wird hier lediglich deren Inanspruchnahme für eine gesellschaftsinterne «Esoterik», welche jeder «Konfliktbewältigung» aus dem Wege geht.

Thomas Meyer

*Complete Speeches, Vol. VII 1943-1949, London 1974
**Die a priori ausgesprochene Nicht-Anerkennung des Krim-Referendums – eine Folge des extremistischen Machtwechsels in Kiew – steht im Übrigen in krassem Widerspruch zu den in anderen Fällen von den USA und ihren Handlangern geförderten Referenda im Sinne der Selbstbestimmung von Völkern oder größeren Volksteilen: 2008 im Kosovo, 2011 im Süd-Sudan, 2013 auf den Falkland-Inseln, und schließlich steht für den September 2014 das Referendum in Schottland auf der Agenda, das von der britischen Regierung ausdrücklich sanktioniert wird.
*** Wolfgang Held in Nr. 79 der Paracelsus-Blätter (April-Juni 1914)
**** «Der Impuls der Weihnachtstagung – Ein Weg bis 2023»: Programmblatt der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz.

Europäer April/Mai 2014 (Jg 18 / Nr. 06/07)

Editorial:
Phrasenhafte Berichterstattung und gruppen-egoistische Machtziele

Ostern und die Verlebendigung des Denkens
Charles Kovacs

Was ist der Mensch?
Zum 100. Todestag von Christian Morgenstern
Christin Schaub

Odilon Redon in Riehen
Jasminka Bogdanovic

Reinkarnation und Christentum
Imanuel Klotz
1914-2014 – Eine Artikelserie

«Notfalls schaffen wir einen Grenz-Zwischenfall»
Die Rolle von Joseph Caillaux Thomas Meyer

Dolchstoßlegende und Volksgemeinschaft
Andreas Bracher

Sarajevo 1914 – Sarajevo 2014
Michael Kaiser

Heftmitte: Programm der Budapester Konferenz

Zum Begräbnis der deutschen Alleinschuld-These
Franz-Jürgen Römmeler

Ein offener Brief von Wilfried Hammacher

Zum Phänomen der SKA-Rezeption
Arnold Sandhaus

Worum wird in der Ukraine gekämpft?
Ein Interview mit Gerhard Wisnewski

Vril, eine besondere Energieform
Theo Paijmans

In der Arena
Ein Spiel zur Zeit der Christenverfolgung
Charles Kovacs

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Der 16. März – das Referendum auf der Krim

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Erster Weltkrieg: Wie die französisch-russische Allianz geschmiedet wurde

 

Die französisch-russische Allianz war das Ergebnis eines lange währenden Täuschungsmanövers. Frankreich wollte das Bündnis mit Russland, um die verlorenen Gebiete Elsass und Lothringen zurückzugewinnen. Der nachfolgende Artikel zeigt, wie zu diesem Zweck die Dreyfus-Affäre lanciert und die zaristische Regierung in das Bündnis hineinbetrogen wurde. Darüber hinaus unterstreicht er die Bedeutung der Staatsvisite des französischen Präsidenten Poincaré für den Ausbruch des Krieges. TM

Täuschungsmanöver und Weltpolitik

Holocaust und Reinkarnation – Barbro Karlén in Budapest (Okt. 2013)

Barbro Karlén sprach am 13. Oktober 2013 in Budapest vor rund 300 Menschen. Ihre Holocaust-Erinnerungen hat die 1954 geborene Autorin in dem Buch «…und die Wölfe heulten» niedergelegt. Ihr Schweizer Verleger hielt bei dieser Gelegenheit eine Ansprache, welche einen Überblick über die kontroverse Rezeption dieses Buches und der in ihm angesprochenen Sachverhalte gibt.

Im Anschluss an die Tagung machte Meyer ein Interview mit Karlén.

Ansprache und Interview sind hier als PDF zu finden. TM

Barbro Karlén, Anne Frank und der Holocaust

Antrag gegen den Vertrieb der SKA im Goetheanum

27. Februar 2014

Ein Antrag für die Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft vom 11./12. April 2014 fordert die Einstellung des Vertriebs des von C. Clement herausgegebenen SKA-Bandes 5 und weiterer geplanter Bände der Reihe Rudolf Steiner Schriften – Kritische Ausgabe. Die Begründungen der Antragsteller sind sachlich berechtigt. Der gesamte Antrag findet sich hier als PdF-Datei; ebenso das Editorial aus dem Europäer, Dez./ Jan. 13/14, welches von der von Clement auf Facebook verkündeten Taufe Rudolf Steiners im Jahre 1992 berichtet. TM

SKA-Antrag Februar 2014

Mormonen tauften Rudolf Steiner

Warum die für den Ersten Weltkrieg Verantwortlichen «verrückt» waren (Apropos 94)

Fast hundert Jahre lang galt die fixe Vorstellung, dass das Deutsche Kaiserreich schuld am Ersten Weltkrieg sei. In den letzten Jahren hat sich das schlagartig geändert. Heute sind die meisten Historiker davon überzeugt, dass alle europäischen Großmächte gleichermaßen einen großen Anteil an der furchtbaren «Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts» hatten.1 Noch weiter geht der britische Historiker Niall Ferguson. Der Professor an der amerikanischen Harvard-Universität bezeichnete die britische Intervention von 1914 in einem BBC-History-Interview als «den größten Fehler der modernen Geschichte»2. Die Briten hätten sich 1914 aus dem Krieg heraushalten sollen. Es habe keine direkte Bedrohung für Großbritannien bestanden. Man hätte sich einem durch Deutschland dominierten Europa zu einem späteren Zeitpunkt stellen können, zu seinen eigenen Bedingungen. Stattdessen sei man unvorbereitet in eine Katastrophe geschlittert. «Großbritannien hätte tatsächlich mit einem deutschen Sieg leben können», sagt Ferguson. Er weist die Vorstellung zurück, dass Großbritannien 1914 zu dem Schritt gezwungen geworden sei, um die eigenen Grenzen und Häfen zu schützen. Er beruft sich dabei auf die Geschichte. Die Briten hätten genau diese Situation toleriert, als der Franzose Napoleon mit seiner Armee den europäischen Kontinent überrannt hatte. Damals hatte man sich auch nicht eingemischt. «Eine Armee fast aus dem Nichts aufzubauen und dann in den Kampf gegen die Deutschen zu schicken, war ein Rezept für schreckliche Verluste.»3 Britannien hätte sich aus dem Ersten Weltkrieg heraushalten sollen und mit einem deutschen Sieg leben können, schließlich sei das Kaiserreich demokratischer gewesen als Britannien damals, meint der Historiker weiter. …

Weiterlesen: PDF: Warum die für den Ersten Weltkrieg Verantwortlichen «verrückt» waren (Apropos 94)

Folterung und Tod von Jacques de Molay

Am 18. März 1314 wurde Jacques de Molay – mit  seinem Freund und Geistesbruder Guy de Normandie – auf der Seine-Insel von Paris lebendigen Leibes verbrannt. Es geschah dies infolge der Widerrufung der unter Folter erpressten «Geständnisse» vonseiten des Großmeisters und seines Freundes. Aus diesem Anlass bringen wir einen bemerkenswerten Artikel von Andreas Meyer zum Abdruck. Meyer wirft am Ende die Frage nach dem teilweisen Übergang des aufgelösten Ordens in einen rosenkreuzerischen Strom auf, namentlich in der Gegend von Neuchâtel; der Stadt, in welcher Rudolf Steiner im Herbst 1911 die ersten bedeutenden Ausführungen zu Christian Rosenkreutz und seinem Einweihungsweg machte (GA 130).

Ergänzend zu Meyers Betrachtung bringen wir einen wenig bekannten Hinweis Steiners auf die wahre Gestalt des Baphomet, eines anti-christlichen Geistes, welchen die Templer angeblich verehrt haben sollen. Die Verehrung dieses Götzenidols wurde neben anderen scheußlichen Missetaten unter Folter «gestanden» und gegen den Orden missbraucht. «Man hatte die ganze Katechisierung», führt Steiner am 25. September 1916 (GA 171) aus, «so eingerichtet, dass selbst der Großmeister des Templerordens unter der Folter gezwungen worden ist, aus dem Unterbewussten heraus diese Zugeständnisse zu machen.» *
Molay scheint außerdem in noch perfiderer Weise gefoltert worden zu sein als die übrigen Templer. In den Aufzeichnungen von W.J. Stein findet sich die Bemerkung: «Molay, sagte Dr. Steiner, sei auch gefoltert worden, aber anders als die anderen Templer.»**  Stein weist außerdem auf den Zusammenhang der wenige Monate nach dem Tode Molays von Robert Bruce gewonnenen Schlacht von Banockburn (Johanni 1314), welche zur Unabhängigkeit Schottlands von England führte, mit dem in Schottland fortlebenden Templerimpuls hin.

Felix Peipers, Albrecht Sellin und D.N. Dunlop
editorial-bilderGerade an die andersgeartete Molay-Folterung knüpfte das erwachte karmische Gedächtnis eines stillen Geistesschülers Rudolf Steiners an. Der Arzt Felix Peipers (1873–1944) ließ sich einmal ohne Narkose operieren, um zu erkunden, wie das Bewusstsein unter extremem Schmerz metamorphosiert werden kann. Peipers hat seinem Neffen Berthold Peipers «wiederholt einen eindeutigen Hinweis auf seine letzte Inkarnation gegeben. Er sagte: ‹Molay hat die Folter nicht bestanden.›»**
Ein anderer Schüler Steiners, der in den Mysteriendramen den Hilarius darstellte, «erlebte seine [bereits 1310 erfolgte] Verbrennung als Templer», was ihm Rudolf Steiner bestätigte.** Es handelt sich um Albrecht Wilhelm Sellin (1840–1933).
Und ein dritter Schüler und Freund Steiners sei hier genannt: D. N. Dunlop (1868–1935). Von diesem genialen Organisator der Sommerschulen wie auch der pionierhaften ersten World Power Conference in London (1924) sagte Steiner, er habe einem «inneren Kreis» des Templerordens angehört.***
Diese drei Individualitäten trugen, jede in ihrer Art, umgewandelte Templerimpulse in die anthroposophische Bewegung hinein. Wo ihrer – gerade in einem solchen historischen Augenblick wie dem jetzigen – objektiv gedacht wird, kann sich etwas von ihrem, durch die  Anthroposophie umgewandelten und fortwirkenden Templer-Impuls offenbaren.

Thomas Meyer

*    Wir können Meyer nicht folgen, wenn er anderswo feststellt: «Aufgrund neuerer Forschungen und Quellen ‹ist man sich einig darin, dass Molay nicht gefoltert wurde›.» Siehe: Andreas Meyer, Die letzten Templer, Bd. II, Basel 2013, S. 96.
**     Archiv Perseus Verlag. Vgl. T. Meyer, «Wiederverkörperte Templer unter den Schülern Steiners», Der Europäer, Jg. 15, Nr. 2/3, S. 49ff.
***    Thomas Meyer, D. N. Dunlop – Ein Zeit- und Lebensbild, Basel, 2. Aufl. 1996.

Europäer März 2014 (Jg 18 / Nr. 05)

Editorial:
Folterung und Tod von Jacques de Molay

Die Verurteilung der letzten Templer
Andreas Meyer

Ludendorffs getrübtes Bewusstsein
Andreas Bracher

Apropos
Verrücktheiten im Ersten Weltkrieg
Boris Bernstein

Tarkowskijs filmische Spiritualität
Bernhard Steiner

Das Jahr als Urbild der menschlichen Seele
Monica von Miltitz

Der Begriff des wirtschaftlichen Wertes
Alexander Caspar

Das Denken und die vier Äther
Steffen Hartmann

Aspekte der Organtransplantation
Christin Schaub

Eine Berliner Marien-Ausstellung
Claudia Törpel

Zu den Wandtafelzeichnungen Rudolf Steiners
Johannes Greiner

Leserbriefe

Rätsel

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Europäer Februar 2014 (Jg 18 / Nr. 04)

Editorial:
Rothschild, BIZ und das Trojanische Pferd

Das Werk Rudolf Steiners am Scheideweg
Thomas Meyer

Beim Lesen der SKA
Wilfried Hammacher

Das Jahr als Urbild der Seele
Monica von Miltitz

1914-2014 – Eine Artikelserie
Paranoia und Pessimismus?
Zum Buch von Christopher Clark
Andreas Bracher

Theodore Roosevelt, Teil 2
Andreas Bracher

Kredit der menschlichen Tüchtigkeit
Franz-Jürgen Römmeler

Apropos
2014, Kriegsschuldfrage und Atomenergie
Boris Bernstein

Irdische und geistige Seite
Eine Bildbetrtachtung
Sivan Karnieli

Nachhaltigkeit
Anmerkungen zum Buch von Rudolf Isler
Andreas Flörsheimer

Aus Liebe zur Musik
von Gunhild von Kries

Rezension

Forum

Die kuriose Freude über das Projekt SKA
Arnold Sandhaus

Leserbrief von J. Kiersch

Replik

Eine Clement-Blütenlese

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Rothschild, BIZ und das Trojanische Pferd

Jacob RothschildEnde Oktober 2013 flog Jacob Rothschild (geb. 1936), britischer Investmentbanker aus der Rothschild-Dynastie, in inoffizieller Sache von London nach Basel. Der Chauffeur, der ihn in einem Range Rover an seinen Bestimmungsort fuhr, schilderte den Besucher als einen «großen, hageren, alten Mann», der nicht im Fonds des Wagens, sondern neben ihm Platz nehmen wollte. «Er hatte eine eigenartige Ausstrahlung, kalt und wie ein Vakuum.» Unterwegs wurde der übliche sparsame small talk getrieben. Auf die Bemerkung des Fahrers, dass er Deutscher sei und seit zehn Jahren in der Schweiz lebe, meinte der Gast, der zu den pekuniär einflussreichsten Männern des Planeten gehört, dass er sich «glücklich schätzen solle, in der Schweiz zu leben», worauf dieser meinte: «Ja, bin ich.» Die Rothschild-Bemerkung ist aufschlussreich. Bereits im Januar 2013 hatte der luxemburgische Premier Jean-Claude Juncker eine Parallele zwischen dem Vorkriegsjahr 1913 und dem Jahr 2013 gezogen; im Dezember letzten Jahres wurde sie auch von Angela Merkel aufgegriffen, und fast zeitgleich mit Rothschilds Besuch machte der Schweizer Außenminister Didier Burkhalter in Genf die Viele überraschende Äußerung von «einer möglichen Implosion der europäischen Konstruktion», so die BAZ vom 20. Dezember 2013 unter der Überschrift «Burkhalter befürchtet Untergang der EU».

Falls die bereits Leck geschlagene EU wie eine Titanic senkrecht in die Tiefe sinkt, so werden an der bis zuletzt sichtbaren Heck-Reling ein paar Rettungsringe mit Schweizer Flagge hängen, um die ein Kampf der Überlebenden entbrennt.

Einer dieser Rettungsringe heißt BIZ, Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel. Die in einem eleganten Rundturm untergebrachte Institution genießt Exterritorialität und Steuerfreiheit. Die Chefs der größten Notenbanken der Welt – vom Federal Reserve bis zur Nationalbank Chinas und dem EZB-Chef Mario Draghi  – treffen sich regelmäßig zu inoffiziellen, aber bestimmenden Sitzungen. Wenn es ein Gremium gibt, das sich schon jetzt über die Post-Euro-Phase Gedanken macht, dann dieses.*Rudolf Steiner machte bereits 1918 einen sehr aktuellen Hinweis: «Tonangebend ist eine Gruppe von Menschen, welche die Erde beherrschen wollen mit dem Mittel der beweglichen kapitalistischen Wirtschaftsimpulse. Zu ihnen gehören alle diejenigen Menschenkreise, welche diese Gruppe imstande ist, durch Wirtschaftsmittel zu binden und zu organisieren.»

Eine solche Gruppe von Menschen kommt regelmäßig in der BIZ zusammen.** Solange der Turm von Basel steht, können wir uns «glücklich schätzen», in der Schweiz zu leben.
Dieses zweifelhafte, fragile Glück wird den wahren Freunden der Geisteswissenschaft allerdings dadurch getrübt, dass in der Nähe Basels unlängst ein neues Trojanisches Pferd installiert wurde. Auf Renommee erpichte «Anthroposophen» vollführen Tag und Nacht wahre Freudentänze um das Pferd. Es nennt sich «SKA» (Kritische Ausgabe der Werke Steiners). Das Projekt des «renommierten Stuttgarter Wissenschaftsverlags frommann-holzboog» (Dornacher Buchankündigung) wurde vom Rudolf Steiner Verlag in letzter Minute kooperativ in seine Tore eingelassen. Hundert Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs stehen wir auch  in einem Geisteskampf – um die wahre Substanz von Steiners Geisteswissenschaft. Wer statt Renommee Erkenntnis sucht, wird in den Analysen von Wilfried Hammacher und Arnold Sandhaus die nötigen Urteilsgrundlagen finden. Es steht jedem frei, sich in den Sattel des Trojanischen Pferds zu schwingen oder – aufzuwachen.

Kassandra

*     Siehe die Neuerscheinung von Adam Lebor:  Tower of Basel, The Shadowy History of the Secret Bank that Runs the World. New York 2013.
**     Siehe www.perseus.ch «Kampf um den russischen Kulturkeim»

2014, die Kriegsschuldfrage und die Atomenergie (Apropos 93)

Das Jahr 2014 wird ein Jahr der Erinnerungen an die «Urkatastrophe» des 20. Jahrhunderts – wie nicht nur Politiker den Ersten Weltkrieg nennen. Bemerkenswert ist, dass die «Schuldfrage» in letzter Zeit nicht mehr so beantwortet wird, wie das hundert Jahre üblich war. Das zeigt nicht nur das 896-seitige Werk Die Schlafwandler des australisch-britischen Historikers Christopher M. Clark (siehe S. 10), sondern etwa auch die große Konferenz am Münchner Institut für Zeitgeschichte, die im vergangenen November stattfand. Die neue «Formel» zum Ersten Weltkrieg, «auf die sich ein Konsens der Historiker stützt, könnte stark verkürzt lauten: Es war nicht das Deutsche Kaiserreich, das diesen Krieg entfesselte, sondern alle europäischen Großmächte hatten gleichermaßen einen großen Anteil an der Katastrophe», stellt der Historiker Jasper von Altenbockum fest1. Ein anderer meint: «Eine stabile Weltordnung ging aus den Kriegsereignissen nicht hervor. Im Gegenteil: Die Pariser Friedensbeschlüsse bildeten den Auftakt zu einer Serie von Katastrophen, die oft erst nach 1989 ein Ende fanden. Manche Regionen wie der Nahe Osten leiden noch heute unter den Folgen von 1919.»2 Der erwähnte von Altenbockum urteilt weiter: «Die Verfechter der europäischen Integration werden daraus den Schluss ziehen (…), dass nichts so gut und dauerhaft den Europagedanken rechtfertigt wie diese gemeinsame Verantwortung, die damals versagte und Europa nach dem Zweiten Weltkrieg angesichts einer unfassbaren Selbstzerstörung zu einem Projekt physischen und kulturellen Überlebens werden ließ.»1 Andere werden fragen: Warum wurde die Schuldfrage so lange und fälschlicherweise zu Lasten Deutschlands beantwortet? …

Weiterlesen: PDF: 2014, die Kriegsschuldfrage und die Atomenergie (Apropos 93)

Ein unmögliches Verlags-Bündnis – mit zwei neuen Beiträgen (17.1.14)

Die SKA ist laut Titelseite bei «frommann-holzboog – Rudolf Steiner Verlag» erschienen. Das erweckt naturgemäß den Eindruck einer Kompatibilität dieser Ausgabe mit der ursprünglichen Zielsetzung des Rudolf Steiner Verlages, Steiners Werk im Rahmen der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA) zu veröffentlichen und zu verbreiten. Dieser Eindruck ist irreführend.

Der zuerst erschienene fünfte Band der SKA – eine kommentierte Neuausgabe von Steiners Schriften Die Mystik (GA 7) und Das Christentum als mystische Tatsache (GA 8) – ist in methodischer und inhaltlicher Art, bei allen Verdiensten einzelner Stellenkommentare, problematisch und mit dem Kern der Geisteswissenschaft Steiners unvereinbar. Dies kommt bereits im Vorwort, vor allem aber in der Einleitung des Herausgebers Clement zum Ausdruck.

Wilfried Hammacher, bekannt als Regisseur, Schauspieler und Biograf Marie Steiners, schrieb eine kritisch-sachliche Rezension, welche auf die begründete und konsequente Forderung einer künftigen Lösung der Verlags-Allianz Fromann/Steiner Verlag hinausläuft.

Als jüngsten Beitrag veröffentlichen wir an dieser Stelle eine kritische Betrachtung von Arnold Sandhaus über die Rezeption der SKA in anthroposophischen Kreisen.

Als vorläufigen Abschluss bringen wir eine Blütenlese von Zitaten Clements über R. Steiner sowie ein Wort von D.N. Dunlop über die Notwendigkeit, die Geisteswissenschaft in ihrer Integrität zu erhalten. (Siehe auch das Editorial der Februar-Nummer des Europäer).

Im Folgenden findet sich als PDF herunterladbar:

Die Auswahl ist nicht abgeschlossen.

T.H. Meyer,
Chefredakteur der Monatsschrift Der Europäer

 

 

Rudolf Steiner und sein neuer Prophet – und wichtigere Dinge…

Christian Clement hat öffentlich mitgeteilt*, dass Rudolf Steiner am 22. Januar 1992 – nach der Nottaufe am 27. Februar 1861 und der kirchlichen Taufe zwei Tage darauf – post-mortem noch die mormonische Taufe erhalten hatte. Diese ist nach Auffassung der Mormonen neben anderen Sakramenten «für die Errettung [des Menschen] unabdingbar».

Christian Clement hat öffentlich mitgeteilt, dass Rudolf Steiner mit dessen Ehefrau Marie Steiner-von Sivers, am 15. Mai 2002 im Mormonen Tempel von Sao Paolo «gesiegelt», das heißt nach Auffassung der Mormonen erst vollgültig verehelicht worden sei.**

Christian Clement hat öffentlich mitgeteilt, dass er selbst «die schon freigegebene Siegelung an Ita Wegmann [sic!] noch habe stoppen können.» – Er schob eigenhändig den Riegel vor eine allfällige «Vielweiberei» Rudolf Steiners im mormonischen Post-mortem-Himmel.

Wir haben in der vergangenen Nummer aufgezeigt, inwiefern Clement, der Steiner unverblümt mangelnde wissenschaftliche Methodik vorwirft, weder das normal-wissenschaftliche noch das geisteswissenschaftliche Rüstzeug in ausreichendem Maße selber besitzt, um Steiners Werk sachgemäß herauszugeben.

Hier sollte nun ferner festgestellt werden, dass er außerdem bis zu den Haarspitzen hinauf eine arrogante und militante Heilslehre vertritt, die der Geisteswissenschaft ganz einfach spottet. Steiner bedarf weder irgendwelcher ungefragt verpasster «Post-mortem-Siegelungen» noch einer rettenden dritten Taufe.

Clement aber wähnt sich im Besitze der wahren anthroposophischen «Deutungshoheit», wenn er zugleich absurde und anmaßende Forderungen wie die folgende in die Welt setzt: «Wenn Anthroposophen wirklich wissen wollen, ob Steiner ein Platon oder ein Cagliostro war, müssen sie ihn aus dem Gefängnis der eigenen Deutung freilassen». Clement setzt Steiner die Mystik-Kappe auf und erwartet anscheinend allen Ernstes von den «Anthroposophen», dass sie ihm diese seine Deutung abnehmen. Nicht alle Anthroposophen haben auf Clement gewartet, um von ihm zu erfahren, was von Steiner zu halten sei.

*

Am 18. Januar 1914, vor hundert Jahren, starb ein großer, klarer Geist: der Franzose Georges (voller Name: Georges-Marie) Picquart. Der englische Romancier Robert Harris hat ihm in seinem kürzlich erschienenen Roman Die Intrige ein bemerkenswertes Denkmal gesetzt. Picquart war der Mann, der Licht in die «Dreyfus-Affäre» brachte, den vielleicht größten «Abhörskandal» der neueren Geschichte. Dass diese Affäre nach einer bis heute kaum beachteten Bemerkung Rudolf Steiners einen gigantischen Staatsbetrug verdecken sollte und bis heute nach wie vor verdeckt, erfahren Sie auf Seite 7 ff.***

Vor sechsundsechzig Jahren starb ein anderer großer Geist: Mahatma Gandhi. Ihm verdankt Indien seine Unabhängigkeit. Sein spirituelles Lebensbuch war die Bhagavad Gita. Aus ihr schöpfte er seinen moralischen Mut und sein Vertrauen in das Ewige im Menschen.

Dass dieses Ewige auch Katastrophen wie den Holocaust durch- und überleben kann, davon kündet die in den USA lebende Schwedin Barbro Karlén. Sie weilte jüngst in Budapest, wo ihr Buch «…und die Wölfe heulten» auf Ungarisch erschien.

Doch zunächst werden unsere Leser auf eine Weihnachts-Betrachtung von Charles Kovacs stoßen. Frei von allem intellektuellen Blendwerk bietet sie einen spirituellen Blick auf eines der wichtigsten Menschheitsereignisse aller Zeiten.

Mit herzlichen Advents- und Weihnachtswünschen
Ihr Thomas Meyer

* Allen «Freunden» auf Facebook. Von den inzwischen gelöschten Äußerungen wurden Kopien gemacht.

** In einem von Stellvertretern vollzogenen Ritual.

*** Nach Steiners Forschung trat Picquart post-mortem in einen Kreis kosmopolitisch-michaelisch gesinnter Geister. Es gehörte ihm an: Emerson, Tennyson, Gladstone, Arthur Hallam, Bettina von Arnim, Herman Grimm und Joseph Joachim. Siehe T.H. Meyer (Hg.), Der Briefwechsel Ralph Waldo Emerson / Herman Grimm, Basel, 2006.

Warum der Kapitalismus Menschen zu Sklaven macht (Apropos 92)

Die «bürgerliche Weltordnung»1 hat in den letzten Jahrhunderten ein soziales Phänomen heraufgebracht: den Kapitalismus, der «zu einem furchtbaren Bedrücker der großen Menschenmasse geworden ist». Man wird, sagt Rudolf Steiner, «wenig (…) einwenden können gegen all das, was von» sehr vielen Menschen «gegen das Bedrückende des Kapitalismus in geistiger, rechtlicher, wirtschaftlicher Beziehung gesagt worden ist». (Vgl. Apropos 90 und 91). …

 

 

Weiterlesen: PDF: Warum der Kapitalismus Menschen zu Sklaven macht (Apropos 92)

Interview mit Barbro Karlén «…dass die Seele unsterblich ist»

PDF des Interviews

Europäer Dezember/Januar 2013/14 (Jg 18 / Nr. 02/03)

Editorial:
Rudolf Steiner und sein neuer Prophet – und wichtigere Dinge…

Weihnachten
Ein Vortrag von Charles Kovacs

Artikelserie: 1914-2014
Täuschungsmanöver und Weltpolitik
Thomas Meyer

Theodore Roosevelt und der Erste Weltkrieg / Teil I
Andreas Bracher

Tagung in Ungarn

Das Jahr als Urbild der menschlichen Seele
Monica von Miltitz

Holocaust und Reinkarnation
Ein Bericht von Thomas Meyer

«…dass die Seele unsterblich ist»
Interview mit Barbro Karlén

100 Jahre FED und die Folgen
Harald Herrmann

1913/14: London und New York im Schatten okkulter Symbole
Franz-Jürgen Römmeler

Apropos 92
Warum der Kapitalismus die Menschen zu Sklaven macht
Boris Bernstein

Hypatia – Philosophin von Alexandria
Claudia Törpel

Der Menschheitsrepräsentant im Alten Ägypten
Johannes Greiner

Rudolf Steiner über Mahatma Gandhi

Buchbesprechungen

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Zu Christian Clements Kritischer Ausgabe der Werke Rudolf Steiners

Materialien zur Urteilsbildung

Die folgenden zwei Artikel erschienen in der Novemberausgabe der Zeitschrift Der Europäer.

Sie wollen zur Urteilsbildung über die von Christian Clement gezeichnete, insgesamt auf acht Bände veranlagte Ausgabe beitragen. Der erste Band dieser Ausgabe wurde im August 2013 durch den Stuttgarter frommann-holzboog Verlag und den Rudolf Steiner Verlag Basel in Koproduktion publiziert.*

Die am Schluss des Artikels von Irene Diet angehängte satirische Zeichnung hat inzwischen zu einer Reihe von Facebook-Mitteilungen durch Christian Clement über die im Mormonentum üblichen Taufrituale geführt. Diese werden auch an Verstorbenen durchgeführt, durch sogenannte Stellvertretertaufen in einem Mormonen-Tempel. Die in der Satire fiktiv in Aussicht gestellte Taufe Rudolf Steiners hat laut Clement in Wirklichkeit bereits längst stattgefunden: am 22. Januar 1992.

Nicht nur die mangelnde Wissenschaftlichkeit Clements, auch die von ihm gebilligten, ungefragt vollzogenen Taufrituale solcher Art werfen ein Licht auf den geistigen Hintergrund seiner «Kritischen Ausgabe».

Thomas Meyer

PDF der Vollversion der Artikel: Zu Christian Clements Kritischen Ausgabe der Werke Rudolf Steiners

 

*Auf Amazon wird derzeit (3. November) nur der Steiner Verlag genannt.

Interview: Jacques le Rider über die «Zensur in jedem Sinne»

PDF des Interviews

Das «schrecklich Bürgerliche» als «Unheil der Menschheit» (Apropos 91)

Bis zum Jahr 3573 (ungefähr), also bis zum Ende des Bewusstseinseelen-Zeitalters, wird die Menschheit den Sozialismus ausgebildet haben, stellte Rudolf Steiner fest (vgl. Apropos 90). Denn «der Sozialismus (ist) die Mission des fünften nachatlantischen Zeitraums». Nach den Erfahrungen der letzten Jahrhunderte stellt sich allerdings die Frage: Was ist Sozialismus?
Sozialismus ist «keine Parteirichtung», sondern ein «Impuls der Menschheitsentwicklung», ein «geschichtliches Symptom», ein – wenn er dereinst voll entfaltet ist – «Instinkt» der Menschen, er ist «eine in der Menschennatur ganz allgemein begründete, immer weiter und weiter greifende Erscheinung in der Menschheit».

Weiterlesen: PDF: Das «schrecklich Bürgerliche» als «Unheil der Menschheit» (Apropos 91)

Europäer November 2013 (Jg 18 / Nr. 01)

Editorial:
Reinkarnation, ernst genommen

Doppelte Unwissenschaftlichkeit der SKA
Thomas Meyer

Die SKA und der Rudolf Steiner Verlag
Irene Diet

Das Jahr als Urbild der Seele
Monica von Mitlitz

Was der Perseus-Kalender bietet
Christin Schaub

Artikelserie 1914-2014
Politische Zukunftskarten
Andreas Bracher

Obelisken als okkulte Symbole
Franz-Jürgen Römmeler

Apropos 91
Boris Bernstein

Jacques Le Rider über Zensur
Ein Interview

Die Bogumilen
Erich Prochnik

Gedanken zu Bildern von Daniel Boillat
Johannes Greiner

Forum

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Reinkarnation, ernst genommen

Wir haben in einer früheren Nummer dieser Zeitschrift  auf den karmischen Hinweis aufmerksam gemacht, den Rudolf Steiner in mündlichen, wohlbezeugten Gesprächen über Richard Wagner und seinen Zusammenhang mit Merlin gemacht hat. Es geschah dies zum Beispiel gegenüber Marie Steiner, im Beisein von Ilona Schubert, einer Eurythmistin der ersten Stunde.*
Diese Angabe ist inzwischen in das allgemeine Kulturleben eingeflossen. Der belgische Intendant und frühere Leiter der «Salzburger Festspiele», Gerard Mortier, sagte in einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 4. Oktober 2013 im Zusammenhang mit der Aufführung von Richard Wagners Oper Tristan und Isolde:
«Aber dann kam, in diesem zweiten Akt, die zweite schönste Stelle, die mich total verzauberte: ‹… dem Land, das Tristan meint, der Sonne Licht nicht scheint›. Später wird dies von Isolde in einer anderen Tonart verklärt. Da verstand ich auf einmal, warum Rudolf Steiner den Wagner eine Reinkarnation von Merlin genannt hatte.»**
Diese ernst-selbstverständliche Bezugnahme auf eine Karma-Angabe Steiners erscheint uns – inmitten mancher hässlicher Anfeindungen, die Wagner in diesem Gedenkjahr zu seinem 200. Geburtstag widerfahren sind – als schönes hoffnungsvolles Zeichen für spirituelle Aufgeschlossenheit, die auch vorhanden ist.

*

Am 13. Oktober weilte die in den USA lebende Schriftstellerin Barbro Karlén in Budapest. Anlass: Die ungarische Übersetzung ihres Buches «…und die Wölfe heulten», in welchem sie u.a ihre Erlebnisse in einer nicht weit zurückliegenden bekannten Inkarnation während des Holocaust verarbeitete.
Dieser bisher schlimmste mitteleuropäische Sturz in den Abgrund kann nur mit großen spirituellen Gesichtspunkten wie den von Reinkarnation und Karma bewältigt werden. Ein Leben wie das von Karlén sollte uns an diese großen Gesichtspunkte gemahnen. Es waren etwa zweihundertfünfzig Teilnehmer zu der durch die anthroposophische Initiative «Peregrinus» in Ispank organisierten Konferenz gekommen. Das Interesse war groß. Wir werden in der Dezembernummer ein Interview veröffentlichen, das im Anschluss an die Konferenz geführt wurde.

Bild_Editorial_webDas Gruppenbild entstand in der Budapester Synagoge.
Es zeigt, dass eine Synagoge neben ihrem eigentlichen Zweck auch der Begegnung von Menschen dienen kann, von denen jeder bereits mindestens einen andern, aber keiner schon alle andern kannte. Es handelt sich (von links nach rechts) um Yehuda K. Tagar, den Gründer des Persephone Institute of Psychophonetics, die Übersetzerin und aktive Europäer-Abonnentin Maria Scherak, den Wiener Anthroposophen Michael Kaiser, den Hauptgast der erwähnten Konferenz, Barbro Karlén, und den alle Leser herzlich grüßenden
Thomas Meyer

* Siehe Der Europäer, Jg. 12, Nr. 2/3, Dez./Jan. 2007/8,  S. 10. Zu finden unter www.perseus.ch

 ** Eine hervorragende Darstellung dieses karmischen Zusammenhangs findet sich in der kleinen, leider vergriffenen Schrift von Friedrich Oberkogler Richard Wagner und Merlin.

Europäer Oktober 2013 (Jg 17 / Nr. 12)

Editorial:
«Universale Werte» – 9/11 und Christian Clements «Verschwörungstheorien»

Vorurteile – Zur historisch-kritischen Steiner-Ausgabe
Marcel Frei

Der verdrehte Rassismus-Begriff
Herbert Ludwig

Spiel und Ernst des Drachensteigen-Lassens
von Charles Kovacs

Das Jahr als Urbild der Tätigkeit der menschlichen Seele
Monica von Miltitz

Artikelserie 1914 – 2014
Das Attentat von Sarajevo und seine Hintergründe
Beiträge von Arthur Graf Polzer-Hoditz, C.G. Harrison und Ludwig Polzer-Hoditz

Apropos 90 – Rudolf Steiner und der Sozialismus
Boris Bernstein

Organtransplantation – Eine kritische Betrachtung
Christin Schaub

Kalender

Zum Leben von Maria und Wilhelm Rath
Benjamin Schmidt

Die Jugendsektion am Goetheanum
Ein Brief von Maria Röschl aus dem Jahre 1931

Karma der Lebensmitte
Imanuel Klotz

Klöster der Zisterzienser
Buchbesprechung: Franz-Jürgen Römmeler

Frage nach dem deutschen Volk
Jens-Peter Manfras

Rätsel

Impressum

Eingeständnis gemeinsamer Überforderung
Steffen Hartmann

Gegensätze und ihre Überwindung
Johannes Greiner

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Europäer Oktober 2013 (Jg. 17 / Nr. 12)

 

 

Rudolf Steiner und der Sozialismus (Apropos 90)

In einer Menschengemeinschaft wird sich «ganz notwendig zu irgendeiner Zeit Elend, Armut und Not» einstellen müssen, «wenn diese Gemeinschaft in irgendeiner Art auf dem Egoismus beruht». Auf diese tiefere Erkenntnis des «Okkultismus» hat Rudolf Steiner eindrücklich hingewiesen (Apropos 89). Ein solcher unsozial wirkender Egoismus ist beispielsweise die heute übliche Auffassung, dass sich Arbeit «lohnen» muss – in dem Sinne, dass man möglichst viel vom Erträgnis seiner Arbeit für sich beanspruchen kann, dass man also für eine Leistung möglichst viel absahnen kann. Denn laut dem vom Okkultismus aufgewiesenen «sozialen Hauptgesetz» darf sich Arbeit in dem Sinne gerade nicht «lohnen»; es lautet: «Das Heil einer Gesamtheit von zusammenarbeitenden Menschen ist um so größer, je weniger der einzelne die Erträgnisse seiner Leistungen für sich beansprucht, das heißt, je mehr er von diesen Erträgnissen an seine Mitarbeiter abgibt, und je mehr seine eigenen Bedürfnisse nicht aus seinen Leistungen, sondern aus den Leistungen der anderen befriedigt werden.» Dieses Gesetz, betont Steiner, «gilt für das soziale Leben mit einer solchen Ausschließlichkeit und Notwendigkeit, wie nur irgendein Naturgesetz in Bezug auf irgendein gewisses Gebiet von Naturwirkungen gilt»! Nun genügt es nicht, wenn man das soziale Hauptgesetz nur als «ein allgemeines moralisches gelten lässt», wirklich wirksam kann es nur werden, wenn die soziale Struktur danach eingerichtet wird; das heißt beispielsweise, «dass für die Mitmenschen arbeiten und ein gewisses Einkommen erzielen zwei voneinander ganz getrennte Dinge seien».

Weiterlesen: PDF: Rudolf Steiner und der Sozialismus (Apropos 90)

«Universale Werte» – 9/11 und Christian Clements «Verschwörungstheorien»

Das Kesseltreiben gegen Assad schaukelt nach wie vor um einen gefährlichen Höhepunkt herum, an dem eine reale Kriegsgefahr besteht. Atomsprengköpfe wurden für den Ernstfall in aller Heimlichkeit von Texas an die Ostküste verlegt. Wenn auch Präsident Obama die Kongress-Abstimmung über eine Militärintervention in seiner Rede an die Nation vom 10. September verschob und der diplomatischen Lösung den Vorzug geben wollte – das mit Lügen angefüllte Pulverfass Syrien bleibt explosiv: Die fortwährenden Behauptungen von Assads «mutmaßlichen» Giftgas-Einsätzen erinnern an die mutmaßlichen «Massenvernichtungswaffen» von Saddam Hussein, deren angebliche Existenz sich als verlogener Kriegsvorwand herausstellte.* Wenn US-Außenminister John Kerry «Beweise» zu besitzen behauptet, so sollte nicht vergessen werden, dass er – wie Bush sr. & jr. – Mitglied von Skull & Bones ist, dem einflussreichen Yale-Club, der gewichtige Machtstrukturen installierte, wie sie für US-Interessen wünschenswert erscheinen. Wer einseitig nach Macht strebt, behandelt die Wahrheit meist als Leichtgewicht, mit dem man spielen kann. 

Die ins Grenzenlose gesteigerte US-Machtarroganz ist nicht zuletzt eine Frucht der Anschläge vom 11. September 2001, genauer gesagt, eine Frucht der naiven Hinnahme der verlogenen «Erklärungen» dieser Anschläge. Ein Lichtblick: In zahlreichen großen US-Städten wurden am 11. September Veranstaltungen abgehalten, die eine Neu-Untersuchung fordern, und Plakate aufgehängt, auf denen zu einem «rethink 9/11» aufgefordert wurde. Selbst die New York Times brachte am 9. 11. einen Hinweis auf die von der privaten Organisation «Architects and Engeneers for 9/11 Truth» (mittlerweile über 2000 Mitglieder) arrangierte Kampagne. Das Plakat zeigte die Schlagzeile: Did you know that a third tower fell on 9/11? Einer Umfrage zufolge bezweifeln 38% der US-Bürger die offiziellen Erklärungen, während 10% sie für komplett unwahr halten. Immerhin!

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Christian Clement von der mormonen-kirchlichen Brigham Young University in Salt Lake City (deren Server einen großen Teil der Rudolf Steiner-GA anbietet) hat nun im frommann-holzboog-Verlag als ersten Band einer 8-bändigen kritischen Rudolf Steiner-Ausgabe Steiners Werke Die Mystik und Das Christentum als mystische Tatsache herausgegeben (siehe die Rezension auf S. 3). Dies geschah «in Kooperation mit dem Rudolf Steiner Verlag», obwohl der Steiner Verlag am editorischen Zustandekommen nicht beteiligt war. Das Vorwort stammt von Alois Haas, einem Mystikforscher, dem die katholische Universität Fribourg den Dr. h.c. der Theologie zuerkannt hatte. Clement führt in seiner Einleitung ein Wort Helmut Zanders an, der die geisteswissenschaftliche Bewegung Steiners als «wichtigste esoterische Gemeinschaft der europäischen Geschichte» bezeichnet – ein irreführend-lobendes Wort, denn Steiner wollte eine Wissenschaft vom Geist begründen.

editorial12_17Wir hatten zu Clement und seinen Aktivitäten bereits im Editorial vom Juli 2012 – zur Zeit der Präsidentschafts-Kandidatur des Mormonen Mitt Romney – berichtet. Wir schlossen das damalige Editorial mit einer durchaus berechtigten Frage: «Anthroposophie und Mormonentum? Eine (…) sich anbahnende neue Allianz? Sie würde jene von Kirche und Anthroposophie› noch in den Schatten stellen.» Diese Bemerkung hat Clement jüngst auf Facebook folgendermaßen kommentiert: «Für Freunde von Verschwörungstheorien: nachdem zuerst Thomas Meyer öffentlich die
kritische Steiner-Edition als Zeichen einer ‹unheiligen Allianz› zwischen Dornach und Salt Lake City gedeutet hat http://www.perseus.ch/archive/3021, hat sich nun auch Willy Lochmann angeschlossen und überbietet Meyer noch an Detailreichtum seiner paranoiden Phantasien (…)» Diesen Eintrag illustrierte Clement mit einer Cover-Fälschung, der das kritische Werk von Charles L. Wood über das Mormonentum zugrunde liegt.

Dass sich der neue kritische Steiner-Herausgeber mit der Universalphrase «Verschwörungstheorien» in solcher Art als Verunglimpfer von Leuten betätigt (inkl. des Autors Wood des abgebildeten Buches!), die ihrerseits kritische Fragen stellen, ist, gelinde gesagt, erstaunlich. Nicht minder erstaunlich ist, dass er die Mysteriendramen Steiners, über die er in der Mormonenuniversität im Jahre 2005 immerhin dissertiert hat**, in einem Aufsatz aus dem Jahre 2011 als «abstruse» bezeichnet.***

Freunde der Geisteswissenschaft Steiners, die sich für deren sachgemäße Ausbreitung in der Welt mitverantwortlich fühlen, sollten sich die sich hier anbahnenden «pro-anthroposophischen Allianzen», die Steiners Werk historisieren, psychologisieren und «kontextualisieren», genau ansehen, bevor sie sie als unbedingten Fortschritt preisen. Nicht nur Kerry’s und Obamas Phrasen gegenüber, auch solchen neueren publizistischen Entwicklungen gegenüber tut geistige Wachheit und Klarheit not. Die Frage ist: Wes Geistes Kind sind sie?

Thomas Meyer

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* Seit dem 5. September begannen die USA nachgewiesenermaßen, an Kämpfer, die sich gegen die syrische Regierung wenden, Waffen zu liefern. Die Obama-Regierung entschied im Juni 2013, die Opposition zu unterstützen. Ungefähr die Hälfte der Rebellen, die gegen die syrische Regierung kämpfen, sind – gemäß einer Studie, die in der zweiten September-Woche durch IHS Jane’s veröffentlicht wurde – extreme Islamisten oder Jihad-Kämpfer mit Verbindungen zu Al Qaida. /The WashingtonPost; CNN.com; RT.com

** Christian Clement, Die Geburt des modernen Mysteriendramas aus dem Geiste Weimars. Zur Aktualität Goethes und Schillers in der Dramaturgie Rudolf Steiners. Logos Verlag Berlin 2007

*** Christian Clement, «Weimars Classicism and Modern Spiritual Drama: Rudolf Steiner’s Theatre of Spiritual Realism, in Weimar Classicism, ed. by D. Galagher, Mellen 2011, p. 135. «Abstruse» heißt nach dem Langenscheidt-Wörterbuch: abstrus, dunkel, schwer verständlich.

Wilhelm Hoerner, Anastasia Romanow und Impressionen aus Bulgarien

Am 13. Juni dieses Jahres ging Wilhelm Hoerner (geb. am 22. Juli 1913) über die Schwelle der geistigen Welt. Hoerner war Priester der Christengemeinschaft.
In seinem ein volles Jahrhundert umspannenden Leben hat er das zweite dramatische Kriegsgeschehen intensiv miterlebt. Im Zweiten Weltkrieg geriet er in Gefangenschaft, in der es auch zu Folterungen kam. Hoerner ist der Schöpfer des den meisten Lesern bekannten Urachhaus-Kalenders. Dieser Kalender sollte u.a. durch die Kennzeichnung von Ereignissen, welche in dem durch Rudolf Steiner erhellten 33-Jahres-Rhythmus (oder einem Mehrfachen davon) verlaufen, die Fähigkeit des «historischen Gewissens» erwecken helfen. Astronomische Daten und verschiedene Kalendarien bereichern den seit bald drei Jahrzehnten existierenden Kalender und machen ihn für Viele zu einem unentbehrlichen Lebensbegleiter.

Warum es neben diesem, durch Hoerner geschaffenen verdienstvollen Kalender noch einen Perseus-Kalender gibt und – wie wir meinen – geben muss, der im September zum zweiten Male erscheint, erklären wir auf S. 26.

In unserer Weltkriegsserie nimmt dieses Mal das Schicksal der Großfürstin Anastasia Romanow einen breiteren Raum ein. Anastasia überlebte die Ermordung der Zarenfamilie im Juli 1919. Obwohl ihre Identität immer wieder bestritten wurde, nicht zuletzt dank eines Gentests, der nicht weniger fragwürdig ist als der im Falle Kaspar Hausers unternommene, gibt es, abgesehen von Anastasias eigenen Äußerungen, eine Reihe von ernst zu nehmenden Zeugen für deren Identität. So zum Beispiel Anna Samweber, welche Anastasia anlässlich von Feierlichkeiten zum 300jährigen Bestehen der Romanow-Dynastie 1914 vor Kriegsausbruch in Odessa gesehen hatte und die sie später wiedererkannte. So auch Monica von Miltitz, welche sie in ihrem Heim auf Schloss Siebeneichen aufnahm und während vieler Monate aus nächster Nähe erlebte.

Miltitz stellte für die Aufnahme Anastasias die Bedingung, dass sie nicht in den Identitäts-Streit hineingezogen würde. Umso größeres Gewicht kommt ihren Aufzeichnungen heute zu, 400 Jahre nach Begründung der Romanow-Dynastie im Jahre 1613. Im Zusammenhang mit dem Weltkriegsthema bedeutend sind u.a. die Äußerungen zu Rasputin, welcher den letzten Zaren Nikolaus II. davor bewahren wollte, Russland in den Krieg zu führen und der deshalb im Dezember 1916 selbst ermordet wurde.

Im Wagnerjahr wirft Marcus Schneider einen Blick auf eine kaum bekannte Beziehung und Korrespondenz Richard Wagners mit dem Bildhauer Gustav Adolph Kietz, der eine Wagner-Büste schuf. Die Erinnerungen von Kietz, aus denen Schneider zitiert, wären wert, wieder aufgelegt zu werden. Sie enthalten eine Reihe von anekdotischen Miniaturen von bleibendem Gehalt.

Wir erlaubten uns, in dem Kasten auf Seite 9 ein paar ebenfalls wenig beachtete Äußerungen über Wagner einzufügen. Sie stammen von Kaiserin Elisabeth, genannt «Sissi», und wurden von ihrem Griechischlehrer Christomanos festgehalten.

Der Bericht von meiner Vortragsreise nach Sofia zur Johannizeit zeigt das Spannungsfeld sich bekämpfender geistiger Tendenzen, in welchem sich Anthroposophie heute zu entfalten hat: Auf der einen Seite starres Festhalten an jedem Wortlaut Rudolf Steiners; auf der anderen Seite ein willkürliches Umdeuten oder Ablehnen seiner Äußerungen. Der Mittelweg liegt darin, manche Worte Steiners «in rechter Weise fortzubilden», wie es im Mysteriendrama Die Prüfung der Seele heißt. Nirgends zeigt sich diese Aufgabe vielleicht deutlicher als im zeitgemäßen Umgang mit den Inhalten der Michaelschule, den sogenannten «Klassenstunden». Möge sie mehr und mehr im michaelischen Sinne gelöst werden.

Thomas Meyer

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